Opfer

Das Opfer ist eine rituelle Gabe. Die Handlung des Gebens richtet „sichtbar“ die Aufmerksamkeit auf die Verbindung mit den geistigen Kräften (→ Geister). Dieses Geben wird im abendländischen Kulturkreis als „Opfer“ bezeichnet. Der Begriff des „Opfers“ entstammt dem Kirchenlatein des 16. Jh. und wurzelt in dem Wort „operieren“ in der Bedeutung von „arbeiten“, „wirken“, „bewirken“.
Meist ist ein Opfer in ein → Ritual eingebunden. Formen und Abläufe sind kulturbedingt und je nach spiritueller Richtung verschieden. Nach Anrufung der Kräfte erfolgt eine Opfergabe, z.B. Reis, Räucherung, Alkohol. Dieser Moment des Gebens ist mit der Absicht verbunden, bei den angerufenen Kräften etwas hervorzurufen – Schutz, Unterstützung, Begleitung, Erkenntnis, Einsicht. In diesem Sinne ist ein Opfer eine rituelle Gabe mit der Absicht, etwas zu bewirken.
Rituelle Gaben an die Kräfte der geistigen Welten lassen sich durch archäologische Funde in allen Kulturen bis weit zurück in die Frühzeit der Menschheit bezeugen. Vielfältig waren – und sind immer noch – die rituellen Gaben in den europ. Kulturen: Früchte, Blumen, Kräuter, Ähren, Brot, Bier, Milch, Honig, Wein, aber auch Tieropfer, zuweilen auch Menschenopfer (→ Magie). Im → Brahmanismus wurde das Opfer dem tapas („Hitze“, „Potenzielle Kraft“ → Gunas) gleichgestellt. Die Götter erreichten die Unsterblichkeit nicht allein durch das Opfer, sondern auch durch die Askese. Wenn der Gläubige bei einem vedischen Opfer den Göttern Soma (möglicherweise eine → psychoaktive Substanz) und geschmolzene Butter im hl. Feuer opfert, bringt er ihnen ein „inneres Opfer“ dar.
Es gibt auch das tägliche Opfer der Atmung der Asketen (→ Atem). Dahinter steht, dass der Mensch, solange er spricht, nicht atmen kann und deshalb seinen Atem dem Wort opfert. Das Atemopfer ist deshalb ein inneres Feueropfer (agnihotra; → Zoroaster), das jeder Hausherr täglich vor Sonnenaufgang und abends nach dem Sonnenuntergang darbringen musste.

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