Die Geschichte eines Erwachens – Hartmut Lohmann

Wir alle haben ein unendliches Potential – davon ist Hartmut Lohmann überzeugt. Und er weiß, wovon er spricht. Nach langer Leidensphase begann er mit einer intensiven Innenschau. Nach und nach lösten sich Muster, nach und nach entwickelten sich in ihm erstaunliche Sensibilitäten. Plötzlich konnte er die Energien des Chi und die Chakren der Menschen wahrnehmen, und ihnen damit heilend helfen. Und das ohne einen Lehrmeister.
Damit nicht genug – Lohmann ist auch ein hervorragender Schriftsteller, war bereits zweimal Stadtschreiber. In seinem neuen Buch erzählt er von seiner Transformation und vermittelt viel Wissen über die feinenergetischen Zusammenhänge.

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Hier ein exklusiver Auszug aus „Grundlagen der energetischen Heilung“, KOHA Verlag:

Das Leben hatte gewonnen: Ich würde mich umbringen. Hinter geschlossenen Augen starrte ich auf die Unzahl meiner psychischen Geschwüre, diese dunklen Narben der Seele. Seit der Kindheit hielt mich die Depression umklammert wie eine Krake. Eine Umarmung, die mir die Luft zum Atmen nahm und jede Hoffnung, eines Tages frei zu sein, mir selbst zu gehören. Mein höchstes Glück war, wenn der Griff der Krake sich ein wenig lockerte. Wie oft hatte ich mich den Fesseln dieses schwarzen Tieres zu entwinden versucht, worauf der Druck seiner Umarmung nur an Stärke gewann. Meine Trauer ließ keinen Zweifel daran, wer wem gehörte und wer die Macht über wen besaß.

Niemand sollte über Depressionen urteilen, der sie nicht am eigenen Leib erfahren hat. Dieses Gefühl, die Seele würde ertrinken, das schlagende Herz erwürgt. Die Lieblosigkeit der Welt kriecht in den Geist wie ein Gift. Aber es betäubt dich nicht, obwohl du müde, untätig und fahrig wirst, stolperst oder dich schneidest. Nein, dieses Gift klärt deinen Kopf gleichsam auf und macht ihn glasklar wie eine Lupe, die selbst die kleinste Laus, die über deine Leber läuft, wie ein groteskes Monster erscheinen lässt. Alles um dich herum wird dunkel, die Farben werden grau und die Stimmen und Töne verrauschen wie in einem Tunnel. Allein der Schmerz ragt aus dieser uferlosen Leere hervor, aus der es kein Entkommen und Emporklettern gibt. Überall um mich herum waren Verzweiflung, Ausbeutung, Tod. Wann würde das aufhören? Wieso war das Leben so qualvoll? Und wie lange würden seine Mühsale noch dauern?

Wir arbeiten, nur um zu sehen, wie alles zusammenbricht. Wir lieben, nur um zu spüren, wie die Liebe wieder vergeht. Wir finden und verlieren, wieder und wieder und wieder. Wir hoffen und erkennen, dass selbst die Hoffnung letzten Endes stirbt … Alles vergeht. Warum nicht auch das Leid?

Es gab keine Hoffnung mehr, die mir etwas bedeutete. Wo selbst Buddha und Jesus verkappte Selbstmörder waren, strebte die halbe Welt goldbeklebten Selbstmördern nach.

Frauen, Partys, Geld – ich hatte alles ausprobiert und nichts hatte mich dauerhaft glücklich gemacht. Es überdeckte bloß den hohlen Schmerz, der tief in meinem Innersten pochte. Für mich waren die Menschen Ertrinkende in einem Ozean der Sterne, um jeden Preis darauf bedacht, als Letzte unterzugehen. Aber warum sich wehren? Warum nicht aufgeben und sich sinken lassen in dieses unergründliche Nichts, wo es ohnehin unser Schicksal ist?

