Qi Gong der Spontanbewegungen: Ein Tanz! – Frithjof Krepp

von Natascha

Qi Gong ist mehr als Gesundheitspr√§vention. Qi Gong kann heilen, besonders dann, wenn man dem Qi die Freiheit daf√ľr gibt. Dieser ‚ÄěFreiheitstanz‚Äú des Qi‚Äôs beginnt aber erst nach der ‚Äěnormalen‚Äú Qi Gong Praxis. Noch ist diese M√∂glichkeit in Deutschland nahezu unbekannt. Ihr Bekanntwerden k√∂nnte dem Qi Gong hierzulande einen kr√§ftigen Aufschwung geben, weil bei diesem Qi Gong Stil die Selbstheilungskr√§fte enorm aktiviert werden, was zu den viel zitierten mystischen Qi Gong Wundern f√ľhren kann.

 von Frithjof Krepp

 

 

Meine ersten Erfahrungen mit den Spontanbewegungen:

Mitte der 1980er Jahre machte ich einen Taijiquan Basis Kurs bei einer Volkshochschule n√§he Frankfurt/Main. Es war meine erste Begegnung mit dieser asiatischen Kunst, deren Hauptaspekte Gesundheit, Selbstverteidigung und Meditation sind. Ich lernte einen Teil des Yang Stils, eine Folge langsamer, flie√üender Bewegungen und praktizierte diese t√§glich etwa 20 Minuten. Einige Zeit nach Beendigung des Kurses stellte sich bei mir ein merkw√ľrdiges Ph√§nomen ein. Immer dann, wenn ich die √úbung abgeschlossen hatte und entspannt stehen blieb, fing mein K√∂rper an, sich von selbst unwillk√ľrlich zu bewegen. ¬†Manchmal weich und langsam, manchmal schneller, manchmal zuckend. Ich lie√ü dies zu, denn es war wie ein Tanz, aber ohne Musik, der sich gut und befreiend anf√ľhlte. Da ich nie das Gef√ľhl hatte, dass ich die Kontrolle √ľber mich verlieren k√∂nnte, genoss ich diesen Zustand, bis er von ganz alleine wieder ausklang. Leider fand der Taijiquan Kurs keine Fortsetzung, und mein Interesse an weiterer √úbungspraxis ebbte nach ca. zwei Monaten ab.

 

Meine Heilung durch das Qi Gong der Spontanbewegungen

Im Herbst 1987 begann f√ľr mich eine langj√§hrige Gesundheitskrise mit permanentem Energiemangel und daraus resultierender verschiedenster Symptome. Heute w√ľrde man dazu Burnout Syndrom sagen. Ich konnte meinen Beruf als Lehrer an einer √∂ffentlichen Schule ein halbes Jahr gar nicht aus√ľben. Auch danach war ein Einsatz nur mit 50% reduziertem Stundendeputat m√∂glich. Es war eine lange Leidenszeit, in der ich viele verschiedene Therapien f√ľr mich anwandte, aber ohne durchschlagenden Erfolg.

Die Wende kam am Pfingstwochenende 1996. Ich hatte in einer Ank√ľndigung des ‚ÄěFrankfurter Rings‚Äú (Verein in Frankfurt/Main, der u.a. spirituelle Vortr√§ge und Seminare organisiert) gelesen, dass die Qi Gong Gro√ümeisterin Gao Yun mit ihrer Tochter Bai Yin erstmalig in Deutschland sei und an dem besagten Pfingstwochenende ein Qi Gong for Life-Seminar halten w√ľrden. Die Ank√ľndigung sprach mich an, und ich entschloss mich, mir die beiden Frauen freitags, an einem Erlebnisabend, einmal anzuschauen, zumal ich √ľber Qi Gong nichts wusste. Als Master Gao Yun im Rahmen des Abends ihre Qi Gong for Life Basis Form vorf√ľhrte, ber√ľhrte mich diese Vorstellung sehr, und ich entschloss mich kurzfristig an ihrem kommenden Wochenendseminar teilzunehmen.

Das Seminar fand in einem gro√üen Saal mit √ľber 60 Teilnehmern aus ganz Europa statt. Es hatte zum Ziel, dass am Ende der beiden Tage alle, neben der Erfahrung theoretischer Hintergr√ľnde des Qi Gongs, die ersten 18 Bewegungen der sogenannten Schwanen-Kranich√ľbung des Qi Gong for Life-Stiles gelernt haben sollten.

