Mystik als Religionskritik – Roland Rottenfußer

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Würden Sie sich eher als mystischen oder religiösen Menschen bezeichnen? Glauben Sie Unterschiede und Abgrenzungen dieser beiden Richtungen genau zu kennen? Im folgenden Artikel wird deutlich, dass bei genauerem Hinsehen natürlich Parallelen zwischen Mystik und Religiösität bestehen – vor allem aber auch viele Gegensätze.

von Roland Rottenfußer

 

 

 

 

 

 

 

Die Fackel wegwerfen, wenn das Feuer entfacht ist

Viele Leser werden es erfreulich finden, wenn ich sage, dass Mystik teilweise in einem krassen Gegensatz zur Glaubensreligion steht. Zur Dogmatik ohnehin. Glauben wird vielfach synonym mit „Religion“ gebraucht, was über Jahrhunderte zu einer m.E. völlig falschen Akzentuierung geführt hat. Denn Glauben kann die Rückverbindung („religio“) zum Urgrund unserer Existenz mitunter eher behindern, indem er in unserem Geist ein System von (Vor-)Urteilen etabliert. Ich kann z.B. glauben, dass Gott durch eine unüberwindliche Kluft von mir getrennt ist, dann behindert dieser Glaube mögliche mystische Impulse. Oder ich kann glauben, dass ich als Mensch zutiefst verderbt bin, unwürdig, dass Gott „eingeht unter mein Dach“. Dies kann dazu führen, dass ich meine Türen und Fenster vor ihm verschließe. „Das Mondlicht füllt den Himmel ganz, von Ost nach West; wie weit es deine Stube füllen kann, hängt von den Fenstern ab“, schrieb der islamische Dichter Rumi. Wer Weltanschauungen vor allem nach ihrer ethischen Praxis bewertet, wird ohnehin sagen: Auf den Glauben kommt es gar nicht so an. Was zählt, ist, ob jemand mitmenschlich handelt. Im Sinne von Lessings „Ringparabel“ in „Nathan der Weise“ sollen die Religionen vor allem durch gute Taten zeigen, welche von ihnen wirklich das Erbe des Vaters verwaltet.

Ich hatte in meinem vorigen Mystik-Artikel von einer „Wolke des Nichtwissens“ gesprochen, die für die meisten undurchdringlich scheint. Was in der Religionsgeschichte nun oft geschehen ist, ist dies: Die Gläubigen wurden von den Institutionen in keiner Weise ermutigt, den „Nebel“ selbst zu durchdringen. Vielmehr sollten sie vor ihm stehen bleiben und sich von den Würdenträgern und Wissensbesitzern erzählen lassen, was „dahinter“ ist. Wenn jemand von eigenem mystischen Erleben abgeschnitten ist, überwindet er die gefühlte Kluft zwischen sich und Gott durch einen Impuls des „Glaubenwollens“. Dieser ist oft gesteuert durch Tradition und religiöse Autorität, durch „Glaubensollen“. Man glaubt, was man meint glauben zu müssen, weil alle in einer Kultur es glauben, weil der Priester, Rabbi oder Imam es sagt, weil die Heilige Schrift es sagt, weil man – falls man nicht glauben kann – mit Sanktionen, zumindest mit gesellschaftlicher Isolation sanktioniert wird. In Saudi-Arabien gibt es den Straftatbestand „Abwendung vom Islam“, bewehrt mit der Todesstrafe. Aber auch im „Abendland“ ist es gerade in traditionellen Gemeinden nicht leicht, sich dem „Glaubensollen“ zu entziehen, was den Nährboden für viel Heuchelei bildet.

Schwierig wird es vor allem, wenn das Dogma sehr stark davon abweicht, was Mystiker selbst erfahren haben. Dogmatiker ersetzen dann die mangelnde Substanz ihrer Lehre gern durch besondere Unduldsamkeit und die Forderung nach Glaubensgehorsam. Je unwahrscheinlicher und absurder ein Glaubensinhalt erscheint, desto mehr gilt gerade das „blinde Vertrauen“ in ihn als Ausweis besonders ehrenwerter Glaubensstärke. Das ist dann so, als wolle ein Blinder einen Sehenden über die Natur der Farben belehren. Oder als wolle jemand, der noch keine sexuelle Erfahrung hatte, demjenigen, der sie hatte, theoretische Lehrsätze über Sexualität aufschwatzen. Daher halte ich es für wichtig, zumindest den Versuch zu unternehmen, einen mystischen Weg zu gehen. Dies wird von den religiösen Institutionen aber oft nicht gefördert, ja sogar negativ bewertet. Es ist, als wollten die Würdenträger und Machthaber sagen: „Du musst gar nichts selbst in die Erdbeere beißen, wie sie schmeckt steht genauestens in der Heiligen Schrift. Wenn der Geschmack, den du selbst wahrnimmst, mit der offiziellen Lehre übereinstimmt, ist es unnötig, selbst hinein zu beißen; wenn der Geschmack dagegen von der offiziellen Lehre abweicht, müssen deine Sinne einer Täuschung unterliege und du bist ein Sünder.“

