Trance im → Schamanismus

Der Schamane ist ein Spezialist für die Induktion einer Trance. Dabei erfolgt die Veränderung der Bewusstseinslage meistens innerhalb eines Rituals, das aus Körperhaltung oder Tanz und rhythmischer Anregung besteht. Außer Rasseln verschiedenster Art werden meist Trommeln dafür eingesetzt.
Für viele Schamanen sind auch → Mantras und Gesänge die Transportmittel in andere → Bewusstseinszustände. Geübte Schamanen können sich auch direkt in einen veränderten Bewusstseinszustand versetzen. Sibirische, mongolische und nepalesische → Schamanen arbeiten häufig mit der doppelseitig bespannten Trommel. Doppelseitig, weil sie mit der männlichen und der weiblichen Kraft arbeiten: Beide müssen immer vertreten sein, sonst gerät alles aus dem Gleichgewicht. Die rhythmischen Trommelschläge sind bei ihnen das „Pferd“, auf dem sie in ihre Trance „reiten“. Begleitet wird ihr Trommeln von Wiederholungen bestimmter → Mantras, die verschiedene → Geister anrufen:

„Der Schamane sorgt im Ritual immer wieder auf unterschiedliche Weise dafür – durch einen Wechsel im Rhythmus, ein Pfeifen, die Veränderung der Stimme und die Verstellung der Stimme –, die Ritualteilnehmer zu irritieren. So schafft der Schamane nicht nur neue Aufmerksamkeit, durch die kleine akustische ‚Aufrüttelung’ wird auch eine zusätzliche Endorphinausschüttung angeregt, die ein tieferes Eintauchen in den Zustand einer veränderten Wahrnehmung erleichtert.“ (Nana Nauwald 2002, 125)

„Trance ist die biologische Tür zu anderen Wirklichkeiten“ sagt die Anthropologin Dr. Felicitas Goodman (→ Trance). Im Trancezustand kann der Schamane seine Aufmerksamkeit auf die parallelen „Anderswelten“ konzentrieren. Die → Vision, die er in diesem Zustand hat und bei der alle Sinne beteiligt sind, bildet das ekstatische Erlebnis in der Trance. Er erfährt die Einheit von Welt, Universum, Natur, Tieren, Pflanzen und v.a. mit sich selbst, seinem transpersonalen Selbst. Er ist so die Brücke zwischen der Welt der Menschen und den geistigen Welten, den Feldern des Bewusstseins.
Der Kontakt mit den anderen Wirklichkeiten ist für den Schamanen nicht einseitig, sondern kommunikativ. Er kann mit den Geistern und Wesenheiten „sprechen“, erhält von ihnen Hilfe und Wissen. Die Erinnerung an den „anderen Zustand“ ist auch nach der Reise sehr klar. Bei seinen gezielten Reisen in die schamanischen Bewusstseinswelten stellt der Schamane einen Kontakt zu Geistern, Energien, Kräften her und transportiert sein in Visionen erlangtes Wissen in die Alltagswirklichkeit, insbesondere zur Behandlung von Krankheiten seiner Klienten.

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