Ich würde in ein Kloster eintreten und dreißig Jahre meditieren müssen, wollte ich all diese zerrenden und zehrenden Empfindungen abschütteln. Und danach wäre ich wahrscheinlich leer, ausgeblasen vom Wind der Erkenntnis. Nein, da brachte ich mich lieber um. Das schien mir die sicherste Lösung. Der Tod würde mich von der lästigen Pflicht entbinden, irgendwas zu tun oder erreichen zu müssen. Ich war es so satt, mich für mein Wohl zu quälen. Jesus konnte mir den Buckel runterrutschen und Buddha meinen Hintern küssen. Ich würde niemals in Frieden mit mir leben, niemals Ruhe vor mir haben. Ich hatte Seelenkrebs im Endstadium. Die Leere und Sinnlosigkeit der Welt, das Gefühl, allem ausgeliefert zu sein, während jeder Teil meines Körpers eine Tonne wog: Es war einfach zu viel.

Mitten in diesen Monolog, den ich schon tausend Mal mit mir geführt hatte, sprach eine kleine Stimme: »Wenn sowieso alles egal ist, kannst du dir auch egal sein. Am Leben zu bleiben, obwohl du dich nach dem Tod sehnst, wäre die größere Gleichgültigkeit dir selbst gegenüber.« Ich blieb mitten auf der Straße stehen, denn die Stimme hatte recht. Wenn es möglich ist, sich von allem Ärger und allen Sorgen zu befreien, sollte ich damit beginnen, mich nicht länger über meinen Ärger zu ärgern oder über meine Sorgen zu sorgen. Wenn alles unmöglich ist in dieser Welt, ist überhaupt nichts unmöglich.

Das war der erste Schritt. Ich meditierte nicht länger, um mich von Kummer oder Stress zu befreien, sondern um die Suche nach einer Lösung aufzugeben. Statt das Ziel erreichen zu wollen, ließ ich das Ziel los. Ich war mir egal. Sollte die Meditation mit mir machen, was sie wollte, ich war fest entschlossen, ihr gelassen dabei zuzusehen. Mehr als der Tod drohte mir nicht und der Tod war mir egal.

So in die morgendliche Meditation versunken, glomm über mir heller und strahlender als je zuvor ein Licht auf, das wie ein großes Versprechen aussah. Um dieser leuchtenden Zusage näher zu kommen, lockerte sich mein Körper und in ihm mein Geist. Als wäre ich mein Leben lang eine geballte Faust gewesen, begann sich mein Körper langsam zu öffnen. Das Wort »Entspannung« bekam für den Rest meines Lebens eine neue Bedeutung. Die Härte der Muskeln glitt von mir ab wie eine schwere Rüstung, mein Geist wurde weich und weicher, bis er eine ätherische Konsistenz annahm. Ich schien aufwärtszuschweben und ließ meinen Körper unter mir wie ein Gefäß, das mich ein Leben lang gehalten hatte, um mich ganz in dieses Leuchten zu bewegen. Zeit und Raum gingen auseinander wie ein Vorhang, der beiseiteglitt, und körperlos verschmolz ich mit dem strahlenden Licht. Ich wurde dieses Licht und erkannte, dass ich es stets gewesen war und immer sein werde, egal was geschieht.

Der Mensch, der ich war, starb, als er in dieses Gewahrsein einging. Es war nichts Erschreckendes daran, obwohl Angst und Glück einander umspielten. Es war das Ende eines Lebens und der Anfang eines ganz neuen. Ohne Worte, ja ohne Gedanken, verstand ich:

Raum und Zeit sind eine Illusion. Das separate Ich ist ein Trugbild, das wir selbst erschaffen, weil wir leiden. Das reine Sein ist leidloses Bewusstsein und Urgrund aller Dinge. Und das Erwachen zu diesem zeitlosen Grund der Welt ist das Ziel jeden Lebens. Ich bin kein Mensch. Ich bin Nichts. Und als Nichts bin ich Alles. Es gibt nur das eine Bewusstsein im Universum, das sich selbst unendlich oft enthält. Es bringt die Körper und Gegenstände kraft seiner Gedanken und Gefühle hervor wie ein Töpfer, der sich selbst aus dem Lehm knetet. Dieses Bewusstsein ist göttlich und damit jedes Bewusstsein in ihm. Es ist unendlich klein, unendlich groß. Es passt auf eine Nadelspitze und füllt das Universum aus.

