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Kabbala

von Lexikon

(hebr. qabbalah, „Offenbarung“, „EnthĂŒllung“, manchmal auch „Überlieferung“)

Sie beschĂ€ftigt sich mit der geheimen Überlieferung von den göttlichen Dingen und ist der Kern der jĂŒdischen → Mystik. Offenbarung bezieht sich auf die Entfaltung des eigenen, inneren Wesens des Menschen, durch Studium und praktische Anwendung der Kabbala. Die Kabbalisten sind Mystiker, die sich in das Mysterium der Schöpfung versenken. Die Grundlehren der Kabbala versuchen das Wesen der Gottheit zu beleuchten, die kosmologische Struktur der Welt, die Schöpfung von → Engeln und Menschen, die Bestimmung der Welt und den inneren Sinn der offenbarten hl. Schriften.
Der Begriff Kabbala taucht erstmals am Ende des 12. Jh. innerhalb der dt. → chassidischen Bewegung auf. Die Mystik der Kabbala ist jedoch wesentlich Ă€lter und beginnt vermutlich mit der Niederschrift der ersten Genesis-BĂŒcher von ca. 1000-600 v.u.Z. Qabbalah ist abgeleitet vom Verb quibbel, was so viel bedeutet wie „erhalten“, „bekommen“ und somit den Akt des Empfangens der mĂŒndlich oder schriftlich von Generation zu Generation weitergegebenen Tradition bezeichnet. Das Verb sagt aber noch nichts aus ĂŒber eine allfĂ€llige mystische oder esoterische Bedeutung dieser Überlieferung.
Die Kabbala ist eine Geheimlehre und umfasst eine jĂŒdische Mystik und Theosophie, deren Ursprung bis heute RĂ€tsel aufgibt. Es ist indes durchaus möglich, dass wesentliche Elemente der Kabbala zum einen aus den vielen gnostischen Sekten im Mittelmeerraum gespeist wurden und zum anderen durch EinflĂŒsse der → indischen Philosophie.
WĂ€hrend die Physik heute Weltbilder entwirft, die Nichteingeweihten kaum verstĂ€ndlich sind, versuchten die Kabbalisten dasselbe mit anderen, intuitiven Mitteln. Aufregend dabei ist, dass die Weltbilder dennoch (oder gerade deshalb) große Ähnlichkeiten haben. Der Prozess, der bei den Kabbalisten als die Emanation (Ausströmung) der göttlichen Energie und des göttlichen Lichts beschrieben wird, das sich aus dem Unendlichen Licht (ain soph avr) in der Schöpfung manifestiert, kann gleichzeitig auch als ein Prozess aufgefasst werden, in dem sich die göttliche Sprache aus dem Unendlichen Wissen (ain soph) entfaltet.
Um das kabbalistische Weltbild annĂ€hernd zu verstehen, muss man deshalb die Entsprechungen zwischen den wichtigsten Arten von Symbolen, den göttlichen Namen, den göttlichen Attributen und den LichtsphĂ€ren (→ Sefiroth) kennen. Die Elemente der göttlichen Sprache erscheinen als die Buchstaben der Hl. Schrift. Jeder Buchstabe stellt eine Konzentration von Energie dar und drĂŒckt gleichzeitig eine FĂŒlle von Bedeutungen aus.
Die Schriftzeichen: Einer der fĂŒhrenden Kabbalisten des 13. Jh., Moses ben Nachman, kommentiert die Thora („Anweisung“), die Hl. Schrift (im engsten Sinne das erste bis fĂŒnfte Buch Mose): „Wir besitzen eine authentische Tradition, dass die ganze Thora (auch Tora oder Torah, in Texten von jĂŒdischen Autoren wie Gershom Scholem; das „h“ ist der Hauchlaut → He, kabbalistisch von Bedeutung) aus Namen Gottes besteht, und zwar in der Art, dass die Wörter, die wir lesen, auch auf ganz andere Art abgeteilt werden können …“ (in: Gershom Sholem 1981, 56) Erst wenn man weiß, dass die Torah ursprĂŒnglich ohne Worttrennung und Punktierung verfasst wurde (die Punktierung gibt den Hinweis auf die Vokale, die nicht geschrieben werden), macht diese Aussage Sinn. Das Hebr. (und andere semitische Sprachen) sind Wurzelsprachen, die nur die Konsonanten schreiben (→ Sprache, spirituelle Begriffe).
Warum erfand oder entdeckte man das hebr. Buchstabensystem, ließ aber die Bedeutung der Zusammensetzung und Wörter im Unklaren? Eine schöne Antwort dazu steht in Gustav Meyrincks „Golem“: „Glauben Sie denn, unsere jĂŒdischen Schriften sind bloß aus WillkĂŒr nur in Konsonanten geschrieben? Jeder hat sich selbst die geheimen Vokale dazu zu finden, die ihm den nur fĂŒr ihn allein bestimmten Sinn erschließen – soll nicht das lebendige Wort zum toten Dogma erstarren“ (Gustav Meyrinck 2004). Da die Torah als göttliche Offenbarung gilt, wundert es nicht, dass kein Jota (→ J, Jod, das kleinste Zeichen, aus dessen Urbewegung alle Buchstaben hervorgehen, aber auch die Zahl zehn) daran geĂ€ndert werden darf; und das mit gutem Grund: Die Übersetzungen, die wir kennen, gehen von der Wortbedeutung eines Wörterbuchs aus, doch tatsĂ€chlich kann jedes Wort mehrere Bedeutungen haben, je nach Stellung und Art der Vokale und Kombination der Konsonanten. Die Zeichen (aut, Singular, autiot, Plural) kennzeichnen nicht nur Buchstaben, sondern sind Ziffern, Hinweise, Beweise und Symbole.

