Das ultimative Abenteuer – Christian Brehmer

von Redaktion

Gib einem Esel einen Salatkopf, und er wird fragen: ¬īNanu, was ist das f√ľr eine Distel?` Dieses Gleichnis aus der Sufi-Tradition will unsere Wahrnehmung hinterfragen. Was auch immer das Leben uns bietet: sch√∂ne Dinge, wunderbare Begegnungen, einen erfolgreichen Job, einen gesunden K√∂rper. Oder weniger sch√∂ne Dinge: mieses Wetter, einen hartn√§ckigen Infekt, √Ąrger mit dem Chef oder Spannungen in der Beziehungskiste. Immer ist es unser Bewusstsein, das diese Dinge wahrnimmt und bewertet. Der Esel kennt nichts anderes als Disteln, und der Salatkopf wird vom Distel-Bewusstsein beurteilt. Unser Bewusstsein ist die B√ľhne auf der sich alles abspielt. Das gilt f√ľr den Esel, das gilt f√ľr uns.

Alle haben wir unsere ‚ÄěMuggel-Mauern‚Äú ‚Äď um einen Begriff aus der Welt des Harry Potter zu verwenden: Wir haben unseren Wahrnehmungshorizont, √ľber den wir nicht hinauskommen, und meistens sind wir uns dessen gar nicht bewusst. Bei Kindern schmunzeln wir belustigt (nicht immer!)¬† √ľber ihren kleinen Tellerrand, auch wenn sie jede Menge Bl√∂dsinn bauen. Aber dass wir auch als Erwachsenen nicht √ľber unseren ‚Äěgro√üen‚Äú Tellerrand schauen k√∂nnen, das f√§llt uns nicht weiter auf. So tragen wir z.B. unbemerkt unsere Konditionierungen von Kindesbeinen an mit uns herum und k√∂nnen sie oft ein Leben lang nicht loswerden. M√§nner, beispielsweise, projizieren oft unbewusst ihr Mutterbild auf ihre Partnerin. Und wenn die liebe Frau dem nicht entspricht, gibt es handfeste Anpassungsprobleme.

Es gibt aber auch Muggel-Mauern, die sich kurzfristig auftun. Durch eine schlechte Nachricht beispielsweise, die uns nicht loslassen will. Sind wir dann in einem Gespr√§ch mit unserem Nachbarn, k√∂nnen wir gar nicht richtig zuh√∂ren ‚Äst es rotiert und rotiert in unserer Birne.¬† Und auch die Wahrnehmung ist eingetr√ľbt. Nur Disteln statt Salatk√∂pfe. Fazit: Wir erleben die Welt ist so wie wir sind.¬†¬†

Schlie√ülich kennen wir auch kollektive Muggel-Mauern, die eine ganze Gesellschaft pr√§gen. Etwa das geographische Weltbild. F√ľr die fr√ľhen Naturv√∂lker war die Erde eine Scheibe; damals kam man nicht viel √ľber unmittelbare Umgebung hinaus. Der griechische Astronom Claudius Ptolem√§us stellte die Erde in den Mittelpunkt der Welt. War ja auch logo, denn unsere Beobachtung suggeriert, dass die Sonne sich um die Erde dreht. Dann aber kam Kopernikus und belehrte uns eines besseren. Er r√ľckte die Sonne in den Mittelpunkt. Das war damals dem√ľtigend und unbequem, besonders f√ľr das Weltbild der Kirche. Heute wissen wir, dass auch die Sonne samt ihrer Planetenfamilie innerhalb der Milchstra√üe, unserer Heimatgalaxie, mit ihren Milliarden von Sternen,¬† sich um einen zentralen Kern dreht.¬† Und vielleicht rotiert die gesamte Milchstra√üe in einem System von Galaxien in einem gigantischen Reigen. Da kann einem nur schwindelig werden…

Soweit das geographische Weltbild. Aber auch das Erkenntnisvermögen, mit dem wir  unser Weltbild aufbauen, hat eine kopernikanische Wende hinter sich. Bis zur Aufklärung im 18. Jahrhundert glaubte man noch allgemein, dass unsere Wahrnehmung  der Dinge den Dingen selbst entspricht. Immanuel Kant hat uns da eines Besseren belehrt. Er zeigte auf, dass es unser Bewusstsein ist, das der Wahrnehmung der Dinge ihre Gesetze vorschreibt. Unser Bewusstsein ist die Bedingung aller Erfahrungen.

