Zu Besuch beim Avatar – Thomas Kirschner

von Thomas

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Zehn Tage im Ashram von Bhagavan Sri Bala sai Baba: Thomas Kirschner, der Redaktionsleiter des unabhĂ€ngigen Printmagazins NEXUS, erzĂ€hlt hier auf berĂŒhrende Weise seine ganz EindrĂŒcke wĂ€hrend seines Besuchs bei einem indischen Meister. Der Grund: Er leidet an Krebs und hofft auf Heilung. Es ist ein mutiger, berĂŒhrender Artikel eines Journalisten, der trotz persönlicher Betroffenheit sich kritisch und offen auf ein ungewöhnliches Abenteuer einlĂ€sst – und einen Ă€ußerst witzigen Trip erlebt.

Von Thomas Kirschner


In Hyderabad, der viertgrĂ¶ĂŸten Stadt Indiens, lebt ein Mann, der sich Bala sai Baba nennt und seinen AnhĂ€ngern als der höchste derzeit lebende Avatar gilt. Avatar bedeutet zwar „Verkörperung Gottes“, jedoch munkeln viele ĂŒber Bala sai Babas inzwischen verstorbenen „Berufskollegen“ Sathya Sai Baba – der ihm ĂŒbrigens in Kleidungs- und Frisurenstil verblĂŒffend Ă€hnelte –, er sei ein sexgieriger TrickbetrĂŒger gewesen. Daher bin ich vorsichtig und möchte nicht zu viel Hoffnung in meinen Besuch legen.


Hoffnung auf spirituelle Heilung

Doch man hat bei mir kĂŒrzlich Krebs im Endstadium diagnostiziert, und wenn ich in diesem Leben noch eine Chance haben will, meine Suche nach dem Göttlichen in dieser Welt und gleichzeitig meine journalistische Neugier befriedigt zu sehen, dann ist dies womöglich der letzte mir verbleibende Zeitpunkt. Indem ich meine Frau die Flugtickets buchen lasse, akzeptiere ich die Möglichkeit, schwer enttĂ€uscht zu werden und vielleicht auch nie mehr von dieser Reise zurĂŒckzukehren. Doch was habe ich schon zu verlieren? Ich wĂ€ge ab: Die Option, in Indien zu sterben, hat wenigstens einen gewissen existenzialistischen Stil. In einer funktionellen Krebsklinik im AllgĂ€u dagegen wĂ€re die Aussicht aus dem Fenster sicher besser. Da ich aber die Berge in den letzten Jahren ausgiebig genossen habe – und mir in Indien das Essen besser schmeckt –, entscheide ich mich fĂŒr die existenzialistische Variante: Indien, im negativsten Fall also den Tod. Aber immerhin gibt es dort angeblich die vage Option auf eine Spontanheilung durch göttliche Einflussnahme.


Reise und Ankunft

29. Juni 2014: Nach einer zweitĂ€gigen Reise mit verpasstem Anschlussflug, verloren gegangenem Koffer und unzĂ€hligen Schmerztabletten erreichen wir spĂ€t am Abend Balasai Babas mit hinduistischen Symbolen geschmĂŒckten Ashram. Ich bin zu diesem Zeitpunkt nicht nur halb- sondern bereits dreivierteltot, und auch meine Frau ist nervlich an der Grenze ihrer KrĂ€fte angelangt. Ich bin nicht einmal mehr gespannt darauf, was uns erwartet und wĂŒrde mich am Liebsten gleich in einen Sarg legen und den Deckel ĂŒber mir zumachen. Dann hĂ€tte ich endlich Ruhe. Der Krebs in meinem Mund brennt wie glĂŒhende Kohlen, aber ich bin so hungrig, dass ich es dennoch schaffe, ein paar vom Abendessen ĂŒbrig gebliebene Chapatis mit etwas GemĂŒse herunterzuschlingen, bevor wir unser karges Ashramzimmer beziehen und halb bewusstlos auf die Pritschenbetten sinken. Noch ist meinem Ausruhen jedoch keine Ewigkeit beschieden, denn schon um halb elf am selben Abend werden wir an unserem ersten Darshan teilnehmen – dem traditionellen Beisammensein der SchĂŒler mit dem göttlichen Meister in Menschengestalt.

