Tiefe Liebe – Interview mit der Regisseurin Nicole Swidler

von Thomas

mehr-als-liebe_nichole-swidler_mystica_tv Verliebt sein ist etwas Wunderschönes, noch schöner jedoch ist die Erfahrung einer tiefen, bedingungslosen Liebe, die auch noch nach Jahren des Alltags weiterbesteht. In ihrem neuen Film “Mehr als Liebe” geht die Filmemacherin Nicole Swidler gemeinsam mit den renommierten Paarspezialisten Eva-Maria und Wolfram Zurhorst, Veit und Andrea Lindau, Arjuna und Chameli Ardagh sowie Krishnananda und Amana Trobe der Frage nach, wie man diese intensive Liebe schaffen und pflegen kann. Wir sprachen mit der Filmemacherin ĂŒber ihre Erfahrungen mit der Liebe…

Interview gefĂŒhrt von Ronja Merkel

 

Frau Swidler, was hat Sie dazu inspiriert, einen Film ĂŒber die tiefere Liebe zu machen?

Ich beobachte viel und gern, was Menschen beschÀftigt und mir fiel auf, dass es vielen Paaren, vor allem Langzeitpaaren, ab einem bestimmten Punkt Àhnlich geht: Sie lieben sich, alles ist im Kern gut oder zumindest nicht schlecht. Und dennoch sehnen sie sich tief im Inneren nach mehr, nach einer Möglichkeit, zusammen weiter und sich nÀher zu kommen.

Wie funktioniert das, sich nÀher zu kommen, wenn man schon so lange zusammen ist und sich eigentlich gut kennt?

Darauf gibt es auf dem Ratgebermarkt tatsĂ€chlich kaum Antworten. Man kann Seminare besuchen, aber wer traut sich das schon? Nach meiner Erfahrung sind vor allem die meisten Ratgeber oder Kurse zu problem- und krisenorientiert. Was ich bei meinen Recherchen stets vermisst habe, war das Konstruktive, die Lust, etwas zu verĂ€ndern, Neues zu erobern. Ich wollte deshalb Paaren Ideen an die Hand geben und eine Art alltagstauglichen “Wegweiser” schaffen, den man sich daheim in intimer AtmosphĂ€re gemeinsam anschauen kann. Auch deshalb habe ich mich bewusst fĂŒr den Film als Medium entschieden: Ein Buch empfindet man zu zweit meist als weniger unterhaltsam. Wir wollten im wahrsten Sinne des Wortes anschaulich sein; mit möglichst praktischen, nachvollziehbaren Übungen und Ideen, die sich gemeinsam ausprobieren lassen. Daraus wurde dann “Mehr als Liebe”.

Welche Erfahrungen haben Sie und Ihr Mann bei der gemeinsamen Arbeit an diesem Film sammeln können?

DarĂŒber könnte ich stundenlang schwĂ€rmen! Mein Mann und ich profitieren tĂ€glich in unserer Beziehung von all den Erkenntnissen. Wir haben den Film als Team gemacht: Er hinter der Kamera und im Schnitt, ich unter anderem beim Entwerfen des Konzeptes und FĂŒhren der Interviews. Diese Zusammenarbeit hat uns gerade auch an kritischen Punkten, an denen wir selbst nicht weiterwussten, sehr geholfen. Ab und zu schmeißen wir uns nur grinsend Zitate aus dem Film zu. Unser Liebling ist Arjuna Ardaghs Tipp “just like me”. Wenn man sich dabei erwischt, den Partner zu be- oder verurteilen, sagt man einfach zu sich selbst “so wie ich”, um die Abgrenzung aufzuheben. Ärgert man sich zum Beispiel ĂŒber die Unordnung des Partners fĂŒgt man dem “er ist so unordentlich” ein “so wie ich” hinzu – so lernt man bei sich zu bleiben, statt auf den anderen zu projizieren. Das funktioniert Ćžbrigens auch in die andere, positive Richtung: “Sie ist so witzig, so wie ich”.

 

Hier der Trailer zum Film:

 

Fortsetzung des Interviews:

Gibt es noch weitere solcher praktischen Tipps, die Ihnen besonders im GedÀchtnis geblieben sind?

