Frieden Jetzt! – Anssi Antila

von Thomas

Diszipliniert nichts tun, denken, wollen… kann eine Herausforderung sein! Denn das ICH sucht immer nach Ablenkung, obwohl wir doch eigentlich nach innerem Frieden streben. FĂŒr den spirituellen Satsang Lehrer Anssi Antila gilt daher der Satz: „Der direkteste Weg zum Frieden ist, gedankenleer zu verweilen und jedes GefĂŒhl wohlwollend wirken zu lassen.“ In der folgenden meditativen Inspiration fĂŒhrt er den Leser in eine Welt der mentalen Leere.

von Anssi Antila

 

Ein bisschen Frieden erntest du, wenn du diesen Augenblick erlebst, ohne einen Standpunkt zu haben, ohne eine mentale Perspektive einzunehmen, ohne das Jetzt durch die Brille deiner WĂŒnsche und Sorgen zu betrachten.

Ein bisschen Frieden ernstest du, wenn du frei von Gedanken bist, mental leer. FĂŒnf Sekunden, in denen du atmest, aber nicht denkst, beruhigen dein System sofort.

Du machst das ĂŒbrigens automatisch. Man nennt es „Durchatmen“. Dabei bist du fĂŒr einen kurzen Augenblick gedankenleer.

Tust du es jedoch lĂ€nger als nur fĂŒr eine kurze Weile, wird dein Verstand dir sagen, dass dieser kurze Frieden zwar schön und gut ist, aber nicht produktiv, man könnte etwas „sinnvolleres“ tun, als den Frieden zu genießen.

Was der Verstand aus Mangel an Erfahrung nicht ahnt, ist, dass dieser Frieden ein Tor zur höchsten ErfĂŒllung ist.

Du kannst und solltest eine Menge Dinge tun im Leben, aber nichts davon wird dir mehr ErfĂŒllung schenken und dein Leben mit Sinn bereichern, als in diesem unscheinbaren Frieden zu verweilen.

Leer zu sein. Nichts zu sein. Dich und dein Leben (in der Zeit) fĂŒr eine Weile zu vergessen und wirklich im Kontakt mit der jetzigen Lebendigkeit zu sein, frei von Gedanken, frei von dem Wunsch, in den nĂ€chsten Moment zu kommen, frei von Kontrolle oder Steuerung.

Kurzum: mental leer, aber wach zu sein.

Am Anfang scheint es nicht so, als wĂ€re dieser simple Zustand das Intro fĂŒr die tiefgreifendste VerĂ€nderung, die du in deinem Leben erfahren wirst, deshalb bringt auch kaum einer die Disziplin auf, diesem Zustand immer wieder eine Chance zu geben. Er verspricht nicht viel.

Doch der grĂ¶ĂŸte Schatz verbirgt sich in dem Unscheinbaren, dort, wo du es am wendigsten erwartest.

Es scheint auch so, als wĂ€ren wir lieber im Stress als im Frieden. Dies lĂ€sst sich erklĂ€ren, denn Stress bedroht unser Ego nicht, der Frieden schon. Deshalb wirst du KrĂ€fte in dir registrieren, die nicht im Frieden verweilen wollen. KrĂ€fte, die immer etwas erledigen wollen, etwas klĂ€ren, ĂŒber etwas nachdenken, etwas verbessern oder Ă€ndern wollen – alles tun wollen, nur nicht im Frieden zu verweilen.

Die Ironie an unserem Getriebensein ist, dass dahinter die Hoffnung liegt, zukĂŒnftig eine höhere Harmonie zu erreichen. Dabei ist der direkteste Weg, um dies zu erreichen, hier und jetzt im Frieden zu verweilen.

Dein Verstand weiß es nicht, weil du es vermutlich nie erlebt hast, aber du bist stets nur einen Millimeter von der ErfĂŒllung deiner tiefsten Sehnsucht entfernt.

Alles, was du tun musst, ist hier und jetzt im Frieden zu verweilen, gedankenleer zu sein. Das ist der direkteste Weg.

