Werde, wie ein Bambus – Manfred Mohr

von Thomas

Hier vereint der Autor und GefĂŒhlscoach Manfred Mohr unterschiedliche Zitate von Persönlichkeiten wie Clemens Brentano, Ghandi, Khalil Gibran, Lincoln oder Laotse zu einem universellen Bild der menschlichen GefĂŒhlswelt, und stellt dabei einen interessanten Vergleich mit der Bambus-Pflanze an.

von Manfred Mohr

 

 

Immer mehr Menschen klagen in den letzten Jahren ĂŒber zu viel Stress. Viele von uns hasten nur noch durch ihr Leben und verlieren sich in ihren mannigfaltigen Aufgaben und Herausforderungen.

Sinnbildlich befinden wir uns alle auf dem Rad des Lebens, von dem besonders im Buddhismus die Rede ist. Wenn sich dieses Rad immer rasanter dreht, dann drehen auch wir uns immer schneller mit ihm. Die Drehgeschwindigkeit treibt uns auf die Speichen des Rades hinaus, und je mehr wir weiter nach außen gedrĂ€ngt werden, umso schneller drehen wir uns. Es gibt jedoch eine Lösung: Wir können uns bewusst wieder mit unserem Zentrum verbinden und uns hier stĂ€rken. Denn im Zentrum des Rades sitzt die Nabe, an dem es befestigt ist. Hier ist die Ruhe und Stille zu finden, nach der wir uns so intensiv sehnen. Diese innere Mitte finden wir in unserem Herzen. Und besonders, wenn wir uns bewusst mit ihm verbinden, um uns wieder zu fĂŒhlen.

Denn hierin liegt fĂŒr mich die Hauptursache fĂŒr unsere viel zu hastige Lebensweise verborgen: Wir haben ganz einfach verlernt, uns zu fĂŒhlen. Dabei sind wir doch ursprĂŒnglich vor allem fĂŒhlende, empfindende Wesen. Unsere Empfindungen, die auf den altdeutschen Ausdruck „etwas in sich finden“ zurĂŒckgehen, sind sehr mit unserem FeingefĂŒhl und unserer Intuition verbunden. Sie zeigen uns immer unsere BedĂŒrfnisse und bringen uns so auch wieder zu uns selbst zurĂŒck. Schon Laotse war diese innere Reise wohlbekannt:

Der Reisende ins Innere findet alles, was er sucht, in sich selbst. Das ist die höchste Form des Reisens.

GefĂŒhle können uns helfen, uns selbst besser kennen zu lernen. FĂŒr mich ist es eine der wichtigsten Übungen zur Selbstliebe, unsere GefĂŒhle wieder mehr zu schĂ€tzen und ihnen zu folgen. Sie sind ein wertvoller Teil unseres Wesens, den wir viel zu oft ĂŒberhören und unterdrĂŒcken. Dabei wĂ€ren sie in der Lage, uns mit unserem inneren Licht zu verbinden, so wie Khalil Gibran sagt:

Der Mensch besteht aus zwei Teilen: einer wacht in der Dunkelheit, und der andere schlÀft im Licht.

Beim Umgang mit unseren GefĂŒhlen können wir viel von der Bambus-Pflanze lernen. Der Bambus hĂ€lt gelassen allen Witterungen stand. Wie das Wetter auch sein mag, ob es zu trocken ist oder nass, stĂŒrmisch oder windstill, der Bambus hat die innere Gelassenheit, allem in der passenden Art und Weise zu begegnen.

Unsere GefĂŒhle sind so unterschiedlich wie das Wetter. Manchmal geht es uns gut, dann scheint gerade die Sonne. Dann wieder sind wir traurig und der Regen fĂ€llt. So unterschiedlich wie das Wetter sein kann, so sind auch unsere GefĂŒhle. Der Bambus mit seiner FlexibilitĂ€t macht uns vor, wie wir mit ihnen umgehen können. Wenn wir lernen, annehmend und weich zu bleiben, hĂ€lt uns dies gleichzeitig auch jung und lebendig:

Schmiegsam ist der Mensch, wenn er geboren wird. Starr und steif, wenn er stirbt. Biegsam und zart sind die KrÀuter und BÀume im Wachstum, stark und hart im Entwerden. Darum gehören Starre und StÀrke dem Tod, Weichheit und Zartheit dem Leben. (Laotse)

So gelassen, wie der Bambus jeder Witterung begegnet, sollten auch wir mit unseren GefĂŒhlen umgehen. Es ist ganz natĂŒrlich, dass unsere Stimmungen sich verĂ€ndern. Jedes GefĂŒhl ist grundsĂ€tzlich gut und richtig. Statt mit ihm zu kĂ€mpfen, es abzulehnen oder ihm auszuweichen, sollten wir ihm gelassen begegnen. Es ist ein Teil von uns. Wenn ich meine GefĂŒhle akzeptiere, akzeptiere und liebe ich mich.

