Ich war nie heilig – Lars Köhne

SchamanebildEin erfolgreicher TV-Reporter verabschiedet sich nach zwanzigjähriger Arbeit von seinem Beruf, um seiner Berufung nach zu gehen: Arbeit als Schamane. Kann ein Europäer überhaupt Schamane werden? Hier seine bewegende Geschichte, die vor allem eines zeigt: Jeder hat seinen ureigenen Weg…

von Lars Köhne

 

Ich war nie heilig. Auch nicht in diesem Moment. Nach einer halben Flasche Schnaps und weitaus mehr Weltschmerz, breche ich zusammen. Ich fühle, wie mich meine Lebenskraft verlässt. Es ist ein Hotelzimmer in Nürnberg und ich bin als TV Reporter für das ZDF auf Drehreise. Mein Leben ist gut. Das Geld auch. Meine schöne Frau und meine wunderbare Tochter gesund. Ich bin gut gebucht und Anfang 40. Nicht wunschlos glücklich, aber ohne Mangel. Warum an diesem Abend? Es gibt keinen speziellen Grund. Vielleicht ist es die Erinnerung an das, was die äußere Welt zu bieten hat. Der andere Tellerrand über den ich oft genug gesehen und berichtet habe.

Alle 3 Sekunden verhungert ein Kind, der überaus lukrative „gerechte“ Krieg gegen den Terror, „gesunde“, strahlungsarme Atomkraft, Gentechnik, die den Hunger besiegen soll und ganze Kontinente von firmenproduziertem Saatgut abhängig macht, die geballten Lügen der konzernhörigen Pressesprecher, die sich Journalisten schimpfen. Nicht das erste Mal. Und doch war es der perfekte Zeitpunkt. An diesem Abend. Schon als kleiner Jungs hatte ich das Gefühl, dass in diesem Leben etwas nicht richtig war. Schon damals hatte ich das Gefühl, gefangen zu sein in meinen „Augenhöhlen“. Der Geist konnte nicht fliegen. War es eine Strafe für etwas von mir Begangenes?

Es ist Zeit für den Schmerz. Ich kenne ihn nur zu gut. Aber dieses Mal geht es tiefer. Das Oberste von allem was ist, würfelt nicht. Es ist der Abend, an dem es geschehen soll. Ich liege mit dem Gesicht nach unten zusammen gekauert auf dem Boden. Erst ist es still. Dann kommt die Angst. Kein guter Tag zum Sterben. Ich habe mein Lebensziel nicht erreicht. Ich bin im äußeren geblieben. Sie werden mich aus dem Spiel nehmen. Keine Verlängerung. Ich habe das Geschenk nicht benutzt. Ich werde gehen müssen. Als Versager. Nicht Gewollter. Nicht Aufgestandener. Nun werde ich meinem Schöpfer entgegen treten. Meine Familie, meine Tochter. Ich fühle mich schuldig, sie allein lassen zu müssen. Ich gehe nicht in Gnade, sondern mit Furcht. Mein Herz wird langsam. Ich schäme mich. Nullpunkt. Gibt es eine Hölle? Die Dämonen lachen. Ich warte darauf, das mich der kalte Griff des Todes packt und wegzerrt. Dorthin wo kein Licht ist.

Sekunden, Minuten. Nichts geschieht. Ich bin noch da. Warum quälen sie mich so lange? Ich will es hinter mir haben. Doch das Leben hat einen anderen Plan.

Zart. Erst nicht hörbar, doch sich immer wiederholend. Zwei Worte nur in meinem Kopf. Leben! Ja! Leben! Ja! Leben! Ja! Ich wundere mich, bin ungläubig. Der Gesichtslose mit dem schwarzen Umhang ist gegangen. Die Worte werden lauter, bis sie meinen gesamten Kopf wie ein Feuer ausfüllen. Dann meinen Körper. Das Lied ist zu mir gekommen. Zu mir, dem Unwürdigen. Mein Lied. Das Lied des Lebens. Ich habe darüber gelesen. In den Geschichten der alten Schamanen. Der Ureinwohner, die an anderen Plätzen leben. Nur nicht hier.

Ich setze mich hin. Trotz des Alkohols in meinem Blut. Ich bin verwirrt. Dann nur ein Satz: „Wenn du dich so schlecht fühlst, dass du es nicht tust, dann solltest du es tun!“

Ich lache. Ja! Leben! Ja! Leben! Ja! Es ist der Herbst 2009.