Wir werden in einen blitzblank gefliesten Raum von der GrĂ¶ĂŸe eines kleinen Programmkinos gefĂŒhrt, und meine erste Überraschung besteht darin, dass wir im ganzen Ashram offensichtlich nur ein knappes Dutzend GĂ€ste sind, und zum ĂŒberwiegenden Teil sogar Deutsche. Ich zĂ€hle sieben Frauen in der zweiten LebenshĂ€lfte und außer mir nur noch einen Mann – was in mir die Assoziation zu einem typischen Volkshochschulkurs erweckt – und dann noch zwei, drei Inder, deren Rolle und Funktion ich zuerst nicht einschĂ€tzen kann. Und dann sitzt vorne, vor den Reihen aufgestellter PlastikstĂŒhle, Balasai Baba auf einem kleinen Sofa im reinsten Gelsenkirchener Barock und grinst in seiner leuchtend orangen Robe unter seiner Afrofrisur genauso spitzbĂŒbisch in den Raum, als sei er direkt aus einem der Fotos herabgestiegen, die ich bereits ĂŒberall im Ashram habe hĂ€ngen sehen. Der Mann ist also real. Aber was hat er mir zu bieten?


Sing along mit Baba

Meister2TextDie Antwort lautet: Karaoke. Und Witze. Jede Menge Witze. Schon nach den ersten Minuten auf meinem Plastikstuhl trĂ€nen mir und meiner Frau die Augen vor Lachen, und ich muss nicht einmal fĂŒr sie ĂŒbersetzen, denn Baba kann erstaunlich gut deutsch, und da die ĂŒbrigen Inder im Raum offensichtlich zu seinem Personal gehören, spricht er bis auf wenige Wörter fast ausschließlich in unserer Sprache. Den einen seiner Landsleute, einen Ă€lteren Herrn in schlichtem Alltagsoutfit, der sich an zwei mikrofonbestĂŒckte Handtrommeln setzt und den ganzen Abend keine Miene verzieht, als wĂŒrde er zum Lachen in den Keller gehen, spricht er grundsĂ€tzlich nur mit dem Titel „Vogelscheuche“ an, aber auch damit entlockt er ihm keinen GefĂŒhlsausdruck. Vogelscheuche, der im normalen Leben eigentlich Mr. Shankara heißt und Lehrer fĂŒr Ökonomie ist, hat neben dem Tablaspielen noch eine andere wichtige Funktion: Er ĂŒbermittelt auf Befehl Babas ZungenkĂŒsse an seine namentlich aufgerufenen SchĂŒler, indem er dann jedes Mal kurz aufsteht, den oder die namentlich gerade aufgerufenen Devotee anblickt und unter Anstrengung sein versteinertes Gesicht zu einer Grimasse verzieht, wĂ€hrend Baba vorne auf dem Sofa schmatzende GerĂ€usche ins Mikrophon abgibt, um einen besonders nachhaltigen Zungenkuss zu simulieren, und dabei fröhlich mit seinen nackten FĂŒĂŸen wedelt. Auf die SitzflĂ€che seines Sofa hat er nochmals ein Kissen enormer Dicke gelegt, sodass seine FĂŒĂŸe nie den Boden berĂŒhren, was nochmals den kindlichen Eindruck verstĂ€rkt, den sein ganzer Habitus ohnehin ausstrahlt. Wenn Vogelscheuche dann wieder Platz genommen hat, gibt Baba unter dessen rhythmischer Begleitung entweder den nĂ€chsten indischen Karaoke-Song zum Besten – und ich muss sagen: der Mann hat echtes sĂ€ngerisches Talent – oder es kommt ein anderer typischer Programmpunkt, bei dem er einen oder zwei der anwesenden Teilnehmer zu sich nach vorne ruft, sie niederknien lĂ€sst und segnet. Dabei ĂŒberschĂŒttet er sie mit LiebenswĂŒrdigkeiten höchst persönlicher Art, die dann ausnahmsweise keine Witze enthalten, sondern einfach nur unglaublich nett und gĂŒtig sind. Zum Abschluss erhalten die Betreffenden meist eine segnende BerĂŒhrung auf den Kopf, und oftmals einen Ring, den Baba irgendwie aus dem Ärmel seiner Robe „materialisiert“ und ihnen an den Finger steckt. Ein paar weitere gute WĂŒnsche gibt er danach noch mit auf den Weg zurĂŒck auf den Plastikstuhl – und dann greift er wieder zu seinem Stapel mit Karaoke-LiederbĂŒchern, spricht sich kurz mit Madame Shakuntala ab, der wĂŒrdevollen indischen Dame, die zu seiner Linken sitzt, und deren Funktion darin besteht, den Karaoke-Player zu bedienen und entweder als Duettstimme oder auch mit einer Solo-Einlage zur VerfĂŒgung zu stehen – und dann folgt der nĂ€chste Bollywood-Schlager.


