Online-Kongresse: Zusammen sein und doch allein?

Vielleicht erinnern sich manche Leser, dass ich mich vor einiger Zeit mal auf Facebook über den Begriff „Online-Kongress“ aufgeregt habe. Damit meinte ich aber nur das Wort, nicht die Sache an sich. Denn hierbei handelt es sich schlicht um ein ganz neues Medienformat, das via Internet und Webcam funktioniert und im Moment ziemlich um sich greift.

Worum geht es da? Im Grunde ist es eine Sammlung von Interviews, die von einer Person, gerne auch einem Pärchen, organisiert und moderiert wird. 17 oder 25 zum Teil namhafte Experten zu einem speziellen Thema werden angefragt und via Webcam zuhause interviewt. So finden sich hie und da erstaunlich bekannte Gesichter, die zum Interview nicht ihre Wohnung verlassen müssen und im günstigsten Falle diese kleine PR-Aktion nutzen, um auf ihre Publikationen und Angebote aufmerksam zu machen.

von Thomas Schmelzer

onlinekongresse

Einige aus dem Netz gesammelte Startseiten von Online-Kongressen

 

Was störte mich dann eigentlich? Nun, das Wort „Kongress“ kannte man bisher in einem anderen Zusammenhang: An einem Wochenende kommen Referenten an einen Ort, um vor hoffentlich zahlreichem Publikum Vorträge zu halten, in Talkrunden zu sprechen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Eine wunderbare Sache, ein Gemeinschaftserlebnis. Bei einem Online-Kongress spricht der Experte nur mit dem Interviewer, also eigentlich mit dem Bildschirm und der Kamera und sonst mit niemanden, und das alles in zum Teil unterirdischer Webcamqualität.

Und doch hat das Ganze seinen Reiz. Sich entspannt zuhause über die Themen zu unterhalten, führt manchmal auch für den Interviewten zu einer privaten, inspirierenden Atmosphäre. Nun ist es am Interviewer, diese Chance zu nutzen. Das gelingt nicht immer.

Aber eine interessante Entwicklung findet statt: Eine Demokratisierung der Moderation. Und „Menschen wie du und ich“ stellen manchmal ganz ungewöhnliche Fragen, was immer eine Freude ist für den, der was zu erzählen hat. Ich jedenfalls fand es andersrum mal echt nett und konnte im Gespräch mit dem Interviewer manch neue Gedanken untersuchen. Manchmal fehlt es etwas an Tiefgang und stereotype Fragen gewinnen die Oberhand, aber andererseits spürt man das ehrliche Interesse der Fragenden, und das ist schön.

Und so geht´s: Mutige Zeitgenossen ergreifen die Chance, lernen, mit der vorgefertigten Software umzugehen, drehen (meist sitzend in der Natur) ein kleines Video, das via Vimeo die Gäste begrüßen soll, und los geht’s. Damit die Sache in Schwung kommt, werden auf der frisch online geschalteten Webseite einige Experten mit „angefragt“ angepriesen und das Ganze nach und nach aktualisiert.

Und das Ganze ist auch für die Zuseher zunächst kostenlos. Die Videos sind 24 Stunden freigeschaltet, was manchmal verlängert wird, täglich oder wöchentlich kommen weitere dazu, und am Ende kann man das ganze Paket als Online-Paket kaufen. Ein bisschen erstaunlich, wie schnell sich die einzelnen Angebote in der Präsentation ähneln, aber zum Glück fahren manche der Interviewer mit ihrer Kamera zu einzelnen Gästen raus, um vor Ort zu drehen.

Ich frage mich manchmal schon: Wer soll sich das bitte alles ansehen? Aber die Frage hat man mir auch schon mal gestellt …

 

Wie wird es weitergehen? Wer da ein Geschäftsmodell wittert, sollte sich schnell ein bisher unbeackertes Themenfeld suchen und flugs einen eigenen Online-Kongress anbieten. Denn es ist zu beobachten, dass es immer mehr davon gibt. Irgendwann wird jeder Experte in dreien davon zu sehen gewesen sein und man könnte – hmm, wer kommt da als erstes auf die Idee – ein Portal erstellen, in dem alle Online-Kongresse gefunden werden können, wo man einen Pauschalbetrag zahlt und im Grunde 24 Stunden lang…. nee, das reicht gar nicht…

Ja, es ist eine praktische Erstinformation, die man sich verschaffen kann. Kostenlos, wenn man sich an die Termine hält. Aber man sitzt halt noch länger vor dem Bildschirm. Will man das?

Und so nett die private Gesprächsatmosphäre auch ist: Man ist zwar privat, aber auch  allein. Noch heute mag ich kein Skype, nutze das nur im Notfall. Sich gegenüberzusitzen ist viel spannender, geht ganz anders in die Tiefe und gemeinsam Lachen geht eben auch nur live. Deswegen liebe ich unser MYSTICA-Studio so: Ich moderiere, als wäre es live – Samstag abends, beste Sendezeit, größter TV-Sender. Da wird nicht geplaudert – es geht um etwas, gemäß dem Motto: „Du sollst nicht langweilen“. Okay, kann passieren, dass ich deswegen mal zu schnell unterbreche, aber das Risiko nehme ich in Kauf, damit der Fluss weitergeht.