Zwei Jahre zuvor hat mich das Leben zu einem Schamanen in der Eifel geführt. Bereits bei der ersten Reise bin ich Alice im Wunderland. Ich finde Wesenheiten, die zu mir sprechen. Eine räumliche Struktur. Meine Ahnen sind dort. Auch der bis dahin ungeliebten Großvater, der nun ganz anders erscheint. Bereits nach drei Wochenenden bietet mir der Schamane an, mich durch die Zerstückelungsreise zu führen. Meine Lehrer seien auf der anderen Seite. Er habe mir nichts mehr beizubringen „Du bist Krieger. Du weißt jetzt noch nicht, was das bedeutet. Aber du wirst es.“ Ich sage ja zu meiner Neugeburt. Ein südamerikanischer Schamane  mit hohem Kopfschmuck zerhackt mich in der Anderswelt und wirft mein verdorbenes Fleisch in einen Reisig-Korb.

Ich bin Licht. Mein höchster Meister erscheint und setzt mich wieder zusammen. Ich bin neu. Ich bin alt. Ich sehe mich zum ersten Mal. Noch habe ich keine Ahnung,  dass mein Leben als Fernsehjournalist damit ebenso begonnen hat, sich aufzulösen.

Aber als Schamane arbeiten? Niemals. Nur die aus den Urwäldern, die Ureinwohner dürfen das. Wenigen erzähle ich meine Geschichte. Noch weniger bitten mich um schamanische Arbeit. Ich drehe weiter Fernsehgeschichten. Bis zu jenem Abend des Nullpunktes. Drei Wochen nach meinem Zusammenbruch in Nürnberg, sitze ich in meinem Tipi ähnlichen norwegischen Lavvu Zelt auf dem Grundstück einer bis dahin unbekannten Familie aus Sachsen. Es hat sich so ergeben. Ich tue es. Ich habe allen gesagt, dass ich eine Woche als Schamane arbeite.

Freunde haben es verbreitet. Viele haben sich angemeldet. Kaum, dass ich im Zelt sitze, bemerke ich eine kleine Wesenheit. Ich zwinkere, schaue, misstraue, lausche. Die Wesenheit, der Schattenumriss bleibt.

Klein. Ein Bart. Ich misstraue. Das Wesen stellt sich als Angehöriger des Zwergen Volkes vor. Würde ich zustimmen, wenn einer der jüngeren Männer aus ihrem Volk bei mir bleibt, um in der Woche an meinem emotionalen Erleben teilzuhaben?  Es sei wichtig in dieser Zeit, dass die verschiedenen Völker der Erde und anderer Sphären wieder voneinander lernen und sich wieder kennen lernen. Schließlich muss eine neue Erde gebaut werden. Mir bleibt nur ein stummes Nicken.

Die Hüter der Schwelle haben den Vorhang ein Stück weiter aufgemacht. Es ist geschehen. Endlich hat sich die Sehnsucht erfüllt, die ich schon als kleiner Junge hatte. Das Leben muss aus mehr bestehen als das, was unsere Augen sehen. Ich lerne viel in dieser Woche. Ich bin
ver – rückt. Das Feuer ist in meinem Kopf. Ich sehe Krankheitsenergien und darf sie liebevoll nach Hause schicken. Oder in die Obhut unendlich kraftvoller kleiner Hände geben, die sie sanft in die Lava der großen Mutter gleiten lassen. Drachen zeigen sich. Schauen mich an. Ich verbeuge mich. Was darf ich für euch tun? Was bist du bereit zu geben? Was wollt ihr? Dein Blut.

Ich schneide mich. Gebe es gerne auf die Steine, die sie mir zeigen. Durch die Riten des alten Weges werde ich neu geboren. Eine Woche in Trance. Anwesend im Fleisch und doch nicht ganz. Ich soll wieder kommen, sagen die Menschen. Ich werde an andere Orte eingeladen. Es
gebe noch mehrere, die meine Hilfe benötigen. Doch ich mache wieder Fernsehen. Drehe viel. Aber immer wieder sind meine Gedanken bei meiner „anderen“ Arbeit.

Einige Monate später gehe ich wieder auf die schamanische Zeltreise. Ich kann nicht anders. Ich will es. Ich muss es.
Danach kehre ich immer wieder zurück zu meinem „normalen“ TV Beruf.
Der Spagat zwischen den Welten wird größer.

