Medienarbeit im Kapitalismus – Wolf Schneider

von Thomas
SugataText

© Susann Städter / photocase.com

Auch eine Zeitschrift hat ein Eigenleben, eine Identität, einen Geist, fast wie ein Mensch. Und sie ist eine Ware, die sich auf einem Markt bewegt. Dort gibt und empfängt sie: Ideen, Meme, Eigenschaften. Dort hat sie Erfolg oder scheitert, meist beides und wird von beidem geprägt – ein Wesen mit Charakter, eine Persönlichkeit. Hier erzählt der Verleger aus der Geschichte dieser Persönlichkeit und Handelsware. Aus der Zeit, in der sie gestaltet wurde, und die sie mitgestaltet hat – und entwirft eine Zukunft.

von Wolf Schneider

Was die Zeitschrift Connection war, was sie ist, was sie sein kann

Ist es nicht merkwürdig, dass wir uns ein Ende der Welt – eine Welt, in der sich die Menschheit selbst vernichtet hat – leichter vorstellen können als ein Ende des Kapitalismus? Wir sind gebannt von der Gesellschaft, in der wir leben. Insbesondere von der hier geltenden Wirtschaftsordnung, sie prägt unser Denken und Fühlen. Diese Gesellschafts- und Wirtschaftsform erscheint uns als ganz normal, fast so wie die Tatsache, dass alles, was wir hochwerfen auch wieder runterfällt. Alternativen? Kann man sich kaum mehr vorstellen. Fast jede Region der Welt hat dieses System sich inzwischen gefügig gemacht. Oder gibt es irgendwo noch eine Insel, deren Boden man nicht kaufen kann, weil Boden heilig ist?


Die Weltgesellschaft

Zu allen Zeiten der Menschheitsgeschichte hatte es sehr verschiedene Gesellschaften gegeben, die sich zum Teil krass voneinander unterschieden. Für Reisende gab es Alternativen. Heute gibt es nur noch eine, die globale Weltgesellschaft mit ihrer neoliberalen Wirschaftsordnung. Sie hält den freien, möglichst unregulierten Verkehr der Waren und des Kapitals für eine Bedingung jedweden menschlichen Wohlstands.

Nur noch Nordkorea tickt in der Hinsicht anders, ein ruiniertes Land. Kein Mensch will dorthin, nur fliehen wollen die Menschen von dort. Wie leicht ist es da für die Vertreter unserer Weltordnung zu sagen: Wenn dir unser System nicht gefällt, dann schau doch mal nach Nordkorea – willst du das? Auch Cuba ist inzwischen unterwegs, zu dem zu werden, was die Global Player auf den expansionshungrigen Weltmärkten sich wünschen: freie Kapitalbewegungen, freier Handel, offene Grenzen für alle Waren, offen für das Zehntel der Menschheit, das genug Geld hat, sich das Reisen leisten zu können.


Alternativlos?

Ein System, das so weltumfassend ist wie das unsere, erscheint uns als alternativlos. Geld muss »arbeiten«, Kapital sich bewegen dürfen, und Firmen muss erlaubt sein, dorthin zu ziehen, wo die Steuern niedrig sind, das erscheint uns so normal wie das Blau eines wolkenlosen Himmels, oder dass Käfer sechs Beine haben und nicht vier. So ist es eben. Die Nutznießer dieses Systems brauchen ihre Kritker nicht mehr zum Verstummen zu bringen, die Massen halten es ja selbst für alternativlos. So kann sich diese Wirtschaftsordnung sogar noch demokratisch legitimieren, denn die von den weltweit recht ähnlichem TV-Sendern in ihren Fernsehsesseln in gläubige Trance versetzten Massen werden es bestätigen und Abweichler entweder für blauäugige Spinner halten oder für gefährliche Extremisten.

»Unsichtbar macht sich die Dummheit, indem sie sehr große Ausmaße annimmt«, hatte Bertold Brecht dazu einst gesagt, und er meinte damit nicht nur das Wirtschaftsystem. Es gibt viele Dummheiten heute, auch außerhalb der Wirtschaft, die so große Ausmaße angenommen haben, dass man sie nicht mehr sieht.

Der Verständlichkeit und Anschaulichkeit zuliebe möchte in diesem Artikel auch einiges aus meinem Leben erzählen. Das macht die Behauptungen verständlicher, die ich hier aufstelle – über das Geben und Empfangen, den Umgang mit Geld, das Verschenken von Arbeitszeit, die Suche nach Sinn und Erfüllung und nach einer Freiheit vom bloß Wirtschaftlichen – umso mehr, als dieser Artikel für einen Zeitschriftenartikel ungewöhnlich lang ist.


Aussteigerleben

Als ich 1985 mit dieser Zeitschrift begann, hatte ich viele Jahre lang unentgeltlich in alternativen Projekten mitgearbeitet, in Therapie- und Meditationszentren, Stadt- und Landkommunen, in einem Zentrum ausgestiegener Künstler auf dem Land in Italien und in einem Ökostadtprojekt in den USA. Eines dieser Zentren hatte ich selbst gegründet, andere hatte ich bei ihrer Aufbauarbeit unterstützt, sie als Coach beraten oder einfach mit meinen Händen mitgearbeitet.

