Trauern heilt – Bianca Sommer

von Thomas

In unserem MYSTICA-Beitrag von Saga GrĂŒnwald „Verlust des Trauerns“ wurde ĂŒber die UnfĂ€higkeit einer ganzen Gesellschaft berichtet: Trauer zuzulassen. Bianca Sommer, Trauerbegleiterin, Tierkommunikatorin und Jenseitsmedium, muss ebenfalls feststellen, dass „Trauer so wichtig ist und dennoch in unserer Gesellschaft keinen Raum mehr bekommt“. Hier ist es ihr Anliegen, einige Themen aus dem Artikel „Verlust des Trauerns“ aufzugreifen und aus ihrer persönlichen Sicht zu vertiefen. Eine Kernaussage: Den Trauernden nicht alleine lassen!

von Bianca Sommer

 

 

„Trauern heilt!“ – dem kann ich mich nur anschließen. Leider ist dies eine Tatsache, die man nicht verleugnen kann. Altern, Sterben und Trauern scheinen zu Tabuthemen zu gehören. Sehr viele Menschen werden, wie von Frau GrĂŒnwald treffend geschildert, in den so notwendigen und heilsamen Trauerprozessen gebremst und bleiben dadurch in diesen stecken. So ist es heutzutage umso wichtiger, genau hier anzusetzen und diesen Menschen zu helfen. Es ist an der Zeit, dass ein Umdenken in unserer Gesellschaft stattfindet und die Trauer als das anerkannt wird, was sie ist: Ein wichtiger Genesungs- und Heilungsprozess.

Der derzeitige Alltag vieler Trauernder ist ein emotionaler Spießrutenlauf. Der Chef erwartet, dass man wenige Tage nach dem Tod des geliebten Menschen bitte wieder hochkonzentriert und effektiv seiner tĂ€glichen Arbeit nachgeht und die mitunter etwas geduldigeren und verstĂ€ndnisvolleren Kollegen haben spĂ€testens nach drei oder vier Wochen kein offenes Ohr mehr fĂŒr die Hinterbliebenen. Selbst im Freundeskreis stoßen Trauernde bereits nach wenigen Tagen oder Wochen auf taube Ohren.

Ja, es gibt sie, die rĂŒhmlichen Ausnahmen. Es gibt die Chefs, Kollegen und Freunde, die wirklich aktiv fĂŒr die Hinterbliebenen da sind und sie unterstĂŒtzen und durch diese schwere Zeit begleiten. Doch sie sind bislang die Ausnahme.

Die durchaus gut gemeinten Aussagen wie „Das Leben geht weiter
“, „Jetzt ist es doch schon 4 Wochen her, jetzt muss es dir doch langsam mal besser gehen
“ oder auch „Du musst endlich loslassen.“, richten emotional bei den Trauernden oft großen Schaden an. Vor allem die letzten beiden Aussagen, die leider viel zu hĂ€ufig achtlos verwendet werden, sind fĂŒr Hinterbliebene wie ein Schlag ins Gesicht. Doch warum ist dies so? Um hier eine Antwort zu finden, muss man sich zunĂ€chst selbst eine andere Frage stellen: Was genau sollen sie denn loslassen? Die Liebe, die sie mit dem Verstorbenen verbindet? Oder vielleicht die schönen Erinnerungen? Oder etwa die Seele? Die Liebe, die schönen Erinnerungen – die dĂŒrfen bleiben. Sind es doch genau diese Dinge, die die Beziehung zu diesem Menschen ausgemacht haben. Die Seele ist reine Energie, man kann sie nicht festhalten. Es ist, als wĂŒrde man versuchen, fließendes Wasser zwischen zwei Fingern festhalten zu wollen – es ist unmöglich. Wer definiert, wieviel Zeit fĂŒr die Trauer noch angemessen ist und wann trauert man zu viel?

Tastsache ist: Wir leben in einer Kultur, die verlernt hat, wie man richtig trauert. In einer Kultur, in der nur wenige Menschen bereit sind, der Trauer den Raum und die Zeit zu geben, die dafĂŒr erforderlich sind. Es darf sich also ruhig wieder etwas Ă€ndern, damit Trauern auf gesunde und heilsame Weise möglich wird, damit Trauer eine QualitĂ€t bekommt.