Allerdings ist der direkteste Weg nicht der leichteste, denn sobald du dir vornimmst, im Frieden zu verweilen, wirst du konfrontiert mit dem, was hier und jetzt scheinbar nicht im Frieden ist. Oft bemerkt man ein GefĂŒhl, das alles andere ist als friedlich.

FĂŒr die egoistischen KrĂ€fte in dir, die nicht deinen Frieden wollen, ist dieser gefĂŒhlte Unfrieden die perfekte Einladung, um dich zu ĂŒberzeugen, dass es nicht funktioniert, was ich hier sage, dass du dich ablenken solltest, dass es nichts bringt. Und schon bist du wieder beschĂ€ftigt – mental oder physisch. Schon hast du dich vom direkten Weg entfernt.

Doch wenn du nicht diesen KrĂ€ften vertrauen wĂŒrdest, die sich als deine Gedanken maskieren, sondern dem Leben selbst dein Vertrauen schenktest … Wenn du vertraust, dass das Leben deinen Zustand Ă€ndern kann und es deine Kontrolle nicht braucht, wĂŒrdest du bezeugen, wie das Leben den Unfrieden in dir in Frieden verwandelt. Nur dauert es vielleicht mal eine Stunde. Doch diese Stunde kann grĂ¶ĂŸere FrĂŒchte bringen, als alle Taten deines Lebens.

Wisse: Wenn du dich leer machst von deinen Gedanken, nur atmest und die Lebendigkeit mĂŒhelos empfĂ€ngst, nichts im Kopf festhĂ€ltst oder dokumentierst, dich aber nicht friedlich dabei fĂŒhlst, lĂ€uft da nichts verkehrt. Du bist immer noch auf dem direktesten Weg zum Frieden.

Das Leben testet dich nur, wie weit du bereit bist, deine Kontrolle, und somit dein Ego, aufzugeben und dem Leben selbst zu vertrauen, deiner Lebendigkeit zu vertrauen, so als wĂ€re das Leben selbst ein Heiler, dem du dich ĂŒberlĂ€sst, ohne zu bestimmen, wo es jetzt emotional hingeht oder wie schnell dieser Heiler ein Ergebnis produzieren soll.

Du bist ohne Erwartung einfach hier, du atmest, bist mental leer und lĂ€sst die Emotionen fließen. Sie wissen, was sie tun.

Egal, mit welchem GefĂŒhl du startest, wenn du es fließen lĂ€sst und keine Kontrolle ausĂŒbst, fließt es immer zurĂŒck in die Liebe. Das ist eines der Wunder des Lebens: Das Leben macht dich mĂŒhelos glĂŒcklich, wenn du nichts tust, dich nicht wehrst, dich nicht ablenkst.

Doch du musst diszipliniert nichts tun, diszipliniert nichts denken, diszipliniert nichts wollen, außer genau zu beobachten, was du fĂŒhlst und offen fĂŒr den emotionalen Fluss zu bleiben.

Du darfst dich nicht zusammenziehen und keine TrĂ€ne unterdrĂŒcken, wenn es wehtut, sondern dich jeder Emotion vertrauensvoll hingeben. So als wĂ€re jedes GefĂŒhl eine Arznei, die du begrĂŒĂŸt, auch wenn sie bitter schmeckt. Du lĂ€sst dein GefĂŒhl wohlwollend in dir leben und wirken.

Und wenn du dich richtig auf diesem Prozess einlĂ€sst und einmal erlebst, dass nicht du fĂŒr dein GlĂŒck sorgen musst, sondern dass dich das Leben selbst in einen erfĂŒllten Zustand fĂŒhrt, selbst durch jeden Sturm hindurch, wirst du alles mit völlig anderen Augen betrachten.

Ich untertreibe hier stark: Du könntest dein blaues Wunder erleben. Du musst es nur tun und nicht aufgeben, es immer wieder zu tun, bis du in dir den Beweis fĂŒr meine Worte findest:

Der direkteste Weg zum Frieden ist, gedankenleer zu verweilen und jedes GefĂŒhl wohlwollend wirken zu lassen.

