Angst oder Liebe – Michael Weinert

von Thomas

Angst ist neben der Liebe die einzige Grund-Triebkraft unseres menschlichen Handelns und zwischen diesen Polen gilt es sich jederzeit bewusst zu entscheiden. Sonst kommt es dazu, dass wir den Weg gar nicht erst beginnen, nicht zu Ende gehen oder eben nicht in letzter Konsequenz beschreiten – also suchen ohne zu finden.

von Michael Weinert

 

 

 

„Sich leben trauen“ hat uns keiner beigebracht. Das gilt es nachzuholen. Ein schönes Bild, das mir einmal eingegeben wurde, beschreibt es sehr schön:

„Ich verlasse das gewohnte Ufer, weil es mir hier nicht behagt, und schwimme hinaus auf den offenen Ozean, auf der Suche nach neuen Ufern. Meine Mitmenschen am alten Strand hatten mich schon gewarnt, es wĂŒrden Gefahren in den Untiefen des Meeres lauern und mein Leben bedrohen. Ich solle nicht so vermessen sein, das nicht optimale, aber halbwegs ertrĂ€gliche Leben am alten Strand aufzugeben fĂŒr das hohe Risiko auf dem offenen Meer mit der vielleicht trĂŒgerischen Hoffnung einer Insel der GlĂŒckseligen jenseits des Horizonts. Das Leben sei nun mal hart, alles andere eine Illusion. Manche seien schon umgekehrt von dieser Reise und froh gewesen, heil am alten Strand wieder anzukommen.

Ich schwimme trotzdem los, allmĂ€hlich versinkt das alten Land hinter mir am Horizont. Und just, wo ich weder altes noch neues Land sehen kann, ganz allein auf dem offenen Ozean, hĂ€lt eine dreieckige RĂŒckenflosse auf mich zu! Panik ergreift mich – meine Mitmenschen am alten Ufer hatten recht, der weiße Hai kommt auf mich zu! Was tun?!“

In diesem Moment wird klar, wie leicht die Angst uns dazu treiben kann, dass wir umdrehen, vor den scheinbaren Monstern und Untiefen in uns fliehen wollen, zurĂŒck in die gewohnten alten Gefilde streben. Dort ist es nicht leidensfrei, aber wir wissen wenigstens aus Erfahrung, dass es auszuhalten ist. So kommen wir nicht an. In so einem kritischen Moment braucht es nach meiner Überzeugung und Erfahrung einen professionellen Begleiter (Coach, Heiler), der dann bei uns ist und uns dazu bringt, auszuharren und die weitere Entwicklung abzuwarten:

„Ich bleibe also entgegen meiner inneren Impulse an Ort und Stelle und schaue tatenlos zu, wie sich die dreieckige RĂŒckenflosse immer weiter auf mich zubewegt. Ich brauche alle Kraft und allen Mut, um nicht panikartig umzudrehen und zu flĂŒchten, um der zu erwartenden Katastrophe zu entgehen. Als die RĂŒckenflosse so nahe ist, dass ich den tödlichen Biss in der nĂ€chsten Sekunde erwarte, erkenne ich plötzlich, dass es die Flosse eines Delphins ist! Er schwimmt zu mir, bietet mir seine RĂŒckenflosse an und zieht mich in Richtung des neuen Ufers, zur Insel der GlĂŒckseligkeit jenseits des Horizonts…!“

Diese Geschichte ist ein wunderbares Bild, das zeigt, wie schmal der Grat zwischen Aufgeben / Davonlaufen und dem entscheidenden Durchbruch zur Heilung ist. Die beiden Alternativen heißen “der Angst nachgeben” oder “Entscheidung zum Hinschauen”. Unsere Schattenthemen sind unsere grĂ¶ĂŸten SchĂ€tze, die es zu heben gilt. Alleine ist dies nach meiner Überzeugung nur schwer zu schaffen, das geschilderte Bild mag zeigen, um was fĂŒr elementare UrĂ€ngste und GrundĂŒberzeugungen es hier geht. Wie leicht flĂŒchtet man zurĂŒck ans alte Ufer und wird sich hĂŒten, noch einmal ins Wasser zu steigen – mit der doppelten Überzeugung, dass die warnenden Mitmenschen doch recht hatten! Und wie nahe wĂ€re man daran gewesen, die positive, helfende Kraft des Universums zu spĂŒren und zu genießen!