Doch was brauchen wir dafĂŒr? ZunĂ€chst brauchen wir dafĂŒr ein umfangreiches Wissen darĂŒber, was Trauer ist und wie gesundes Trauern möglich ist. Es gibt BĂŒcher, wie z.B. von Verena Kast, die sich intensiv mit der Trauer und den Trauerphasen beschĂ€ftigen. Diese sind eine gute Quelle fĂŒr sachliche und fachlich gute Informationen zu dieser Thematik. Doch was fast noch wichtiger ist: Wir brauchen dafĂŒr Menschen, die keine Angst haben, sich mit Tod, Verlust und Trauer auseinanderzusetzen. Es gibt sie durchaus, doch sind es noch viel zu wenige. Es gibt zum Beispiel sehr gut ausgebildete Trauerbegleiter, die eine wirkliche StĂŒtze fĂŒr die Angehörigen sein können. Ebenso kann der Austausch mit anderen Hinterbliebenen wie in Trauergruppen sehr hilfreich sein.

Vielen Menschen hilft der Weg zu einem seriösen Medium. Ein Jenseitskontakt kann bei der TrauerbewĂ€ltigung sehr gut unterstĂŒtzen. In einer guten Sitzung mit vielen Details und liebevollen Botschaften von den Seelen der Vorausgegangenen kann Heilung eintreten. Diese Sitzungen sind meist umso emotionaler, je stĂ€rker die Trauer des Angehörigen ist. Doch sind die TrĂ€nen, die dort fließen, zugleich erleichternd und reinigend. Der Hinterbliebene bekommt dabei oft Antworten auf Fragen, die ihn noch beschĂ€ftigen und womöglich in seiner TrauerbewĂ€ltigung aufhalten. Ungesagtes kann ausgesprochen werden und oftmals können die Angehörigen dadurch erst richtig anfangen, sich mit dem Verlust des geliebten Menschen emotional zu beschĂ€ftigen. ErfahrungsgemĂ€ĂŸ wird in diesen Terminen sehr viel miteinander gelacht, was genauso zur Heilung beitrĂ€gt. Die Seelen, die sich in den Kontakten melden, möchten nĂ€mlich ihre Angehörigen fröhlich und zufrieden sehen und ĂŒbermitteln hĂ€ufig Informationen, die Sitter und Medium gleichermaßen zum Lachen bringen.

Es ist die Sehnsucht nach dem Verstorbenen, die diese Menschen dazu bringt, zu einem Medium zu gehen. Oftmals verbunden mit der Frage, ob es demjenigen jetzt gut geht. Doch es steckt mehr als nur Sehnsucht oder Sorge hinter dem BedĂŒrfnis, ein Medium aufzusuchen. Sehr oft ist es das BedĂŒrfnis, mit einem Menschen ĂŒber den Verstorbenen sprechen zu können, der mit VerstĂ€ndnis und HerzenswĂ€rme auf die Trauer reagiert. Die Befriedigung dieses starken BedĂŒrfnisses ist eines der wichtigsten Elemente in der Verarbeitung der Trauer.

Der Verlust eines geliebten Wesens, ob Mensch oder Tier, ist wohl der grĂ¶ĂŸte Verlust, den man erleiden kann. Eine emotionale Herausforderung, die umso grĂ¶ĂŸer in einem Umfeld ist, in dem die meisten Menschen verlernt haben, wie man auf gesunde Art mit Verlust umgehen kann.

Einer der HintergrĂŒnde, warum wir das gesunde Trauern verlernt haben, liegt meines Erachtens nach darin, dass wir verlernt haben, wirklich bewusst zu leben. Wir leben (noch) in einer Leistungsgesellschaft, in der Wohlstand ĂŒber Wohlbefinden steht. Doch geht es im Leben wirklich darum, mehr und mehr ReichtĂŒmer anzuhĂ€ufen, das neueste Handy, den grĂ¶ĂŸten Fernseher, das teuerste Auto zu besitzen? Ist es wirklich der materielle Wohlstand, der uns innerlich glĂŒcklich macht?