„Das Symbol ‚bedeutet’ nichts und teilt nichts mit, sondern lĂ€sst etwas sichtbar werden, was jenseits aller Bedeutung steht. Ist doch das Symbol, in dem das Leben des Schöpfers und der Schöpfung zusammenfallen,… ein Strahl, der unmittelbar aus dem dunklen Grunde des Seins und Denkens in unser Auge fĂ€llt und durch unser ganzes Wesen fĂ€hrt
“ (Gershom Sholem 1980, 30)

Im Gegensatz zu unseren Buchstaben, die einfache Elemente sind, sind die hebr. Zeichen Namen, die ausgesprochen werden mĂŒssen. Also nicht A, sondern → Aleph, das wiederum weitere Namen enthĂ€lt: Aleph-Lammed-Phay (in Zahlen: 1-30-80). Um die Interpretation der Bedeutungen der Zeichen und Worte (Namen) ranken sich deshalb die wesentlichen interpretativen Schriften der Kabbalah, wie das „Sefer Jetzirah“, das Buch „Bahir“, das Buch „Sohar“ u.a. Das „Sefer Jetzirah“ beschreibt die Schöpfung und ihre Gesetze (→ Sefiroth), der „Sohar“ handelt ĂŒber das Wesen der Gottheit und die Offenbarung, das Buch „Bahir“ behandelt die Geheimnisse der Schriftzeichen (Neuausgabe 1980 von Gershom Sholem).
Der alphabetische Code: Eine der grundlegenden kabbalistischen Schriften ist das „Sefer Jetzirah“, das „Buch der Formung“, das im 1. Jh. entstand. Hier wird ausdrĂŒcklich auf die Verbindung von Buchstabe und Zahl in der hebr. Schrift hingewiesen. Im „Sefer Jetzirah“ erfahren wir, welche Bedeutung die Zeichen haben (→ Sefiroth). So heißt es im 2. Kapitel: „Zweiundzwanzig Zeichen – er grub sie ein, meißelte sie ein, er vertauschte (setzte in Beziehung), wog und versetzte sie. Er formte durch sie das Wesen alles Geformten und zu Formenden.“ Das WĂ€gen bezieht sich dabei auf die Methode Gematria, die den Zahlenwert der einzelnen Buchstaben berechnet und dann dieses Wort durch ein anderes ersetzt, dessen Buchstaben zusammen denselben Zahlenwert haben – beide Worte werden also gegeneinander abgewogen.
Eine andere Methode ist Termura, die Vertauschung von Buchstaben gegen andere nach bestimmten Regeln. GrundsĂ€tzlich wird jedoch immer versucht, aufgrund von biblischen Aussagen das neue Wort zu „beweisen“. Das Zeichen Qof z.B., Zahl 100, ist ausgeschrieben Qof-Waw-Phe (100-6-80). Dieser Zahl entspricht wiederum die Zahl fĂŒr makom („Ort“, „Ausdruck in Zeit und Raum“, → „Bewusstseinszustand“). Deshalb kann man sagen, dass dsa Zeichen Qof einem höheren Bewusstseinszustand entspricht, was ja auch durch die Zahl 100 ausgedrĂŒckt wird, die eine Potenz der Eins, des Aleph, ist. Ein Ă€hnliches bzw. davon abgeleitetes System ist das → Abjad-System im → Sufismus.
Um die kosmischen oder spirituellen Muster zu verstehen, die sich aus der Kombination der Schriftzeichen ergeben, muss wiederum auf die QualitĂ€t der Zahlen zurĂŒckgegriffen werden. Dabei helfen mehrere Elemente:
1. Die Welt der Zahlen: Nach der Überlieferung sind Zahl (Reihenfolge), Buchstabe und Bedeutung von Anfang an zusammen. FĂŒr Friedrich Weinreb sind die