Zwei Jahre später.
Jeden Monat bin ich auf Reisen, um zu dienen und den Menschen von dem zu berichten, was mir die Zwerge und viele andere Wesenheiten seit damals offenbart haben. Wo Gott es erlaubt und die Menschen wollen, darf ich helfen. Was bin ich? Ein Instrument. Kanal. Diener. Mehr nicht. Ich kenne die Einsamkeit nachts im Zelt. Die Kälte der Stürme. Die ungewollten Besuche der Geistwesen. Den Hohn der „Realisten“. Die Angst, alles zu verlieren und die Freude, wenn nichts mehr da ist. Ich kenne die Verlockungen  und die Gefahr des Egos. Ich habe an allem geleckt.

Ich kenne auch die glückselige Demut im Angesicht von Heilung und die Tränen der Wut, wenn alle Hilfe vergebens scheint und ein Mensch bis zum Tod im Schmerz verbleibt. In diesem Jahr habe ich allen gesagt, dass ich „derzeit nicht als TV Reporter zur Verfügung stehe“. Ich ringe mit mir. Es ist eine der vielen Reisen. Ich kann nicht einschlafen. Wer bin ich wirklich? Ist das Zelt mein zu Hause geworden? Tränen, wenn ich an meine Familie denke, die zu weit entfernt ist.

Der Schlaf kommt spät. Eine große blonde Frau mit einem Speer tritt auf mich zu und verrät mir ihren Namen. Sie sei die Herrin dieser Wälder des Nordens. Dies seien auch meine Wälder. Hierher gehöre ich, seit ich als kleiner Junge die Nächte im Wald verbracht habe. Ich erinnere mich. Dies ist mein Weg. Es ist kein roter Weg der edlen Rasse, kein mächtiger Weg der Steppen des Ostens. Es ist der Weg der Wälder des Nordens und ihrer Wesenheiten. Ich bin einer von ihnen. Ein Weg von vielen Dienern der vier Winde. Die erste Reihe derer, die wieder Frieden schließen zwischen den Wesen der „Menschenwelt“ und den lange vergessenen Wesen der „Anderswelt“.

Ich erwache. Die Frau ist gegangen. Kinder aus dem Dorf rennen um mein Zelt und rufen „Schamane, Schamane“.  Ich verbiete es ihnen nicht. Ich kenne mein Licht und meinen Schatten. Ich war zerrissen.

Ich bin nicht heilig. Ich bin Mensch. Möge ich mich den Alten, die vor mir diesen Weg gegangen sind, als würdig erweisen…..

von Lars Köhne

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Seit 2007 arbeitet Lars Köhne als Schamane. Er ist 44 jahre alt, lebt in Ahrweiler, ist verheiratet und Vater einer Tochter. Über 20 Jahre hat er als TV Redakteur/Reporter für verschiedene öffentlich/rechtliche und private TV Sender gearbeitet. Der Großteil seiner Arbeit galt dabei Auslandsreportagen und Dokumentationen. Die ersten Kontakte mit Schamanen hatte er während eines mehrjährigen Aufenthaltes in Südafrika. Zu diesem Zeitpunkt hatte er jedoch keinen Bezug zu der Sichtweise dieser helfenden Menschen. Der bevorzugte Arbeitsplatz ist ein Tipi ähnliches Zelt, in dem er an verschiedenen Orten in Deutschland Klienten empfängt und mit ihnen intensiv arbeitet. Je nach Problematik werden Belastungen innerhalb von Familie/Ahnenstrukturen/ beruflichem Umfeld bearbeitet, fehlende Seelenanteile zurückgebracht und  wieder integriert, Blockaden extrahiert, Körper und Chakren gereinigt und energetisiert, schamanische Reisen durchgeführt oder der Klient dazu angeleitet, Hand aufgelegt etc. Auch das Reinigen von Gebäuden und Plätzen führt er regelmäßig durch. Durch seinen Kontakt zu der Energie der Hathoren führt er zudem regelmäßig Rituale durch, bei denen die Teilnehmer an die liebevolle Energie dieser alten großen Begleiter der Menschheit herangeführt werden. Wichtig ist ihm bei seiner Arbeit, dass die Kraft der Liebe zwar universell ist , er als Schamane aber auf heimischem Boden arbeitet. Schamanismus ist für ihn die älteste uns bekannte Form der körperlichen und seelischen Fürsorge weltweit und ist nicht ausschließlich denen überlassen, die auch heute noch in funktionierenden indigenen Gesellschaften leben. Er versteht sich  als Instrument und Diener, dem es erlaubt wird, helfend zu arbeiten. Gerade in diesem „sagenumwobenen“ Jahr 2012 hat er durch die Arbeit mit vielen Menschen erfahren, dass sich die Dinge wirklich und real verändern. Auch darauf möchte er durch seine Vorträge und seine schamanische Arbeit aufmerksam machen.