Zum ersten Mal in meinem Leben spürte ich, wie schön es ist, zu sein – und nichts weiter. Ich fand mich in einem Zustand wieder jenseits der Ruhe oder Hektik, jenseits der Form oder Formlosigkeit. Ich bin seit Ewigkeiten.

Im Licht dieser Erkenntnis verstand ich, niemals gefallen oder gestiegen zu sein. Ja, mich niemals vom Fleck bewegt zu haben, weder zeitlich noch räumlich, noch spirituell. Und dass selbst das Erreichen von Erleuchtung ein Ziel ist, das zur Illusion gehört, da alles erleuchtet ist, jederzeit.

Wie alle, denen die Einheit und Ganzheit der Dinge offenbart wurde, verweilte ich im Zustand der Zustandslosigkeit, dem, was Buddha »Nirwana« nannte. Hier gibt es weder Zeit noch Ort, keinen Willen und kein Bedürfnis, keine Ursache und keine Wirkung. Es gab nie ein Ziel, da alles ist, von Anfang an.

Alle Qualitäten der Welt sind verschmolzen. Es gibt weder Anfang noch Ende. Alles ist eins und alles bist du. Jeder folgende Augenblick verstreicht als makelloser Ausdruck deines unendlichen Selbst.

Ich erinnere mich, wie weit und freundlich der Himmel aussah an diesem Tag. Und dass die Bäume, Wolken und Vögel am Horizont miteinander verschmolzen. Plötzlich war die Welt ganz friedlich, jetzt wo ich Frieden in mir gefunden hatte. Als sei ich es all die Jahre gewesen, der mit dröhnenden Gedanken die Vollkommenheit der Stille übertönte. »Wir ertragen die Erleuchtung nicht«, dachte ich, »bis sie uns trägt.«

Gefühle wehten wie ein lauwarmer Sommer nach einem auszehrenden Winter durch meinen Kopf. Die Sonne schien sonniger, die Wolken wolkiger, Farben leuchteten wieder und die Strukturen und Maserungen aller Dinge um mich herum faszinierten mich wie ein Kind. Das sonnendurchtränkte Äderwerk der Blätter, die irisierenden Reflexionen der Gläser, Kristalle und silbernen Oberflächen – sie zwinkerten mir zu. In den nächsten Tagen war ich einfach glücklich, zu sein.

……………..

So schwer die Reinigung war, ich wusste, wofür ich sie durchlitt. Also ließ ich sie zu. Ich ließ zu, dass mir die Angst die Augen aus dem Kopf treiben wollte. Ich ließ mich von meiner Wut bei lebendigem Leib kochen und mir von den verborgensten Sehnsüchten die Haut abziehen. Die Offenbarung führte mich nicht in den Himmel, sie schleifte mich durch die Hölle. Sie forderte meine Bereitschaft, zu sterben – für die Liebe, für die Hoffnung, für den Augenblick. Jeden Tag starb ich ein bisschen mehr. Nicht für ein leuchtendes, strahlendes Ego, sondern für die nackte, simple Wahrheit.

Hätte ich gekonnt, wäre ich an vielen Stellen umgekehrt. Aber wir können uns nicht entkommen. Früher oder später hätte ich mich ohnehin der Wahrheit stellen müssen, denn diese Wahrheit bin ich.

Die körperliche Reinigung dauerte über drei Jahre. Sie umfasste Diät, Sport und viele Stunden täglicher Meditation. Früher habe ich mich über die Entsagung und den weltfremden Rückzug der buddhistischen Mönche lustig gemacht. Jetzt verstand ich, wie mutig und wichtig dieser Rückzug und diese Entsagung ist, um den letzten Zugriff des Ego zu vereiteln. Allein mit uns selbst, steigt empor, wovor wir ein Leben lang flüchten.

…..