Habe mehr Vertrauen in deinen Körper als in deine Kontrolle. Lasse ihn die Arbeit tun. Lasse ihn den Prozess steuern.

Deine Aufgabe ist, dich zu disziplinieren, das Ruder NICHT zu ergreifen. Diszipliniert nichts zu tun und diszipliniert nichts zu denken.

Dich diszipliniert zu entspannen, Körper und Geist, ist der direkteste Weg zum inneren Frieden.

 

Über Anssi Antila:

1979 in Sankt-Petersburg geboren, wuchs in Helsinki und Berlin auf, wo es 2009 geschah: Beim Lesen eines Buches erwachte er zu seiner wahren Natur – eine spontane Erleuchtung. FĂŒr den ehemaligen Manager, den SpiritualitĂ€t nie interessierte, begann plötzlich ein neues Leben.
www.anssi.guru

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2 Kommentare

Stephan 26. September 2018 - 09:05

So eine wunderbare klare Anleitung. So einfach, und doch erscheint es mir, wenn ich es ausprobiere und auch ĂŒbe, so gar nicht leicht!
Ich möchte diese Anleitung mit ebenso klaren SÀtzen ergÀnzen, weil es finde ich einfach gut passt.

In der Tattva Viveka schreibt Dr. med. habil. Dr. Karl J. Probst im Artikel SpiritualtiÀt und Gesundheit:
Es geht nicht um irgendein beabsichtigtes „Abstellen“ der Gedanken, sondern darum, einen wachsamen Bewusstseinszustand zu erreichen, in dem man bestĂ€ndig aufmerksam und prĂ€sent ist und alle Geschehnisse und Gedankenformen – ohne innere Anteilnahme und Bewertung – von Augenblick zu Augenblick registriert und ohne Wertung genau beobachtet. Das heißt, da man nicht in das Drama der Gedanken einsteigt, entzieht man dem Verstand die Energie. Dadurch verebben im Laufe der Zeit ganz von selber die verschiedenen Gedankenformen, und Mediation, d. h. Stille, geschieht von selbst.

Und in Das GlĂŒck der Meditation (Neuerscheinung Jhana Verlag) schreibt Leigh Brasington als Anleitung, um in die erste Vertiefungsstufe zu kommen u. a.:
Man sitzt in bequemer, aufrechter Haltung und erzeugt die angrenzende Sammlung, indem man die Achtsamkeit auf ein einziges Meditationsobjekt richtet und dort hĂ€lt. Wenn die angrenzende Sammlung stabil ist, verlagert man die Achtsamkeit vom Atem (bzw. dem gewĂ€hlten Meditationsobjekt) auf ein angenehmes GefĂŒhl, vorzugsweise eine angenehme Körperempfindung. Man verlagert die Achtsamkeit auf dieses GefĂŒhl, man hĂ€lt die Achtsamkeit bei diesem GefĂŒhl und tut ansonsten nichts.
NatĂŒrlich liegt genau darin die Schwierigkeit: ansonsten nichts zu tun. Man lenkt die Achtsamkeit auf das angenehme GefĂŒhl und nichts geschieht. Es könnte sein, dass der Gedanke: „Er hat gesagt, es passiert was“ auftaucht. Nein, ich habe nicht gesagt, dass man das Erleben des angenehmen GefĂŒhls kommentieren soll. Oder man lenkt die Achtsamkeit auf das angenehme GefĂŒhl, es wird stĂ€rker, und man denkt: „Oh! Oh! Oh! Da passiert was!“ Auch das sollte man tunlichst vermeiden – alles, was dann passiert ist, dass „es“ wieder verschwindet. Oder aber, das angenehme GefĂŒhl zeigt sich nur zaghaft, wird ein wenig stĂ€rker und versiegt wieder, und man versucht, ihm ein bisschen auf die SprĂŒnge zu helfen. Leider nein, das funktioniert alles nicht. Man beobachtet einfach nur das angenehme GefĂŒhl.

Stephan 25. September 2018 - 19:56

Wow! Vielen Dank fĂŒr diese unglaublich klare Anleitung!

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