Email: shamancross12 (at) googlemail.com
Telefon: 0172-8713079

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  8 Kommentare für “Ich war nie heilig – Lars Köhne

  1. 1. Januar 2013 um 22:30

    Lieber Lars:keine Worte über das was du schreibst, du schreibst, wie du bist..stark, demütig, intensiv, du fürchtest dich nicht vor Schatten..aber eines kann ich sagen : ich durfte deine Arbeit kennenlernen..du bist ein rein gestimmtes Instrument und ein wahrer Diener des Lebens und der Liebe ♥ Lile

  2. 2. Januar 2013 um 12:08

    Eine bewegende Geschichte, ehrliche Worte. Dann eine Rückmeldung als Kommentar, der die authentische Geschichte gut abrundet.
    Und ich fühle mich in meinem Weg in guter Gesellschaft.
    Danke für eure lieben Worte.

  3. 4. Januar 2013 um 00:15

    Lieber Lars, ein wundervoller Lebensweg, voller Ehrlichkeit, voller „karmafreier Zonen“ ;). voller Hingabe und voller Liebe. Und das macht Dich authentisch in deinem SEIN und Deinem TUN. Ich bin unendlich dankbar Dir begegnet zu sein und ich freue mich von Herzen und beglückwünsche Dich zu Deiner wundervollen Entscheidung, deine Berufung voll und ganz, im Hier und Jetzt zu leben. <3lichst ganz liebe Grüße von Saskia, Klangbotschafterin der neuen Zeit

  4. Dr. Heidrun Eckert
    20. März 2013 um 17:46

    Du gehst Deinen Weg. Du kannst nicht anders. Das bewundere ich. Alles Grosse auf unserer Erde ging aus Krisen hervor. Das gilt für Buddha wie für Franz von Assisi, für Einstein wie für Beethoven. „Nichts kann ein Kunstwerk so wenig berühren wie Kritik“, schrieb Rainer Maria Rilke. „Ein Kunstwerk ist gut, wann es aus Notwendigkeit geschah“. Dein Leben ist Dein Kunstwerk. Dein Eigenes. Authentisch. Hilfe wird Dir zuteil werden, wie jenen, die vor Dir gingen. Alles Gute!

  5. 5. Oktober 2013 um 10:11

    Lieber Lars, Deine Geschichte ist auch meine Geschichte, ist die Geschichte der Menschheit, ob der einzelne es schon bemerkt oder nicht. Wir erwachen gemeinsam ins wahre SEIN. Schön, dass Du es aufgeschrieben hast und vielen damit Mut und Kraft gibst, zu verstehen, was gerade mit ihnen passiert. Ich habe es in einem Buch „So fing ES an“ und in vielen vielen Liedern verarbeitet. Schau mal bei youtube wenn Du magst: „Liedermacherin Bea“
    Danke, mein Seelenbruder für Dein so SEIN

  6. 5. August 2014 um 14:06

    Danke Lars für deine Offenheit und deine Geschichte … sie ist sehr authentisch … durch dein Tun hilfst du auch anderen Menschen ihr Sein zu erkennen und gibt es etwas schöneres , als zu Sein ? Ich freue mich, sollten wir uns mal körperlich begegnen, und sonst erfreue ich mich an den Bildern und Zeilen die ich von dir lese …. herzliche grüsse aus Tirol — Marietta <3

  7. Johannes Vocilka
    24. September 2015 um 22:44

    Lieber Lars, so lange – und so persönlich kennen wir uns ja nicht… jedoch – ich genieße Deine Nähe, Deine Kraft, die von Dir aus geht, wenn wir mal Paar Worte miteinander wechseln können… Wenn man seine Sinne gebraucht, kann man Deine Berufung spüren und die Klarheit und Selbstverständlichkeit Deiner einfachen Worte und Gesänge verstehen … Ich durfte für mich die Erfahrung machen … – zu seiner Berufung kommt man wie (Zitat:) „der Dumme zur Watsche“ … Du kannst Dich nicht dagegen wehren… ob Du willst oder nicht … wenn Du dazu bestimmt bist, musst Du Deinen Weg gehen, sonst funktioniert Dein Leben nicht mehr… Vielen Dank, dass Du Deiner Bestimmung folgst… denn wir brauchen Dich…

    • 24. September 2015 um 23:07

      Eine gute Nachricht: Lars Köhne ist bald bei uns im MYSTICA Studio!

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