Trotzdem möchte ich den Machern Respekt zollen: Ich weiß, wie viel Zeit es erfordert, alles einzurichten, sich auf jeden Talkgast vorzubereiten, lange Gespräche zu führen und hinterher alles online zu stellen. Amateure haben nicht die schnellen Internetverbindungen, vieles braucht seine Zeit, Geld wird auch erstmal keines verdient. Gleichzeitig spürt man die immense Freude, die die Webaktivisten dabei haben, mit wunderbaren Experten einfach so mal sprechen zu können. Und das belohnen die Experten mit Geduld und Wissen (Okay, mache Interviewer belohnen sich auch damit, jedes Video mit ihrem Konterfei und nicht mit dem des Talkgastes zu schmücken, aber das nur nebenbei).

Ich glaube, auch Gegenbewegungen wird es geben: Den vermehrten Wunsch, sich wieder von Mensch zu Mensch zu begegnen, in wirklichen Kongressen und vielleicht ganz neuen Arten von Veranstaltungen. Ja, dort kann man den Menschen doch tatsächlich ansprechen und sogar die Hand schütteln …

Toll fände ich, und das wird noch viel zu wenig gemacht, wenn auf solchen Kongressen nicht nur Vortrag auf Vortrag folgt, sondern als Krönung auch eine Talkrunde stattfindet. DANN ist es ein echter Kongress, im Gespräch miteinander und mit dem Publikum.

Werden wir auch in Kürze planen, so viel sei schon mal verraten …

Ihr Thomas Schmelzer

 

Hier die Online-Kongresse, bei denen ich mitwirken durfte:

Selbstheilungskonferenz

Realize Yourself Kongress

Achtsamkeits Kongress

Bewusstseins- und Gesundheitstage (coming soon)

 

Und hier ein Online-Talk, der uns freundlicherweise nachträglich zur Verfügung gestellt wurde, und zwar vom Realize Yourself Kongress von Claudia und David von Lifework:

 

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  3 Kommentare für “Online-Kongresse: Zusammen sein und doch allein?

  1. 5. Oktober 2016 um 20:36

    Lieber Thomas,

    hier ist der Andreas von DelphinTV. Danke für Deinen wundervollen Artikel.

    Ja, einige Deiner Gedanken haben auch mich bewegt … und anfangs wollte ich „nur“ meine Dienstleistung der Qualitativ hochwertigen Aufnahmen für Online-Kongresse zur Verfügung stellen. Doch schnell kristallisierte sich heraus, dass ich mit meinem Herzensthema (Leben nach dem Leben, Sterben, Nahtoderlebnisse) selbst einen solchen Online-Kongress gestalten sollte … aber nur nach meinen Maßstäben.

    Schon bald war die neue Bezeichnung „Premium-Online-Kongress“ gefunden und der Kongress geplant … und wirklich wie ein Kongress, aber online: Will heissen: Zum Auftakt gibt es ein Interview (am 31.10.2016 um 20°° Uhr) auf Jeet-TV und am 10. November startet der Kongress mit einem Webinar.

    Am Samstag, dem 12. November folgt, nach einigen Experten-Interviews, die ich mit 3 Kameras und größtenteils vor Ort aufgenommen habe, eine Live-Experten-Runde. Dazu nutze ich einfach meine Webinar-Funktion. Die Experten werden mit mir hier live und persönllich vor Ort die Fragen der Teilnehmer beantworten.

    Dann folgen weitere Experten-Interviews und bei einem Abschluss-Webinar können die Teilnehmer inzwischen aufgekommene Fragen stellen. Die von mir erstellt Serie steht jetzt schon auf vimeo für kleines Geld zum sofortigen Anschauen online. Natürlich ist der gesamte Premium-OnlineKongress „Leben-Sterben-Weiterleben“ vom 10. – 20. November 2016 kostenlos und es gibt auch ein Kongress-Paket mit allen Filmen, das während des Kongresses besonders günstig zu erwerben ist. Alles in hoher Bild- und Ton-Qualität.

    Ich habe wunderbare Experten für diesen Kongress gewinnen können: Jana Haas, Dr. Dorothea Fuckert, Inge Jäger, Renata B. Vogelsang, Günther Wiechmann, Jana Grossmann, Horst Leuwer, Gerhard Vester, Melanie Simon, Paula Güdemann, Tina Rachle, Manuela Schillinger-Gabriel und Heike Kannen.

    Von Herzen wünsche ich allen, die dies hier gerade gelesen haben, alles alles Liebe.

    Euer Andreas

    • 5. Oktober 2016 um 20:43

      Lieber Andreas,

      das ist doch eine kreative, interessante Lösung! Ich wünsche gutes Gelingen!

      Herzlich
      Thomas

  2. 11. Oktober 2016 um 13:07

    Hallo Thomas,

    danke für deinen Bericht!
    Vielleicht ist in dem Zusammenhang auch diese Online-Kongressseite interessant;

    http://online-kongresse-finden.jimdo.com/

    Liebe Grüße
    Ulrich

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