Akzeptanz statt Toleranz – Wolfgang Maiworm

von Thomas
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Mit Blick auf die politischen und gesellschaftlichen Geschehnisse, die mit dem derzeitigen FlĂŒchtlingsstrom einhergehen, analysiert dieser Text die Differenz zwischen Toleranz und Akzeptanz, die einen spĂŒrbaren Unterschied macht.

von Wolfgang Maiworm

 

 

„Du sollst auch Deine Feinde lieben“, heißt das biblische VermĂ€chtnis. Jene, die PolaritĂ€t nicht mit DualitĂ€t verwechseln, können das akzeptieren, denn in der PolaritĂ€t gehören zwei Pole zwingend zusammen: Freund und Feind, Zustimmung und Ablehnung.

Aus dem Blickwinkel einer stufenförmigen Entwicklung, vom JĂ€ger zum Siedler zum HĂ€ndler, ergibt sich, dass es eine logische Folge gibt. Dies gilt im vorliegenden Beispiel fĂŒr das reale   Entwicklungsgeschehen des Menschen. Parallel ergeben sich daraus auch immer neue Verhaltens- und Ausdrucksweisen, die sich erfassen, analysieren, be- und verwerten lassen.

RĂŒckbezĂŒglich kann man aus diesem Werdegang ersehen, was möglich war und was (noch nicht) möglich war. Was fehlt? Neue Ideen, die ein anderer „JĂ€ger“ hat. Um diese anzunehmen, braucht es in dieser Entwicklungsstufe Offenheit. Das noch nicht Bekannte muss wahrgenommen, muss toleriert werden. Dann kann mehr entstehen, dann kann das Unbekannte zum Bekannten werden. Aber nur dann, wenn ich mich ganz auf das Andere einlasse, es akzeptiere und integriere, es vermahle, mich mit ihm vermĂ€hle.

Wenn Sie dieser Argumentation folgen, wissen Sie, dass Akzeptanz mehr vom Ich verlangt als Toleranz. Akzeptanz ist ein Aufgehen im Anderen. Es ist eine Multiplikation, wÀhrend Toleranz nur eine Addition ist. Akzeptanz kreiert ein vielfÀltiges Wir, Toleranz ein Ich und Du.

Übertragen wir dieses Bild auf die aktuelle politische Situation, ist klar, welchen Entwicklungsstand der einzelne Protagonist hat: Der „JĂ€ger“ richtet seine Flinte auf alles, was er braucht, um seinen ersten Trieb zu befriedigen; er will sich sĂ€ttigen und schießt auf alles, was ihm nach eigener Vorstellung als untergeordnet und ihm zustehend vorkommt. Der „Siedler“ will das, was er erworben und gesammelt hat, bewahren und absichern. Er macht einen großen Zaun um alles, was er als schĂŒtzenswertes Eigentum erachtet. Der „HĂ€ndler“ bietet seine EigentĂŒmer, Eigenheiten, Eigenschaften, Eigenliebe dem Fremden an und will dafĂŒr etwas im gleichen Wert zurĂŒck. Der sich dieser Verhaltensweisen bewusste Mensch nimmt sich in seinem Tun wahr und reflektiert, was ihm diese Einstellungen zum Leben an Befriedigung geben. Aus dieser Reflexion gewinnt er ein mehr oder weniger starkes Ich-Bewusstsein, das er nun auch zur Schau trĂ€gt – und je nach Entwicklungsstand damit fĂŒr sein Ich noch mehr Punkte sammeln will oder aber seine Potenz absichtslos zeigt – und wartet, wie sie auf andere wirkt.

Jene, die ihre StĂ€rke dem anderen zur VerfĂŒgung stellen, sind großzĂŒgig, zeigen sich tolerant – und werden deshalb als Geschenk begriffen, sind aber deshalb noch nicht echte Partner. Jene, die die Kraft ihrer Dominanz wie Preisboxer in alle Begegnungen hineintragen, sind so lange tolerant, als sie von anderen hofiert werden und den Lorbeerkranz erhalten.

Jene, die jedes Treffen mit einem Unbekannten als eine Begegnung auf Augenhöhe, im Sinne von Gleichberechtigung partnerschaftlicher  Interessen, behandeln, sind gefĂ€hrdet. Sie tragen das Risiko, sich eventuell fĂŒr etwas geöffnet zu haben, das das erworbene Ich-Bewusstsein enttĂ€uscht, verletzt, im weiteren Verlauf zerstört.

TatsĂ€chlich kommt man dann, wenn man sich bzw. das, was man einst gesichert hatte, öffnet, nicht mehr so heraus, wie man hineingekommen ist. – Angst macht sich spĂ€testens dann breit, wenn sich der, in dem man den Freund sehen wollte, als Feind entpuppt: als Feind der eigenen Interessen.

Dann meldet sich im Innern eine Instanz, die da sagt: Wehre den AnfĂ€ngen! Lass erst gar nichts Fremdes rein, dann ersparst Du Dir spĂ€teren Kummer. Sicherheit vor allem! – Jede weitere Entwicklung fĂŒr ein bewusstes WIR wird eingekesselt. Es werden Sicherheitszonen eingebaut: Bis hierhin und nicht weiter! – Das Ich nennt das Vorsorge und ein Gebot der Vernunft. Es warnt alle anderen, die meinen, eine nĂ€chste Stufe leichten Sinnes gehen zu mĂŒssen.

Nun, wir folgen theoretisch diesen Leichtsinnigen, GutglĂ€ubigen, Ignoranten – und treffen auf jene, die tatsĂ€chlich im Sinne des Mit-Menschen bereit sind, von dem, was sie erjagt, gesichert, behandelt, erfĂŒhlt, gestĂ€rkt, zur Reife gebracht haben, etwas zu opfern, hinzugeben ohne zu fragen, was es zurĂŒckgibt. Sie akzeptieren, dass es einem Prozess gleichkommt, sich auf das Unbekannte ganz einzulassen.

 

Haben Sie erkannt, in welchem Entwicklungsstadium zum Beispiel die meisten Politiker sind, die sich mit dem „FlĂŒchtlingsstrom“ auseinandersetzen? – Legen Sie eine in allen Lebensbereichen nachzuvollziehende, natĂŒrliche Entwicklung als Schablone auf jede einzelne, Ihnen bekannte öffentliche Person – und Sie werden feststellen, dass fast alle an der Angst-Schranke hĂ€ngen geblieben sind. Egal, vor was sie Angst haben, sie verteidigen etwas, das zu ihrem Ich-Bewusstsein gehört. Die Enge von Paragraphen, die Enge von Abkommen, die Enge von nationalen Gesetzen kommt ihnen gerade recht, um sich dahinter mit den Eigeninteressen zu verstecken.

Lassen Sie uns Ross und Reiter nennen: In der Parteien-Demokratie in Deutschland heißt das Schutzschild „ParteirĂ€son“ gemĂ€ĂŸ des imperativen Mandats. Das eigene Gewissen wird an den berĂŒhmten Nagel gehĂ€ngt, weil es ja gar nicht anders geht, als dicht zu machen, wenn man Ordnung in den eigenen Reihen, im eigenen Land erhalten will.

Wer dem zustimmt, nimmt wohl dennoch in Anspruch, ein toleranter Mensch zu sein. Und das ist dann auch das Wesen der Toleranz: Ja, die anderen sind in ihrem Anderssein zu dulden, sie dĂŒrfen aber nicht meine Interessen stören. Da hört die Liebe auf. Gibt es dazu wirklich eine weiterfĂŒhrende Weisheit? – Was löst das Dilemma zwischen GefĂŒhl und Verstand? Was ist die höchste Tugend? Freiheit? Wovon? WofĂŒr?

Wer Angst hat vor dem Sterben, vor dem Verlust von Erarbeitetem und Erstrittenem, ist im Krieg mit dem Leben, denn dies ist immer im Fluss – und nimmt in seinem Lauf ĂŒber FrĂŒhling und Sommer das Sterben im Herbst und Winter auf, um immer wieder neues Leben hervorzubringen.

„Herz, nimm Abschied und gesunde“ (Hesse), ruft uns der Dichter zu. Jeder FlĂŒchtlingsstrom ist der Dung (das im tiefen Unbekannten Wirkende) in dieser dunkleren Herbstzeit fĂŒr das Neue im nĂ€chsten FrĂŒhjahr, im ĂŒbertragenen Sinne fĂŒr das Neue in Deutschland.

Angela Merkel spĂŒrt das. Als Mond-Wesen hat sie es aus tiefem Unterbewusstsein ans Licht der Welt gebracht: „
dann ist es nicht mehr mein Land“, wenn man sich dafĂŒr verteidigen muss, dass man mitfĂŒhlt und sich öffnet fĂŒr die Notleidenden.