Konkret mag ich an dieser Stelle vielleicht noch folgende echte Augenöffner exemplarisch nennen, die mich und hoffentlich auch viele Zuschauer besonders bewegen: Eine achtsame und aufrichtige Kommunikation bildet die Basis jeder funktionierenden Beziehung. Aber gerade da hakt es oft. Insbesondere in langjĂ€hrigen Partnerschaften schonen wir uns gegenseitig, spielen Rollen oder stauen Verletzungen auf und sind somit voller zurĂŒckgehaltener Botschaften. All das schiebt sich wie eine Milchglasscheibe zwischen uns. Wir sehen uns kaum mehr, gehen auf Abstand, ziehen uns zurĂŒck. Die NĂ€he, das “sich und den anderen spĂŒren”, geht immer mehr verloren. Sobald man jedoch regelmĂ€ĂŸig und so selbstverstĂ€ndlich wie zum Beispiel ZĂ€hneputzen achtsame, ehrliche Kommunikation praktiziert, entsteht ein ganz natĂŒrlicher Strom aus neuer NĂ€he und Zuneigung. Dabei ist es wichtig gerade auch die wunden, kritischen Punkte anzusprechen. Die Entwicklung dieser neuen Tiefe ist sehr magisch und wunderschön zu erleben.

Der zweite mir sehr wichtige und fĂŒr eine dauerhafte Partnerschaft unerlĂ€ssliche Punkt ist das Grundprinzip Selbstverantwortung: Statt den anderen fĂŒr Dinge verantwortlich zu machen, die einem fehlen oder die nicht gut laufen, sollte man in allem zunĂ€chst und vorrangig bei sich selbst bleiben. Sich zu fragen, was sagt mir dieser Konflikt ĂŒber mich, was fĂŒhle ich dabei, worin liegt mein Anteil, was kann ich durch den anderen ĂŒber mich lernen, ist ein enorm wichtiges und hilfreiches Vorgehen. Wenn sich beide auf diese Art hinterfragen, wird eine Beziehung automatisch so viel liebevoller und tiefer – man begegnet sich wirklich.

Sind diese Punkte denn fĂŒr jedes Paar so einfach umsetzbar?

Irgendwann kommt die sehr erleichternde Erkenntnis: Alles ganz normal! Man muss sich ins GedĂ€chtnis rufen, dass es dazugehört als Paar an den Punkt zu kommen, an dem man in alte Schutzmechanismen verfĂ€llt und “zumacht”, statt einander nĂ€her zu kommen. Das hat viel damit zu tun, dass man bei diesem Prozess an den eigentlich schmerzhaften Kern vordringt: die eigene Verletzbarkeit. Das macht Angst. Und gleichzeitig liegt hier eine der grĂ¶ĂŸten Chancen auf echte Begegnung mit dem anderen, mit der eigenen und der gemeinsamen Essenz. Wenn wir unsere Verletzbarkeit zulassen, sei es im GesprĂ€ch oder beim Sex, zeigen wir uns vollkommen und kommen uns so wirklich nahe. Und das ist wunderschön. Nicht selten verlieben wir uns dadurch noch einmal ganz tief – und immer wieder neu.

In Ihrem Film kommen vier der derzeit renommiertesten Beziehungscoaching-Paare zu Wort. Wie ergab sich die Zusammenarbeit?

Mein Ansatz war immer: Es sollen nicht nur Fachleute zum Thema tiefere Liebe sein. Der Film sollte so intim und privat wie möglich werden, um dem Zuschauer die Möglichkeit zu geben, sich selbst wiederzuerkennen. Daher wollte ich nur Coaches, die selbst Langzeitpaare sind und Lust haben, aus dem NÀhkÀstchen von ihren eigenen Erfahrungen zu erzÀhlen.
Eva-Maria und Wolfram Zurhorst standen fĂŒr mich sofort fest. Ihr ganzes Konzept basiert auf ihrer gemeinsamen Erfahrung als Paar; mich interessierte dabei vor allem ihr strikter Fokus auf die Selbstverantwortung. Nebenbei fand ich Eva-Marias “Soulsex”-Ansatz so wichtig, um Langzeitpaare in ihrem nicht seltenen Sexfrust zu entspannen.
Veit und Andrea Lindau hatte ich auf Seminaren erlebt und fand sie ausgesprochen charismatisch, kraftvoll und lebendig, mit ihrer “liebe und lebe radikal”-Haltung. Es geht ihnen immer um das, was du wirklich und ganz aufrichtig willst. Um dein Commitment und die Hingabe ans Leben.
Chameli und Arjuna Ardagh kannte und schĂ€tzte ich bereits seit dem Film “Awake – ReisefĂŒhrer ins Erwachen”, den ich gemeinsam mit Catharina Roland gemacht habe. Das spirituelle Erwachen stellt einen wesentlichen Aspekt in ihrer Arbeit dar.
Krishnananda und Amana Trobe schließlich stehen wie kaum ein anderes Paar fĂŒr das Thema “Verletzbarkeit verstehen und in die Beziehung integrieren”.  Alle acht sind wundervolle Menschen! Ich bin sehr dankbar, dass ich sie auf dieser Basis kennenlernen durfte und fĂŒhle mich durch all das sehr beschenkt.