Wenn das so wĂ€re, warum gibt es dann so viele Kulturen, in denen Menschen in einfachsten – aus unserer Sicht Ă€rmlichen – VerhĂ€ltnissen leben und dennoch glĂŒcklicher sind als wir? Wie kommt es, dass gerade in diesen Kulturen der Tod als das gesehen wird, was er ist: ein Teil des natĂŒrlichen Kreislaufs des Lebens. Dort werden Trauernde besonders in die Gesellschaft integriert und aufgefangen. Es gibt rituelle ZusammenkĂŒnfte, in denen gemeinsam Erinnerungen an den Verstorbenen ausgetauscht werden. Die Angehörigen sind niemals alleine, sie werden aufgefangen und merken, dass die anderen ihren Schmerz verstehen und diesen annehmen können. Dadurch, dass sie ihren Schmerz herauslassen können, ohne dass es als unangemessen betrachtet wird, können sie diesen schließlich ĂŒberwinden. Der emotionale Schmerz, den Trauer wegen eines Verlustes mit sich bringt, will ausgelebt werden. Sonst bleibt er, wie jede andere nicht ausgelebte Emotion, in uns. Sie lassen sich nicht verdrĂ€ngen, lösen sich nicht von alleine auf. Diese Emotionen stauen sich in uns auf, bis wir uns ihnen stellen und sie zulassen. Wenn wir den Schmerz annehmen, akzeptieren und willkommen heißen, finden wir einen Weg hindurch. Und auf der anderen Seite liegt die Freiheit.

Im Leben geht es darum, dass wir glĂŒcklich sind, die Dinge tun, die uns wichtig sind. Es geht um ein Miteinander, statt um ein „Jeder gegen Jeden“. Es geht um Emotionen, die gesehen, akzeptiert und gelebt werden wollen. Dazu gehören auch die, die wir gerne verdrĂ€ngen und nicht an uns heran lassen wĂŒrden, wie z.B. Wut, Aggression, Schmerz und Trauer. Es geht darum, fĂŒr sich selbst und andere da zu sein und Gutes zu tun. Wir alle sollten unser Leben so leben, dass wir nichts bereuen. Was ist es wohl, was man am meisten bereut, wenn jemand gestorben ist? Es sind die verpassten Gelegenheiten. Die Dinge, die man nicht gesagt oder getan hat. Die Zeit, die man mit Arbeit oder anderen Dingen verbracht hat, statt mit dem geliebten Menschen.

Hier möchte ich wieder zurĂŒck auf die Schilderung von Saga GrĂŒnwald kommen. Peter MĂŒller, dessen geliebte Frau gerade beigesetzt wurde, bricht auf der Straße schreiend und weinend zusammen. Saga GrĂŒnwald hat geschildert, was in den meisten FĂ€llen passieren wĂŒrde. Die Nachbarn wĂŒrden eventuell den Notarzt rufen, aber sich sehr wahrscheinlich abwenden. Doch was wĂŒrde wohl geschehen, wenn die Nachbarn stattdessen ihr gemĂŒtliches Wohnzimmer verlassen, zu Peter MĂŒller eilen und mit ihm trauern wĂŒrden? Wenn sie ihm VerstĂ€ndnis, WĂ€rme und Liebe entgegenbringen, ihn zu sich in die Wohnung holen wĂŒrden, um mit ihm all die schönen Erinnerungen an seine Frau noch einmal aufleben zu lassen?

Er wĂŒrde mit Sicherheit schneller wieder Halt im Leben finden. Er wĂŒrde sich auf jeden Fall aufgefangen fĂŒhlen, den Schmerz durchleben können, ohne daran zu zerbrechen. Und dann, eines Tages, könnte er wieder lĂ€cheln und anfangen, sein Leben wirklich weiter zu leben.

 

Woher ich das weiß? Ich erlebe dies, Woche fĂŒr Woche, Monat fĂŒr Monat.

Ich möchte zwei Beispiele aus meiner Arbeit hier einbringen, die dies sehr gut aufzeigen.

In beiden FĂ€llen war eine alleinerziehende Mutter bei mir, deren Sohn mit Anfang 20 bei einem Autounfall ums Leben kam. Beide MĂŒtter haben ihren Sohn geliebt und ich kann mit Sicherheit sagen, dass sie beide eine sehr tiefe und liebevolle Verbindung zu ihrem jeweiligen Sohn hatten. Doch es gab einen großen Unterschied zwischen beiden Frauen und darauf möchte ich eingehen.

