DER NEUBEGINN – ein Rückblick auf unseren ersten Kongress

testGlücklich und auch ein wenig stolz blicken wir zurück auf ein bewegendes Kongress – Wochenende im gut besuchten Literaturhaus München. Viele unserer Referenten blieben die ganze Zeit über und schufen so zusammen mit unserem Gastgeber Thomas Schmelzer eine Reise durch die unterschiedlichsten Themenbereiche des Wandels und der Transformation.

Grund zur Hoffnung auf einen sanften Wandel in einer krisenhaften Welt – der große Optimismus und die kraftvollen Visionen unserer Gäste und Referenten lieferten das ganze Wochenende über den roten Faden für unseren Kongress.

(im Bild, von links: Walter Kohl, Rosi Gollmann, Thomas Schmelzer, Johannes Heimrath, Charles Eisenstein und Übersetzerin Vivian Dittmar).

s

Charles Eisenstein, Philosoph und Occupy-Vordenker aus den USA, eröffnete am Samstag Morgen mit seiner eloquenten und klaren Rede den Kongress auf fulminante Art: Die Menschheit habe sich separiert von der Umwelt, von einer größeren Gemeinschaft, von eigenen Gefühlen– der Turmbau zu Babel sei Symbol für eine Sprachverwirrung und einen ziellosen Weiterbau und Industrialisierung geworden, während an der Basis bereits die Fundamente zu bröckeln beginnen. Aber Eisenstein ist Optimist und fordert nichts Unmögliches: Den Menschen ist es möglich, mit heutigem Wissen und Bewusstsein Wege zu einem neuen Miteinander zu wählen.

Warum unser Geldsystem dauerhaft nicht mehr stabil bleiben kann, vertiefte anschließend die Geldexpertin Prof. Margrit Kennedy. Der Zins, darin ist sie sich mit Eisenstein einig, führte zu einer unnatürlichen Entwicklung des Finanzwesens, fernab von normalen Wachstumsentwicklungen der Natur. Im Talk mit Thomas Schmelzer vertieften die Beiden Vision von einer Philosophie des Gebens, die sich zu einer funktionierenden Schenkkultur entwickeln könnte, da jeder Mensch eigene Gaben besitzt (im Bild rechts Margrit Kennedy mit Charles Eisenstein).

Vor dem Neubeginn der Gesellschaft steht das Erkennen von alten Mustern, Gefühlen, Denksystemen bei uns selbst: Dr. Ruediger Dahlke, Vordenker der ganzheitlichen Sichtweise, blieb seinem Publikum nichts schuldig, als er auf humorvolle und eindringliche Weise darüber sprach, wie wir verdrängte eigene Schatten unseres Seins leugnen und viel leichter im Anderen sehen und bewerten und ermutigte, wie man dies erkennen und vermeiden könne. Einer dieser gesellschaftlicher Schatten ist die nach vor verantwortungslose Ausbeutung wertvoller Ressourcen, wie Johannes Heimrath im seinem Vortrag durch eindrucksvolle Beispiele verdeutlichte.

Zwei besondere Persönlichkeiten berührten mit ihrer Lebensgeschichte, fern der Gesellschaftskritik: Rosi Gollmann, die mehr als eine Million Menschen in Indien das Augenlicht wieder schenkte – nur eine der Aktivitäten der „Andheri Hilfe“ – blickte dankbar und voller Elan auf ihr nun schon 85jähriges Leben zurück. Sie erzählte, wie wichtig es ist, einfach nur Mensch zu sein und anderen, egal in welcher Situation, auf Augenhöhe zu begegnen. Menschen zu helfen, das mache ihr stets aufs Neue Freude.

Sven Thiemann, einer der beliebtesten TV-Stars der Serie „Marienhof“, bewegte das Publikum durch seine ungeschnörkelte, warmherzige Art. Er erzählte nicht nur offen von seiner Suchtvergangenheit und dem äußerlichem Schein seines früheren Schauspielerdaseins, sondern was es wirklich bedeutet, sich zunächst schmerzhaften Realitäten in der eigenen Familie zu stellen. Den steinigen, inneren Weg zu gehen, um sich wirklich für ein eigenes Leben zu entscheiden, ist er selbst gegangen. Er plant, sich in Zukunft in der Kinder- und Jugendhilfe zu engagieren, um junge Menschen zu ermutigen, an sich zu glauben.

