Ewigkeit

von Lexikon

Zeitbegriff fĂŒr eine unvergĂ€ngliche → Zeit (auch → Nirwana). Die → Mystik spricht gelegentlich von einer „ewigen Wahrheit“ oder „ewigen Freude“. „Wer eine Welt erblickt im Körnchen Sand und den Himmel in dem Blumengrunde, / schließt die Unendlichkeit in seine Hand und Ewigkeit in eine Stunde“ (William Blake).
FĂŒr den Mathematiker John G. → Bennett ist Ewigkeit eine zweite Zeitdimension, die eine andere QualitĂ€t als die lineare Zeit hat. Sie könnte auch als „Bewusstseinszeit“ bezeichnet werden. Er unterscheidet dabei zwischen Möglichkeiten, PotenzialitĂ€ten und TatsĂ€chlichkeiten.

„PotenzialitĂ€t wird in der Physik als der Teil der Energie eines Systems definiert, die gerade untĂ€tig ist. Potenzielle Energie ist ein ĂŒberaus wichtiger Begriff, und dennoch hat ihn bisher niemand direkt beobachtet, denn was wir beobachten können, sind ja nur die VorgĂ€nge der Änderung, wenn → Energie eine Arbeit leistet. Potenzielle Energie ist ein hervorragendes Beispiel fĂŒr das, was die Scholastiker ens rationis oder GedankengebĂ€ude nannten. Sie ist aber ebenso wirklich wie ‚sichtbare Energie’, wie z.B. WĂ€rme- oder Bewegungsenergie. Es steht auch fest, dass es fĂŒr potenzielle Energie keinen Platz in der Raum-Zeit-Welt gibt. Einstein versuchte dreißig Jahre seines Lebens, einen Platz dafĂŒr zu finden, und es gelang ihm nicht. Andere bedeutende Physiker wie FĂŒrst Louis de Broglie und Sir Arthur Eddington schlugen schon 1928 vor, man solle eine fĂŒnfte Dimension einfĂŒhren, um einen Platz fĂŒr potenzielle Energie zu finden. Ich war schon 1920 zum gleichen Schluss gekommen und gewann die Überzeugung, dass dies nicht nur eine praktische Methode ist, die Welt darzustellen – wie Eddington dachte –, sondern einfach eine unumgĂ€ngliche Bedingung fĂŒr ihre Existenz selbst.“ (John G. Bennett 2004, 127)

„PotenzialitĂ€ten beschrĂ€nken sich nicht nur auf physische Energie: sie kommen ĂŒberall vor, wo etwas existiert. Wenn ich Geld in meiner Tasche habe und es nicht ausgebe, dann bleibt sein Potenzial bestehen, vorausgesetzt, die Kaufkraft des Geldes im Allgemeinen steigt oder fĂ€llt nicht. Diese einfache Illustration sagt uns beinahe alles, was darĂŒber zu sagen ist. PotenzialitĂ€ten und TatsĂ€chlichkeiten können nebeneinander her bestehen. 
 PotenzialitĂ€ten sind keineswegs nichts. Sie wechseln den Platz mit Verwirklichungen in so ungezwungener Weise, dass sie ein Teil der existierenden Welt sein mĂŒssen. Wenn PotenzialitĂ€ten abgeschafft wĂŒrden, dann wĂŒrde die Welt im Augenblick zu Ende sein. Dennoch sind PotenzialitĂ€ten verschwindend klein im Vergleich zu all den Möglichkeiten, die sich sozusagen nicht in die Schlange einreihen können, wo sie eine Chance haben, wirklich zu werden. Sie sind begrenzt und sie bestimmen, was in jeder gegebenen Situation möglicherweise geschehen könnte.“ (John G. Bennett 2004, 128)

Wie lassen sich diese ErklĂ€rungen mit dem ĂŒblichen Begriff von „Ewigkeit“ zusammenbringen, der meistens als eine unendliche Zeitspanne definiert wird? Vielleicht könnte man sagen, dass die Potenziale, die im → Bewusstseinsfeld angelegt sind, ruhende potenzielle Energien sind. Auch die Idee der → SynchronizitĂ€t ist möglicherweise damit verbunden. Wenn Menschen in einen verĂ€nderten → Bewusstseinszustand geraten, haben sie zumindest subjektiv das GefĂŒhl, dass sich die Zeit ausdehnt oder eine kurze Zeitspanne auf der Uhr in der persönlichen Erfahrung wesentlich lĂ€nger andauert. Möglicherweise hat das damit zu tun, dass die individuelle → Wahrnehmung von Zeit gedehnt werden kann, wĂ€hrend die „fließende“ Zeit weiterlĂ€uft. Das entspricht auch der → buddhist. Vorstellung von → Nirwana, das erreicht wird, wenn der Mensch in der Zeit bis zum Ursprung zurĂŒckgeht, zum Beginn der Zeit, zur Nichtzeit, dem ewigen GegenwĂ€rtigen (→ Reinkarnation).

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