Segnen als Mission

Manche Avatare, habe ich gelesen, sehen ihre Aufgabe darin, die Menschen zu belehren. Andere, und dazu gehört Balasai Baba, haben es sich zur Mission gemacht, die Menschen zu segnen, sie glĂŒcklich zu machen und sie an Gott zu erinnern. In den zehn Tagen, die ich bei ihm sein durfte, hat Baba diese Aufgabe keine Sekunde lang verfehlt, und ich habe nicht den leisesten Missklang in seiner Performance wahrgenommen. Gleich am ersten Abend erweist er sich meiner Frau und mir gegenĂŒber als extrem zuvorkommend und verstĂ€ndnisvoll. Er besteht auf stĂ€ndigen Sichtkontakt mit uns, obwohl wir in der hintersten Reihe sitzen, und als er wahrnimmt, dass ich krank bin und von der Reise erschöpft, besteht er darauf, dass meine Frau und ich uns auf ein „Reservesofa“ legen, das an der hinteren Wand des lĂ€nglichen Raums steht. Wir bekommen eine Decke und die ausdrĂŒckliche Anweisung, miteinander zu kuscheln. Dann gibt es den nĂ€chsten Karaoke-Song, und als der fertig ist, macht Baba ausgiebigen Gebrauch von einem elektrischen Furzkissen, das er vors Mikrofon hĂ€lt. Dabei erzĂ€hlt er irgendwas von Krankheiten, die sich einfach in Luft auflösen. Ich bin gleichzeitig am Lachen und am Weinen, wĂ€hrend meine Frau mich auf dem Sofa in ihren Armen wiegt und Vogelscheuche mir auf Geheiß Babas meinen ersten Zungenkuss ĂŒbermittelt. Dazu lĂ€sst Baba einen Teller mit Keksen herumgehen, die er vorher fĂŒr uns gesegnet hat.

Der Abend endet um halb eins, und danach bin ich vollkommen platt. Morgens um acht geht das Programm allerdings schon weiter, und hier gilt Babas Anordnung zu strikter Anwesenheitspflicht: Mantrasingen in der großen, ĂŒberdachten Außenhalle. Einmal morgens und einmal abends um sieben, danach wird der Ashram fĂŒr Besucher von außen geschlossen. Wer Babas Karaoke-Show zu spĂ€ter Stunde mitbekommen will, muss bis dahin im Nest sein, ansonsten kann man tagsĂŒber machen, was man will. Beim Mantrasingen in der Halle taucht er meist in der zweiten Halbzeit auf, setzt sich auf seinen reich verzierten goldenen Thron und schlĂ€gt schweigend mit seinen HĂ€nden den Takt. Wenn die Stunde um ist, steht er auf, hebt grĂŒĂŸend den Arm und verschwindet.


Alles nur Blödsinn?