In Bertolt Brechts Stück „Das Leben des Galileo“ diskutiert der berühmte Naturwissenschaftler mit katholischen Gelehrten über die Frage, ob andere Planeten außer der Erde über Monde verfügen können. Die Gelehrten verneinen dies unter Verweis auf die Bibel. Galilei bittet sie, durch das Fernrohr zu schauen, das glasklar die Existenz von Jupitermonden anzeigt. Die Gelehrten weigern sich jedoch, hindurchzuschauen – mit der auf neuzeitliche Menschen skurril wirkenden Begründung: „Ein Instrument, das etwas anzeigt, was es nicht geben kann, ist wohl nicht sehr zuverlässig.“

In diesem Sinn steht der Mystiker dem Naturwissenschaftler näher als dem Dogmatiker. Er schaut selber nach und nimmt in Kauf, dass das Gesehene sein bisheriges Weltbild durcheinander wirft. Oder – was noch wahrscheinlicher ist – dass er sich auf das Gesehene bzw. Gefühlte überhaupt keinen Reim machen kann. So betrachtet,  ist der Mystiker auch kein Gläubiger. Er ist jemand, der um den Geschmack der Erdbeere weiß, weil er selbst hinein gebissen hat. Unmöglich kann ein Unerfahrener ihm sein Erlebnis streitig machen. Ebenso unmöglich ist es aber auch, den Geschmack diesem Unerfahrenen mit Worten wirklich nahe zu bringen. Selbst die Angaben „süß und saftig“ sagen im Grunde wenig, sie sind nur ein sehr grobes Raster, um dem ganz Spezifischen dieses Geschmacks Ausdruck zu geben. Schließlich wären die Bezeichnungen „süß und saftig“ ebenso auf Pfirsiche oder auf Himbeeren anwendbar.

Viele Mystiker würden vermutlich meiner Aussage, sie seien keine Gläubigen, widersprechen. Der Glaube habe sie erst zu mystischen Erfahrungen geführt, habe sie in dem Vertrauen gestärkt, dass es jenseits der „Wolke des Nichtwissen“ überhaupt etwas – oder jemanden – gebe. Dieses Vertrauen sei überhaupt erst die Voraussetzung dafür gewesen, dass sie sich auf den Weg durch den Nebel gemacht hätten. „Credo utintellegam“ (Ich glaube, damit ich verstehe) ist ein dazu passender Spruch aus der Kirchengeschichte. Der Glaube ist es oft auch, der bei der Deutung des Erlebten assistiert. Freilich liegt hier auch der Haken, denn mit dem Gebrauch von Worten zur Beschreibung des Erlebten wird dieses mit dem kulturellen Hintergrund des Mystikers „aufgeladen“. Da spürt man z.B. nicht mehr nur eine „Präsenz“, eine „intensive Energie“, ein „strömendes Gefühl in den Extremitäten“  – nein es ist der Heilige Geist, sind Engel, ist vielleicht sogar Gott selbst, der einen besucht hat. Es ist also gut, sich selbst zu prüfen, ob man das schon vorher Geglaubte nicht in eine Erfahrung hineininterpretiert. Und ob es man, zweitens, nicht mit der Interpretation des Geschehnisses hinterher auf die Bestätigung von vorher schon vorhandenen Glaubensinhalten abzielt. Insofern kann man zusammenfassen: Ist Glaube die Ursache der Mystik, ist er hilfreich, ist er dagegen die Folge der Mystik, kann dies zu Verfälschungen führen.

Religionen „sagen den Menschen vor allem, was sie sehen sollen, anstatt wie sie sehen sollen.“ (Richard Rohr) Damit erscheint das Erkennbare durch ein traditionelles Correctness-System begrenzt und zugleich vorgeprägt. Es ist unmöglich, bevor sich mystische Erfahrungen einstellen, nicht irgendetwas „geglaubt“, „vermutet“ und „angenommen“ zu haben. Es sollte uns aber bewusst sein, dass diese Annahmen nur begrenzt Rückschlüsse auf die Wahrheit zulassen. Religionen, die ja alle in Richtung des gleichen Lichts schauen, tun dies mit grünen, blauen oder roten Brillengläsern, um dann auszurufen: „Schaut, es ist ein grünes, ein blaues, ein rotes Licht!“ Der islamische Mystiker Junaid sagte: „Wasser nimmt die Farbe des Glases an, in dem es sich befindet.“ Das Bewusstsein eines Menschen, mitgeprägt durch seine Kultur, nimmt das Absolute in der ihm eigenen Färbung wahr.