 

Illusionen und Wahr-Nehmung

Obiges Bild zeigt auch, wie jeder eine Lebenssituation nach seiner inneren Einstellung betrachten kann und dabei stets das GefĂŒhl hat, recht zu haben, weil es logisch und in sich stimmig ist. Wer wegen der dreieckigen RĂŒckenflosse ans alte Ufer umgedreht ist, wird froh und dankbar sein fĂŒr die ĂŒberstandene Beinahe-Katastrophe und nicht erfahren, dass er vor seinem Helfer geflohen ist. Seine Erfahrung lĂ€sst sich in keinster Weise in Übereinstimmung bringen mit dem, der von der gleichen Situation in den höchsten Tönen als einem Errettungserlebnis schwĂ€rmt!

Jeder darf so lange schlecht trĂ€umen, Fehlwahrnehmungen und Illusionen hegen, wie er möchte; keiner wird vom Universum zur Wahrheit „vergewohltĂ€tigt“. Genau genommen gibt es auf der Ebene unserer Formenwelt nur Wahr-Nehmung (ich nehme etwas fĂŒr wahr), aber nicht Wahrheit. Wahrheit ist das UnverĂ€nderliche, ewig GĂŒltige. Das finde ich auf anderen Ebenen, nicht außen. Aber wenn ich schon nur wahr-nehmen kann, dann möchte ich doch die Macht der Wahl nutzen und Schönes, nicht HĂ€ssliches wahr-nehmen, Lösungen und Möglichkeiten statt Probleme und Hindernisse sehen. Die Energie folgt meinem Aufmerksamkeits-Fokus. Daher wĂ€hle ich wohl und mit Bedacht


 

Der Sprung ins Ungewisse

Man braucht sich keinen Illusionen hingeben: Der Aufbruch zu neuen Ufern ist wie der Sprung eines Jungvogels aus dem Nest. Es gibt keine eigenen Referenzerfahrungen! Es hilft in dem Moment nur der Glaube, dass es gut gehen wird und man fliegen kann, obwohl man es bis dahin noch nie getan hat. Ich hatte zu Beginn meines Weges immer wieder folgende zwei Bilder in meinem Kopf:

„Ich stehe auf einem 10-Meter-Sprungturm und tief unter mir ist ein kleines Wasserbecken. Der Boden des Beckens ist schwarz gestrichen, so dass ich nicht sehen kann, ob Wasser darin ist. Wenn ich wissen will, ob dies der Fall ist, muss ich springen. Ich werde aber erst kurz vor dem Aufprall wissen, ob ich auf dem Betonboden zerschelle oder mich das Wasser wie erhofft auffĂ€ngt. Dennoch will ich springen, denn das bisherige Leben ist keine Alternative mehr fĂŒr mich. Ich muss wissen, ob da noch mehr ist, als meine Schulweisheit mir trĂ€umen lĂ€sst!”

„Ich stehe am Rand einer Klippe, 100 Meter unter mir spitze Lavafelsen und das tosende Meer. Die Botschaften, die ich durch BĂŒcher und Heiler bekomme, sagen mir, dass ich fliegen kann. Ich war aber bisher nur auf dem ebenen Land hinter den Klippen unterwegs, als FußgĂ€nger unter FußgĂ€ngern. Sie sagen mir, ich wĂ€re grĂ¶ĂŸenwahnsinnig, wir seien als FußgĂ€nger geboren und hĂ€tten keine FlĂŒgel. Ich sehe in der Tat nur Arme an mir. Dennoch gibt es diese Botschaften vom Fliegen
 – ich werde es ausprobieren und von der Klippe springen mĂŒssen, wenn ich es wirklich wissen will.“

Beide Bilder zeigen sehr schön, dass dieses Loslassen alter Schemata sich anfangs wie ein sich Fallenlassen ins Ungewisse und Bodenlose anfĂŒhlt. Es wird vielfach in unterschiedlicher Art so geschildert. Aber anders sind neue Ufer nicht zu erreichen. Solange die alten Mechanismen im Geist wirken, sind keine neuen Ergebnisse zu erwarten! Was ich damit sagen will: Der geistige Weg ist mit PlĂ€tschern im lauwarmen, seichten Wasser (also unter Beibehaltung von Kontrolle und alten Sicherheiten) nicht zu beschreiten. Es ist geistiges Bungee-Jumping ohne Seilsicherung! Aber der Lohn ist weit mehr als nur der kurze Adrenalin-Kick, wenn man die SelbstĂŒberwindung auf körperlicher Ebene ausleben wĂŒrde. Da suchen viele in ihrer Freizeit unbewusst auf der falschen Ebene.

