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MYSTICA RezensionBuchvorstellung „Aufwachen im 21. Jahrhundert“ – Christian Meyer (Rezension)

„Aufwachen im 21. Jahrhundert“ – Christian Meyer (Rezension)

von Thomas

MeyerCoverIn seinem Buch weist Christian Meyer, Diplompsychologe, Psychotherapeut und spiritueller Lehrer, auf einen Weg, der zur Wahrnehmung von innerem Frieden, von Stille und Leere führen kann. Immer mehr Menschen in Daueranspannung sehnen sich nach einem Abschalten Können und innerlich zur Ruhe Kommen. Um sich diesen Qualitäten zu nähern, geht es zunächst darum, verschiedene Wahrnehmungsbereiche, die untereinander angeordnet zu sein scheinen, zu unterscheiden:

Da ist die Ebene der Gedanken, oft verknüpft mit der Erfahrung eines permanenten Gedankenstroms. Darunter erscheint die Ebene der Körperwahrnehmung mit Erfahrungen wie Unruhe, Ruhe, Anspannung, Gelöst sein, Atembeklemmungen oder Blockaden.

Darunter ist die Ebene der Gefühle – angenehme wie Freude, Sehnsucht, Begeisterung und unangenehme wie Ärger, Zorn, Traurigkeit, Verzweiflung, Angst. Wir sind bemüht und haben auch gelernt, unangenehme Gefühle zu vermeiden, ihnen auszuweichen, sie zu unterdrücken oder uns abzulenken, um sie nicht wahrzunehmen. Vermeintlich sind es diese Gefühle, die uns davon abhalten, glücklich und im Frieden zu sein.

Andreas Knuf weist in seinem Artikel: Die Psychotherapie lernt fühlen (Psychologie Heute. Dez. 2014) auf die katastrophalen Auswirkungen einer Psychotherapie hin, die den Bereich der Gefühle ausklammert. Er beschreibt, wie wichtig es ist, Gefühlen wie Ärger, Traurigkeit, Schmerz und Angst Raum zu geben statt sie zu unterdrücken oder nicht zu beachten.

Christian Meyer vertieft diesen Aspekt: „Die Gefühle loslassen bedeutet, nichts mit ihnen zu tun. Die Gedanken loslassen bedeutet, sie nicht zu glauben und ihnen keine Beachtung mehr zu schenken. Den Körper loslassen bedeutet, alles, was du spürst, zu spüren und nichts damit zu tun.“

Dabei geht es darum, zu entdecken, welche neuen tieferen Bewusstseinsebenen unter der gewohnten mentalen Aktivität auftauchen, wenn alles da sein darf, sowie es sich gerade zeigt und wenn der Gedankenstrom zur Ruhe kommt. Doch welcher Weg führt dorthin?

„Die sieben Schritte zum Aufwachen“ (Kapitel 2) geben eine klare Anleitung :
Schritt 1: Die Wünsche und Ziele erkennen
Schritt 2: Die Bereitwilligkeit, alles zu fühlen und zu erfahren
Schritt 3: Die Position des Zuschauers/der Zuschauerin
Schritt 4: Die Muster deines Lebens verstehen
Schritt 5: Die Identifikation mit dem Körper beenden und den Körper durchlässig werden lassen.
Schritt 6: Die Vergangenheit beenden
Schritt 7: Dem Tod und der Angst begegnen

Weiter können Fragen wie: „Was fühle und erfahre ich jetzt?“, oder: „Wessen bin ich mir jetzt bewusst?“ dazu einladen, sich von dem Beobachteten und Wahrgenommenen erfassen zu lassen. Dabei geht es darum, sich der Erfahrung der Gefühle zu öffnen, sie kennenzulernen, ihnen Raum zu geben, auch wenn es schmerzt, statt sich durch Gedanken, darüber Sprechen, Erklärungen oder Aktivitäten vom Erleben der Gefühle weg zu bringen: “Indem Du loslässt, fällst du in diese Erfahrung, in dieses Gefühl hinein.(…) Die Angst loslassen bedeutet, dass sie da sein darf und du nichts mit ihr machst. Dann ist sie da, dann durchströmt sie dich, durchfließt dich, bringt dich vielleicht in Aufruhr, das Herz schlägt schneller, der Atem verstärkt sich und du tust gar nichts damit. Das bedeutet die Gefühle loslassen.“