Ein GefĂŒhl ist, wie es ist. Und damit ist es immer richtig. Ein GefĂŒhl kann gar nicht falsch sein. Jedes GefĂŒhl entspringt aus meiner inneren Quelle, die aus meiner Seele schöpft. Wie gut, dass wir lebendig sind und fĂŒhlen können!

Wenn du das Ende dessen erreicht hast, was du wissen solltest, stehst du am Anfang dessen, was du fĂŒhlen solltest. (Khalil Gibran)

In unserer neuen Zeit ist es darum fĂŒr uns alle so notwendig, uns wieder mehr zu spĂŒren. Jeder von uns ist Teil dieser Entwicklung. Jeder von uns kann damit beginnen, sich selbst immer wieder einmal zu fragen: Wie fĂŒhle ich mich? Wie geht es mir gerade, in diesem Moment. Und schon sind wir wieder mit dem Augenblick, dem Hier und Jetzt, verbunden. Eckhard Tolle hat den wunderbaren Ausdruck der „GegenwĂ€rtigkeit“ hierfĂŒr geprĂ€gt.

Du fragst dich dann auch immer hĂ€ufiger: Wie fĂŒhlt sich das fĂŒr mich an? Gut oder schlecht? Und fast schon automatisch folgst du diesem GespĂŒr, dieser inneren Richtschnur. Dein GefĂŒhl beginnt somit, auch dein Handeln zu bestimmen.

Dem GefĂŒhl folgend, suchst du dir neue Freunde und Bekannte, die dir gut tun. Du suchst eine Arbeitsstelle, die dir entspricht. Du bist nach einiger Zeit der Übung auch deines GefĂŒhls so sicher, dass du es anderen Menschen mitteilst. Du stehst mehr fĂŒr dich ein und sagst Menschen, wenn sie dir wehtun oder wenn du dich ungerecht behandelt fĂŒhlst. Auf dieser Art beginnst du, deinen eigenen Weg zu finden und auch zu gehen. Du lĂ€ufst nicht mehr mit in der Herde. Und wer hilft dir dabei? Du selbst. Indem du dich einfach immer wieder fragst: Wie fĂŒhlt sich das fĂŒr mich an? Dein GefĂŒhl gibt dir immer eine Antwort.

Wenn ich Gutes tue, fĂŒhle ich mich gut. Wenn ich Schlechtes tue, fĂŒhle ich mich schlecht. Das ist meine Religion. (Abraham Lincoln)

Vielleicht geht es dir ja auch so wie mir: Wenn ich mich ĂŒber einen anderen Menschen aufrege, dann spĂŒre ich, es tut mir selbst nicht gut. Also sollte ich doch damit aufhören. Denn dies ist die vielleicht schönste Konsequenz des FĂŒhlens. Wir beginnen den Ausspruch von Ghandi zu verstehen, wenn nicht gar zu fĂŒhlen:

Ich und du, wir sind eins. Ich kann dir nicht wehtun, ohne mich selbst zu verletzen.

Im MitgefĂŒhl ist es mir unmöglich, den anderen zu hassen. Denn ich spĂŒre, wie dieser Hass zu mir zurĂŒckkommt. Mache ich stattdessen andere glĂŒcklich, fließt das GlĂŒck auch zu mir.

Die Liebe ist das Einzige, das mehr wird, je mehr du sie verschenkst. (Clemens Brentano)

In der Liebe erhalten wir selbst die Liebe zum Geschenk. Wenn ich mich mehr spĂŒre, dann wird mir dieser Zusammenhang zwangslĂ€ufig immer mehr bewusst. Jeder, der sich wieder mehr mit seinem Herzen verbindet, wird dabei langsam und zunĂ€chst unbemerkt, auch wieder mehr in die Liebe finden. Dabei ist es einerlei, ob es die Liebe zum anderen oder zu uns selbst ist. Ich und Du, wir sind eins.

 

Buchtipp:

 

Der Bambus-Effekt von Manfred Mohr

Kartoniert, 208 S., 190 Taschenbuch

Verlag: Droemer/Knaur, 2017

ISBN: 9783426877593

Hier können Sie das Buch bestellen

 

 

 

Über Dr. Manfred Mohr:

Anfang April 2017 erschien sein neues Buch „Der Bambus-Effekt – Durch gefĂŒhlvolle Akzeptanz ĂŒber sich selbst hinauswachsen“, in dem er sein neuartiges 7-Schritte-Programm fĂŒr ein ganzheitliches GefĂŒhlscoaching vorstellt. Manfred Mohr ist Seminarleiter und Autor rund um die Themen WunscherfĂŒllung und Selbstliebe. Sein Buch Das Wunder der Selbstliebe machte ihn auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Mohr war mit der im Oktober 2010 verstorbenen Bestsellerautorin BĂ€rbel Mohr (Bestellungen beim Universum) verheiratet. Mit den gemeinsamen Zwillingen lebt er in der NĂ€he von MĂŒnchen. Er fĂŒhrt BĂ€rbel Mohrs geistiges Erbe weiter.

www.manfredmohr.de

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