Endlich zu Hause in mir – Manfred Mohr

von Thomas

Kannst du die sichtbaren und unsichtbaren Schichten durchdringen, die ein Zuhause zu deinem Zuhause machen? Wenn du es noch nie versucht hast, macht es dir hier Manfred Mohr beispielhaft vor. Er zeigt in drei Schritten den Weg vom Ă€ußeren zum inneren „Daheim“. Dabei knĂŒpft er an sein neu erschienenes Buch an, das Selbstliebe lehrt.

von Manfred Mohr

 

 

 

Wenn du die Überschrift dieses Artikels liest, stellt sich dir sicher unwillkĂŒrlich die Frage: Bei mir selbst zu Hause sein, ja, wo ist das denn? Wo in mir selbst ist denn mein Zuhause? Und wenn du dann dieser Frage nachspĂŒrst, stellen sich dir Erinnerungen ein, an besondere Momente, in denen du dich ganz zu Hause fĂŒhltest. Zu Hause sein, das ist doch vor allem ein GefĂŒhl: Geborgenheit, Schutz, ein sicherer Ort, an den du dich nach dem Alltag und am Wochenende zurĂŒckziehen kannst.

„Ankommen“, das ist der Begriff, mit dem ich dieses GefĂŒhl von „zu Hause“ beschreiben wĂŒrde. Ich komme wieder bei mir an. Den Tag ĂŒber war ich unterwegs, da draußen, an der Arbeitsstelle, in meinem Alltag und nun schließe ich die HaustĂŒre auf und bin zurĂŒck. Ich bin wieder da, in meinem Nest. Hier tanke ich auf, hier darf ich sein. Hier finde ich wieder zu mir selbst zurĂŒck.

Dieses Bild, nach einem langen Tag oder einer Reise wieder zu Hause anzukommen, spiegelt eine tiefe Sehnsucht wieder, die wir Menschen alle in uns tragen. Unser Zuhause ist unser ruhender Pol, unser Zentrum, unser Mittelpunkt. Es ist der Dreh- und Angelpunkt unseres Lebens.

Nun möchte ich dazu ganz praktisch werden. Was können wir nun tatsĂ€chlich tun, um unser Heim, unser Haus oder unsere Wohnung gemĂŒtlicher zu gestalten? Davon handelt die erste Übung, die ich dir hier fĂŒr dein Ă€ußeres Umfeld anbieten möchte.

 

Übung: Dein Zuhause

Sieh deine Wohnung oder dein Haus einmal mit anderen Augen an. Setz dich dazu bitte auf dein Sofa, dann auf dein Bett, dann an den KĂŒchentisch und vielleicht noch auf deinen Balkon oder deine Veranda. Verbinde dich mit deinem Herzen und frage dich an jedem dieser PlĂ€tze einmal: „Wie geht es mir hier, wie fĂŒhle ich mich an diesem Ort?“ Du wirst dabei ganz neu entdecken, was dich mit deiner Wohnung oder deinem Haus gefĂŒhlsmĂ€ĂŸig verbindet. Du bekommst Klarheit darĂŒber, was du an deinem Zuhause wirklich magst. Welcher Platz ist dir der liebste? Balkon, Badewanne, KĂŒche, Veranda, Bett, Sofa? ZĂ€hle dir nun noch einmal auf, warum du deine Wohnung magst. Zum Beispiel: Ich mag ganz besonders meinen alten KĂŒchentisch. Ich hĂ€nge sehr an der Posterwand mit meinen Urlaubsbildern. Ich genieße das warme Licht, das am Abend durch mein Fenster scheint. All diese GegenstĂ€nde und Eigenschaften deiner Wohnung hast du dir selbst geschaffen und dir selbst erlaubt. Mach dir einmal ganz bewusst: All das Schöne, das dich in deinem Zuhause umgibt, spiegelt dir deine WertschĂ€tzung zu dir selbst! Genieße also wirklich deine Kuschelecken, deine LieblingsplĂ€tze. Nimm deine Pflanze in dein Herz, deinen Hund, deine KĂŒche, dein gesamtes Haus. Kommt dir nicht sofort eine Idee, wie du deine Wohnung noch schöner und liebenswerter gestalten könntest? Die Liebe, die du deiner Wohnung schenkst, strahlt sie dir ganz sicher hundertfach zurĂŒck!