Wahrscheinlich hĂ€lt sie diesen Kurs gegen die ewig Gestrigen, die „Siedler“ (die schon einmal einen Turm zu Babel bauten) nicht durch. Sie hat wie einst Jesus zwei Möglichkeiten: Das Erkannte zu leugnen, weil alle rufen „Kreuziget sie!“ – und sich die Angst vor dem Sterben, vor Verlust des mĂŒhsam erworbenen Ansehens, stĂ€rker erweist als der Ruf des Höheren, der ihre persönliche GlaubwĂŒrdigkeit prĂŒft und fordert: Stirb fĂŒr Deine innerste Wahrheit. Nur so erhĂ€ltst Du das ewige Leben.

Diese Frau braucht unseren Zuspruch. Sie steht am Scheideweg. – StĂ€rken wir ihr den RĂŒcken und versichern ihr, dass wahre Freiheit grundsĂ€tzlich und auch fĂŒr sie persönlich nur dann gegeben ist, wenn die Ketten der Versklavung an aus Angst geborene, weltliche Gesetze gesprengt werden – und an diese Stelle das „ewig Weibliche“ treten darf: die Offenheit fĂŒr das unaufhaltsam ĂŒber die Grenze der bis dahin geltenden Normen Fließende.

FĂŒr diese Rebellion trete ich ein: Akzeptanz statt Toleranz. Öffnung der Grenzen fĂŒr alles, was da kommt. Integration mit allem, was da kommt. Prozess mit allem, was da kommt. FREI – willig!

 

maiworm_mystica

 

 

Wolfgang Maiworm ist seit Jahrzehnten eine bekannte im GrĂ¶ĂŸe SpiritMediaBereich, Kongressveranstalter, Herausgeber der Zeitschriften „Lebens-t-rĂ€ume“ und „heute leben mit FLIEGE“, Astrologe und Autor.

www.wolfgangmaiworm.de
www.magazin-fliege.de
www.medizinundbewusstsein.de

 

Weitere MYSTICA-BeitrÀge (Videos) mit Wolfgang Maiworm:

 

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2 Kommentare

dr.listemann 24. MĂ€rz 2016 - 20:56

Eine Interessante Betrachtungsweise … ! Nach vedischer Sichtweise, die sich im Hinduismus und im Ayurveda wiederfindet, kann man den individuellen Stand der Persönlichkeitsentwicklung auch nach dem Kasten-Schema klassifizieren, das ursprĂŒnglich eine rein spirituelle und ĂŒberhaupt keine wirtschaftliche Bedeutung hat:

Demnach gibt es je nach individuellem Erkenntnisstand die Sudras (Handwerker und Arbeiter), die Vaisyas (Bauern und HĂ€ndler), die Ksatriyas (Beamte und Könige) sowie die Brahmanen (Gelehrte und Intellektuelle). Ein Sudra geht davon aus, dass er mit dem (Er-) Schaffen materieller GĂŒter zum GlĂŒck gelangt, ein Vaisyas glaubt, das ĂŒber’s Horten von GĂŒtern zu schaffen, ein Ksatriya lĂ€sst fĂŒr sich arbeiten und verwaltet ReichtĂŒmer, und nur ein Brahmane ist sich darĂŒber im Klaren, dass eine Anhaftung an Materie immer mit Leid verbunden ist – er beansprucht nur das, was er gerade zur Erhaltung seines Körpers benötigt und richtet sein gesamtes Wirken auf seine spirituelle Weiterentwicklung …

WĂ€hrend dessen die ersten drei (unteren) Kasten noch mehr oder weniger materiell orientiert sind und die Materie zu beherrschen versuchen, ordnet sich die vierte (höchste) Kaste ganz dem göttlichen Willen unter. Jemand, der die Materie zu beherrschen versucht, wird nie einen absoluten Überblick haben, daran scheitern und andere Menschen mit ins Leid ziehen. Sie sind letztlich nicht dazu geeignet, ein Volk glĂŒcksverheißend zu fĂŒhren. Und nun schaue man sich einmal an, aus welchen Kasten die hiesigen Politiker kommen. Hinweis: Rationale „Intelligenz“ ist kein Markenzeichen fĂŒr brahmanische QualitĂ€ten …

Im umfangreichen „Srimad Bhagavatam“ ist die gesamte Thematik u.a. sehr ausfĂŒhrlich beschrieben, so dass ich es hier nicht tiefgrĂŒndiger wiederholen möchte …

Alfred 27. Februar 2016 - 11:35

Das Problem der Welt ist die Überbevölkerung und das Streben der Menschen nach mehr Wohlstand.
Dadurch sinkt fĂŒr Mensch und Tier die LebensqualitĂ€t. Die Natur ist so angelegt das sich alles gegenseitig begrenzt, also fressen und gefressen werden. Unsere Ideologien zerstören diese weise NatĂŒrlichkeit der Welt. Die Natur sitzt aber am LĂ€ngeren Ast.

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