Uns Aussteigern war klar, dass wir anders leben wollten als die »in der Gesellschaft«, und dass wir für die Möglichkeit so leben zu können unter Umständen hart arbeiten mussten. Drei Monate konzentriertes Büffeln im Winter 1979 hatten mir den Taxischein für München gebracht, damit konnte ich von meinen Reisen immer wieder nach München zurückkehren und ein paar Schichten fahren, um in ein paar Tagen, Nächten, Wochen oder Monaten wieder genug Geld zu haben für meine »alternative Lebensweise«, mein Aussteigerleben, in dem ich meine Arbeitskraft und meine Ideen jeweils dem Projekt schenkte.


Berufung und Beruf

Arbeiten, um Geld zu verdienen, das war auch für mich das eine; meiner Berufung zu folgen das andere. Für die meisten Menschen ist das Leben in ähnlicher Hinsicht gespalten in das, was sie tun müssen und das, was sie tun wollen. In die Arbeit, mit der man sich den Lebensunterhalt verdient, und die Freizeit oder Zeit in der Famile und unter Freunden, wo man macht, was man gerne tut. Obwohl ich meine Arbeit als Taxifahrer mochte – für mich war sie keine Maloche, sondern hatte immer auch einen Aspekt von Abenteuer – war dieses in Pflicht und Kür, Wollen und Müssen gespaltene Leben auch lange Zeit die Regel. Für die meisten Menschen ist diese Gespaltenheit ein Arbeitsleben lang der Normalzustand.

Mit der Gründung der Zeitschrift Connection im Jahr 1985 war für mich die Möglichkeit entstanden, diese Spaltung aufzuheben und »meine Berufung zum Beruf« zu machen.


Eine Zeitschrift entsteht

Die Zeitschrift, von der du jetzt einen der Artikel liest, entstand aus einer Laune heraus im Winter 1984/85 am Küchentisch einer Münchner WG. Weil man für sowas eine Rechtsform braucht, gründeten wir einen Verein. Aber welche kreativer Abenteurer will schon einen Verein verwalten? Weil kein anderer den Job wollte und wir ihn doch brauchten, ließ ich mich von diesem e.V. zum Vorstand wählen. Ein Jahr später hatte das Projekt etwas größere Ausmaße angenommen, ich wandelte es deshalb in eine Einzelfirma um, die war leichter zu handhaben als das Verwalten eines Vereins. Außerdem machten wir Minus, jemand musste die Verluste tragen, als Inhaber des Verlages konnte ich das Konto mit ein paar Taxischichten wieder auffüllen. Bald bekam ich bei meiner Hausbank sogar, trotz vorgelegter fragwürdiger Bilanzen und dem Fehlen jeglicher Sicherheiten 70.000 DM Überziehungskedit – ein Märchen aus einer anderen Zeit.

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Aufbauarbeit

Meine Arbeit tat ich gerne, obwohl immer viel zu tun war und das Geld immer knapp. Als Taxifahrer gelang mir das Geldverdienen vergleichsweise leicht, da hatte ich immer genug und konnte viel verschenken. Als Zeitschriften-Unternehmer aber war es knapp. Verschenken ging nun nicht mehr, ich musste streng haushalten, und meine eigene Arbeit war so gut wie unbezahlt. Das kannte ich ja von den anderen Projekten her: Aufbauarbeit ist spannend und kann sehr erfüllend sein, aber einen Gewinn gibt es dabei in der Regel vorerst nicht. In den Jahren 1986 bis 88 unternahm ich nach der Verlagsgründung einen zweiten Schritt ins Risiko: nicht mehr Taxifahren, nur noch fürs Büro da sein. Das Minus, das wir erwirtschafteten, sollte nun nicht mehr durch meine Taxischichten gedeckt werden, sondern meine 70-Stunden-Woche im Büro sollte die Wende bringen von den roten in die schwarzen Zahlen.

Trotz meiner Erfahrung mit den alternativen Zentren und Gemeinschaften, wo den Mitarbeitern kein Geld oder nur ein Taschengeld gezahlt wurde, dachte ich, dass ich das mit meinem Verlag würde anders machen können. Es sei vor allem eine Frage des guten Willens, glaubte ich, zweitens der richtigen Unternehmensführung, dann würde das schon klappen. Beides erwies sich als falsch. Den Willen hatte ich – andere fanden, dass ich damit sogar in Überdosis gesegnet bzw. verflucht sei. Und das Management, dafür setzte ich Leute ein, die es eigentlich können müssten, wurde aber nach diversen Enttäuschungen immer wieder auf mich selbst zurückgeworfen und führte den Verlag dann geschäftlich selbst, in Personalunion mit der inhaltlichen Leitung.

Mein Fazit nach diesen langen Jahren des Ringens um einen wirtschaftlichen Erfolg: Schuld an den roten Zahlen ist nicht immer die Person und die Art der Führung, sondern eine inhaltlich unabhängige Zeitschrift, die eine neue Art des Daseins darstellt – sowohl innerlich im Verhältnis zum Menschen selbst, wie äußerlich, was die Gesellschaft anbelangt – ist ohne eine Menge Eigenkapital, exzellente Connections in der Branche und ausreichend viel geschenkte Mitarbeit, bei uns »Ehrenamt« genannt, nicht zu machen.


