Wer oder was nimmt dies gerade wahr? – Christian Salvesen

von Natascha

Christian Salvesen buchtitel_MYSTICA

Mit dieser Inspiration zur Selbsterforschung anhand von Zeichnungen und Kurztexten wird Ihnen vielleicht bewusst werden, wie vielschichtig Wahrnehmung ist. Und obwohl wir bei dieser Übung so manche Sinne nicht einbeziehen, wie das Gehör oder den Tast- und Geschmackssinn, bilden sich visuelle Impulse aus unserem Inneren bereits als Ă€ußerst vielsagend ab.

von Christian Salvesen

 

Christian Salvesen novumGesicht

Wo ist der, der hier gesehen wird?
Wie können wenige Striche eine Person erschaffen?
Was wirkt da gerade?
Was ist Bewusstsein?

Jean Paul Sartre schreibt in seinem ersten philosophisch-phĂ€nomenologischen Werk L’Imaginaire:
„Die Imagination ist ein Bewusstseinsakt, der ein abwesendes oder nichtexistierendes Objekt in seiner Körperlichkeit anvisiert‚ durch einen physischen oder psychischen Inhalt hindurch, der sich nicht als solcher, sondern als ‚analoger ReprĂ€sentant‘ des anvisierten Objektes gibt.“

 

Das Mysterium

liegt fĂŒr mich vor allem darin, dass ĂŒberhaupt etwas ist. Das haben schon viele gesagt. Doch der eigentliche Punkt ist, dass ich es erlebe, jetzt. Und da ist das nĂ€chste, unerklĂ€rliche Geheimnis: Ich bin mit all dem Sein vollkommen allein. Worte sind da wie Dampfwalzen, mit denen ich Blumen aufrichten möchte. Durch die gemeinsame Sprache entsteht die fast perfekte TĂ€uschung, da wĂ€ren unzĂ€hlige andere Menschen mit mir in einer einzigen, gemeinsamen Welt.

Doch gerade bin ich wieder mal aus einem Traum aufgewacht, wo ich mich mit anderen ĂŒber die wunderbare Landschaft ringsum unterhielt. Gerade eben, von der Uhrzeit her sind nur wenige Minuten oder gar Sekunden vergangen, war ich 100 Prozent ĂŒberzeugt: Was da geschieht ist real! Allerdings habe ich das nicht kritisch beleuchten können. So wie ich auch jetzt, wo ich doch ganz klar wach bin, nicht fĂŒhle, dass ich womöglich nur trĂ€ume – und dass es daraus ein Erwachen gibt, wie der Buddha lehrt.

So gibt es eine Parallele zwischen dem TrÀumen im nÀchtlichen Schlaf und dem TrÀumen jetzt, das mir als Wachsein erscheint.

Dies ist mein eigenes Unternehmen und BemĂŒhen aufzuwachen. Ich tu es fĂŒr mich selbst, auch wenn es vergeblich sein sollte.

Ein kleines Gedicht


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Ist wie ein Gericht
Es kann gut schmecken
Und auch verdecken
Was richtig ist.
Auf der Suche nach der Wahrheit
Bin ich immer nur ein Tor
Steh mal aufgeregt davor
Oder auch dahinter – Mahlzeit!

 

Am Abgrund

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Ich bin in jedem Moment am Abgrund
Und geniesse den Fluß des Lebens.
Oh, da, ein Hinderniss!
Schnell drum herum
Bin ja nicht dumm!
Zu spÀt ists immer
Oder nie.

Wo das hinfĂŒhrt, kann ich nicht sehen!
Macht nichts, der Abgrund ist auch blind.

 

Wer mich selbst mag bitte melden!

Christian Salvesen novumhoheit

Es war einmal ein Prinz
Der hieß „Froschiskus“
Er gab nicht nach,
Bis sein Name geÀndert wurde
In?
(Eine Aufgabe zur Selbsterforschung)

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie ich vorwÀrts gehe

Christian Salvesen buchtitel_MYSTICA

Hier habe ich den Zeichenstift auf einem Blatt Papier angesetzt und mit geschlossenen Augen gezeichnet. Es könnte einen Weg darstellen.
So auch meinen Weg.
Es ist einen Versuch wert.

Das Kleingeschriebene dazu lautet:
Der Verlag ĂŒbernimmt keine Verantwortung fĂŒr mögliche FehlschlĂ€ge.

 

 

Wie ich rĂŒckwĂ€rts gehe

Christian Salvesen unbestimmt

Einfach mal ausprobieren!

Die Zeit lĂ€uft rĂŒckwĂ€rts
Das ist kein Scherz
Ich merke es im Herz
Es schlÀgt nicht mehr.

 

Die selbstĂŒberhöhte Stadt

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Auch eine ganze Stadt kann sich selbst so sehr ĂŒberhöhen
Dass sie sich als Wolke erhebt und woanders abregnet.