Bei aller notwendigen Sprachskepsis kann es jedoch hilfreich sein, die Zeugnisse glaubwürdiger und sprachmächtiger Autoren zu lesen, die die Distanz zwischen Erlebtem und Sagbarem wenigstens teilweise zu überwinden wissen. Jörg Zink, der bedeutende evangelische Theologe und erfolgreiche Sachbuchautor, berichtet von einer „Offenbarungs“-Erfahrung beim Anblick weißer Schlehenbüsche. Es geschah völlig unerwartet 1943, während Zink als junger Soldat in der Nähe von Befestigungsanlagen der deutschen Truppen bei Lyon umherstreifte: „Das waren keine Blüten. Das war eine Welt, die offen war nach einer anderen Dimension hin. Da war alles offen! Und mir war schlagartig klar, dass meine kleine Welt, in der ich lebte und Soldat war und flog und Bücher las, wie ein Gefängnis war, dessen Mauern mir die eigentliche Wirklichkeit verstellten. Dass die Welt unendlich weiterging in Räume, die mir sonst verschlossen waren. Dass sich die größere, nenne sie meinetwegen ‚geistige’, Welt mir zuwandte, offen, freundlich, dass sie mich suchte.“ Zunächst interpretiert Zink das Erlebnis, geschildert in seinem Buch „Die goldene Schnur“, nicht im christlichen Sinn. An anderer Stelle schreibt er dann aber: „Für mich waren die weißen Schlehen wie das, was Mose am brennenden Dornbusch erfuhr: die brennende Gegenwart Gottes. Wer so aus sich heraustritt, wird nicht nur seinen Blick weiten, sondern auch seinen Atem. Er wird sich vorstellen, dass die Luft, die er einatmet, mit der Weite des Universums erfüllt ist, nein, mehr, mit der Kraft und Gegenwart Gottes.“

Die Beschreibungen mystischer Erfahrungen durch Autoren christlicher und anderer religiöser Herkunft sind sehr unterschiedlich. Ein gewisser Überblick hilft, um das Thema gleichsam von verschiedenen Seiten einzukreisen. Bleiben wir einen Augenblick bei Jörg Zink, der Mystik von ihrer ursprünglichen Wortbedeutung her aufschlüsselt: „Mystik, das Wort hängt zusammen mit dem Wort ‚myein’, die Augen schließen. Die Mystiker schließen die Augen, um innere Bilder zu sehen, und um danach die äußeren Bilder so zu sehen, dass sie Wirklichkeit mitteilen, wahrnehmbare Wahrheit.“ Die Wortherkunft von „Augen schließen“ ist wichtig, um Mystik vom scheinbar verwandten Wortfeld „Mystery“ oder „mysteriös“ abzugrenzen. Jedenfalls hat sie weder etwas mit Fantasy-Filmen zu tun noch ist sie „Okkultismus“ im Sinne des Dunklen oder der elitären Esoterik. Tatsächlich geht es schlicht um die Öffnung für dem Alltagsbewusstsein unzugängliche Welten durch Introversion (Wendung nach innen). Folge dieser Introversion kann paradoxerweise ein „Aus-sich-Heraustreten“ (eine Ekstase) sein.

Was ist Mystik? Sammeln wir noch ein bisschen, um die „Sehnsucht nach dem Meer“ zu wecken, wenn es schon unmöglich scheint, das Wasser selbst im Gefäß der Worte zu den Lesern zu tragen. „Sich weggeben, sich vergessen, hineinsterben in das unendliche Du“, sagte der katholische Priester und Zen-Praktizierende Johannes Kopp. „In des Welt-Atems wehendem All ertrinken versinken, unbewusst – höchste Lust“ dichtete der Komponist Richard Wagner in „Tristan und Isolde“. „Wenn wir uns die Erste Wirklichkeit als einen unendlichen Ozean vorstellen, dann sind wir so etwas wie die Wellen auf diesem Meer“, schrieb der katholische Prietser und Zen-Meister Willigis Jäger. „Wenn nun die Welle erfährt, ‚Ich bin das Meer’, dann sind da immer noch zwei: Welle und Meer. In der mystischen Erfahrung aber wird auch diese Dualität überstiegen. Das Ich der Welle verfließt, und an seiner statt erfährt das Meer sich als Welle.“

Dies sind freilich Umschreibungen von Gipfelerlebnissen, die den Leser leicht überfordern können. Sie fassen schon das Endziel jeder Mystik in Worte, nicht mehr die für die meisten Suchenden zunächst erreichbaren Schritte auf dem Weg. Willigis Jäger prägte für das Verhältnis zwischen mystischen Schriften und dem Ziel der Mystik ein schönes Bild: „Die Schrift ist wie eine Fackel, die man wegwirft, wenn das Feuer entfacht ist. Sie ist der Ruf des Unendlichen, der uns ständig die Richtung weist, in die wir zu gehen haben, aber sie ist nicht das Unendliche selbst.“ Dies gilt übrigens auch für die Heiligen Schriften der Wortreligionen. Je poetischer und vieldeutiger diese abgefasst sind – der Koran z.B. – desto weiter können sie dem Voranschreitenden auf dem Weg leuchten. Aber sie sind nicht zu verwechseln mit dem „Unendlichen“ selbst.