Esosprüche frei Haus

Connection hat mir erlaubt zu tun, was ich wollte: Ich durfte die Koryphäen der spirituellen Szene interviewen, unentgeltlich ihre Methoden kennenlernen und über sie berichten. Ich durfte über jedes Thema, das mir einfiel, schreiben und zwar was ich wollte, begrenzt nur durch die »Abstimmung mit den Füßen« seitens meiner Kunden. Was für eine enorme geistige Freiheit! Eher unfrei hingegen war meine materielle Lage. Vertrauensvorschüsse ließen mich anfangs tendenziell spendabel sein mit dem Geld, was Werbekosten und die Bezahlung von Mitarbeitern anbelangte. Im Lauf der Zeit wurde ich damit aber immer genauer und strenger. Nur ein ein extrem frugales Kostenmanagement konnte schließlich den Verlag über Wasser halten.

»Gib mit vollen Händen aus, dann wird ebensolche Fülle zu dir zurückfließen« – beschenkt mit solchen Esosprüchen war ich anfangs tatsächlich eher spendabel, sehr zum Schaden meines Verlages. In Sachen Resonanzprinzip bin ich inzwischen vom vermutlich, was Reichtumsbewusstsein anbelangt, bestgecoachten Manager der Szene zum schärfsten Kritiker dieser Eso-Klamotte geworden: Dieses sogenannte »Gesetz« ist nicht nur dumm, sondern höchst gefährlich und beweist wieder einmal, dass Halbwissen viel schlimmer sein kann als völliges Unwissen.


Erwachsen werden

Nach wiederholter leichtsinniger Befolgung solcher Eso-Sprüche brauchte die Sanierung jeweils Zeit, Geduld, neues Vertrauen und immer wieder die Fähigkeit, nach einem Scheitern neu aufzustehen. Durch unsere Geldknappheit fehlte es außerdem an Profis für die einzelnen Aufgaben. Versuche, mit gutbezahlten Fachleuten eine Wende zu erzielen, scheiterten. Werbung war nicht bezahlbar, und auf dem Zeitschriftenmarkt hatte ich Konkurrenten, die im Gegensatz zu mir mit Kapital oder Knowhow eingestiegen waren – oder mit beidem. Ich selbst hatte anfangs keins von beidem, später nur noch kein Geld.

Alles in allem also eine harte Schulung sowohl im Umgang mit Geld als auch den den Umgang mit Menschen, von denen man wirtschaftlich abhängt. Der leichtfüßige Spiri, der 1985 dieses Projekt mit fröhlichen Osho-Sprüchen wie »Celebrate your life« und »Sei wie eine Fackel, die von beiden Seiten brennt« begonnen hatte, wurde allmählich erwachsen.


Spirituelle Entwicklung

Auch wenn die Ökonomie mich meist mehr beschäftigt hielt als die spirituellen Inhalte, lernte ich auch in Bezug auf die Inhalte. Es hat ja alles, was wir da geistig oder spirituell tun, auch seine materielle und ökonomische Seite. Sich als spiritueller Lehrer zu etablieren, braucht Einsicht, Mut, Menschenkenntnis und dann eben auch ein Verständnis für die wirtschaftlichen Fragen einer Existenzgründung. Auch wenn viele spirituelle Lehrer, Therapeuten, Channelmedien und andere Vermittler so tun, als sei es irgendwie von Energien bewirkt, ohne ihr Zutun, oder quasi von göttlicher Hand gesteuert oder gar ein Folge ihres intensiven Wünschens, dass sie nun eine Schülerschaft um sich haben und von deren Verehrung ihren Lebensunterhalt bestreiten können.
Zeitschriftenmacher ebenso wie Seminarhausinhaber jedenfalls bekommen auch die ökonomische Seite des spirituellen Geschehens mit, den Alltag der Referenten und Lehrer nach der Show. Oft zeigt sich erst bei der finanziellen Abrechnung mit der geschätzten Koryphäe, wie es charakterlich um ihn oder sie bestellt ist; die Manager der Szene können da in der Regel von einigen ernüchternden Erfahrungen berichten.


Stufenweg

Einen Bereich möchte ich hierbei besonders herausgreifen, auf dem sich in den diversen spirituellen Subkulturen zur Zeit viel bewegt. Das ist die Einsicht in die Tatsache eines Stufenwegs, oder jedenfalls die Realität und Notwendigkeit einer Entwicklung, wie stufenlos oder gestuft diese auch immer im Einzelfall sein mag. Eine typische Stufe ist für einen spirituellen Sucher erreicht, wenn er seine ersten tiefen Einheitserfahrungen gemacht hat, die ihm zeigen: Es ist alles in ihm. Es kommt auf die Haltung an, auf die Einstellung zur Welt, nicht so sehr auf die Außenwelt. Ich bin ein Teil von allem, ich gehöre zur Welt, meine Getrenntheit ist eine Illusion.
Auf dieser Stufe zu denken: »Das ist es! Ich hab’s! Das ist die Erleuchtung!« ist eigentlich ganz normal. Wer von uns hätte sich nicht schon mal für erleuchtet oder erwacht gehalten? Wobei ich hier die Idee meine, dass die eigenen Wünsche die Realität erschaffen, die man erlebt – dieser Idee anzuhängen kann euphorieren, aber das ist noch kein Erwachen. Das wirkliche (erste) Erwachen, das Hinausfallen aus der Illusion eines festen Ichs, ob du das tiefe Einsicht nennst, Weisheit, Hingabe ans Göttliche oder an die bedingungslose Liebe. Wie auch immer du es nennst: Dies aus eigener Erfahrung zu kennen und nicht nur aus Büchern oder Filmen, ist eine wunderbare Sache. Aber es ist noch nicht das Ende des Weges.