Krankheiten sind ansteckend, aber Gesundheit auch. Seitdem mein drittes Auge offen ist, sehe ich Tiere, Menschen, Pflanzen und sogar vermeintlich leblose Gegenstände in einem völlig neuen Licht. Liebe ist allgegenwärtig. Freude ist das wahre Wesen der Dinge. Und selbst die größte Dunkelheit ist nur ein Beweis für das strahlende Licht dahinter. Wir sind dieses Licht und werden uns früher oder später darin erkennen.

Das torlose Tor ist nicht nur das Ende der alten Welt, sondern der Eintritt in eine ganz neue. Liebe ist es, die das Leere füllt. Schönheit spielt hinter der Maske des Schnöden. Gold umgreift gesponnen den Schmutz. Der Schöpfer schreibt unter dem Pseudonym des Menschen. Das Wahre erzählt von der Lüge …

 

Auszug aus: Hartmut Lohmann. Grundlagen der energetischen Heilung. Warum sie wirkt, wie sie funktioniert. Koha Verlag

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  4 Kommentare für “Die Geschichte eines Erwachens – Hartmut Lohmann

  1. Eduard Seel
    18. August 2011 um 21:39

    Freude! O welch wunderbarer „Beitrag“ aus der Geschichte eines „Erwachenden“, eines ZuSichKommenden, wie Es im großen Buch des Lebens Selbst geschrieben steht. Es ist die Eine Geschichte, DAS große Bild, welches im Herzen eines Jeden Menschen schlummert und lediglich nur „erinnert“, verinnerlicht, zugelassen werden will, freudig alle Zeit abwartet bis die „große“ Schlange IchWill sich aufopfert, damit Dessen Wille, DeinWilleGeschehe in der Wortlosen Stille geschehen kann.
    Ja Freude! Schöne Worte, Wahrhaftige Worte des „Erwachens“ – Freude dem der Es erlebt und nun bei sich trägt. Freude dem der Es hört und sich ein Bilde schafft. Freude dem der Es nimmt und sich inspiriert. Freude dem der Es isst, denn dem wirds intuitiv. Freude ist in Allem Sein.
    So mein Freund sei wacker und stark – geh hin. Sterbe, und Werde, auf dass du Anteilnahme hast an deiner großen Ehre, dem großen ungeteilten glorreichem Erbe. So Werde! werde der der Du Bist. Werde der IchBin.

    Wahrhaftigkeit in diesen Worten,
    mögen Sie der Boden sein
    für All unser Tun.
    Friede mit Dir und Deinesgleichen.

  2. 11. Juni 2012 um 10:20

    Kann ich nachvollziehen und freue mich über diese Entwicklung.
    Dass Du Eduard SEEL heißt, wundert mich nicht.
    Alles Liebe
    Barbara

  3. Andreas Schwarzer
    20. Oktober 2013 um 22:18

    ich find es wunderbar und wunderschön das das Hier und Jetzt`“ in einer Illusion verschwindet und das Nichts dasteht und sich selbst erklärt, denn das es einen Tod gibt glaub ich schon lange nicht mehr es sagt mir meine innere Stimme und die lügt niemals.
    Namasté

    Andreas

  4. 26. Juli 2014 um 05:13

    Lieber Hartmut,
    ich bin vielleicht nicht ganz so tief in die Verzweiflung gegangen, und ich bin heute vielleicht nicht ganz so gelassen wie du, aber alles, was du bechreibst, kenne ich.
    Vor zwei Jahren war es mir vergönnt, zwei Mal kurz in den Zustand zu gehen, den du beschreibst, den man als Erleuchtung bezeichnen kann, und den zu beschreiben mit Worten nicht möglich ist. Seither ist das Leben genau wie vorher und doch ist es anders.

    Ich strebe nichts mehr an, Erleuchtung schon gar nicht. Ich bin nicht hier, um in diesem kurz mal gelebten Zustand zu denken, zu fühlen und zu handeln. Ich bin hier, um weiter furzgewöhnlich als wohl weise Seele (oder Geist oder wie wir das, was wir SIND, auch immer benennen wollen) im sehr einschränkenden, pupsgewöhnlichen Persönlichkeitsfeld „thom ram“ zu leben, und zu wirken.

    Danke für deinen eindrücklichen Bericht.
    In Verbundenheit,

    thomas ramdas

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