Editor’s Corner I: Der Mythos vom spirituellen, daher gesunden Menschen

von Redaktion
Ein Kommentar von Thomas Schmelzer

Sicher kennen Sie in Ihrem spirituellen Bekanntenkreis die Überzeugung „Der Geist bestimmt die Materie“. Schnell wird gefolgert, dass ein kranker Mensch sich seine Krankheit höchstwahrscheinlich selbst manifestiert hat. Und da ist sicher etwas dran. In „Krankheit als Weg“ veröffentlichten Ruediger Dahlke und Thorwald Dethlefsen wiederentdecktes Wissen ĂŒber die Entsprechungen von Krankheitsbildern und seelischen Befindlichkeiten, und in vielen FĂ€llen treffen diese auch zu.

Und doch wird meiner Meinung nach hier zu streng geurteilt. Wenn Siranus Sven von Staden in seinen Seminaren wirbt, jedem Menschen zu helfen, die „Ursachen seiner Krankheit zu finden“ – ist das nicht ein ĂŒbertriebener Glaube, alle Probleme lösen zu können? Zwar ist auch der bekannte Geistheiler Horst Krohne der Meinung, dass Heilung erst möglich ist, wenn der Mensch bereit ist, sich zu Ă€ndern. Ob und wie dies allerdings geschehe – das hat auch dieser Mensch nicht immer in der Hand.
Wie in manchen anderen Bereichen auch zeigt sich in der Esoterik sozusagen das andere Extrem der offiziellen Meinung vieler Mediziner, die in Ursachen von Krankheiten oft genetische GrĂŒnde sehen, selten aber die Seele beachten.
Ich selbst hatte vor 19 Jahren Krebs. Intensiv erforschte ich meinen Geist, welche Ursachen zu dieser extremen Krankheit fĂŒhren konnten – und ich fand einige. Aber sind dies wirklich die wahren GrĂŒnde? TatsĂ€chlich erlebte ich in dieser Krise ein ganz tiefes friedvolles Einheitserlebnis, das mir einen ganz neuen Lebenssinn brachte.
Das Medium Manuela Oetinger zĂ€hlt in ihren BĂŒchern viele unterschiedliche GrĂŒnde auf, warum ein Mensch krank sein kann. Manchmal, so sagt sie, kann nur so die Seele alte, oft uralte Traumen durch eine Krankheit nach und nach auflösen und durchleben. Sicher können Verfehlungen in der Vergangenheit zu Krankheiten fĂŒhren. Die deutlichsten davon sind Raubbau am Körper durch Übertreibungen jeder Art, falsche ErnĂ€hrung, keine Bewegung. Oder, wie der Gedanke des Karma nahelegt, schĂ€dliche Charaktereigenschaften.
Wenn man krank ist, sollte man deswegen unbedingt in seinem Leben, seinem Geist nach möglichen Ursachen forschen. Oft ist das der beste Weg zur dauerhaften Heilung. Manchmal aber lassen sich diese einfach nicht finden.
Auf jeden Fall ist der Mythos vom spirituellen bewussten Menschen der, dass er als natĂŒrliche Folge absolut – aber zumindest doch ziemlich – gesund sein mĂŒsse. Wenn aber dann Deutschlands bekannteste spirituelle Autorin, BĂ€rbel Mohr, am Krebs verstirbt, kann dieser Glaubenssatz nicht mehr funktionieren. Jene, die ihn vertreten, suchten nun in Foren fieberhaft nach GrĂŒnden. Schon meldeten sich selbsternannte Medien zu Wort, die exklusiv zur Seele von BĂ€rbel Mohr Kontakt aufnehmen konnten: Sie wirke nun als aufgestiegene Meisterin fĂŒr viele Menschen und habe deswegen bewusst diesen Weg gewĂ€hlt

