Vom Wünschen und der fehlenden Ganzheitlichkeit in der Esoterik – Georg Jemora Huber

von Redaktion

Ganzheitlichkeit ist ein Begriff, der in den letzten Jahren immens an Bedeutung gewonnen hat. 83% der Deutschen wollen laut Ärzteblatt mittlerweile ganzheitlicher in der Medizin behandelt werden. Der Großteil der Deutschen, eben jene 83%, fragen nach pflanzlichen Präparaten, bevor sie synthetisch hergestellte Medizin zu sich nehmen. Und im Geburtsland von Hahnemann bevorzugen die Deutschen, wenn möglich, auch eine homöopathische Behandlung. Der andere Teil der Deutschen bezeichnet die Homöopathie übrigens als Esoterik.


von Georg Jemora Huber

Man könnte meinen, Esoteriker wären besonders ganzheitliche Menschen. Doch dem ist leider nicht so. Viele Teile der Esoterik kann man in zwei Bereiche unterteilen: Die auf den Verstand fokussierten, esoterischen Praktiken und jene, die eher auf der intuitiven, gefühlsbetonten Seite liegen. Zur verstandesorientierten Sparte gehört zweifelsohne das Wünschen und das sogenannte positive Denken.

Bücher über das Thema „Wünschen“ und „positives Denken“ verkaufen sich in der Regel ziemlich gut. Durch Bärbel Mohr wurde im deutschsprachigen Raum eine Flut von Wunschanhängern geschaffen und der Film „The Secret“ tat dann noch sein Übriges: Die Esoteriker waren im Wunschfieber, Millionen Büchern wurden verkauft, Tausende Seminare veranstaltet. Dies hat vor allem den Veranstaltern und Autoren geholfen. Denn diese haben durch die Bücher und Seminare etliches Geld verdient, um sich Häuser und Ferraris zu kaufen. Der Leser merkt nur enttäuscht, dass das mit dem Wünschen nicht immer so funktioniert und kauft dann gleich den nächsten Ratgeber, der einem zeigen soll, welche geheime Zutat zu der Wunschsuppe noch gehört.

Lieber Leser, wenn du jetzt gerade laut triumphierst, weil du ein bekennender Gegner der Esoterik bist, so muss ich dich gleich vorwarnen. Positiv denken oder Wünschen ist grundsätzlich keine Sache der Unmöglichkeit oder gar etwas Schlechtes. Ganz im Gegenteil. Es hat Vor und Nachteile, die ich gleich aufzeigen werde. Also bitte nicht gleich triumphieren.

Die Wünscher gehören also in die Kategorie der verstandesorientierten Esoteriker, sie nutzen ihr Denken, um zu Erschaffen. Und diejenigen, die den ganzen Tag positiv denken und Affirmationen benutzen, gehören natürlich auch dazu!

Kommen wir zum anderen Bereich der Esoterik. Da haben wir die Herz-Menschen, die nur mit ihrer Intuition durchs Leben schippern und peinlichst genau auf ihre Gefühle und Emotionen achten. Denn diese Gefühle in ihnen sind ein wahrer Wegweiser geworden, alles muss sich gut anfühlen! Auch diese Kategorie endet wie so oft in der Dramatik, wo beim Wünscher und Affirmationer sich eher der Misserfolg einstellt, so ist der Gefühler (bitte verzeiht mir meine Worterfindungen :-)) auch irgendwann in einer Welt der Emotionen gefangen. Die Emotionen werden immer stärker und immer stärker, schon bald Folgen der ständigen Traurigkeit, der übergroße Ärger. Alles was in uns ein Gefühl verursacht, verursacht in den Gefühlern gleich eine zehnfache Reaktion.

Aus beiden Sparten, Verstandlern und Gefühlern, gibt es zahlreiche Auswanderer, die nach monatelangem Studium von Büchern und Tausenden ausgegebener Euro für Seminare wieder esoterisch auf der Straße sitzen und neu anfangen müssen. Woran liegt das? Meiner Meinung nach an der fehlenden Ganzheitlichkeit und der falschen Aufmerksamkeit.

Bevor den Lesern, die gegen die Esoterik sind, nun noch mehr Wasser im Mund zusammen läuft, ein kleiner Hinweis: Positives Denken funktioniert, nicht immer, aber öfter. Einfaches Beispiel: Ein Auftritt. Mir hat das bisher immer Angst gemacht. Stell dir vor, du machst irgendwas, wovor du Angst hast. In wenigen Minuten gehst auf die Bühne, sprichst mit deinem Chef über eine Gehaltserhöhung, sagst deiner Partnerin, dass du die verlassen willst oder irgendein anderer kritischer Moment. Wenn du in Gedanken nun immer wieder betonst, dass du das schaffst und dir das „erwünschte“ Resultat in deiner Fantasie vorstellst, dann hilft das. Oder nicht? Und wenn du dir in Gedanken vorstellst, wie alles schief läuft und dir selbst Versagen suggerierst, dann fühlst du dich noch schlechter, oder?

Du protestierst vielleicht nun: „Ja klar ist es besser positiv zu denken, aber das Beispiel ist doch einfach kindisch“. Vielleicht, aber es ist ganz einfach. Der Verstandler in der Esoszene macht nicht mehr als dieses Beispiel, er geht nur einfach ein Stück tiefer in die Materie. Und dass positives Denken sich nicht gut auf unser Immunsystem und Stressoren auswirkt, das muss mir erst mal einer beweisen. An sich ist das positive Denken also eine gute Sache.