Was dann kommt, auch das haben viele spirituelle Lehrer deutlich zur Sprache gebracht. Auf den diversen Advaita-Konferezen ist dies zur Zeit das Mega-Thema. Torsten Brügge hat mit seinen Erläuterungen hierzu in Connection 1-2/14 auf den Seiten 62 bis 65, und an anderen Stellen auf connection.de, viel zur Klärung beigetragen. Ich will diesen vielen guten Erklärungen zu den »Fallen auf dem Weg« hier nur einen Gedanken hinzufügen, der mir selbst einiges erhellt hat. Er betrifft den Unterschied zwischen den Literaturgattungen fact und fiction; auf Deutsch Sachbuch und Belletristik; in der Filmkunst Doku und Spielfilm.


Fakt und Fiktion

Das sind zwei Arten Wirklichkeit darzustellen. Es ist nicht etwa so, wie ich früher dachte, dass Fakten die Wirklichkeit darstellen, wie sie ist, während Fiktionen Einbildungen, Träumereien oder Fantasien sind, jedenfalls keine Abbildungen von Wirklichkeit. Es sind jedoch beide Arten der Darstellung des Wirklichen Annäherungen an das, was tatsachlich der Fall ist, an die Wahrheit oder Wirklichkeit – und zwar zwei fundamental verschiedene Arten. Und die Personen, für die wir uns halten, die Individuen, die wir zu sein glauben, sind in ähnlicher Weise Fiktionen wie die Charaktere unserer schöngeistigen Literaturen und Spielfilme. Auch wir selbst, unsere Persönlichkeiten, sind fiktive Gestalten, sowas wie Odysseus, Hamlet oder Pippi Langstrumpf.
Diese Einsicht macht es mir leicht, nun kein Ego mehr zu verunglimpfen oder mich davon distanzieren zu müssen, sondern ich betrachte nun jedwede Person, die ein Mensch »darstellt«, als Fiktion. Jede Person tut so, als ob sie jemand sei. Als solche hat sie Wirkung, schafft also Wirklichkeit. Die Personen (hier nicht von »Persönlichkeit« oder »Charakter« unterschieden) sind Figuren auf der Bühne des Lebens – inszenierbar, gestaltbar und von der Umwelt interaktiv beeinflussbar. Ich halte das für einen Gedanken, der Kunst&Literatur, Geistes- und Naturwissenschaft an diesem Punkt des Ich bzw. der Persönlichkeit zusammenführen kann, an dem sich alle drei doch bisher heftig bekämpfen.


Ist Ehrenamt ein Schattenthema?

Ich hab für unsere Jan-Feb Ausgabe 2014 in der spirituellen Szene rumgefragt, wer mir zum Thema der geschenkten Arbeitskraft was sagen oder schreiben könnte. Sonst werde ich immer mit Texten bestürmt, fast immer habe ich viel mehr Stoff, als ich unterbringen kann. Textakquise brauche ich deshalb normalerweise nicht zu machen. Diesmal aber tröpfelte es nur spärlich rein. Die drei vom TAU in Wien lieferten mir einen Text mit sehr schönen Bilder (im Heft auf den Seiten 34 bis 36). Von drei anderen Projekten, mit deren Machern ich gut befreundet bin, kam jedoch nichts. Warum diese Scheu? Ist uns das Scheitern bei dem Wunsch, die Mitarbeiter unserer so hoffnungsvollen Projekte marktüblich zu bezahlen, denn peinlich? Ein Schattenthema, das bedeutsam ist, aber aus Furcht vor Verurteilung vermieden und verdrängt wird? Den Journalisten in mir macht das nur noch neugieriger. Der möchte hier weiterfragen, recherchieren und reinspringen in die vorhandenen Fettnäpfchen, denn dort scheinen ein paar Schätze vergraben zu liegen: Wahrheit, Erkenntnis, Freiheit.

Wie peinlich ist es doch, Geldmangel eingestehen zu müssen, wenn man sich selbst für reichtumsbewusst hält und das Mangeldenken längst überwunden zu haben glaubt. Als Hintergrundmusik zu dieser Peinlichkeit posaunt der Mainstream seit Jahren die Leitmelodie hinaus, dass man sich mit Esoterik »eine goldene Nase« verdienen könne – immer wieder diese selbe Phrase, in den Boulevardzeitungen ebenso wie im Fernsehen. Das könnte einer der Gründe sein, warum Menschen, die »spirituell alternativ« unterwegs sind, oft nur schamhaft zugeben, dass sie damit kein Geld verdienen. Zudem sagt ihre Philosophie ihnen doch mit Sprüchen wie »Die Wirklichkeit, die du erlebst, hast du dir durch deine Glaubenssätze selbst erschaffen«, dass es an ihnen liegt, wenn sie scheitern, nicht an der Gesellschaft. Wenn sie es nicht schaffen, haben sie ihre Übungen nicht gut genug gemacht oder haben nicht intensiv genug daran geglaubt, dass es gelingen wird – und hätten damit also guten Grund für Scham und Schuldgefühle.