Gegen Ende der Veranstaltung k√ľndigte die Meisterin an, zum Abschluss der √úbungspraxis Qi auf die Gruppe abgeben zu wollen, um den Teilnehmern den eigenen Qi Fluss zu erleichtern und zu verst√§rken. Hierzu sollten wir nach dem Ende der √úbungsfolge einfach mit geschlossenen Augen entspannt stehen. Ich wusste nicht, was mich erwartete. W√§hrend ich eine angenehme W√§rme, von den Fu√üsohlen ausgehend und √ľber F√ľ√üe und¬† Beine nach oben steigend, f√ľhlte, nahm ich verst√§rkt viele Ger√§usche im Saal war. Ich √∂ffnete kurz die Augen und sah eine Menge Teilnehmer, die sich spontan bewegten, manche sanft in den Armen und H√ľften kreisend, manche mit den F√ľ√üen auftretend, manche mit schnellen zuckenden Bewegungen, manche gaben T√∂ne von sich, manche weinten . . . Es war unglaublich. Wo war ich gelandet? Mein Geist riet mir, mich nicht ablenken zu lassen, wieder die Augen zu schlie√üen und mich auf das einzulassen, was mit mir passierte, denn die innere W√§rme war angenehm und breitete sich immer mehr in mir aus. Gleichzeitig f√ľhlte ich mich immer schwereloser, und auch mein Oberk√∂rper, meine Arme, H√§nde und Finger fingen an, sich unwillk√ľrlich zu bewegen. Ich erinnerte mich an den Zustand, den ich fast zehn Jahre vorher nach meiner Taijiquan Praxis erlebt hatte. Nach ein paar Minuten dieses wirklich sch√∂nen Zustandes sagte Master Gao Yun, dass wir die H√§nde auf unseren Unterbauch legen und unser Bewusstsein dorthin fokussieren sollten, um das Qi dort einzusammeln. Dadurch h√∂rten die Bewegungen rasch auf, und ich kam in einen Zustand tiefer, innerer Ruhe.

Ich folgte dem Rat von Master Gao Yun, den sie allen Teilnehmern zum Abschluss des Seminars auf den Weg gegeben hatte und praktizierte in den Folgemonaten t√§glich zweimal je ca. 20 Minuten Qi Gong for Life. Immer mehr sp√ľrte ich, auch ohne direkten Qi Empfang durch Master Gao Yun wie seinerzeit im Seminar, in den folgenden Wochen den Energiefluss. Die Spontanbewegungen am Ende der √úbung zeigten mehr und mehr verschiedenste Formen. Dies f√ľhlte sich durchweg angenehm an, egal was sich an Bewegungen oder auch Emotionen zeigte. Irgendwie schien dieser geheimnisvolle Tanz des Qi‚Äôs auch meinen Zustand zu verbessern, denn ich f√ľhlte mich nach der √úbungspraxis immer sehr gut.

Nach etwa vier Monaten hatten sich mein jahrelanger Energiemangel und die daraus resultierenden Symptome aufgelöst. Ich wieder gesund und in meiner Kraft!

In den folgenden Jahren begann ich, neben einer Qi Gong Lehrerausbildung bei Master Bai Yin, der Tochter von Master Gao Yun, Qi Gong auch bei anderen Lehrern zu lernen. Bei den meisten Lehrern waren die Spontanbewegungen gar nicht im Programm. Gl√ľcklicherweise begegnete ich im Shaolin Wahnam Institut in Frankfurt/Main Grandmaster Wong Kiew Kit, von dem ich vorher das Buch ‚ÄěDie Kunst des Qi- Gong‚Äú gelesen hatte, ein Buch, in dem ich erstmals etwas √ľber den geheimnisvollen freien Fluss des Qi‚Äôs gelesen hatte. Grandmaster Wong entstammt der Shaolin Tradition und hatte bereits 1997 die Auszeichnung weltbester Qi Gong Meister erhalten. In seinem Buch schreibt er, statt des Begriffs Spontanbewegungen, vom angeregten Qi Strom und von den Heilungen, die dadurch erreicht wurden und erreicht werden k√∂nnen.

Nach jeder √úbungseinheit praktizierten wir in allen seinen Seminaren den angeregten Qi Strom. Aus seiner Sicht ist Qi Gong ohne Spontanbewegungen, wie er sagte, auf einem niedrigen Niveau und bessere Gymnastik. Wenn das so ist, fragte ich mich: Warum ist das Qi Gong der Spontanbewegungen in Deutschland nahezu unbekannt? Warum wird es in den Lehrerausbildungen nicht unterrichtet? Die Antwort findet man in der Qi Gong Entwicklung im China der 1980er Jahre.