Am zweiten Abend gewinnen meine innerlichen Zweifel jedoch noch einmal kurz die Oberhand: Sind Babas Witze nicht doch ein wenig platt und stereotyp? Ist das nicht alles sinnlose Zeitverschwendung, was hier ablĂ€uft? Ich bin froh, meine Frau dabei zu haben, denn in ihrer Begleitung werde ich es so oder so schaffen, die gebuchten Tage irgendwie in WĂŒrde zu ĂŒberstehen, auch wenn mich die Kargheit unseres Ashram-Zimmers nervt und mir Indien mit seinem ganzen Dreck und Gestank und den stĂ€ndigen StromausfĂ€llen schon jetzt auf den Geist geht, egal wie gut das Essen auch sein mag, denn ich kann mit meinem geschwollenen Hals ohnehin kaum schlucken.

Am dritten Tag fĂŒhle ich mich morgens so krank und geschwĂ€cht, dass ich nur mit grĂ¶ĂŸter MĂŒhe und den notorischen Schmerztabletten in die Puschen komme, und fĂŒr die abendliche Darshan-Session erwarte ich eigentlich nur mehr desselben. Und genau das gibt es auch 
 allerdings sind diesmal sofort meine Frau und ich an der Reihe, nach vorne gerufen zu werden, und da kann ich zum ersten Mal Babas Gesicht und Augen aus allernĂ€chster NĂ€he betrachten.


Die LiebenswĂŒrdigkeit in Person

WĂ€hrend er zwei Ringe fĂŒr uns produziert, suche ich in seinen Augen nach kleinen Anzeichen von aufgesetzter AttitĂŒde oder sonstigen allzu menschlichen CharaktermĂ€ngeln – doch zu meiner Erleichterung finde ich wirklich nur GĂŒte und Freundlichkeit. Dann segnet er uns und sagt mir, ich solle mir keine Sorgen machen, denn ich mĂŒsse nicht sterben. Ich könne davon ausgehen, dass mein Leben ab sofort verlĂ€ngert worden sei und dass ich noch lange leben und viele schöne Erfahrungen machen werde. An den Rest kann ich mich nur noch ungenau erinnern, denn das ist ungefĂ€hr der Punkt, an dem mich meine Emotionen komplett aus den Latschen hauen, und ich nur noch gleichzeitig weinen und lachen kann. Er sagte wohl noch irgendwas in der Art, dass ich ihn nur nie vergessen soll, und wenn ich mĂŒde sei, solle ich mich einfach mit meiner Frau Inna hinten im Raum aufs Sofa legen und ein wenig schmusen, das sei doch kein Problem.

Den Rest des Abends scheint er mich nicht mehr aus den Augen zu lassen. StĂ€ndig macht er irgendwelche Thumbs-up-Gesten in meine Richtung oder irgendwelche netten kleinen Kommentare ĂŒber meine Offenheit. Als ich mal aus dem Raum gehe und wieder hereinkomme, sagt er: „Ah, Thomas ist WIEDER FIT!“ Als er spĂ€ter einen Teller mit Keksen und NĂŒssen segnet und herumreichen lĂ€sst, nötigt er mich mehrfach, davon zu nehmen. Zuerst hatte er angekĂŒndigt, dass jeder etwa fĂŒnf Cashews nehmen solle, aber als ich an die Reihe komme, ruft er von vorne: „Thomas bekommt zehn!“ Als zwei Leute, die auf einem besonders guten Platz gesessen hatten, schlafen gehen, ordnet er sofort an, dass meine Frau und ich dorthin nachrĂŒcken sollen, damit wir ihn besser sehen können.

Ich glaube, so liebenswĂŒrdig bin ich noch nie in meinem Leben behandelt worden. Am fĂŒnften Tag segnet er mich erneut und teilt mir mit, er habe mein Leben um 40 Jahre verlĂ€ngert. Selbst wenn das alles nur als Placebo-Effekt einzustufen sein sollte, dĂŒrfte der mĂ€chtig in mir wirken, auch wenn ich sagen muss, dass ich am Ende des Abends wieder einmal komplett Banane bin und alles andere als fit. Ich glaube, ich werde viel schlafen mĂŒssen, um das alles einigermaßen zu verdauen. Vielleicht ĂŒbrigens doch lieber im Bett als im Sarg.