Die erste Mutter war nach wie vor in tiefster Trauer, als sie zu mir kam und auf einen Jenseitskontakt zu ihrem Sohn hoffte. Er war vor etwa einem Jahr verstorben und zeigte sich sehr deutlich, schilderte mir den Unfall und schilderte, wie er zu Lebzeiten gewesen ist. Anhand vieler Informationen ĂŒber seinen Charakter, seine Eigenarten, seine Beisetzung und sein Leben, konnte die Mutter ihn klar erkennen. Es tat ihr sichtlich gut, diesen Kontakt zu erleben und von ihrem Sohn zu hören. Seine Botschaften an sie gingen immer in die gleiche Richtung: Er sagte, er wĂŒrde sich wĂŒnschen, dass sie wieder mehr lachen kann und wieder Freude in ihrem Leben findet. Er zeigte deutlich, dass sie sich sehr einsam fĂŒhlt und in der Trauer fast ertrinkt. Sie konnte sich kaum noch an etwas erfreuen. Aus dem Umfeld hatte sie kaum RĂŒckhalt, ĂŒber ihren Sohn hatte sie schon lange nicht mehr reden können, da niemand ihr noch zuhören wollte. So sprach sie bei mir das erste Mal seit Monaten ĂŒber diesen Verlust. Nach dem Termin ging es endlich aufwĂ€rts, wenngleich in kleinen Schritten.

Bei der zweiten Mutter verlief der Jenseitskontakt recht Ă€hnlich: ZunĂ€chst konnte ich ihr viele Details zum Unfall selbst, zum Charakter und Wesen ihres Sohnes sagen. Er war vor etwa neun Monaten verstorben und erzĂ€hlte von seiner Beisetzung und zeigte mir, dass seine Freunde noch immer regelmĂ€ĂŸig bei seiner Mutter vorbeischauen und mit ihr ĂŒber die schönen Zeiten mit ihm reden. Er vermittelte mir, dass dies seiner Mutter sehr guttĂ€te und sie dadurch viel Halt bekommen hatte. Er ließ ausrichten, dass er seinen Freunden dafĂŒr sehr dankbar wĂ€re. In der Tat konnte ich erkennen, dass dieser Halt, den seine Mutter auch in seinem Freundeskreis bekommen hatte, ihr maßgeblich dabei geholfen hatte, die Trauer ĂŒber den Verlust gut zu verarbeiten. Der gesamte Termin war mit mehr Leichtigkeit durchsetzt und sie war sichtlich weiter in der TrauerbewĂ€ltigung, obwohl der Tod ihres Sohnes weniger weit zurĂŒcklag, als dies bei der ersten Mutter der Fall war. NatĂŒrlich vermisste auch sie ihren Sohn sehr, daran gab es keinen Zweifel. Doch konnte sie den Schmerz und die Trauer auf Grund des Halts aus ihrem Umfeld schneller und besser verarbeiten.

Es spielt eine immense Rolle, wie das Umfeld mit den Angehörigen umgeht. Halt, RĂŒckhalt, GesprĂ€chsangebote – all das kann so heilsam und hilfreich fĂŒr eine gesunde Trauer sein. Je nachdem, in welcher Trauerphase sich der Angehörige befindet, kann das Zuhören wichtig sein oder die gemeinsamen GesprĂ€che ĂŒber den Verstorbenen. Es ist an der Zeit, dass jeder Einzelne seine Einstellung den Trauernden gegenĂŒber Ă€ndert. Es ist wichtig, ihnen Halt zu geben und ihnen VerstĂ€ndnis entgegen zu bringen. Gemeinsame GesprĂ€che und AktivitĂ€ten helfen ihnen, wieder die schönen Momente im Leben zu sehen und zu genießen. Wenn sie RĂŒckhalt, Liebe, Freundschaft und VerstĂ€ndnis spĂŒren, finden sie schneller zurĂŒck in ein glĂŒckliches Leben. Auch wenn die Trauer ĂŒber den Verlust womöglich lange bleibt, wird sie dann zumindest eine QualitĂ€t bekommen und den Hinterbliebenen nicht mehr davon abhalten, selbst aktiv und glĂŒcklich zu leben.

Buchrezension zum Thema:  „Trauerbegleitung mit MĂ€rchen“ von Jana Raile

 

Über Bianca Sommer:

Ihr beruflicher Weg nahm viele Kurven: zuerst war sie als Bankkauffrau, dann Tierheilpraktikerin und spĂ€ter Hypnosetherapeutin tĂ€tig, bevor sie 2014 als Jenseitskontaktmedium aktiv wurde. Sie lebt ihre Berufung und ihr Motto „Liebevolle Hilfe von Herz zu Herz“ und begleitet als Jenseitskontaktmedium, Trauerbegleiterin und Coach Menschen in ein lebenswertes, erfĂŒlltes Leben. Ihr Hauptanliegen ist es, in unserer Gesellschaft ein Umdenken in Bezug auf den Umgang mit den Themen Tod und Trauer zu erreichen.

www.medium-muenchen.de

TIERKOMMUNIKATION - BIANCA SOMMER

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