Ayahuasca: Einer uralten Medizin auf der Spur – Martin Zoller

von Thomas

„Ayahuasca ist eine Medizin, die uns helfen kann, mit unserer Seele in Kontakt zu treten und zu lernen, wer wir wirklich sind“, so Martin Zoller. Er machte sich auf die Reise in den Dschungel SĂŒdamerikas, um Schamanen und die Pflanze selbst kennenzulernen und zu erleben. In diesem spannenden Reisebericht erzĂ€hlt er von seinen Erfahrungen und einer ungewöhnlichen Vision.

Zu diesem Thema ist ein gleichnamiger Dokumentarfilm entstanden.

 

Eine Abenteuerreise zum Ursprung der Seele

Die Reise zu den UrsprĂŒngen der Ayahuasca-Pflanze beginnt fĂŒr Martin Zoller mit einer Vision. „Ich befand mich plötzlich mitten im Regenwald“, erinnert er sich, „und da erblickte ich einen Adler, der sich in die LĂŒfte hob. Er flog in eine große Stadt.“ SpĂ€ter verstand der Seher und Remote-Viewing Experte, was die Vision ihm sagen wollte: „Der Adler war der Überbringer einer uralten Medizin – er brachte Ayahuasca in die moderne Gesellschaft.“ Und so begab sich Zoller dorthin, wo Ayahuasca seinen Ursprung hat. Dorthin, woher der Adler in seiner Vision gekommen war.

GemĂ€chlich tuckert der Bus ĂŒber eine unebene Landstraße in den Dschungel. Drinnen halten sich die FahrgĂ€ste an den Sitzen fest, aus den Lautsprechern tönen ecuadorianische Volkslieder. Martin ist nach stundenlangem Flug froh, dass er ĂŒberhaupt einen Bus in die Urwaldregion an der ecuadorianisch-kolumbianischen Grenze erwischt hat. Jahrzehntelang galt das Gebiet als Sperrzone fĂŒr AuslĂ€nder. Wenige Monate zuvor waren die Zufahrtsstraßen noch von schwer bewaffneten Soldaten der FARC bewacht worden, einer kolumbianischen Guerillabewegung, die sich bis Juni 2016 einen blutigen BĂŒrgerkrieg mit der Regierung lieferte.

Die letzten 30 Kilometer auf den verschlungenen Pfaden im Dschungel legt der Schweizer stehend auf der LadeflĂ€che eines kleinen LKW zurĂŒck. Um nicht herunterzufallen, halten sich er und seine Reisebegleiterin Karina Luna an einer dort installierten Leiter fest. Auch Karina sehnt sich nach der langen, beschwerlichen Reise nach einem Bett. Die bolivianische Schamanin fĂŒhrt seit fĂŒnf Jahren Ayahuasca-Zeremonien in ihrem Land durch. Sie ist es auch, die den Kontakt zu den Einheimischen hergestellt hat.

Als sich das Auto dem Indianerdorf nĂ€hert, dĂ€mmert es bereits. Im Dorf angekommen erscheint ein Indianer in westlich anmutender Kleidung an der TĂŒr. Herzlich begrĂŒĂŸt er Karina und Martin. Es ist Norman Luis Piaguaje, der jĂŒngere der beiden Schamanen des Siona-Stammes. „Kommt gleich mit“, sagt er und macht dabei eine einladende Handbewegung, „wir machen heute Abend eine erste Zeremonie.“

Schamane Norman in der Ayahuasca KĂŒche

Norman fĂŒhrt Martin Zoller und Karina Luna durch den pechschwarzen Urwald. Mit einer kleinen Taschenlampe leuchtet er dabei einen winzigen Trampelpfad aus, wĂ€hrend es in den BĂŒschen und StrĂ€uchern links und rechts raschelt. Nach wenigen Minuten stehen sie vor einer großen, einfachen HolzhĂŒtte auf einer kĂŒnstlich angelegten Lichtung mitten im Dschungel. „Dies ist das Zeremonienhaus, die Maluca“, erklĂ€rt Norman.

Nun kommt ein Àlterer Indianer mit Federschmuck und rituellen GegenstÀnden um den Hals auf sie zu. Es ist Don Felinto Piaguaje, Normans Vater und der Oberschamane des Siona-Stammes. Höflich gibt der um die 70 Jahre alte Mann Martin die Hand und bittet ihn einzutreten. In der Maluca ist es dunkel. Eine Stunde lang liegen Martin, Karina und einige weitere Besucher in ihren HÀngematten und lauschen den tropischen Vogelstimmen aus allen Richtungen. Dann werden sie zu Norman und seinem Vater Don Felinto gerufen.

