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MYSTICA Essays Das Vertrauen entzieht sich der Kontrolle – Daniel Herbst

Das Vertrauen entzieht sich der Kontrolle – Daniel Herbst

von Redaktion

Aus der Unendlichkeit in die Erscheinung und zurück – das ist der Weg, der schon unzählige Male beschritten worden ist und immer wieder aufs Neue beschritten wird. Einer dieser Wege stellt sich dir als dein Leben dar. Solange du glaubst, dass es dir gehört, wirst du dich immer wieder einsam und verlassen fühlen und dem Leben nicht wirklich vertrauen. Dabei liegt dir ein Vertrauen zugrunde, dass durch deine Geburt vollkommen ausgedrückt worden ist. Dein Leben ist dir geschenkt worden, damit du dich verschenken kannst. Du bist geboren worden, um aufzugehen. Überlasse es dem Leben, dich zu bewegen. Solange du dein Leben kontrollieren willst und versuchst, es nach deinem Bild zu gestalten, wirst du ein mühseliges und beladenes Leben führen und immer wieder ins Leiden fallen. Das Leiden ist der Preis, den du für dein Misstrauen bezahlen musst. Dabei möchte dich das Leben durch ein vollkommen einmaliges Leben tragen. Woher willst du wissen, was sich dir in deinem Leben zeigen will? Solange du deine Vorstellungen für wirklicher als die Wirklichkeit hältst, werden dich deine Vorstellungen immer wieder daran hindern, einfach zu leben. Am Ende deines Lebensweges wartet der Tod auf dich. Wenn du nicht gelernt hast, dich dem Leben anzuvertrauen, wirst du nicht wahrhaben wollen, dass du jetzt gehen musst. Dabei will dich der Tod nur vergessen lassen, was des Vergessens bedarf. Durch den Tod wirst du wieder mit der Unendlichkeit vereint. Warum solange warten?

Erkenne, worauf dich der Tod hinweisen will. Er will von dir nehmen, was nicht zu dir gehört. Er will dich erleichtern. Wenn du erfährst, dass du wirklich anwesend und lebendig bist, wird dich der Tod nicht erst holen kommen, wenn dein Körper erschöpft ist und nicht weiter kann. Der Tod macht die von Vorstellungen getrübten Augen wieder strahlend klar. Nur die Gedanken wollen nicht, dass du dich dem Leben schon vor der Zeit anvertraust. Sie setzen alles daran, um dich weiterhin zu kontrollieren. Das Vertrauen entzieht sich der Kontrolle. Wenn nicht, wird es durch Kontrolle zerstört. Das kann nicht sein, was du willst!

Die Hoffnung stirbt nie

Ohne Hoffnung wird es immer dunkler. Schlussendlich wird es völlig dunkel sein. Das Leben selbst ist die Hoffnung. Es will sein. Es will die Möglichkeit haben, zu existieren. Das, was existiert, ist in den Raum getreten, um sich zu zeigen. Könnte es nicht sein, dass wir uns durch das Leben selbst erreichen sollen? Ist das die Hoffnung? Liegt der Existenz etwas zugrunde, das sich selbst erkennen will? Durch jeden einzelnen von uns? Dessen bin ich mir vollkommen sicher. Wir sind hier, damit sich die Hoffnung erfüllen kann und zur Gewissheit wird. Das können wir nicht tun. Das passiert. Es passiert, wenn wir bereit sind, jedes Bild und jede Idee von uns hinter uns zu lassen. Selbsterkenntnis ist kein egoistischer Zeitvertreib. Wenn es ein egoistischer Zeitvertreib ist, hat es mit Selbsterkenntnis nichts zu tun. Wer „Glücklicher als Gott“ sein will, springt zu kurz. Wahre Selbsterkenntnis geht in ein fortwährendes und ewiges Fallen über. Da, wo ich mich nicht mehr präparieren kann, da, wo ich nicht mehr weiß und wo mich Konzepte nicht mehr befriedigen können, fängt etwas vollkommen Neues an. Das Neue ist das Leben. Hier ist alles live und genau so, wie es ist.

Gerade springen die Spekulanten wieder von den Brücken, die Weltbörsen fallen ins bodenlose. Da ist keine Hoffnung. Ein Abgrund tut sich auf. Es wird schwarz gesehen. So geht es nicht weiter. Wer nur an sich glaubt, sich selbst anbetet und alles für sich selbst will, ist hoffnungslos verloren. Das wird uns gerade vor Augen geführt. Die selbstbezogene Form der Hoffnungslosigkeit kann überaus heilsam sein. Sie kann mich zum Leben hin öffnen. Ich brauche keine Hoffnung. Da ist Hoffnung. Die Hoffnung selbst drückt sich als das Leben aus. Sie will mir vergegenwärtigen, dass ich wirklich hier bin. Diese Hoffnung kennt kein Sterben. Sie ist, woraus wir „gemacht sind“. Sie wartet darauf, realisiert und gelebt zu werden. © Daniel Herbst Daniel Herbst ist ein wunderbarer Autor zu Themen wie Sein und Erleuchtung. www.daniel-herbst.de

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