Wunder vs. Placebo

Jetzt möchte ich noch auf die „Wunder“ zu sprechen kommen, die ich erlebt habe. Ich trage, seit ich bei Baba war, einen Ring, den er fĂŒr mich „materialisiert“ hat, und ich habe ihn in meiner Zeit im Ashram tĂ€glich mehrere solcher Ringe produzieren sehen, die er unermĂŒdlich an seine AnhĂ€nger verschenkt. Einen großen materiellen Wert scheinen mir diese Ringe nicht zu besitzen; sie sehen industriell gefertigt aus, und ich wĂŒrde mich nicht wundern zu erfahren, dass er sie in grĂ¶ĂŸeren Chargen einkauft und sich eines einfachen BĂŒhnentricks bedient, um den Eindruck zu erwecken, dass er sie materialisiert. Vielleicht versucht er einfach, den Erwartungen der Leute nachzukommen, denen allein die Gegenwart eines Avatars nicht genug ist.


Heilige Asche

Aber: Ich war auch Zeuge, wie er eines Abends vor ca. 80 Anwesenden „Vibhuti“ verteilte – das ist der Name fĂŒr eine heilige Asche, die traditionell von Gurus und Heiligen „materialisiert“ und an die GlĂ€ubigen verteilt wird – quasi ein indischer Standard im spirituellen Bereich. Jeder der Anwesenden erhielt von Baba ca. einen drittel Teelöffel dieser Asche in die Hand gestreut. Bei etwa 80 Leuten ist es vollkommen unmöglich, diese Menge an Asche verborgen in der Hand zu halten. Ich war außerdem nahe genug an ihm dran, um zu sehen, dass seine Hand im Wesentlichen leer war – bis auf die Asche, die stĂ€ndig aus seinen Fingern zu bröseln schien. Bei jeder neuen Person, die er damit beschenkte, schien er eine stereotype Bewegung zu machen, bei der er den Arm kurz zur Seite ausstreckte, um quasi „nachzuladen“. Falls er damit einen verborgenen Mechanismus unter seiner Stola bedient, der ihm stĂ€ndig Nachschub in die Hand blĂ€st, dann muss es sich um ein wahres technisches Meisterwerk handeln, denn ich konnte keinerlei Spuren davon entdecken.


Das Lingam

Und dann ist da noch die Sache mit dem Ei. Ein-, zweimal im Jahr produziert Baba ein „Lingam“ genanntes, schwarzes, eiförmiges Objekt, das von seinen AnhĂ€ngern wie eine Reliquie verehrt wird, deren Funktion und Bedeutung sich mir allerdings nicht erschlossen hat. Vielleicht muss man Inder sein, um diesen Mythos in seiner ganzen Tiefe wĂŒrdigen zu können. Jedenfalls hat dieses Lingam die GrĂ¶ĂŸe eines HĂŒhnereis, und er wĂŒrgt es bei den entsprechenden AnlĂ€ssen unter sichtlicher Anstrengung durch seine Kehle, spuckt es zusammen mit einem Schwall Wasser hoch in die Luft und fĂ€ngt es dann auf, um es in die staunende Runde der Anwesenden zu halten. (Sie können das auf Youtube sehen, unter http://tinyurl.com/nbpffsl.) Wenn das ein Trick ist, dann muss er das Ei zuerst geschluckt haben, um es dann wieder hervorzuwĂŒrgen. Auch ohne Krebs im Hals wĂ€re das fĂŒr mich eine ganz unmögliche Aufgabe, die ich niemals und unter keinen UmstĂ€nden wĂŒrde ausfĂŒhren wollen.


Wunder ĂŒber Wunder

WĂ€hrend meiner Zeit im Ashram habe ich mindestens fĂŒnf BĂŒcher ĂŒber Balasai Baba durchgeblĂ€ttert, die alle voll mit Berichten ĂŒber seine Wundertaten sind. Gut, viele davon wĂŒrden wahrscheinlich einer ÜberprĂŒfung durch Skeptiker nicht standhalten. Aber allein die schiere Menge dieser Berichte lĂ€sst meinen kritischen Verstand dennoch stutzig werden. Das alles sollen sich die Leute nur ausgedacht haben? Hm 



Meister4TextEin wahrer Heiliger?