Eine Seminarteilnehmerin namens Ulrike erzĂ€hlte mir, dass sie seit dieser Übung mit einem ganz neuen Blick durch ihre Wohnung geht. Wo könnte sie noch etwas verschönern? Seit einer Weile stöbert sie mit diesem Gedanken auch durch EinrichtungshĂ€user und findet immer wieder kleine DekorationsstĂŒcke fĂŒr sich selbst, oder um sie an nette Bekannte zu verschenken. Einen Platz in ihrer Wohnung hat sie als Leseecke eingerichtet und einen anderen, um dort ihre Morgenmeditation abzuhalten. Oft zĂŒndet sie am Abend eine Kerze in ihrer Wohnung an, weil sie dieses sanfte Licht so heimelig findet. Sie meinte zu mir, seither ist sie viel lieber zu Hause und schĂ€tzt ihre Wohnung viel mehr als ihren Zufluchtsort.

In dieser ersten Stufe beginnt das GefĂŒhl, zu Hause zu sein, schlichtweg in unserem Außen. Weil ich mein Zuhause mag und sehr schĂ€tze, verschönere ich es. Das können neue Farben an den WĂ€nden oder frische Blumen auf dem Tisch sein. Nun, im zweiten Schritt, gehen wir wie bei einer Zwiebel eine Schale weiter nach innen. Was steht uns noch nĂ€her als unsere Wohnung? Was umgibt uns immer, jeden Moment unseres Lebens, 24 Stunden am Tag? Unser eigener Körper! Um wieder mehr bei mir zu Hause anzukommen, kĂŒmmere ich mich ebenfalls um mein leibliches Zuhause, meinen Körper.

 

Übung: GĂ€rtner sein fĂŒr deinen Körper

Diesmal erkunden wir nicht die eigene Wohnung, sondern unseren Körper. Nimm darum Kontakt zu ihm auf und lege zu Anfang deine HĂ€nde auf dein Herz und spĂŒre in dich hinein. Erlaube dir einen kleinen Checkup. Beginne oben am Kopf. Wie geht es deinen Augen? Wie fĂŒhlen sie sich an? Ist die Brille noch angemessen? Oder brauchst du vielleicht bald eine? Was machen deine ZĂ€hne, wĂ€re ein Besuch beim Zahnarzt mal wieder fĂ€llig? FĂŒhle in dich hinein: Zwickt es irgendwo in dir? Wie geht es deinem Herz, deiner Lunge? Geh deine ganzen Organe und deinen Körper einmal durch. KĂŒmmere dich dabei besonders aufmerksam um deine Schwachstellen. Du kennst dich selbst am besten. Nimm dir vor, in naher Zukunft besonders achtsam mit deinem Körper umzugehen. Was könntest du in nĂ€chster Zeit fĂŒr ihn tun? Ein Besuch im Schwimmbad, ein Spaziergang? Wie wĂ€re es mit einer Massage? Dein Körper wird es dir danken. Die Aufmerksamkeit und Sorgfalt, die du ihm schenkst, gibt er dir durch VitalitĂ€t und Kraft hundertfach zurĂŒck. Wenn du Freude daran hast, notiere dir die Ergebnisse dieser Übung im Anschluss noch auf ein Blatt Papier oder in dein Tagebuch.

Menschen, die bei sich selbst zu Hause sind, kĂŒmmern sich wie ein guter GĂ€rtner hingebungsvoll um ihren Körper. Wenn ich meine Blumen dĂŒnge und mit genĂŒgend Wasser versorge, werden sie prĂ€chtig und farbenfroh erblĂŒhen und mich erfreuen. Genauso wird mein Körper es mir danken, wenn ich genĂŒgend schlafe, gehaltvoll und gesund esse und mich ausreichend bewege. Also, fĂŒhle hinein in deinen Körper, damit er dir ein gutes GefĂŒhl zurĂŒckschenken kann!