Ein »richtiger« Verlag?

Als ich Connection begann, wollte ich »einen richtigen Verlag« aufbauen, und nicht so ein Zuschuss-Unternehmen, wie ich sie in der Spiri-Szene haufenweise kennengelernt hatte – ein Projekt, das immer wieder Zuschüsse von Geld oder unbezahlter Arbeitskraft braucht. Damit bin gescheitert. Ökonomisch gescheitert, in gewisser Hinsicht auch sozial. Die Marke hat zwar überlebt – bisher. Aber das Konzept muss ich nun vorerst begraben. Connection wird als selbständiger Verlag nur dann eigenständig weiterleben können, wenn sie mehr als bisher von geschenkter Arbeit lebt. Dazu gleich mehr.


Von 80:20 zu 20:80

Doch zunächst eine Beobachtung, die in sehr allgemeiner Weise auf fast alle heutigen Produkte zutrifft. Für die meisten heutigen Waren haben sich die Märkte vergrößert. Wer früher auf den Dorffesten sang oder Gitarre spielte und dort noch relativ leicht Bewunderung einheimste, muss sich heute mit Liedern und Musikstücken des Weltmarktes vergleichen lassen, stellt sich also einem mehr als millionenfach vergrößertem Markt mit entsprechend größerer Konkurrenz. Das zwingt zu einem völlig anderen Verhalten als früher. Je größer der Markt, desto spezieller und spezialisierter muss das Produkt sein, und umso großer der Anteil der Ressourcen, der in die Vermarktung gesteckt werden muss im Vergleich zu dem, der für die Erstellung des Produktes vorhanden ist.

Die vergrößerten Märkte zwingen uns zur Verschiebung der Ressourcen von der Produktion in Richtung Marketing, was sich negatv auf die Qualität auswirkt. Wer früher 80 Prozent seiner Ressourcen in das Produkt stehen konnte, das er dann auf den Wochenmarkt trug, um es zu verkaufen, muss das Prinzip heute umkehren und mindestens 80 Prozent in die Vermarktung stecken, das heißt in den Aufwand, der für einen Verkaufserfolg nötig ist. Es bleiben also nur noch höchstens 20 Prozent der geistigen und materiellen Ressourcen für die Erstellung des Produktes. Der Rest gilt dem Design und Anfertigen der Verpackung, dem Finden eines geeigneten Produktnamens und Logos, einer eingängigen Werbebotschaft und Entwicklung der Werbestrategie bis hin zu den diversen Vertriebsförderungsmaßnahmen, die natürlich eine genaue Zielgruppenrecherche voraussetzen. Die Folge ist eine Verminderung der Produktqualität, denn ihre Anpreisung und Vermarktung verlangt einen immer größeren Anteil der vorhandenen Ressourcen an Kapital, Zeit und Kreativität. Und das alles gilt auch für Bücher und Zeitschriften. Wer das nicht beachtet, verschwindet vom Markt.


Unser Gott ist der Markt

Einen höheren Anteil der Ressourcen für Marketing zu verwenden auf Kosten der Qualität kommt für mich nicht in Frage. Connection gilt jetzt unter Fachleuten als »beste transkonfessionell-spirituelle Zeitschrift auf deutsch«. Eine Portion Zweifel bei solchem gerne gehörten Lob bewahre ich mir indes und sage lieber: Connection gehört vermutlich in ihrem Themenbereich zu den qualitativ besten Zeitschriften. Mir fallen da nämlich noch ein paar andere ein: die in Wien erscheinde Zeitschrift »Ursache & Wirkung« gehört beispielsweise dazu und die in der Schweiz erscheinende Zeitschrift »Spuren«, die dort eine gewisse regionale Monopolstellung hat. So wie bisher kann Connection jedoch nicht weiterexistieren. Soll ich sie einstellen? Der Markt hat’s gegeben, der Markt hat’s genommen, gelobt sei der Markt?

Ich hätte meinen inneren Frieden damit, auch wenn ich nicht an die »unsichtbare Hand« (Adam Smith) eines alles letztlich zum Guten regelndes Marktes glaube, so wie andere an Gott glauben. Ich möchte auch mein Magazin nicht mit PR füllen, so wie andere Blattmacher das tun, um damit Anzeigenkunden glücklich zu machen. Damit könnte Connection zwar vorerst überleben, aber vermutlich nicht lange, denn die Inhalte wären nicht mehr neu und viel weniger glaubwürdig. Connection würde sich dann nicht mehr vom Gros der anderen Zeitschriften unterscheiden und könnte nur noch überleben, wenn sie gegenüber den Mitbewerbern den dann unvermeidlichen Preiskampf besteht.