Was aber können wir wissen?
Dies ist eine meiner Lieblingsfragen.
Im Falle Mohr: Ich hatte sie kennengelernt. Eine liebevolle, entspannte Frau, die das Kind und die Freude in sich bewahren konnte, die mit Leidenschaft heilsames Wissen weitergab.
Warum ist sie nicht mehr hier?
War der Auftrag Ihrer Seele erfĂŒllt?
Hatte sie zu wenig auf Ihre Befindlichkeiten geachtet?
Hatte sie es ĂŒbertrieben mit „Bestellungen beim Universum“ (was ich nicht glaube, da sie immer betonte, das Ganze einfach „spielerisch auszuprobieren“)?
Oder war es einfach so wie es war, und Ihrer Seele geht es jetzt gut, und die Hinterbliebenen haben nun wichtige Erfahrungen in ihrem Leben, wenngleich sie sich das mit ihrem normalen Bewusstsein sicher nicht gewĂŒnscht haben.
Im Moment habe ich FrĂŒhjahrsallergie. Das macht keinen Spaß. TatsĂ€chlich bin ich auch hier Themen auf der Spur, die mit der Ursache zu tun haben könnten. Okay, aber letztlich hat sich deswegen noch nicht viel geĂ€ndert. Liebend gerne hĂ€tte ich den ultimativen Heilungssatz. Suche ich zu wenig?
Vielleicht gehören Krankheit und Sterben einfach zum Leben dazu. Vielleicht sucht sich die Seele diese Erfahrungen. Vielleicht aber wissen wir es einfach nicht und spekulieren endlos drauflos, weil das Unwissen und die Unsicherheit etwas sind, was unser Verstand kaum aushalten kann.
So oder so wĂŒnsche ich Ihnen: Bleiben Sie gesund!

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5 Kommentare

Ute 3. September 2011 - 17:38

Lieber Thomas Schmelzer,

meiner Wahrnehmung nach ist Krankheit eine individuelle Erfahrung vor kollektivem Hintergrund. In meiner tÀglichen Arbeit darf ich die ZusammenhÀnge sehen, die sehr hÀufig mit einem System zu tun haben. Da hat zB. die Enkelin eine körperliche Erkrankung, weil die Oma eine traumatische Erfahrung gemacht hat. Als Spirituelle Heilerin erlebe ich oft, dass Krankheit geht, wenn man ins Familiensystem schaut.

Wir sind alle miteinander verbunden – und in Familien sehr viel stĂ€rker als wir wissen oder wahr haben wollen. Es ist ja alles Energie – und emotionale Energie wird weiter gegeben. So lange, bis das Thema/Trauma geheilt ist. Da kann man entweder 7 Generationen warten oder man schaut sich die Vergangenheit der Familie an.

Und noch eins ist sehr wichtig: Die Erfahrungen unserer Eltern und Großeltern wĂ€hrend der Weltkriege, insbesondere des Zweiten, haben energetisch zum Teil massive Spuren hinterlassen, die zu Erkrankungen fĂŒhren.

Zur Krebserkrankung kann ich als „Seherin“ noch beitragen, dass ich schon des öfteren in Familien eine schwere, traumatische Erfahrung in der Vergangenheit gesehen habe, die von den Nachkommen nicht geheilt werden konnte. Durch die Krebserkrankung wurde dieses Leid „aufgezehrt“. Man mag es kaum glauben, aber es scheint so zu sein, dass blockierte Energie wie „aufgefressen“ wird – und damit ist das alte Leid dann meist geheilt.

Danke fĂŒr diesen inspirierenden Beitrag.
Ute

Manfred Miethe 3. September 2011 - 17:10

Lieber Thomas,
es ist einer der GrundirrtĂŒmer der Esoteriker, dass alles erklĂ€rbar ist, dass alles auf EINE Ursache zurĂŒckgefĂŒhrt werden kann, dass Bewusstheit der SchlĂŒssel zu allem ist. Wir können mit unserem beschrĂ€nkten menschlichen Gehirn aber nicht das Wunder der Existenz oder Gott begreifen. Gott ist ja gerade das Wort fĂŒr das Unbegreifliche.
Spirituell ist nicht, wer ein schönes Leben hat, wer reich, gesund, glĂŒcklich und braungebrannt ist und strahlendweiße ZĂ€hne hat – und sich alles bestellt, was er gerade haben will. Spirituell ist, wer sich dem Leben ergibt und mit dem, was ihm das Leben schenkt, zufrieden ist. Es kommt nicht darauf an, ob ich krank bin oder nicht; es kommt darauf an, wie ich mit Krankheit, Verlust, Trauer und so weiter umgehe.
So habe ich zum Beispiel einen Körper geschenkt bekommen, der seit ich denken kann, schmerzt. Und obwohl ich wohl so ziemlich alles ausprobiert habe und seit 40 Jahren Qigong mache, schmerzt er immer noch. Und im Alter noch mehr. Gebe ich deshalb auf? Nein. Ich mache weiter, ich lebe weiter, ich freue mich weiter, ich lache weiter … und ich weine, wenn mir danach ist.
Danke fĂŒr deinen Beitrag.
Manfred