Das ist eine zentrale Erkenntnis. Es sind nicht Dinge selbst, die uns gl√ľcklich oder ungl√ľcklich machen, die der Wirklichkeit entsprechen oder nicht, sondern unsere Wahrnehmung und Beurteilung der Dinge gem√§√ü unseres Bewusstseins, unserer Muggel-Mauer. Freud und Leid, Erfolg und Misserfolg sind eine Sache des Bewusstseins. Somit m√ľssen wir hier ansetzen, wenn wir unsere Lebensqualit√§t¬† verbessern wollen. Das Leben, die Evolution, hat es auf die Entfaltung des Bewusstseins angelegt, auf die Erweiterung unseres Erkenntnis- und Erlebnishorizontes und auf mehr Daseinsfreude,¬† auf mehr Mitgef√ľhl: das ultimative Abenteuer.

Aber das Abenteuer wird erst dann wirklich zum Abenteuer, wenn ich die Priorität der evolutionären Entfaltung des Bewusstseins nicht nur erkannt habe, sondern sie auch umsetze: Ich setze mich hin zur Meditation oder gehe einem anderen mir gemäßen Weg nach innen nach. Täglich.

d

Autor: Christian Brehmer
‚ÄěDie Metaperspektive‚Äú

www.bewusstseins-evolution.de

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1 Kommentar

German JaCobi 26. September 2012 - 11:02

Die „muggeldumme“ Menschenwelt k√∂nnte sich tats√§chlich mit verbesserter Wahrnehmung aus ihren Teufelskreisen ziehen, in die es sie ja nur durch EGOISTIC PERCEPTION immerwieder √ľbelst hineinzieht, weil zu viele Wahrnehmungsm√∂glichkeiten vor den vielen Nasen herumtanzen.

Neugier und Ignoranz sind die beiden gro√üen Geister aller Universen, und Vernunftwesen k√∂nnen sich ihr bi√üchen Wahrnehmung mit viel Fantasie so zurechtbiegen, da√ü sie selbst nicht mehr merken, wie weit sie sich von der Wahrheit entfernen. Was daraus entsteht, sind dynamische Machtgef√ľge mit katastrophalen Folgen f√ľr unser Zusammenleben. Das neue Jahrtausend hat nicht erst mit dem 11. September einen gewaltigen Start hingelegt.

Ich bem√ľhe mich seit mehr als 10 Jahren intensiv um mehr Besch√§ftigung mit Wahrnehmung in den Medien, und werde kaum wahrgenommen. Tats√§chlich gibt es nichts wichtigeres, weil Wahrnehmung die Grundlage f√ľr Gerechtigkeit ist.

W√ľrde man beispielsweise die Wahrnehmungsf√§higkeit nur durch Wahrnehmungen von schwarzen und wei√üen Gegenst√§nden ausbilden, w√§re das Erkennen andersfarbiger erst mal problematisch. Erst wenn im Archiv auch das Bewu√ütsein f√ľr rote, blaue, gr√ľne oder gelbe existiert, kann der Wahrnehmer einem gelben Kn√ľppel ausweichen, einem roten Schl√ľpfer hinterherschauen und anderen erz√§hlen, er habe davon ein blaues Auge bekommen. In Wahrheit war er nur zu langsam, dem Kn√ľppel zu entgehen … ūüėČ

Wahrnehmungsst√∂rungen sind hochproblematisch, weil wir uns damit Denkfehler basteln, mit denen wir all unsere Aktivit√§ten mi√ügestalten. Allein eine Sensibilisierung w√ľrde sehr Entlastung erm√∂glichen.

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