Aber es gibt noch ein anderes Wunder, und das ist absolut real: Dieser Mann wird nicht mĂŒde, sich jeden Tag die grĂ¶ĂŸte MĂŒhe zu geben, seine AnhĂ€nger zu erfreuen. Wenn er abends nach dem Mantrasingen in der großen Halle erscheint, sich wĂŒrdevoll auf seinen Thron setzt und schweigend in die Menge blickt, ist das vielleicht noch keine große Leistung. Aber: WĂŒrden Sie oder ich das tun wollen – Tag fĂŒr Tag? Und spĂ€ter am Abend, von halb elf bis halb eins, wenn Baba die Ashrambewohner zur Audienz bittet, dann sprĂŒht er regelrecht vor Fröhlichkeit und ĂŒberschĂŒttet sein Publikum mit Witzen, Segnungen und SĂŒĂŸigkeiten. FĂŒr mich schickte er zweimal extra jemanden in seine PrivatgemĂ€cher, um mir einen Kuchen und eine Mango aus seinen persönlichen BestĂ€nden bringen zu lassen. Er war so freundlich zu mir und allen anderen Anwesenden, wie ich es noch nie bei jemandem erlebt habe. Materielle Motive scheiden fĂŒr mich komplett aus, um Babas Auftritte zu erklĂ€ren. Ich habe weder an ihm noch in seinem Ashram irgendein Anzeichen von Luxus wahrgenommen. WĂ€hrend ich von anderen Gurus und Halbgöttern weiß, die eine Flotte Rolls-Royce-Limousinen im Hinterhof stehen hatten, scheint Baba ein schlichter Dacia Duster als Fahrzeug zu genĂŒgen. Alles Geld, was hereinkommt, scheint in gemeinnĂŒtzige Projekte zu fließen, von denen er mehrere betreibt: Eine mobile Klinik fĂŒr kostenlose Augenoperationen, ein Essensdienst fĂŒr mittellose Krebskranke und eine Schule sind nur ein paar Beispiele fĂŒr solche Projekte. Details darĂŒber können Sie auf seiner Website nachlesen (www.BalasaiBaba.gmxhome.de).

Hier ist noch ein Zitat Babas, das ich in einem der BĂŒcher ĂŒber ihn gefunden habe:
„Ich kenne die Veden nicht, sondern nur die KĂŒmmernisse der Menschen. Ich kann nur geben und nicht nehmen. Ich kenne keinen Hass. Ich kenne nur Liebe. Ich mag es lieber, andere zu fĂŒttern als selbst zu essen. Ich ziehe es vor, Menschen anzuleiten und mag nicht allein herumziehen. Ich betrachte jedermann als mein. Ich will alles fĂŒr alle tun. Doch ich begehre keinerlei Gewinn.“
Aus: Rao, K.?G.: „Balasai – Der moderne Gott“ (Überlingen: DCS, 2005)

FĂŒr mich ist dieser Mann ein Heiliger, und ich wĂŒrde meinen rechten Arm und meine beide Metastasen fĂŒr seine IntegritĂ€t ins Feuer legen.


Erste Besserung

Ach so, meine Metastasen: Als mir der Onkologe mein Todesurteil aushĂ€ndigte, waren die Metastasen links und rechts an meinem Hals deutlich zu sehen und ich konnte ebenso deutlich spĂŒren, wie sie auf das umliegende Gewebe drĂŒckten. Inzwischen kann ich sie weder sehen noch fĂŒhlen – sie haben sich einfach aufgelöst. Placebo oder Wunder: Ich bin fĂŒr beides dankbar.