 

Aufwind

Die gute Nachricht: Wenn man sich erst hat fallen lassen und die ersten Meter im freiem Fall und mit angstverkrampftem Magen ĂŒberstanden hat, dann beginnt man allmĂ€hlich zu spĂŒren, dass sich tatsĂ€chlich (geistige) FlĂŒgel entfalten, von deren Existenz man keine Ahnung hatte. Als FußgĂ€nger waren sie ja auch unnötig, im freien Fall entfalten wir plötzlich ungeahnte und nie genutzte FĂ€higkeiten. Aber alles braucht seine Zeit und die kommt uns im Blick nach vorne viel zu lang vor (rĂŒckblickend ist es erstaunlich schnell und ĂŒberschaubar). Wir flattern zunĂ€chst hilflos und nichts bremst den freien Fall. Erst allmĂ€hlich wissen wir uns der neuen Möglichkeiten gezielter zu bedienen und der freie Fall geht allmĂ€hlich in einen Horizontalflug ĂŒber. Wenn wir weiter dranbleiben, ĂŒben und nochmal ĂŒben, dann kommt der schönste Teil: der Aufwind. Das Universum hilft mit, wir machen einen FlĂŒgelschlag und werden zwei emporgetragen – einfach herrlich!

Allerdings habe ich den Eindruck, dass Heilung wie eine Wellenlinie mit Exponentialfunktion verlĂ€uft. Es gibt immer ein gewisses Auf und Ab, Fortschritte und auch mal RĂŒckschritte. Das kann den Blick dafĂŒr vernebeln, dass die Grundtendenz aufwĂ€rtsgeht. Das Ego / der Schmerzkörper nutzt die AbwĂ€rtsphasen zu frustrierenden und zermĂŒrbenden Negativgedanken, da gilt es klar und fokussiert zu bleiben auf das Ziel. Zudem kann es sein, dass nach dem Start des geistigen Heilungsweges ziemlich lange relativ wenig passiert an positiven Effekten und erst zuletzt, mit zunehmender Meisterschaft, geht es steil bergauf im (Er-)Leben. Aber mit Ausdauer und richtig verstandener Demut werden wir ans Ziel, den hinteren Teil der Kurve kommen, wo vieles wie von selbst geht und uns mancher Bonus einfach geschenkt wird. In der Anfangsphase, mit den grĂ¶ĂŸten Zweifeln, haben wir die wenigsten Beweise fĂŒr die Richtigkeit unseres Weges, obwohl sie unser Ego (das stets auf scheinbare Sicherheit bedacht ist) da noch am lautesten fordert. Wir könnten leicht einknicken, wenn wir nicht unseren Entscheider im Kopf als Instanz ĂŒber unsere „spontanen“ (aber in Wirklichkeit vom Ego / Schmerzkörper manipulierten) Impulse setzen. Das Ego / der Schmerzkörper will keine Heilung, denn dann löst sich dieses schmerzhafte Denkmuster auf und verliert seine Existenzberechtigung. Kein Wunder, wenn wir bei anderen (besser als bei uns selbst) mit Erstaunen beobachten, wie sie sich immer wieder in ihrem Leben ganz offensichtlich selbst „ins Knie schießen“ statt sich wiederholende Probleme endgĂŒltig (auf) zu lösen.

 

Über Michael Weinert:

Jahrgang 1964, gelernter und studierter GĂ€rtner. Bis zum Alter von 38 Jahren beruflich erfolgreicher Workoholic, dann Kollaps mit Burnout und Scheitern einer 19 Jahre wĂ€hrenden Beziehung. Kompletter Wandel vom rein naturwissenschaftlich orientierten Menschen hin zu alternativen Heilmethoden und Denkweisen, Umzug von der Stadt aufs Land und freiwillige Aufgabe einer Festanstellung fĂŒr die berufliche SelbstĂ€ndigkeit. Intensiver Heilungsweg mittels zahlreicher Heiler, Seminare und BĂŒcher (nachzulesen auf seiner Homepage mit vielen Quellenangaben). Heute sehr glĂŒcklich, gesund und zufrieden im bayrischen Oberland lebend.

www.kurz-nachdenken.de

 

 

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