„Vertrauen wagen“ von David Richo

von Redaktion

Wir kommen auf die Welt mit einem gesunden Reservoir an Vertrauen; doch für die meisten Menschen hält das Leben Enttäuschungen bereit, die unser Vertrauen erschüttern. David Richos Buch „Vertrauen wagen“ beschäftigt sich mit vier Arten oder Richtungen des Vertrauens: Vertrauen auf uns selbst, auf andere, auf die Wirklichkeit und auf eine höhere Macht oder einen spirituellen Weg.

Detailliert geht der Psychotherapeut David Richo das komplexe Thema Vertrauen an und kombiniert seine Erkenntnisse mit Übungen und praktischen Anleitungen. Der Autor entwickelt den Begriff Vertrauens-IQ, der uns befähigt, zwischen „intelligentem Misstrauen“ und Vertrauensseeligkeit zu unterscheiden. In der aktuellen politischen Lage liest man häufig vom Misstrauen in die Politik und die Politiker. Dieses mangelnde Vertrauen wird jedoch gespeist von den enttäuschenden Erfahrungen mit Mitmenschen: Menschen, von denen wir glaubten, sie hätten unser Vertrauen verdient, haben uns enttäuscht.

Um das Vertrauen nicht zu schnell zu verlieren, braucht es eine gesunde Basis, eine starke Fähigkeit zu unterscheiden, und diese wird frßh im Leben angelegt. Richo weist darauf hin, dass es tatsächlich genetische Faktoren gibt, die zur Folge haben kÜnnen, dass wir schon mit einer reduzierten Vertrauensfähigkeit auf die Welt kommen. Doch die Regel ist, dass ein Kind ßber liebevolle Berßhrungen Vertrauen lernt: Unsere elementaren Bedßrfnisse nach Liebe, Wärme, Nahrung und Schutz werden erfßllt. Glßcklicherweise benÜtigen wir als Erwachsene nicht so viel Sicherheit und Geborgenheit wie als Kinder und lernen, dass wir die Erfßllung unserer Bedßrfnisse in uns selbst finden kÜnnen. Ein weiterer wesentlich wichtigerer Aspekt ist unser Bedßrfnis nach wechselseitiger Liebe und persÜnlicher Erfßllung.

David Richo lässt durch Übungen zu unseren Bedürfnissen erkennen, wo unsere Verletzlichkeiten liegen, und  geht ausführlich auf die Qualität von Bindungen ein. Eine Gegenüberstellung von kindlichem Vertrauen zu erwachsenem Vertrauen zeigt den Lernprozess, dem wir uns unterziehen, und die damit einhergehenden Frustrationen.

Uns selbst zu vertrauen bedeutet, dass wir die Kontrolle loslassen und zur MÜglichkeit von Enttäuschung ja sagen. Richos fßnf Aspekte der Liebe zeigen einen Weg auf, gesunde Beziehungen mit einem gesunden Vertrauen aufzubauen. Eine Tabelle mit der Gegenßberstellung von Vertrauen zu Vertrauenswßrdigkeit macht das schwierige Thema leicht nachvollziehbar und mßndet in eine Liste positiver Eigenschaften, die erkennen lassen, ob ein Mensch Vertrauen verdient hat.

Vertrauenswßrdigkeit bedeutet, dass jemand Vertrauen verdient, jenes Vertrauen, das unser erstes Bedßrfnis im Leben ist. Ob andere Menschen vertrauenswßrdig sind, ist vielleicht zu unserer schlimmsten Angst geworden. Deshalb widmet sich der Autor besonders im Kapitel, wie verlorenes Vertrauen wiedergewonnen werden kann, intensiv mit den vielfältigen Facetten zum Wiederaufbau. Wer kein Opfer mehr sein will und selbstbestimmt und angstfrei leben mÜchte, findet in David Richos Buch viel fundierten Lesestoff zum positiven Umgang mit uns selbst und wird ermutigt, Vertrauen wieder neu zu wagen.
Eine Rezension von Doris Iding

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Gebundene Ausgabe: 200 Seiten, inklusive CD mit geleiteten Meditationen
Verlag:
Windpferd Verlag 2012
Sprache:
Deutsch
ISBN-10:
3864100054
ISBN-13:
978-3864100055

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1 Kommentar

German JaCobi 5. Oktober 2012 - 18:38

Um anderen vertrauen zu kĂśnnen, sollte man zuerst mal sich selbst vertrauen. Damit das mĂśglich wird, sollte man erst mal grĂźndlich mißtrauisch werden gegen sich selbst. Unser Hirn ist nämlich eine raffinierte Trickkiste, die uns mit den unglaublichsten Selbsttäuschungen narrt. Und aus diesen entwickeln sich Denkfehler, GrĂźnde fĂźr andere, uns zu mißtrauen …

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