Die beiden erfahrenen Schamanen beschreiben das Prozedere und geben Tipps: „Am besten ist es, sich fĂŒr die Ayahuasca-Sitzung ein Thema vorzunehmen, das man bearbeiten möchte“, rĂ€t Don Felinto. Sein Sohn Norman fĂŒgt hinzu: „Wer sich ĂŒbergeben muss oder ein GeschĂ€ft zu erledigen hat, geht bitte in diese Richtung“, und deutet mit seinem Arm hinter die HĂŒtte. Schon bald wird Martin diesen Tipp zu schĂ€tzen wissen.

Dann entzĂŒnden die Schamanen RĂ€ucherwerk und stimmen rituelle GesĂ€nge an, um das „YahĂ©â€œ zu beschwören – so nennen die Siona-Indianer ihr GebrĂ€u. Bei diesem uralten Ritual werden die Ahnen angerufen, um wĂ€hrend der Zeremonie Schutz und Hilfe zu leisten. Aus einem großen Topf verabreicht Norman dann jedem Gast ein kleines Glas, in dem sich die dicklich-braune BrĂŒhe befindet. Martin setzt das Glas an und trinkt es in einem Zug leer. Der Sud schmeckt bitter-sĂ€uerlich. Leicht benommen findet er seinen Weg zurĂŒck zur HĂ€ngematte. Dann Ă€ndert sich plötzlich alles…

 

Martin ist schlecht. Er springt auf und folgt Normans Wegbeschreibung hinter die HĂŒtte, wo er sich zwischen den StrĂ€uchern ĂŒbergibt. Auch zu Durchfall soll es nach der Gabe von Ayahuasca immer wieder kommen. Beides empfinden die Konsumenten als befreiend und reinigend. Martin kehrt zu seiner HĂ€ngematte zurĂŒck und gibt sich der Erfahrung hin.

„Plötzlich tauchten meine Großeltern auf“, erinnert er sich. „Das war ganz real. Ich konnte sie wirklich sehen! Und dann lebte ich auf einmal nicht mehr dreidimensional, sondern wie in einem Hologramm. Meine Großeltern sahen so aus wie ich sie kannte, als sie alt waren. Sie haben mir ihre PrĂ€senz gezeigt: Wir sind hier, wir gehören noch zu Dir. Da habe ich verstanden, dass sie gar nicht tot sind, sondern nur in einer anderen Dimension. Und was dann passierte, das war selbst fĂŒr mich als Medium schon fast unglaublich!“.

Als die heftigsten Erfahrungen nachlassen, setzt sich Martin zu den beiden Schamanen Norman und Don Felinto, die inzwischen ein Feuer entfacht haben. Nachdenklich starrt der Ältere in die zĂŒngelnde Flamme. FrĂŒher sei hier alles anders gewesen, berichtet er. Alle Mitglieder seines Stammes trafen sich regelmĂ€ĂŸig zu den Ayahuasca-Zeremonien. Die gemeinsame Erfahrung des Eins-Sein mit Allem stĂ€rkte das GefĂŒhl, zusammen zu gehören, half dabei, Konflikte zu klĂ€ren, Harmonie in der Gemeinschaft herzustellen.

Je nach Stamm unterscheidet sich die Zusammensetzung des psychedelischen Trunks ein wenig. Auch die Siona haben ihre Geheimnisse bei der Zubereitung, die sie nur mit wenigen teilen. Gringos – also solche wie Martin – gehören in der Regel nicht dazu. Doch tags darauf darf Martin den Schamanen Norman bei der Suche nach Ayahuasca-Bestandteilen begleiten. Geschickt klettert Norman zwei bis drei Meter einen Baumstamm hinauf. Mit einer großen Machete hackt er die Ayahuasca-Liane vorsichtig vom Baumstamm herunter.

Unten vor dem Baum hat Norman einen Plastiksack ausgebreitet, in den er die fertig zugeschnittenen StĂŒcke hineinwirft. Mit dem vollen Sack auf dem RĂŒcken geht es zurĂŒck zur „KĂŒche“. Sie besteht aus einer an vier Holzpfeilern aufgespannten Plastikplane ĂŒber einem großen Kochtopf, der auf eisernen Stangen ĂŒber einer Feuerstelle steht. Dann gehen Norman und Martin erneut ins Dickicht. Ohne die Machete wĂ€re hier kein Vorankommen möglich. Doch die Pflanze, die den psychoaktiven Wirkstoff von Ayahuasca enthĂ€lt, wĂ€chst nur hier, an den unzugĂ€nglichsten Orten tief im Dschungel.