swidlerfilm2Was bedeutet Liebe ganz konkret fĂŒr Sie?

Liebe bedeutet fĂŒr mich, dass sich unsere Seelen in eine gemeinsame Richtung bewegen. Damit meine ich, dass sich die Dinge, nach denen mein Mann und ich, jeder fĂŒr sich, im tiefsten Inneren streben, gegenseitig inspirieren, bereichern und beflĂŒgeln, um so eine seelische Vollkommenheit zu erreichen. Teil unseres Eheversprechens war das Ginkgo-Gedicht, das Goethe seiner spĂ€ten Liebe Marianne von Willemer widmete. Auch hier geht es um die bewusste Balance aus NĂ€he und IndividualitĂ€t. Das ist unser Nukleus, eine tiefe Wahrheit zwischen uns, die wir nur spĂŒren aber nie erfassen – die meinen Mann und mich aber immer wieder zusammenbringt, auch wenn die StĂŒrme mal extrem sind. Eben mehr als Liebe. FĂŒr mich ist die Liebe zwischen uns das grĂ¶ĂŸte Geschenk in meinem Leben. Gekrönt wurde sie durch die Geburt unserer Tochter.

Was möchten Sie den Menschen mit “Mehr als Liebe” mitgeben?

Paaren möchte ich vor allem vermitteln, dass eine langfristige Beziehung eine riesige Chance auf eigene Transformation, tiefes GlĂŒck und Zufriedenheit ist. In wenigen Bereichen kann man mehr ĂŒber sich und die Welt verstehen, als im tĂ€glichen “Beziehungsfeuer”. Gerade wenn man glaubt, man wĂ€re an einem kritischen oder gar toten Punkt, beginnt die Reise erst so richtig. Dort liegt das wahre Gold versteckt. Insgesamt habe ich den Film gemacht, weil wir in einer Welt leben, in der eine “Schneller-toller-Besser”-MentalitĂ€t dominiert. Wenn es kompliziert oder gefĂ€hrlich wird, das heißt echt und nah, rennen wir gerne weg, gehen innerhalb unserer Partnerschaft auf Abstand oder stĂŒrzen uns in die nĂ€chste Beziehung. Wir flĂŒchten uns in Rollen, um ja nicht verletzbar zu sein. Ich will Menschen dazu ermutigen, sich zu zeigen, NĂ€he zuzulassen und zu spĂŒren, wie viel lebendiger und besser es uns damit geht – das können sie in einer intimen Beziehung wunderbar lernen. Es macht unsere Welt vielleicht ein klein wenig besser, wenn viele diesen Mut entwickeln und genau diese QualitĂ€ten frĂŒher oder spĂ€ter dann auch in ihr Umfeld tragen. Oder wie Billy Wilder sagen wĂŒrde: “Be a Mensch!”

 

Der Film ist ab Ende September auf DVD erhĂ€ltlich und feiert am 16. November 2016 seine Kinopremiere im Monopol Kino in MĂŒnchen. Es gibt noch Karten!

 

Infos zum Film:

“Mehr als Liebe. Ein Wegweiser in eine tiefere Liebe”
Regie: Nicole Swidler
Verlag: Scorpio Verlag, September 2016
LĂ€nge: 80 Minuten
ASIN: 3958030106

Hier können Sie die DVD bestellen!

 

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Ähnliche BeitrĂ€ge

Kommentar schreiben