Eine tief bewegende Geschichte innerer Wandlung erzählte Walter Kohl, der als Sohn des ehemaligen Bundeskanzlers lange vor der Frage stand: Leben, oder gelebt werden? Viele Schicksalsschläge führten ihn zu einer Neubestimmung seines Lebens. Bewegender Höhepunkt seines Vortrags war die Lesung einiger Zeilen aus seinem Buch: Die Versöhnung mit seinem Vater. Walter Kohl, der viele Menschen inspirierte, mutig zur eigenen Wahrheit zu stehen, veröffentlicht im Januar 2013 sein zweites Buch mit dem Titel „Leben, was Du fühlst“ (im Bild links mit unserer Organisationsleiterin Aleksandra Krneta, Foto von Nina Massahi).

Impliziert ein Neubeginn in unserer Gesellschaft auch neue Formen des Zusammenlebens, beispielsweise in Lebensgemeinschaften? Nach einer Bestandsaufnahme von Wirtschaft und kultureller Entwicklung und bewegenden Geschichten des ersten Tages stellte der zweite Tag die Natur und ein bewußteres Leben in den Mittelpunkt.

Dr. Geseko von Lüpke erinnerte in seinem bewegenden und faktenbelegten Vortrag daran, dass sich trotz vieler lokaler Krisen sich schon vieles positiv entwickelt hat. Schätzungsweise 10 Millionen gesellschaftlicher Bewegungen und NGOs wirken derzeit wie eine Art Immunsystem der Erde genau an jenen kritischen Orten oder Themen, wo die Welt krankt. Seit 1989 ist die Zahl der Kriege um 90 Prozent zurückgegangen. Warum liest man dies nicht in der Presse? „Ein fallender Baum mache mehr Krach als ein wachsender Wald…“, so Geseko von Lüpke.

Anschließend stellte der Journalist und Autor eine der Vertreterin der indigenen Völker vor –  Wai Turoa-Morgan, eine Maori-Seherin aus Neuseeland. Sie appellierte voller Weisheit an das Gutsein des Menschen – untermalt von humorvollen Songs, die sie mit ihrer Begleiterin und Übersetzerin Angelica Dawson anstimmte. Auf die Frage von Thomas Schmelzer, was wir Europäer noch lernen können, antwortete Wai Turoa Morgan mit einem Lächeln: „Die Europäer sind noch immer zu sehr mit ihren eigenen Traumata beschäftigt und machen sich zu viele Sorgen. Sie müssen lernen voller Zuversicht nach vorne zu blicken und im Jetzt zu leben“.

In der Tat leiden viele Menschen im Westen unter Beziehungsproblemen, Burnout oder unter ihrer Arbeitslosigkeit. Nachdem Dr. Michael König leider kurzfrisitg aus persönlichen Gründen nicht auftreten konnte, widmete sich Thomas Schmelzer in Podiumsgesprächen u.a. mit Christiana Mandakini Jacobsen, Dr. Franz Milz und Christiane Tietze diesen Themen.

Gibt es noch weitere Ressourcen, die uns helfen, mehr in Frieden zu kommen? Der Psychotherapeut und spirituelle Lehrer Christian Meyer schilderte den Zustand des Erwachens, von dem schon viele Mystiker gesprochen hatten. Sich den Gefühlen im hier uns jetzt zu stellen, sie wahrzunehmen, sei oft der erste und entscheidende Schritt, mehr ins Hier und Jetzt zu gelangen. Eine kontrovers geführte, spannende Diskussion!

Seinen Abschluß fand der Kongress in einem wunderbaren Vortrag von Ethnobotaniker Dr. Wolf-Dieter Storl, der auf humorvolle und verbindende Weise die Elemente der Separierung unseres Lebens von Charles Eisenstein aufgriff und mit seinen Erfahrungen verknüpfte. Im Umgang mit der Natur hat er gelernt: Die Natur selbst ist immer noch heil. Sich mit ihr wieder mehr zu verbinden, kann auch uns in ein harmonischeres Leben führen. Pflanzen haben ihre eigene Intelligenz, und wenn wir uns unserer Verbindung mit ihnen wieder klarer werden, löst sich vieles von unserem oft viel zu komplizierten und abstrakten Denken.