„Buchstaben in erster Linie Zahlen, womit VerhĂ€ltnisse (ratio!) sich ausdrĂŒcken, und erst in zweiter Linie Buchstaben der Laute (Lautbilder), mit deren Hilfe die Worte in dieser Welt gebildet werden. … Wie weiß man, dass im Alphabet das Alpha vor dem Beta kommt, das Gamma vor dem Delta? Etwa weil das Alpha mit einem a und das Beta mit einem b beginnt? Die Antwort ist sehr einfach: weil das Alpha oder hebr. das Aleph, primĂ€r die 1 ist, darum steht das Aleph am ersten Platz. Die 1 ist der ursprĂŒngliche Zustand, ist der erste Zustand, … die 2 stellt die Phase oder Zustand dar, der nach der 1 kommt. Dies gilt fĂŒr die ganze Reihenfolge der Buchstaben. Die Buchstaben drĂŒcken VerhĂ€ltnisse aus, sind Zahlen. Weil die Vielheit eine eigene Rangordnung besitzt, besteht auch eine Reihenfolge der Buchstaben.“ (Friedrich Weinreb 1978, 47)

2. Die Beziehungen der Zahlen zueinander: Denn ohne ratio, also VerhĂ€ltnisse von Zahlen, zueinander stehen diese im luftleeren Raum. Die Eins allein sagt wenig aus, aber die Eins bezogen auf die Zwei stellt eine Beziehung her. So ist das hebr. Wort fĂŒr „Vater“ ab, in Zahlen 1-2. Als Erstes tritt so die schöpferische Kraft auf, die als Gott bezeichnet wird. Die Eins ist somit der Ursprung der Zahlen und der Schöpfung, die anders gesagt aus der Einheit hervorging. Das Wort fĂŒr „Mutter“ ist hebr. em, in Zahlen 1-40. Die 40, das Mem, als „Wasser“ ĂŒbersetzt, ist das Urelement der Schöpfung, die Zahl der Zeit (die 40 kommt sehr hĂ€ufig in der Bibel vor, z.B. 40 Fastentage von Jesus). Die Eins, das schöpferische Element im ersten Gottesnamen Elohim, umschließt mit der 40 die drei Zeichen Lammed, Heh und Jod, Zahlenwert 45, der Zahlenwert von „Mensch“, Adam. Die Mutter bringt aus sich den Menschen hervor.
Es gibt noch eine ganze Reihe anderer Entsprechungen und ErklĂ€rungen. Hier soll nur noch gesagt werden, dass die Zahlenwerte von Adam (45) und Heva (19) die Zahl 64 ergeben, das Urmuster des Lebens, wie es sich im DNS-Code darstellt (→ I Ging).
Die Zwei entwickelt sich weiter, wird durch die Kraft der Zweiheit zur Vierheit und hat sich damit selbst erfĂŒllt. Das kommt daher, dass die Zwei sich mit sich selbst in Beziehung setzen kann: 2 x 2 = 4, wĂ€hrend 1 x 1 gleich 1 ist. 1 + 2 ergibt die Dreiheit, die eine Beziehung von drei unabhĂ€ngigen Elementen darstellt, welche alle aus der Einheit hervorgehen. Deshalb ist das Ghimel (→ G), der dritte Buchstabe, die Idee von der Vielfalt der Schöpfung, der Archetyp aller Bewegung. Alle weiteren Zahlen setzen sich aus diesen ersten vier Zahlen zusammen: 1 + 2 = 3, 1 + 2 + 2 = 5, 1 + 2 + 3 = 6, 1 + 2 + 3 + 4 = 10 usw. Die Vier ist demnach die Basis eines Systems, das den Aufbau der ganzen Welt und unseres Denkens durchdringt. Sie wird geometrisch dargestellt als → Kreuz, in dem die vertikale Achse die Erschaffung des Raumes und die horizontale Achse die Manifestation der Zeit symbolisiert. Der Gottesname JHVH besteht aus vier Zeichen, dem magischen Tetragrammaton (→ Magie). Ebenso gibt es vier kabbalistische Welten, die den Makrokosmos symbolisieren (→ Sefiroth, → Ibn Arabi).

3. Das Bild oder das Symbol: Die QualitĂ€t einer Zahl ruft ein Bild in uns hervor. Wenn wir z.B. von der Einheit Gottes sprechen, bedeutet das, dass das Vorstellungsbild „Gott“ völlig selbststĂ€ndig ohne ein zweites bestehen kann. Die QualitĂ€t Zwei drĂŒckt wiederum aus, dass zwei Elemente sich einander gegenĂŒber oder in Beziehung miteinander stehen. Es gibt kein Oben ohne ein Unten, kein Tag ohne eine Nacht (→ Dualismus). Dieses Bild der Zweiheit drĂŒckt eine ganz bestimmte Erfahrungssituation aus, z.B. eine Beziehung von Mann und Frau. Ohne diese Erfahrung ist die QualitĂ€t der Zahl nicht zu begreifen.

4. Der Buchstabe: Vermutlich ist die Kabbala tatsĂ€chlich so alt wie die hebr. Schrift; es besteht kein Zweifel, dass das Zeichensystem eine Ă€ußerst geniale Erfindung darstellt. Dadurch, dass Buchstaben auch Zahlen sind, hat man viele Ebenen des VerstĂ€ndnisses. Beim Sprechen kommt es zudem noch auf die richtige Aussprache, die richtigen Laute an. Die Konsonanten ergeben den Sinn eines Wortes, die Vokale stellen es in einen bestimmten Erlebniswert hinein. Die Kabbalisten sagen, dass die Konsonanten den Körper darstellen, wĂ€hrend die Vokalpunkte die → Seele ausdrĂŒcken. Durch die richtige Kombination von Zeichen und Vokalen kann man in den seelischen Bereich gelangen. Das ist die Grundlage des mantrischen Gebrauchs der Wörter (→ Mantra). Worte und Laute haben eine evokative Kraft, man kann mit ihnen die KrĂ€fte der Engel und der Gottesnamen hervorrufen. Daraus resultierte auch der magische Gebrauch der hebr. Sprache (→ Magie), aber auch vieler andere Sprachen wie des Latein oder des Sk. Alle Personennamen der Torah sind verschlĂŒsselte Bezeichnungen fĂŒr Bewusstseinsstufen und die Ortsnamen Bedingungen, unter denen diese BewusstseinszustĂ€nde möglich sind.
Buchstaben, als Laute oder geschriebene Zeichen, stehen ebenso in einer bestimmten Beziehung zueinander. Ein Sprichwort verdeutlicht dies: „Wer A sagt, muss auch B sagen.“ WĂŒrden wir Worte nur buchstabierend sprechen, könnten wir uns nur schwer verstĂ€ndlich machen. Und Worte wiederum sind Bilder, konkrete Vorstellungen. Sage ich „Bild“, kann jeder etwas ganz Bestimmtes damit verbinden. Ein Bild ist eine Metapher, die ein anderes Bild ersetzen kann. Es hĂ€ngt zwar von den Assoziationen des Einzelnen ab, ob er sich unter „Bild“ ein Foto, ein GemĂ€lde oder eine Idee vorstellt, doch immer ist klar, dass mit „Bild“ keine Maschine gemeint ist. Von diesen drei Elementen macht die Kabbala Gebrauch.
Der Kabbalist Carlo SuarĂšs (1993) sieht in den Zeichen einen Code fĂŒr die Entfaltung der kosmischen Energie. Aleph (→ A, ErklĂ€rungen zu den weiteren Buchstaben entsprechend der alphabetischen Ordnung), die Eins, stellt die lebendige, höchste Energie dar, die eine, in der auch die Vielheit verborgen ist. Das entspricht allen anderen Aussagen ĂŒber die Einheit, die Eins, die in allen Zahlen anwesend ist. Das Beth (Bayit), die Zwei, symbolisiert ein BehĂ€ltnis. (Deshalb heißt es im „Bahir“: „Lies nicht bet, sondern bayit (‚Haus’).“ Das Zeichen geht aus Aleph hervor (siehe Abb.). Das Ghimel, die Drei, ist der Archetyp jeder Bewegung, denn das Zeichen Ghimel transformiert sich in das vierte Zeichen Daleth, die physische Existenz und dann in das fĂŒnfte Zeichen Heh (oder Hay), das universale Leben, die Quintessenz.
Wie wir gesehen haben, ist die Dreiheit eine dynamische Struktur. Daleth, die Vierheit, entspricht so einer geordneten StabilitĂ€t. Das Heh ist fĂŒr SuarĂšs einfach Leben oder Lebensenergie. Am Ende eines Wortes zeigt es die weibliche Essenz an, das EmpfĂ€ngliche. Die Zahl fĂŒnf entspricht gemĂ€ĂŸ dem „Bahir“ auch den potenziellen QualitĂ€ten oder Ebenen der Seele. Dies sind Wesenseigenschaften, die sich aufeinander beziehen. Das Symbol der FĂŒnfheit, die Pentade (Pentagramm), kann uns einiges darĂŒber lehren. Heh ist ein Hauchlaut, der Atem Gottes; insofern steht geschrieben, dass der Hauch Gottes uns Leben verleiht. Im → Sufismus ist Huh das höchste → Mantra, das bei jeder Ausatmung gehaucht wird.
„Was ist das Zeichen Waw (V oder U)? Er sagte: Es gibt ein oberes und ein unteres Heh. Sie sagten zu ihm: Aber was ist Waw? Er sagte: Die Welt wurde mit sechs Richtungen versiegelt“ (Das Buch „Bahir“ 1980, 26). Das Waw ist somit das Bindeglied zwischen den Welten. Es wird auch als das „Siegel Salomons“ mit zwei verschlungenen Dreiecken dargestellt. Es ist sicherlich kein Zufall, dass uns das www. des Internet mit der Welt verbindet – auch wenn manche Verschwörungsfanatiker darin die Zahl 666 sehen, die „Zahl des Tieres“ aus der Apokalypse, ohne zu wissen, was dies bedeutet.
Das Zain hat den Zahlenwert sieben. Die Sieben entspricht auch den sieben Stufen der menschlichen Entwicklung und den sieben PlanetenkrĂ€ften. In der Entwicklung der Schöpfung aus der Einheit kommt mit der Sieben die erste perfekte Zahl, die sich ebenso aus der Drei und der Vier zusammensetzt wie die 12. Das Zain als Sieben wird mit der Entwicklung der Schöpfung in sieben Tagen in Verbindung gebracht. Die Sieben kennzeichnet so alle Möglichkeiten der LebensĂ€ußerungen. Das Zeichen Chet (Hhayt), die Acht, ist der letzte Buchstabe des Wortes Ruach, „Atem“. Das hat seine Besonderheiten, denn Ruach ist das einzige Wort, in dem der Vokal vor dem Konsonanten ausgesprochen wird („ach“ anstatt „cha“; man beachte unser Wort „acht“). Die strukturelle QualitĂ€t der Zahl acht kann uns einen weiteren Hinweis auf die Bedeutung des Zeichens Chet geben. Denn die Achtheit hat eine perfekte, stabile Struktur, die sich geometrisch aus zwei Quadraten (oder zwei Kreisen) zusammensetzt, so wie die geometrische Entsprechung fĂŒr das Waw (sechs) zwei verbundene Dreiecke sind. Das könnte bedeuten, dass die Entwicklung der schöpferischen Energie in der Acht ihre feste Struktur gefunden hat.
Das Tet, die Neun, ist die ursprĂŒngliche Zelle des Lebens. Die neun folgenden Zeichen, von Jod (zehn) bis Tsadde (90), beschreiben den Prozess der neun Archetypen in der tatsĂ€chlichen, konditionierten Existenz. Es sind die Entsprechungen zu den ersten neun Zeichen auf einer anderen Ebene. Auch im → Enneagramm ist die Neun der Endpunkt und als Zahl null zugleich der Ausgangspunkt.
Die höheren Zeichen 100 bis 900 – wobei die letzten fĂŒnf Zeichen nur am Wortende vorkommen – drĂŒcken eine höhere Ebene der QualitĂ€t aus. Die Zahl 1000 wird als ein vergrĂ¶ĂŸertes Aleph geschrieben; Aleph bedeutet im Hebr. normalerweise auch „tausend“. Siehe auch: → Sefiroth, → Lebensbaum.

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