Die Maluka ist das Zeremonienhaus in dem die Rituale durchgefĂŒhrt werden

Endlich sind sie angekommen. Mit routinierten Handbewegungen zupft Norman einige BlĂ€tter von einem unscheinbar wirkenden Strauch: Chacruna nennen sie die Siona-Indianer. Die Pflanze mit der botanischen Bezeichnung Psychotria viridis enthĂ€lt das psychedelisch wirksame DMT. Nur gemeinsam mit der Liane entfaltet der Ayahuasca-Trunk seine bewusstseinsverĂ€ndernde Wirkung. Denn die darin enthaltenen Harman-Alkaloide sorgen dafĂŒr, dass der Körper DMT nur sehr langsam abbauen kann. Dadurch erweitern sich die Sinne, öffnet sich der Zugang zur Geisterwelt…

Vier Stunden sind Martin und Norman bereits im Dschungel unterwegs. Inzwischen haben sie einen großen Sack mit Chacruna-BlĂ€ttern gesammelt. Martins Körper ist ĂŒbersĂ€t mit MĂŒckenstichen. Seltsamerweise scheinen sich die kleinen Blutsauger kein bisschen fĂŒr Norman zu interessieren, der mit kurzen Hosen und Ă€rmellosem Hemd kaum einen Stich aufweist. Eigentlich wĂ€re es nun Zeit fĂŒr eine kleine Siesta – doch die wirkliche Arbeit fĂ€ngt jetzt erst an.

Mit einem groben HolzknĂŒppel dreschen Norman und sein Vater auf die LianenstĂŒcke ein, die vor ihnen auf einem Stein liegen. Im Inneren offenbaren die aufgeplatzten StĂ€ngel rosarot gefĂ€rbte Holzfasern. Auch Martin macht mit. Das laute Tack-tack des HolzknĂŒppels ist bis weit in den Dschungel zu hören. WĂ€hrend Don Felinto das Feuer unter dem großen Kessel entfacht, wĂ€scht Sohn Norman die Chacruna-BlĂ€tter und sortiert einige aus. Viele BlĂ€tter sind von Insekten löchrig gefressen.

Endlich sind alle Zutaten im Topf. Das Feuer lodert, der Sud köchelt vor sich hin. „Wie lange dauert es jetzt, bis es fertig ist?“, fragt Martin den Oberschamanen. „Mindestens sechs Stunden muss das kochen – manchmal braucht es tagelang“, antwortet Don Felinto und lĂ€chelt ĂŒber seine ungeduldigen westlichen Besucher…

Martin wagt es, die Eintönigkeit mit einigen Fragen zu unterbrechen. Woher weiß man als Schamane, welche Pflanze im Dschungel gegen welche Erkrankung hilft? Don Felinto schaut auf: „FĂŒr uns ist der YahĂ©-Trank ein Lehrmeister. Wenn wir YahĂ© einnehmen, dann verstehen wir, dass die BĂ€ume auch Personen sind. Dann verraten sie uns ihr Geheimnis.“ Der alte Schamane wirft ein StĂŒck Holz ins Feuer und fĂ€hrt fort: „Manchmal kennt ein kleiner Baum sehr viel Medizin, und er erzĂ€hlt mir, wie man sie zubereitet, damit sie wirkt.“

„Also verbindest Du Dich mit den BĂ€umen und sprichst mit ihnen?“, fragt Martin unglĂ€ubig. Don Felinto antwortet: „Naja, wenn man YahĂ© nimmt, dann wird man selbst zu einem Baum und man redet sozusagen unter seinesgleichen. Er sagt dann: Ich bin fĂŒr das und das gut, und du musst mich so und so vorbereiten.“ Martin betrachtet die Flammen, die unter dem Kessel vor sich hin zĂŒngeln. „Was muss man als Schamane mitbringen, um ein solches Wissen ĂŒber die HeilkrĂ€fte der Natur zu erlangen?“, fragt er. „Man muss rein sein in seinem Leben und in den Gedanken“, erklĂ€rt Don Felinto vieldeutig, „und man darf keine Angst haben. Dann wird man von YahĂ© zur Erkenntnis gefĂŒhrt.“

Am Abend beginnt die zweite Ayahuasca-Zeremonie. Martin hat sich ein Ziel gesetzt: Er will versuchen, Prophezeiungen zu empfangen. Nachdem Don Felinto und Norman ihre Schamanenkleider angezogen und RĂ€ucherwerk entzĂŒndet haben, reichen sie ihm und anderen den Trank. Doch diesmal hĂ€lt der Geist von YahĂ© unangenehme Bilder bereit.
WĂ€hrend Martin im Dunkeln in seiner HĂ€ngematte liegt und darauf wartet, dass die Wirkung einsetzt, spĂŒrt er, wie eine dickflĂŒssige, klebrige FlĂŒssigkeit aus seiner HĂ€ngematte steigt und ihn bis zum Hals eindeckt. Er schaut an sich herab. Es ist Öl. Erdöl. Das GefĂŒhl wird derart unangenehm, dass er seine HĂ€ngematte verlassen muss. Draußen im Dschungel hat sich alles verĂ€ndert.