Marketing per Crowdsourcing

Meine Idee ist eine andere. Anstatt mir vom Arbeitsmarkt einen Vertriebs- und Marketingprofi zu holen, für 5.000 € /Monat – wofür ein Kredit zu besorgen wäre –, möchte ich das Marketing »crowdfunded« machen lassen. Wenn jeder einzelne Leser, der diese Zeitschrift gut findet, dies weitersagen würde, hätten wir mit einem Schlag alle unsere Vermarktungsprobleme gelöst. Wenn du eine halbe Stunde damit verbringst, Connection auf deinem Facebook-Account zu erwähnen oder über eines der Connection-Books auf Amazon eine Rezension einstellst, ist das eine uns (vielleicht auch dir selbst) geschenkte halbe Stunde.

Zeit ist wertvoll! Zeit zu verschenken ist das Größte. Zeit für etwas zu verschenken, woran man glaubt und was man liebt, ist das Allergrößte. Tu das für die Ziele, Dinge und Menschen und Projekte, die du gut findest und an die du glaubst! Wenn Connection für dich eines dieser Projekte ist, und das für ein paar hundert unserer Leser der Fall ist, und sie sich aufraffen können, das weiterzusagen, können wir weiterexistieren.


Ist Connection förderwürdig?

Die zweite Sache, die uns helfen kann, ist die Umstellung unserer Abopreise. Da haben wir euch die Wahl gelassen, den Normalpreis im Jahr zu zahlen oder nach Selbsteinschätzung den verminderten. Nun fügen wir noch zwei Preise hinzu: das Förderabo und das Sponsorenabo. Früher habe ich mich geschämt, um ein solches Sponsoring zu bitten. Jetzt, nach fast dreißig Jahren der rückhaltlosen Hingabe und des Kämpfens um mein Projekt weiß ich: Es geht nicht anders. Für Amnesty International wird gespendet und für Greenpeace, warum nicht auch für Connection? Auch wir sind eine NGO. Wir haben eine Mission, eine Botschaft. Allein durch den Verkauf unserer Produkte in Würde, ohne Selbstausbeutung zu bestehen, geht nicht. Jedenfalls nicht in diesem »real existierenden« Wirtschaftssystem. Wenn Connection es wert ist, erhalten zu werden, braucht sie auch die Art von Unterstütung, die NGOs wie Amnesty und Greenpeace gegeben wird.


Korrumpierte Informationen

Nicht nur wir müssen uns umstellen, unser kleiner Verlag und ein paar andere Printverlage und Medienunternehmen, sondern unsere gesamte Ökonomie. Wenn unser Biotop überleben soll, müssen mehr Menschen nicht nur ihre Einkaufsentscheidungen überdenken – Woher kommen meine Nahrungsmittel? Wo wurde mein T-Shirt, das ich da gerade kaufe, hergestellt? – sondern auch ihre Zeitinvestitionen. Zeit ist das Wertvollste, was wir haben. Womit verbringst du deine Zeit? Was liest du da gerade? Ist diese Nachricht glaubwürdig? Das weitaus meiste, was auf deutsch gedruckt wird (in den anderen Sprachen ist es kaum anders), ist das Ergebnis von PR, das heißt vom finanziellen Druck des Herstellers einer Ware, die er damit promoten will, auf den Verleger der jeweiligen Publikation.

Was wir heute mehr denn je zu lesen bekommen, sind keine echten Nachrichten mehr, auch wenn sie so tun als wären sie welche. Es sind nicht Texte, die geschrieben wurden, weil uns eine wichtige Information fehlte oder weil genau das endlich mal gesagt werden musste, sondern es sind von Werbeprofis geschriebene Texte, die der »Positionierung von Marken« in unseren Köpfen dienen, mit dem Ziel, dass wir die entsprechenden Produkte dann glauben kaufen zu müssen – eine Art der Heuchelei und geistigen Versklavung, die unsere unablässig wachstumshungrige, gefräßige Wirtschaft von uns verlangt.


Auch das Internet ist voller PR

Das Internet als WorldWideWeb (WWW) hat die Medienwelt zwar zunächst liberalisiert: Jeder darf sich dort eine Webseite zulegen und dort fast alles veröffentlichen, was er will. Das zweite Jahrzehnt des Internets (1994 gilt als Geburtsjahr des WWW) hat aber dann eine noch stärkere Kommerzialisierung gebracht, als die bisherige Medienwelt es sowieso schon war. Das heutige Internet wird sogar noch mehr von den Mediengiganten dominiert, als die bisherige Welt des Prints. Beides führte dazu, dass das meiste, was man im Internet liest, keine uneigennützigen Nachrichten mehr sind. Weil dort fast alle Nachrichten ohne Bezahlung frei zugänglich sind, haben sie den Charakter dessen, was man in den frei verteilten Anzeigenblättern zu lesen bekommt: Es sind keine echte Informationen, es ist PR.