In den Mittagspausen wurden jeweils meditative Reisen angeboten, Samstags von Dr. Lysa Jean Farmer und Andrea Kerschbaum, Sonntags von Christiana Mandakini Jacobsen. Für eine wunderbare musikalische Atmosphäre sorgten am ganzen Wochenende Bettina Steiner und Martin Ruland.

Aaals

Unser erster Kongress „DER NEUBEGINN“ hat uns gezeigt: Wir sind auf dem richtigen Weg und das so zahlreiche, durchwegs positive Echo unserer Besucher gibt uns die Kraft und den Mut, weiter zu machen! Und so freuen wir von MYSTICA uns, neben unserem Portal  auch weiterhin Veranstaltungen anbieten zu können. Nach dem für alle erfreulichem Debüt wird es schon im Frühjahr 2013 weitere Veranstaltungen geben – demnächst natürlich alle Infos dazu hier auf  MYSTICA.

Hier finden Sie detaillierte Infos zu den Mitwirkenden des Kongresses: „MYSTICA Kongress – Der Neubeginn“.

Noch eine gute Nachricht: Wir haben alle Vorträge aufgenommen und überdies einige Interviews gedreht. Diese werden nach und nach auf MYSTICA veröffentlicht.

s
Erfreulicherweise berichteten bereits einige befreundete Webseiten über unseren Kongress:

Eine Abschrift des faszinierenden Eröffnungsvortrags von Charles Eisenstein lieferte Oliver Bartsch auf connection.de: Die Schenkökonomie

Ein Erlebnisbericht des ersten Tages von Roland Rottenfußer: MYSTICA Kongress: Auf dem Weg zur „New Story“

Über Charles Eisenstein und Prof. Margrit Kennedy – im unteren Teil auch einige Zeilen über MYSTICA, auf theintelligence.de: Eine Reise ins Herz von Occupy

Rückblick von forum Nachhaltig Wirtschaften: Ein gelungener Neubeginn

Rückblick von The Sunshine: 1. MYSTICA Kongress 2012

s

Alle Bilder: (c) Hagen von Deylen

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Noch keine Bewertung)

  2 Kommentare für “DER NEUBEGINN – ein Rückblick auf unseren ersten Kongress

  1. 29. August 2012 um 10:43

    Ein sehr inspiriendes, Mut machendes und auch nachdenklich machendes Wochendende. Mein herzlicher Dank an alle Mitwirkenden, vor. hinter und auf der Bühne. Es gibt vieles zu tun, bis der Wandel wirklich überall angekommen ist. Dieser Event war eine weitere Aussaat auf dem Weg.
    Beim nächsten Mal bin ich wieder dabei!

  2. 15. September 2012 um 12:50

    Auch wenn die Menschheit schon oft neu begonnen hat und dann im Grunde nichts anderes tat, als einen neuen Absturz von den mühsam zu erkletternden „Glücksbergen“ vorzubereiten, haben wir im letzten Jahrhundert eine „Wissensexplosion“ erlebt, deren Nutzen leider noch nicht bei genug „(auf)rechten Menschen“ angekommen ist.

    Als Grund dafür sehe ich als Konfliktmanager und Rechtsjournalist, daß GERECHTIGKEIT für die meisten nur ein „ordentliches Gefühl“ ist, das aufgrund der notwendigen Machtunterschiede bei Gemeinsamkeiten gerne zugunsten des jeweils Stärkeren und zum Nachteil der Abhängigeren ausgeht.
    Dagegen kann man viel tun, sogar auf einfache Weise! Allerdings sollte man sich dazu mit dem „Vater und der Mutter aller Denkfehler“ beschäftigen … – Das kann ein bißchen weh tun, könnte aber bei massenhafter Beschäftigung unser dynamisches Machtgefüge innerhalb kurzer Zeit so umdrehen, daß genug Zufriedenheit für die meisten entsteht. Denn auch mit Juristen kann man gerechter umgehen, wenn man weiß, worauf es ankommt. Und die haben mehr Einflu§ auf das Verhalten aller als Politiker …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *