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MYSTICA Artikel Blutmond

Blutmond

von Administrator

In der Nacht vom 27. auf den 28. Juli 2018 steht mit der längsten Mondfinsternis des 21. Jahrhunderts ein blutroter Mond am Himmel. Es ist ein magischer Moment, wenn sich das kosmische Gefüge derart verändert, dass es Staunen und gleichermaßen Ehrfurcht hervorruft. Eine Betrachtung der modernen Druidin Saga Grünwald.

Geheimnisvolle Nacht

Der Sonnengott legt der Mondgöttin ein rotes Gewand über die Schultern. In der finsteren Nacht, nur gesäumt von Sternenkindern, erklingt der Ruf eines einsamen Kauzes. In den Ästen wartet der Rabe auf den Morgen, wenn die Hochzeit von Gott und Göttin vorüber ist und die Sonne neu geboren wird.

Das rote Gewand
sinkt auf die Erde nieder
Was bleibt, ist der Tau

Die modernen Druiden und Wicca sehen den Mond als weiblich an. Der sich ständig wandelnde Mond, die Zeiten von abnehmendem und zunehmendem Mond werden mit den Zyklen der Frau verbunden. Die Mondgöttin steht für Intuition, wird mit dem Element Wasser assoziiert und birgt die Geheimnisse der Dunkelheit, der Nacht. Die Schicksalsgöttin Arianrhod mit ihrem silbernen Rad wird als Mondgöttin betrachtet. Auch der Jahreswechsel der alten Kelten wurde nach dem Mond gefeiert – an Samhuinn, dem Neumond Ende Oktober/Anfang November.

Der Mond erscheint in einem roten Licht und wird zum Blutmond, wenn die Erde das Sonnenlicht verdeckt. Der Blutmond ist nur bei einer totalen Mondfinsternis zu sehen. Anders wie bei der Sonnenfinsternis, bei der sich der Mond zwischen Sonne und Erde schiebt und somit den direkten Blick auf die Sonne verdeckt, befindet sich der Mond bei der Mondfinsternis einige Zeit im Kernschatten der Erde. Der Blick zum Mond wird nicht versperrt, der Trabant steht nur im Schatten der Erde.

Die rote Färbung kommt dadurch zustande, dass das Sonnenlicht zunächst die Erdatmosphäre durchdringen muss, bevor es auf den Mond fällt. Die Erdatmosphäre wirkt wie ein Filter, der die blauen, kurzwelligen Lichtanteile dämpft, während die roten, langwelligen Lichtanteile den Mond erreichen.
Der Blutmond ist nur bei Vollmond möglich und in diesem Jahr steht er im Sternzeichen Wassermann, einem Luftzeichen, das mit dem Saturn und Uranus korrespondiert. Es ist also eine Zeit der Kommunikation, der transformativen Energie, in der wir das Unerwartete erwarten können.

Ebenfalls bemerkenswert bei diesem Blutmond ist die Nähe des Mars zur Erde, eine Konstellation die so nur alle 105.000 Jahre vorkommt. Der Mars, der rote Planet, steht für Feuer, Willenskraft, Energie und Aggression. In allen Kulturen hatte und hat der Mars eine herausragende Rolle. Die alten Ägypter kannten ihn als „Horus, den Roten“, während die Inder ihn als „Angaraka“ (glühende Kohle) bezeichnen und die Chinesen schlicht als „Stern des Feuers“. Seine aggressiven Aspekte werden vor allem in seiner Funktion als Kriegsgott deutlich. Die Römer verehrten Mars als Kriegsgott, gleichfalls die Griechen unter dem Namen Ares. Für die Azteken war er der Zerstörer von Städten und Menschen und die Babylonier verehrten ihn als Gott der Unterwelt und des Krieges „Nergal“.

Weitere interessante Erfahrungen bei der Begegnung mit keltischen und germanischen Göttern, mit den Geistern und Ahnen, hat Saga Grünwald in ihrem Buch „Begegnungen mit Göttern und Ahnen“ zusammengefasst. Es ist das Tagebuch einer Pilgerreise zu den keltischen und vorkeltischen Kultstätten in Südengland und Nordwales. Mit zahlreichen Fotos und sehr persönlichen Berichten gibt es einen interessanten Einblick in eine spirituelle Welt, die mehrere Jahrtausende alte Wurzeln hat.

Begegnungen mit Göttern und Ahnen
custos verlag, Solingen, 2016
ISBN 978-3-943195-17-0
14,50 Euro

Bestellung direkt beim Verlag (Lieferung erfolgt versandkostenfrei)

 

 

Wer den Blutmond und den nahen Mars beobachten möchte, sollte die entsprechenden Zeiten berücksichtigen: In Deutschland geht der Mond in München um 20.48 Uhr auf, in Hamburg um 21.16 Uhr, in Köln um 21.17 Uhr, in Leipzig um 20.57 Uhr – die Mondfinsternis hat dann schon begonnen. Der Höhepunkt der Mondfinsternis wird gegen 22.22 Uhr erwartet. Am Ende der Mondfinsternis gegen 23:14 Uhr wird es dunkel sein. Der Mond ist dann wieder voll. Der Mars ist leuchtend und so groß wie selten zu sehen. Beide strahlen rötlich.

© Text: Saga Grünwald | © Foto Blutmond: Jason Snell from Mill Valley, CA

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