Es war so heiß im Himmel oben
Das klingt jetzt sicher recht verschroben
Ich hörte wie die Engel proben
Das Halleluja war gelogen –
Ă€h – verschoben – aufgehoben.

 

Beobachtung

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„Ich sah, wie der Bursche mit dem Federhut eilig aus dem Hafen ruderte!“
„Was wollte er?“
„Mich entfĂŒhren!“
„Wohin?“
„Auf eine einsame Insel!“
„Und was dann?“
„Er musste kotzen.“
„Wieso das?“
„Ich zeigte ihm meinen Spiegel.“
Wer das jetzt liest, schaut grade hin.

Der Verfremdungseffekt (V-Effekt) ist ein literarisches Stilmittel und Hauptbestandteil des Epischen Theaters nach Bertolt Brecht. Eine Handlung wird durch Kommentare oder Lieder so unterbrochen, dass beim Zuschauer jegliche Illusionen zerstört werden. So kann er der Theorie zufolge eine kritische Distanz zum Dargestellten einnehmen.
Der Verfremdungseffekt besteht im Kern darin, dem Betrachter vertraute Dinge in einem neuen Licht erscheinen zu lassen und so die WidersprĂŒche der RealitĂ€t sichtbar zu machen. (wikipedia)

 

Zwei in Eins

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Sind wir nicht irgendwie alle gespalten? Nicht unbedingt in Dr. Jekyll und Mr. Hyde, aber doch ziemlich widersprĂŒchlich. Was sich da immer wieder „Ich“ nennt, ist einem selbst manchmal nicht geheuer, oder?

Ein Lied:
Sind wir zu zweit, dann geh‘n wir weit ins Land der Ungeheuer.
Bin ich allein, dann bin ich mein ganz eignes Abenteuer
Sind wir zu dritt – dann ist der Ritt andĂ€chtig und besorgt.
Und im Quartett – da ist es nett, wenn niemand „storgt“
(Mischung aus „stören“, „borgen“ und „stalken“)

 

Fragen und Antworten

Christian Salvesen Buchtraum

„Entsteht denn einfach alles so in diesem Augenblick aus dem Nichts, ohne jede Vorgeschichte, ohne dass irgendjemand etwas getan hat?“
„Objektiv nicht, doch unmittelbar in der Erfahrung, jetzt, ja, ganz genau!“
„Doch wie bin ich auf die Welt gekommen?“
„Jetzt? Keine Antwort, ein Mysterium. FrĂŒher? Der Ich-Identifikator springt an und zieht schnell eine Bahn ĂŒber viele neuronale Verbindungen und erstellt ein Bild von einem Menschen, ziemlich schrĂ€ge Type, wĂŒrde ich sagen!“

Wie darf ich das verstehen?

 

Alle Bilder und Texte (c) Christian Salvesen. Viele weitere Bilder und Infos ĂŒber seine Kunst finden Sie auf www.kunstundmehr.de

 

Über Christian Salvesen:

Er ist Autor, KĂŒnstler und Kenner der spirituellen Szene. 1951 in Celle geboren, Magister der Philosophie und Musikwissenschaften, Komponist und Musiker, arbeitet seit ĂŒber 20 Jahren als Journalist/Redakteur und hat etliche BĂŒcher veröffentlicht, darunter „Advaita“ und „Liebe – Herz aller Weltreligionen“. In den 80ger Jahren leitete er in eigenen, erfolgreichen Rundfunksendungen beim WDR und NDR zur Meditation und zum Bewussten Hören an. Er lebt mit seiner kanadischen Ehefrau in der NĂ€he von MĂŒnchen. Alles weitere erfahren Sie auf www.christian-salvesen.de

Buchtipps:
Christian Salvesen: „Stadtvögel und Ă€hnliche Kreaturen“
Weitere BĂŒcher von Christian Salvesen finden Sie hier.

 

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2 Kommentare

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2 Kommentare

Galerie Kunst und mehr 3. Juli 2016 - 11:11

Wir kennen Herrn Salvesen als ausgesprochen sensiblen KĂŒnstler und schĂ€tzen seine feinfĂŒhligen Arbeiten ĂŒber die Maßen.

Reply
Harry GĂŒnther 3. Juli 2016 - 08:43

Danke fĂŒr die Worte zum Mysterium …fĂŒr mich sind sie keine Dampfwalzen … eher Dampfwolken: sie kreieren ein Gebilde aus MolekĂŒlen, welche die (was immer das ist) RealitĂ€t durchdringen. Sie sind energetisch verbunden, stellen BrĂŒcken … ĂŒber die wir im Besitz einer gemeinsamen Sprache gehen können (und zum Zweck des gemeinschaftlichen Daseins wohl auch mĂŒssen).
Und doch ist zwischen den Dampfpartikeln immer
un e n d l i ……….
viel Raum, den sie niemals vollstÀndig werden beworten können.

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