Das Problem beim positiven Denken ist aber, dass Gefühle und die „Seele“ außer Acht gelassen werden. Ich bin nicht gegen positives Denken. Positives Denken ist gut. Aber sag einem zehn- jahrelang misshandeltem Menschen, dass er einfach nur jeden Tag denken soll: „Ich bin liebenswert“, „Ich bin ein wunderbarer Mensch“, damit es ihm besser geht!

Wenn du eine emotionale Verletzung hast, kannst du soviel denken, wie du willst. Stimmst du mir da zu, zumindest ein Stück? Die Balance oder die Ganzheitlichkeit ist bei diesem ganzen positiven Denken flöten gegangen. Genauso wie bei den Gefühlern, die irgendwann noch nur vor Gefühlen (ob positiven oder negativen) überschwappen.

Was passiert, wenn man in eine Waagschale (ich meine dieses alte Dinge, wo noch auf eine Schale ein Gewicht gelegt wurde) immer mehr hineingibt? Die andere Seite sinkt nach unten. In der Esoterik ist es das Gleiche. Lege ich meine Aufmerksamkeit zu sehr auf die eine Seite, beginnt das ganze Konstrukt zu wackeln. Ich bin der Meinung, dass alle diese verstandesgeprägten und gefühlsbetonten Esoterikseiten vom wahren Kern ablenken.

Noch ein Beispiel: Nehmen wir einen bunt bemalten, gläsernen Teelichthalter, den man auf jedem Weihnachtsmarkt erwerben kann. Das, was wir alle sind, ist dieses Licht im Inneren, die Flamme des Teelichtes. Wir sind die ewige göttliche Substanz, wir sind eine Projektion der göttlichen Seele in einem Körper. Das Wachs des Teelichtes liegt in einem runden Aluminiumbehälter und diese wiederum sind umgeben von einem Glasgefäß, auf dem bunter Lack aufgetragen ist. Teilweise sind diese Teelichthalter aus Glas noch mit Perlen oder Verzierungen verschönt oder sie haben aufwändige Muster, die durch das Licht an die Wand geworfen werden. Um das Licht herum sind Schichten, so wie unser innerstes Licht von verschiedenen Ebenen und Körper eingehüllt ist. Dieses Licht ins uns scheint immer, es durchdringt alle Ebenen, alle Gedanke, alle Gefühle.

Ich möchte dich motivieren, dieses Licht zu sehen. Gedanken sind gut und ein nützliches Werkzeug. Emotionen sind auch gut, sie dienen uns, Erfahrungen zu machen, aber wir  dürfen nicht vergessen, was wir wirklich sind. Wir sind eine Seele, die sich in verschiedenen Körpern ausdrückt. Wenn wir einen dieser Körper, ob Gedankenkörper, Gefühlskörper, astraler Körper oder physischer Körper (passiert bei den Esoterikern ja weniger) überbewerten, verleugnen wir unsere wahre Natur und leiden.

Wir können es eine Zeit mit Affirmationen, Wünschen und positiven Denken versuchen und dann können wir uns auch die Zeit nehmen und all unsere Aufmerksamkeit auf unser Herz und unsere Gefühle richten, also immer aus dem Bauch heraus handeln. Doch dann wird eine Zeit kommen, an dem wir all diese Phasen hinterfragen und dann sind wir wahrhaft bereit in den Kern vorzudringen.

Die Einseitigkeit in der Esoterik schadet mehr, als dass sie hilft. Achte nicht nur auf den Körper oder die Ernährung, achte nicht nur auf deine Gedanken und Wünsche, achte auch nicht nur auf dein Bauchgefühl oder deine Emotionen.

Du bist viel mehr als das.

Alle Gedanken und Gefühle ändern sich sowieso bald wieder. Die Persönlichkeit ändert sich immer wieder. Sobald du an etwas Neues glaubst, ändern sich die Gefühle und Gedanken und damit die Persönlichkeit.

Aber dieser göttliche Funken in dir, der göttliche Geist in dir, die Seele, die du bist bleibt ewig!

Die Identifikation mit den Gefühlen oder Verstand erschafft Leid, die Identifikation mit der Seele, die wir sind, beendet Leid.

Alles Liebe

Georg Jemora


Autor:

Georg Jemora Huber wurde 1982 geboren und lebt mit seiner Familie an der Bergstraße in Deutschland. Er begann in seinem Leben recht früh Bücher und Geschichten zu schreiben. Mit 12 Jahren schrieb er seine ersten Romane und Geschichten, die er allerdings nie veröffentlichte. In seiner Kindheit und Jugend nutzte er jede Chance zu schreiben und tauchte immer wieder in Fantasiewelten ein, um diese später auf Papier zu bringen. 2009 erschienen erstmals Sachbücher von ihm, sein Erstlingswerk „Energetische Hausreinigung“ wurde zu einem Standartwerk in der spirituellen Literatur. Doch seinen Traum von seinem ersten veröffentlichten Roman gab er nie auf. Obwohl er viele Ideen für Geschichten hatte und ein paar Romane bereits schon fast fertig waren, bat er 2011 in einem Gebet um ein Buch, das viele Menschen berühren würde und es ihm ermöglichte, als Roman-Autor endlich Fuß zu fassen. Als Antwort war plötzlich die Geschichte von „In deiner Welt“ in seinem Kopf und berührt von dieser wunderbaren Geschichte machte er sich sofort daran dieser Geschichte Leben einzuhauchen. Georg Huber macht deutschlandweit Veranstaltungen und arbeitet in einer eigenen Praxis.

www.jeomra.de

http://spirit-by-jeomra.blog.de/

 

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