Wo vorher BĂ€ume standen, erblickt Martin nun eine riesige Industrieanlage. Statt BaumstĂ€mmen erblickt er Kamine, statt Ästen Rohrleitungen, statt BĂŒschen gebogene DrĂ€hte. Der Waldboden unter ihm leuchtet phosphoreszierend – fast so, als bestĂŒnde er aus Neonröhren. Martin ist von diesem Anblick derart ĂŒberwĂ€ltigt, dass er in die ZeremonienhĂŒtte zurĂŒckkehren muss. Nach einer kleinen Meditation wagt er sich wieder hinaus in den Dschungel. Nun ist seine Vision plötzlich anders. Aus den DrĂ€hten und Kaminen sind riesige menschliche Schatten geworden. Menschen ĂŒberall, wohin das Auge blickt.

Doch diese Menschen verhalten sich sonderbar: „Ich sah, dass der eine Baum, der einen Mann darstellte, immer so eine Bewegung machte, als wenn er etwas trinken wĂŒrde. Gleichzeitig hat er auf sehr hohle und sinnlose Art mit einer Frau kommuniziert, die neben ihm war. Und dann haben die ganzen anderen BĂ€ume ringsherum angefangen zu lachen oder miteinander zu diskutieren, aber ebenfalls auf eine sehr hohle und monotone Art. Da habe ich verstanden, dass all dies Teil der Prophezeiung war.“

 

Hauptschamane Don Felinto, Martin Zoller und Karina, eine Schamanin aus Bolivien

FĂŒr Martin steht fest, dass er in jener Nacht einen Blick in die Zukunft der Menschheit warf. „Die Prophezeiung zeigte nicht irgendeinen dritten Weltkrieg, in dem die Menschheit ausgelöscht wird, aber trotzdem eine Warnung. Wir werden in eine technisierte Gesellschaft gehen, in der wir wie gehirnlos wirken, wo wir einfach trinken, rauchen und miteinander plaudern, aber zu keiner wirklich tiefen Auseinandersetzung mehr fĂ€hig sind, weder mit anderen noch mit uns selbst.“

Nachdenklich steuert er die letzten Etappe seiner Reise an – den Titicacasee, der grĂ¶ĂŸte und höchstgelegene Salzsee SĂŒdamerikas. Martin hat sich mit Ninnet Pereyra verabredet. Sie arbeitet als Psychologin in einer peruanischen Entzugsklinik. „Ayahuasca wird bei uns im Zusammenspiel mit anderen Therapieformen verwendet, um drogenabhĂ€ngige Jugendliche auf einen neuen Weg zu bekommen“, berichtet sie ihm. „In La Paz zum Beispiel setzt man Ayahuasca erfolgreich ein, damit die Jugendlichen sich ĂŒber ihre Situation klarwerden. Warum tue ich, was ich tue? Mit jeder Einnahme verstehen sie immer besser, wie sie abhĂ€ngig werden konnten und lernen, sich zu hinterfragen: Was macht die Droge mit Dir? Aus welchem Grund nimmst Du sie? Wie gehst Du mit den Mitmenschen um? Was ist es, das Dir schadet?“ Die Erfolgsquote sei enorm, so Ninnet. NatĂŒrlich spiele auch die Betreuung durch geschulte Psychologen eine wichtige Rolle.

Die AbenddĂ€mmerung setzt ein. „Ist Ayahuasca vielleicht eine Art Weckruf, um uns wieder in Verbindung mit unserer Seele zu bringen?“, fragt Martin. Ninnet nickt. „Durch Ayahuasca habe ich verstanden, dass ich ein Teil des Universums bin – zwar nur ein ganz kleiner, aber ein ganz wichtiger.“

Von Martin Zoller

 

Film zum Thema:

„Ayahuasca: Einer uralten Medizin auf der Spur“
Ein Film von: Martin Zoller und Robert Fleischer
Protagonisten: Norman Luis Piaguaje, Don Felinto Piaguage, Karina Luna, Eveline Ballesteros, Ninnet Pereyra, Daniel Maldonardo
Laufzeit: ca. 78 Minuten
Sprache: Deutsch

Hier bestellen!

Webseite zum Film: http://ayahuasca-film.de/

Infos zum Film von Exomagazin.tv (Robert Fleischer)

 

Eventtipp:

Martin Zoller ist einer der Referenten des zweiten großen Übersinnlichen-Kongresses „MedialitĂ€t und Heilung“ am 17. und 18. MĂ€rz 2017 in Taufkirchen bei MĂŒnchen. Dort wird er ĂŒber seine Erfahrungen, schamanische SpiritualitĂ€t und sein Talent als Seher sprechen und einen Workshop anbieten.

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