Auf unserem Weg durch die Zwiebel von außen nach innen kommen wir nun ihrem Zentrum immer nĂ€her. Wir können unsere Wohnung in ein Zuhause verwandelt und in unserem Körper zu Hause sein. Der Platz in uns, der uns jedoch am meisten entspricht und der uns ganz besonders das GefĂŒhl vermitteln kann, geschĂŒtzt und geborgen zu sein, ist unser Herz. Es ist unser zentrales Organ und der Sitz unserer Empfindungen. Nun, in diesem dritten Schritt, lade ich dich ein, mit ihm in Verbindung zur treten. Solltest du nun meinen, Huch, das ist aber bestimmt sehr schwer, dann empfehle ich dir die folgende Geschichte


Ein Sultan war auf der Suche nach einem neuen Berater und schickte darum eine Botschaft in sein Land, alle weisen und klugen MĂ€nner sollten sich bald an seinem Hofe einfinden. Als alle eingetroffen waren, stellte er ihnen eine scheinbar unlösbare Aufgabe. Er fĂŒhrte sie an eine große TĂŒr, die mit einem schweren, riesigen Schloss versehen war. Der König sprach: „Wer von euch dieses Schloss zu öffnen vermag, soll mein neues Berater sein. Es ist das grĂ¶ĂŸte und komplizierteste Schloss in meinem ganzen Reich!“ Die Weisen und Schriftgelehrten traten zögerlich an das Schloss heran, um es zu untersuchen. Bald schon schĂŒttelten sie aber den Kopf und sagten, man könne es unmöglich öffnen. Der Mechanismus sei viel zu ausgetĂŒftelt.

Die Ersten begannen bereits, den Palast wieder zu verlassen, da trat als Letzter der Weisen Nasruddin heran. Er schaute bedĂ€chtig auf das Schloss, fummelte ein wenig an der TĂŒr herum und zog dann krĂ€ftig an einem Griff. Und – die TĂŒr öffnete sich! Sie war nur angelehnt gewesen, das Schloss gar nicht abgesperrt. Viele Jahre diente Nasruddin dem Sultan daraufhin als treuer Berater.

Der Kontakt zu deinem Herzen ist ebenso leicht. So wie das Schloss des Sultans scheint es nur verschlossen zu sein. Du musst es nur versuchen, und schon wird es sich dir öffnen. Probiere es doch einfach einmal mit der folgenden Übung aus:

 

Übung: Deine Freude entdecken

Lege bitte wieder die HĂ€nde auf deine Brust und spĂŒre in dein Herz hinein. Was geschieht? Vielleicht spĂŒrst du, wie deine HĂ€nde langsam warm werden und sich die WĂ€rme in deinem Brustkorb ausbreitet. Frage nun dein Herz: was ist deine Freude? Was macht dir am meisten Spaß? UnwillkĂŒrlich stellen sich nun bald erste Erinnerungen bei dir ein. Wie war es damals, als du ganz jung gewesen bist? Geh zurĂŒck in deine frĂŒhe Kindheit, als du drei oder fĂŒnf Jahre alt warst, und frage dein inneres Kind: Was hat mir damals wirklich Freude gemacht? Schreib es dir auf, blĂ€ttere in deinen Erinnerungen und mach dir danach ein paar Notizen. Erinnere dich an die Momente, wo du ganz versunken warst in deine TĂ€tigkeit. Viele Dinge, die uns Spaß machen, begleiten uns schon ein Leben lang. Sie bereiten uns auch heute noch Freude.

Um auf dieser Reise zu meinem Zuhause schließlich in meinem Herzen anzukommen, beginne ich, die BedĂŒrfnisse meines Herzens zu spĂŒren. Was macht mir wirklich Freude? Ganz spielerisch komme ich dabei wieder in meine Kindheit zurĂŒck. Im Durchschnitt lĂ€cheln wir als Kind viele hundert Mal am Tag. Als Erwachsene nur noch zehn bis zwanzig Mal tĂ€glich. Erlaube dir darum immer wieder diejenigen Dinge, die du gerne tust. Dein Herz wird es dir danken!

 

Buchtipp:

„Endlich zu Hause in mir“

Kartoniert, 192 Seiten, Taschenbuch

Verlag: Droemer/Knaur, 2018

ISBN: 9783426877999

Hier können Sie das Buch bestellen

 

 

 

Über Mandfred Mohr:

Manfred Mohr ist Seminarleiter und Autor rund um die Themen WunscherfĂŒllung und Selbstliebe. Sein Buch Das Wunder der Selbstliebe machte ihn auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Mohr war mit der im Oktober 2010 verstorbenen Bestsellerautorin BĂ€rbel Mohr (Bestellungen beim Universum) verheiratet. Mit den gemeinsamen Zwillingen lebt er in der NĂ€he von MĂŒnchen. Er fĂŒhrt BĂ€rbel Mohrs geistiges Erbe weiter.

www.manfredmohr.de

 

 

 

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