Mit Gorbatschow am runden Tisch

1995 war ich auf das erste State of the World Forum eingeladen. Ich war einer von nur drei Deutschen, die sechs Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges auf dieser Konferenz mit etwa tausend Teilnehmern die »Zivilisation des 21. Jahrhunderts« neu entwerfen wollten. Ich empfand das als große Ehre und weiß bis heute nicht, wem oder was ich sie zu verdanken habe. Den Flug nach San Francisco, wo sie tagte, hätte ich mir nicht leisten können, die Tagungsgebühr auch nicht. Eine Leserin von Connection sponsorte mir die Teilnahme mit 10.000 DM. Dort traf ich Stan Grof, Fritjof Capra, Deepak Chopra, Hazel Henderson und viele andere und saß mit Michael Gorbatschow und Anthony Robbins im kleinen Kreis an einem runden Tisch, an dem es um die endgültige Abschaffung und Entsorgung der Atomwaffen ging.


Ein Interview mit Raissa?

Ist das wichtig? In Connection schrieb ich zwei längere Berichte darüber. Die großen deutschen Medien aber berichteten darüber nicht. Sie waren eingeladen, hatten aber offenbar niemand dort hingeschickt. Ein Versäumnis? Ich bot dem Spiegel, der ZEIT und der SZ einen Bericht an, zusammen mit Fotos von u.a. Gorbatschov und seiner Frau Raissa, bekam auf mein Angebot aber keine Reaktion. Nochmal nachhaken, immer noch keine Reaktion. Auch keine Absage.

Warum? Ich weiß es bis heute nicht. Von Raissa hatte ich eine Interviewzusage bekommen, konnte das Interview aber in San Francisco nicht mehr realisieren, da die beiden schnell abreisten. Sie luden mich nach Moskau ein. Sollte ich mir dafür die Zeit frei nehmen? Woher die Reisekosten nehmen? Schon wieder um ein Sponsoring betteln? Ich hatte gehofft, dass eines der großen Medienunternehmen mir die Reise zahlen würde, dafür bekämen sie das Interview. Kaum jemand hatte bisher Raissa interviewt, sie versteckte sich hinter ihrem berühmten Mann. Als ich die beiden in San Francisco sah, hatte ich den Eindruck, dass sie die Frau hinter dem starken Mann ist, sozusagen seine weibliche Seite. Die beiden liebten sich wirklich, und sie stärkte ihn. Ich wollte von ihr wissen, wie sie das macht, und was sie von den weltpolitischen Veränderungen hält, die ihr Mann initiiert hatte.


Der Hefeteig der Randgruppen

Leider schienen die deutschen Medien an dieser Frau kein Interesse zu haben, und ich, mit meiner kleinen Zeitschrift und der ständigen Zeit- und Geldnot, konnte die Reise nach Moskau nicht so ohne weiteres zustande bringen. Ich erzähle das als Beispiel für einen Verzicht, den man als kleine Figur am Rande des großen Mainstreams eingehen muss, immer wieder. Weil das Geld fehlt. Weil die Menschen und Medien, die wirklich ein neues Denken leisten könnten und eine neue Welt, eine »Zivilisation des 21. Jahrhunderts« aufbauen helfen könnten, meist am Rande des Existenzminimums leben und sich den größten Teil ihrer Zeit mit Marketing und Vertriebsaufgaben und dem dem täglichen Überlebenskampf herumschlagen müssen. Zeit für wirkliche Innovation, für die großen Ideen bleibt da kaum mehr. Und doch sind gerade diese Randgruppen der Gesellschaft der Hefeteig, in dem das Neue aufgehen kann. Hier könnten Beispiele entstehen, vielleicht sogar Vorbilder für das, was unsere Welt braucht.


Kleidung als Statement

Hier gönne mir hier, zum Abschluss dieses Artikels, noch eine Anmerkung zum Äußeren, zur »Oberfläche der Tiefe« – zur Kleidung. Wenn ich die Fotos von den G8 oder G20 Konferenzen sehe oder vom Weltwirtschaftsforum in Davos, sehe ich dort vor allem Gruppen von Pinguinen, ab und zu unterbrochen von der bunten Kleidung einer Frau. Merkel? Geht so. Schöner ist es allerdings, wenn auch mal eine Afrikanerin dabei ist. Als Evo Morales, der Präsent von Bolivien (ein Indigener!) auf die Weltbühne trat, sah man dort unter den Pinguinen auch mal einen gestreifen Pullover.

Warum kommen die männlichen Asiaten alle in denselben Klamotten auf diese Konferenzen, die ohne große Veränderungen seit mehr als einem Jahrhundert als Einheitskleidung des westlichen Mannes gilt, wenn er sich in Schale wirft? Dunkle Anzüge mit Kravatten, nur die Frauen dürfen bunt auftreten und nicht uniformiert. Kann es sein, dass sich unter solchen Schalen keine wirklich neuen Gedanken mehr formen? Dass das Patriarchat erst dann abgelöst wird, wenn diese Formen freier und die Farben bunter werden und die Frauen damit aufhören, die Männerkleidung zu imitieren?

Unsere Gedanken sind neu, auch unsere Umgangsformen sollten es werden. Dazu gehört auch die Kleidung. Die asiatischen Hochkulturen und die Indigenen aller Kontinente sollten die Kleidung des Patriarchats abstreifen, die auch die Kleidung des Kolonialismus ist. Sie könnten doch, so nah oder fern vom guten Teil ihrer eigenen alten Traditionen sie wollen, so ähnlich wie es die Weltmusik im Bereich des Akustischen macht, im Bereich der Kleidung neue Formen entwerfen. Das würde auch das Denken frischer machen und den Umgang miteinander.