Von Thomas Kirschner

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von NEXUS


NEXUS ist ein Special-Interest Magazin, das in der australischen Originalausgabe schon seit 20 Jahren besteht und weltweit einen treuen Leserkreis hat. In der deutschen Ausgabe gibt es NEXUS seit Oktober 2005. Die Themen sind non-konformistisch im besten Sinn, d. h. „wir greifen vor allem Fragestellungen auf, die jenseits der „normalen“ RealitĂ€t liegen – weltanschaulich, politisch wie auch existentiell.

www.nexus-magazin.de

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5 Kommentare

Tim 22. Juni 2015 - 00:29

Also, ich kenne sowohl Satya Sai Baba und Balasaibaba aus persönlicher Erfahrung.
Beide sind fĂŒr mich absolut authentisch und pure Göttlichkeit, pure Transzendenz und gleichzeitig pure menschliche GĂŒte…., bedingungslose Liebe….
Ich kann jedem nur den Tipp geben, sich auf eine Begegnung mit Balasaibaba einzulassen,
es ist enorm lebensbereichernd…. aber: Man kann so etwas nur selbst fĂŒr sich herausfinden…
ganz herzlich,
Tim
http://www.agape-raum.de

Laura 18. November 2014 - 00:04

Zugegeben, diesen Avatar kenne ich nicht persönlich um eine Meinung dazu abgeben zu können,
aber ebenso wenig scheint der Autor eigene Erfahrungen mit Sathya Sai Baba gemacht zu haben.
Sathya Sai Baba war ein Avatar und großer Mystiker, dem es nicht gerecht wird, wenn ihn
Menschen derart beschmutzen.
Millionen Menschen rund um den Globus durften seine Göttlichkeit erfahren, 3 Tage angeordnete
Staatstrauer nach seinem „Tod“ ….uvm

Es bleibt das Zeugnis und das Erkennen.

Laura

Anupama 10. Dezember 2014 - 17:18

Bei meinen vielen Aufenthalten in Indien ( auch bei Satya Sai Baba, den ich sehr verehre ) durfte ich einige fĂŒr die westliche Welt als Wunder bezeichnete Situationen erleben. Nach langjĂ€hrigem Studium der PalmblĂ€tter, wurde mir bewusst, das das Wort Wunder nur die Begrenzung unseres Geistes wiederspiegelt und als dieses eigentlich nicht existiert. Denn unser Geist und auch die göttliche Welt sind grenzenlos…

Jeannette 14. November 2014 - 23:22

Mein Mann und ich waren auch 2x bei Balasai Baba. Auch wir erhielten bei jedem Besuch einen Ring materialisiert. Der erste Ring war ein heimlicher Wunsch von mir und sollte meine Verbundenheit mit Gott symbolisieren. Er sah genauso aus – das konnte niemand wissen. Aber was mich noch mehr und nachhaltig beeindruckte und verĂ€ndert hat: die Liebe, die von Baba kam. Ich bin eher ein Mensch des Wissens, Liebe geben oder annehmen war mir stets etwas peinlich. Aber hier, in diesem Moment, als Er mich das erste Mal ansah und mich fragte: „Jeannette, bist Du glĂŒcklich?“, fĂŒhlte ich mich plötzlich vollkommen angenommen, mit all meinen Fehlern und SchwĂ€chen, und ich wusste, diese Liebe wĂŒrde mich immer lieben, egal was ich je angestellt habe sollte. Es war so ĂŒberwĂ€ltigend, dass sich mein Herz plötzlich voll öffnete, und es begann zu fließen. Dieser Moment war heilig und ich werde ihn nie vergessen. Diese Liebe ist noch immer in mir, so reich und im Übermaß, dass ich sie an meine Klienten weitergeben kann, ja, an die ganze Welt, und ich spĂŒre, sie wird nicht weniger. Das ist fĂŒr mich das grĂ¶ĂŸte Wunder, das dort im kleinen Karaoke-Zimmer passiert ist. Danke, Baba.

Emanuela Knoll 14. November 2014 - 12:45

Ich bin tief berĂŒhrt … heil-ig muss etwas mit Heil-ung zu tun haben … fĂŒr mich eine heil ige Sache <3

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