Gleichgültig, ob da Gefühle wie Ärger, Zorn, Unmut, Ungeduld, Traurigkeit, Verzweiflung oder Angst auftauchen, wenn das Gefühl Raum einnehmen durfte, ist es in ein oder zwei Minuten „verbrannt“ und ermöglicht dem Wahrnehmenden eine sich mit jedem bewussten Wahrnehmungsprozess vertiefende Entspanntheit verbunden mit einer zunehmenden und sich ausbreitenden Qualität von innerem Frieden, Gedankenleere oder Stille.

Gleichzeitig erlaubt diese Herangehensweise dem Körper, langjährige Informationsmuster in Form von Körperverspannungen loszulassen, denn die inneren Prozesse unseres Bewusstseins sind die Impulsgeber für jegliche körperliche Reaktion. Menschen in gedanklicher Daueranspannung oder im Dauerstress aktivieren permanent das vegetative System, um im Sinne von Kampf oder Flucht über Botenstoffe wie Adrenalin, Noradrenalin, Cortisol (vermeintlichen) Gefahren adäquat zu begegnen: War es früher der Bär, dem man entkommen musste oder den es zu erlegen galt, wird heute der Stau auf der Autobahn, der verpasste Zug, der kritisierende Chef zu dieser Gefahrensituation. Das Gedankenkino im Kopf hat gelernt, die Kontrolle zu übernehmen: „Was passiert, wenn ich zu spät komme?“ oder: „Dem werde ich es morgen aber zeigen!“

Jeder mit Sorge/Angst oder Wut/Ärger verbundene Gedanke hat eine körperliche Reaktion als Flucht oder Kampfmechanismus zur Folge mit der entsprechenden zellulären und hormonalen Aktivierung der Stressachse.

Zu Beginn des im Buches dargestellten Erfahrungsweges mag es beschwerlich erscheinen, dem Gedankenstrom zu entkommen und den Gefühlen gleichsam freundlich den Raum zu öffnen, doch mit zunehmendem Üben vertieft sich der neuronale Pfad, der aus der Breite in tiefere Dimensionen des Bewusstseins führt. Es empfiehlt sich, regelmäßig Zeiten von Stille in den Tagesablauf einzuplanen, da das limbische Regulationssystem in dieser Zeit entspannen kann: „Wenn all das da sein darf, ist da Frieden. Es ist wirklich eine reale, unmittelbare und gegenwärtige Möglichkeit, Frieden zu finden.“

Das Buch zeichnet sich aus durch eine verständliche und lebendige Vermittlung psychologischer und spiritueller Sachverhalte. Es spricht sowohl den psychologisch Interessierten wie auch den spirituell Suchenden an. Neben den beeindruckend sachkundigen und von einem tiefgehenden Erfahrungshintergrund zeugenden Erläuterungen des Verfassers finden sich Übungen und Anleitungen, Erfahrungsberichte von Menschen, die den Weg gegangen sind sowie Mitschnitte von Wochenendseminaren. Das Buch eignet sich sowohl zum Durchlesen wie auch zum Nachschlagen oder als Impulsgeber im Alltag. Es bleibt zu wünschen, dass die Vermittlung dieses Weges zum Wohl und Nutzen von immer mehr Menschen ihren Weg in die Gesellschaft findet.

Eine Rezension von Patricia Lüning-Klemm, www.patricia-luening.de


Infos zum Buch:


Christian Meyer: „Aufwachen im 21. Jahrhundert: Die größte Herausforderung deines Lebens
Verlag: J. Kamphausen, 2014
Umfang: 280 Seiten
ISBN: 978-3899018707
Preis: 19,95 €

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1 Kommentar

Uschi 22. April 2016 - 08:30

Wir sind nicht auf der Welt um anderen Menschen zu gefallen…

Ein jeder hat seinen eigenen Lernprozess zu erledigen!

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