 

Das Qi Gong der Spontanbewegungen in China

Das Qi Gong der Spontanbewegungen wurde, nach dem Ende der m√∂rderischen Kulturrevolution unter Mao Tse Tung, im China der 1980er Jahre zu einer Massenbewegung. Es kam zu einem regelrechten Qi Gong Fieber, das das ganze Land zu erfassen schien und wurde zu einem Symbol des Aufbruchs nach etwa zehn Jahren Unterdr√ľckung. Man fand sich in gro√üen Gruppen, stellenweise zu Hunderten im Freien und in den Parks gro√üer und kleinerer St√§dte, zusammen und praktizierte nach der √ľblichen Qi Gong Bewegungsfolgen des Kranich Qi Gongs Spontanbewegungen. Unter den Praktizierenden waren auch viele kranke Menschen und solche, die von den Ereignissen der letzten Jahre schwer traumatisiert waren. Diese verdanken in dieser Zeit dem angeregten Qi Strom Linderung und Heilung von selbst schwersten Erkrankungen. Leider wurde das Qi Gong der Spontanbewegungen nach einer raschen Bl√ľtezeit von der chinesischen Regierung verboten.

Dies hatte zwei Gr√ľnde. Konservative Richtungen des Qi Gongs sahen es als unm√∂glich an, dass man sich so extrovertiert in der √Ėffentlichkeit pr√§sentierte, Emotionen zeigte, denn es kam auch zum Flie√üen von Tr√§nen oder Wutausbr√ľchen. Aus traditioneller asiatischer Sicht kam dies einem ‚ÄěGesichtsverlust‚Äú gleich.

Die chinesische Regierung sah bald eine m√∂gliche Gefahr, die von den Menschenmengen mit ihren sich frei bewegenden K√∂rpern, von denen es in China immer mehr und mehr wurden, ausging. Wer sich frei bewegt, denkt demn√§chst das Wort Freiheit, spricht es aus, schreit es heraus, vielleicht mit einem Plakat auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking. Schnell hatte man den einen oder anderen Grund daf√ľr gefunden, dieses politisch ungeliebte Qi Gong der freien Bewegung zu stigmatisieren. Es habe Verletzungen, ja sogar den einen oder anderen Todesfall gegeben, sagte man ihm nach. So verschwand das Spontan-Qi Gong mit seinem freien Fluss, zu Unrecht gebrandmarkt, wieder von der Bildfl√§che in China, nachdem es f√ľr einige Zeit gro√üe Hoffnung auf Gesundheit unter den Menschen gebracht und Begeisterung entfacht hatte.

Wer n√§heres dazu wissen m√∂chte, dem empfehle ich die ausf√ľhrliche Dissertation von Prof. Dr.Dr.Ots, der zu dieser Zeit in China war und seine Doktor Arbeit √ľber das Qi Gong der Spontanen Bewegung schrieb unter dem Titel: Stiller K√∂rper ‚Äď Lauter Leib ‚Äď Aufstieg und Untergang der jungen chinesischen Heilbewegung Kranich-Qi Gong.¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†

 

Das Qi Gong der Spontanbewegungen im Westen

Das Qi Gong der Spontanbewegungen verschwand zwar in der chinesischen √Ėffentlichkeit, um vereinzelt im Westen wieder aufzutauchen. Qi Gong Meister wie Master Gao Yun, Master Bai Yin, Grandmaster Wong Kiew Kit u.a., die die Spontanbewegungen als die Essenz der Qi Gong Praxis erkannt hatten, brachten diesen Stil in die westliche Welt, in die USA, Australien und Europa. Hier lebt er weiter und findet langsam mehr und mehr begeisterte Anwender. Mein Gl√ľck war es, diesen Lehrern zu begegnen und von ihnen lernen zu d√ľrfen, wie man diesen freien Fluss der Energie, der den K√∂rper spontan bewegt, in Gang setzt und seiner Kreativit√§t Ausdruck verleiht, wodurch ein Raum entsteht, in dem das Qi in den K√∂rper flie√üen kann, wo sich der sogenannte Yin und Yang Ausgleich vollzieht, das Qi die Blockaden in den Meridianen durchbricht, und Heilungsimpulse gesetzt werden.

Ich w√ľnsche allen Qi Gong Praktizierenden diese wohltuende Erfahrung. Weiterhin hoffe ich, dass ich alle, noch nicht Qi Gong praktizierende Leser, mit diesem Artikel inspirieren konnte.

 

 

 

 

√úber Frithjof Krepp :

Er ist Diplom P√§dagoge und arbeitet langj√§hrig als Qi Gong Lehrer und Lehrer f√ľr Meridianklopftechniken. Er gibt Wochenendkurse, Spezialkurse in Firmen, f√ľr Lehrkr√§fte, das Heil- und Pflegepersonal in Krankenh√§usern und Seminarwochen auf Kreta. Qi Gong unter seiner Leitung wird von den gesetzlichen Krankenkassen mit mindestens 75 ‚ā¨ bezuschusst.

www.lebensenergie-coaching.de

0 Kommentar

√Ąhnliche Beitr√§ge

Kommentar schreiben