Claus Maria Gohel 4. Mai 2011 - 09:08

Ein journalistisch gelungener Beitrag zu einem Thema, das die Menschen genauso in ihren Ansichten trennt, wie jedes gedankliche Konzept. Ich bin nach ĂŒber 15jĂ€hriger Suche mit tausenden von Fragen zu der gnadenvollen Ansicht gelangt, dass ich nichts weiß und auf einmal war da eine große Bereitschaft, in diese Unwissenheit hineinzusterben. Leidenschaftliche Hingabe an etwas, was einige Menschen dieser Welt Gott nennen, ließen mein Ego in das große Ganze einfließen. Es ist jetzt mehr Diener als Dominator, Gottes Wille geschieht in jedem Augenblick. Ich urmarme das Leben, egal was geschieht.
Wir glauben der Schöpfer unseres Lebens zu sein und fĂŒr alles Verantwortung zu tragen, sei es im jetzigen Leben oder auch aus frĂŒheren Leben. Dies kann sein, kann aber auch nicht sein. Unser Verstand versucht auf vielfĂ€ltigste und einfallsreichste Art und Weise seiner Desillusion zu entgehen. Unser Verstand ist das erfindungsreichste Element unseres so wundervollen Werkes „Körper“ und wir identifizieren uns mit diesem Wunderwerk. D. h., wir identifizieren uns mit unserer eigenen VergĂ€nglichkeit, mit unseren Geschichten, mit unseren Erfahrungen, mit unseren Vorstellungen vom Leben. Wir versuchen uns so aus der Falle unserer VergĂ€nglichkeit zu befreien, indem wir uns immer wieder neue Schlupflöcher in Form von neuen Geschichten suchen. Das Leben wird so zu einer nie endenden Dramaturgie, zu einer ewigen Suche nach Gesundheit, Frieden, nach GlĂŒckseligkeit und ewigem Leben. Doch tief in uns, ist da das Wissen, dass wir auf diese Weise nichts finden werden, außer wieder einer neuen Geschichte, die eine alte Geschichte ablöst. Und bald sind auch wir wieder Geschichte und hoffen dann im nĂ€chsten Leben auf eine bessere Geschichte. Wenn`s gut lĂ€uft, finden wir uns in den GeschichtsbĂŒchern wieder, wenn`s weniger gut lĂ€uft, verschwinden wir in völliger Bedeutungslosigkeit. Die Friedhöfe sind voll davon. Wir suchen im ewigen Kreislauf von Leben und Tod nach etwas, was auf diesem Weg nicht gefunden werden kann. Und deshalb leiden wir, manchmal mehr, manchmal weniger.
Wenn dies verstanden wird, wenn wir uns dem Tod hingeben können, bevor wir sterben, dann kann Heilung ĂŒber Millionen Inkarnationen hinweg geschehen und die absolute Freiheit hinter der Idee von Leben und Tod wartet auf uns. Was nie geboren wurde, kann auch nicht sterben, ewiges Leben ist uns gewiss. Dies bedeutet fĂŒr mich Gesundheit und Heilung, fĂŒr den Verstand (Ego) aber, ist das reiner Selbstmord.
LG Claus

admin 6. Mai 2011 - 09:52

Lieber Herr Gohel,
danke fĂŒr diese wundervolle ErgĂ€nzung!

Herzlich, Thomas Schmelzer

Heidi Hoser 3. Mai 2011 - 22:32

Hallo Herr Schmelzer,
vielen Dank fĂŒr diesen Denkanstoß; das trifft fĂŒr mich den Pudels Kern und zeichnet die Wirklichkeiten ab, die ich bei mir und in meinem Umfeld beobachte und wahrnehme.
Die Ursachenforschung im jetzigen Leben – notwendige VerĂ€nderungen erkennen und beginnen diese umzusetzen sind das Eine; das Andere stellen fĂŒr mich tatsĂ€chlich unerlöste Konflikte, Themen etc. aus frĂŒheren Leben dar. Die Seele kennt den Auftrag, den sie sich vor diesem Leben gegeben hat – da geh ich einher mit den Schriften zu den „Archetypen der Seele“
lg Heidi H.

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