Und ihr Frauen, ihr solltet nicht mehr nur die Paradiesvögel auf den Meetings der Herrschenden sein oder diejenigen, die dort den Kaffee servieren, sondern dort den Stil prägen und den Ton angeben, sowohl was die Inhalte anbelangt wie die Formen! Frauen nicht wie Thatcher, sondern wie Nandana Shiva oder Miriam Makeba brauchen wir auf den politischen Bühnen der Welt.


Gegen einen Ozean anpfeifen?

Es würde mich auch freuen, wenn uns in der Connection noch ein paar passionierte Experten zufliegen würden, sowohl im Bereich der Webpräsentation und -vernetzung wie auch im Bereich Film und Filmschnitt oder im viralen Marketing. Mit konventionellen Methoden werden wir unsere Themen nicht unters Volk bringen können – dann eben unkonventionell. Und es muss dieser Verlag auch nicht mehr von mir geführt werden. Wenn einer das besser kann, nur zu! Ich mache die Inhalte, du führst die Geschäfte, perfekt! Wie auch immer wir mit unseren Ideen am besten die Menschen erreichen und mit ihnen im kreativen Dialog bleiben.

Aufgeben werde ich nicht. Mein Freund Kurt Tucholsky – über die Brücke der Zeit hinweg nenne ich ihn Freund – hat 1933 gegenüber der Nazi-Ideologie, die er viele Jahre lang mit Witz und Geist bekämpft hatte, aufgegeben. Im April 1933, Hitler war inzwischen Reichskanzler, schrieb er aus dem schwedischen Exil in einem Brief an einen seinen Freund Walter Hasenclever: »Gegen einen Ozean pfeift man nicht an.«


Für die paar wenigen

Die wirtschaftlichen und politischen Eliten unserer Weltgesellschaft haben unsere Welt aufgegeben. Gegen den Klimawandel wird nichts mehr unternommen, gegen die Überfischung und Verschmutzung der Meere auch nicht, die Atomwaffen werden eher mehr als weniger, ein Ende der Kriege ist nicht in Sicht, ein Ende des Patriarchats auch nicht. Und die Grünen? Haben sich inzwischen weitgehend angepasst. Und die spirituelle Bewegung, die doch einst per Meditation und »Make love, not war« den inneren und äußeren Frieden und Schutz der Natur erreichen wollte? Ist auf das Niveau einer vermarktbaren popspirituellen Wellness-Bewegung abgesackt. Dass die es noch bringen werden, diese Hoffnung habe ich nicht mehr.

Außer ein paar wenigen vielleicht. Für die schreibe ich. Für die kämpfe ich. Aufgeben werde ich nicht – auch wenn ich dafür gegen einen Ozean anpfeifen muss.

Wolf Schneider, Jg. 1952. Autor, Redakteur, Kursleiter. Studium der Naturwissenschaften und Philosophie (1971-75) in München. 1975-77 in Asien. 1985 Gründung der Zeitschrift connection. Seit 2008 Theaterspiel & Kabarett. Kontakt: schneider@connection.de. Blogs auf connection.de und auf schreibkunst.com

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3 Kommentare

Nikolai C.C. Schulz 19. Oktober 2014 - 12:58

Keep on fighting, Wolf Schneider. Schön auch der Abschnitt über die Kleidung, dazu las ich gestern im Spiegel den Bericht über die Piratenpartei – Deutsche Kleiderordnung: Das Rudel frisst, was anders aussieht: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/sibylle-berg-deutsche-mode-stil-piratenpartei-afd-a-996242.html. Ja, auch die Grünen gehen langsam im Heer der Pinguine unter.

Vielleicht sollten wir mal ein paar Ihrer/Deiner Erinnerungen auf dem gemeinnützigen Portal Memoro – Die Bank der Erinnerungen e.V. http://www.memoro.org/de-de/ auf Video aufzeichnen? Das nötige Einstiegsalter von 60 Jahren ist ja nun erreicht :-). Dort ähnelt die Finanzlage der im Artikel beschriebenen Situation, insbesondere beim Thema Spenden.

Zum Abschluss etwas zum Schmunzeln für uns spirituelle Suchende, einfach klasse :-): http://www.youtube.com/watch?v=1kDso5ElFRg

Petrus 11. März 2014 - 01:03

Menschen, die sich bedingungslos gegenseitig beschenken, sind wirklich eine
Ausnahme – siehe die erwähnten Gemeinschaften und Kommunen!

War selbst viele Jahre auf Reisen und habe in einigen Gemeinschaften gelebt.
Es kam mir oft wie eine Art „Inselexistenz“ vor.

Connection als Printmedium ist wahrscheinlich ein Auslaufmodell, na und,
macht doch nichts!!!
Auf die Inhalte kommt es an. Die Verbreitung über Online ist schneller, effektiver
und wahrscheinlich auch wirkungsvoller.

Mit Hochachtung

Petrus

Petra 7. März 2014 - 15:03

Danke!

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