Schriften von Mystikern lesen sich immer wieder nicht nur als Sprach-, sondern auch als Religionskritik, was sie Skeptikern und Agnostikern näher bringen könnte. Richard Rohr etwa definiert: „Echte Spiritualität ist nicht die Suche nach Vervollkommnung oder Kontrolle oder die Tür zum Jenseits, sie ist eine Suche nach Vereinigung mit dem Göttlichen hier und jetzt.“ Oder an einer andere Stelle in Rohrs ausgezeichneten Buch „Pure Präsenz“: „Man sollte sich vom Wort ‚Mystiker‘ nicht abschrecken lassen. Es bezeichnet einfach jemanden, der den Schritte von bloßen Glaubens- und Zugehörigkeitssystemen zu tatsächlicher innerer Erfahrung vollzogen hat.“ Über den Glauben habe ich mich ja zuvor schon ausführlich geäußert. Rohr definiert institutionelle Religion aber darüber hinaus auch als „Zugehörigkeitssystem“, das meist allzu streng zwischen „uns hier drinnen“ und „denen da draußen“ unterscheidet. Eine künstliche Spaltung, die viel Unheil in der Weltgeschichte hervorgebracht hat – übrigens nicht nur zwischen Religionen, sondern auch zwischen Menschen verschiedener Nationen, Volksgruppen, Geschlechter oder sexueller Orientierungen usw. „Schlechte geistliche Unterweisung redet immer davon, etwas sei ‚nur‘ hier oder ‚nur‘ dort, zum Beispiel ‚nur in meiner Kirche‘. Gute geistliche Unterweisung sagt ‚immer‘ und ‚überall‘“. Ein Satz Rohrs, der – denkt man über ihn nach – mehr als kühn ist und jede falsche Hierarchisierung zwischen den Religionen vom Tisch fegt.

Richard Rohr nennt als Vorbilder für echte Spiritualität auch ältere Mystikerbewegungen, etwa die Wüstenväter. „Sie waren nicht so sehr mit dem ‚Management der Sünde‘ beschäftigt wie wir Kleriker des Westens.“ Ein Seitenhieb gegen die in den Religionen oft bis zum Exzess betriebene Aufspaltung zwischen einer „korrekten“ und einer „unkorrekten“ Teilschöpfung, zwischen erwünschten (rechtgeleiteten) und unerwünschten (sündigen) Verhaltensweisen. Zur Überwindung dieser Spaltung tragen nach Richard Rohr vor allem zwei Faktoren bei: große Liebe und großes Leid. Menschen, die beides nicht erlebt haben, „haben nie aufgrund eigener Erfahrung von Barmherzigkeit und unverdienter Gnade die Mentalität aufgegeben, die die Welt in diejenigen aufteilt, ‚die es verdient haben‘ und ‚die es nicht verdienen.‘ Weil ihnen das fehlt, bleiben sie bewertende, fordernd, unversöhnlich und emotional gehandicapt, wenn es um Empathie und Sympathie geht. Sie verharren im Gefängnis der Leistungsideologie, wo man sich alles verdienen muss.“

Allerdings kann man die Verirrungen institutioneller Religionen – der „Glaubens- und Zugehörigkeitssysteme“ – auch durchaus gnädiger beurteilen: als notwendige Stufen auf dem Weg. Willigis Jäger schreibt hierzu: „Religionen haben verschiedene Stufen – und jede dieser Stufen hat ihre Berechtigung. Bedauerlich ist es nur, wenn man auf einer dieser Stufen stehen bleibt und sie für die ganze Religion hält. Und eben das passiert, wo sich das Ich mit der Befolgung ethischer Richtlinien und Glaubenswahrheiten einer Religion zufrieden gibt und das Gleiche auch von anderen fordert. Auf dem spirituellen Weg der Mystik jedoch werden diese Stufen zurückgelassen.“

Wir haben also zur Mystik einige Stichworte gesammelt, die vielleicht nicht jeder in diesem Zusammenhang erwartet hätte. Demut z.B. Auch Gnade im Sinne eines Verzichts auf scharfe Bewertungen menschlicher Taten, auf die „gnadenlose“ Spaltung zwischen korrekten und sündigen Handlungen. Auch ein anarchistischer Zug zeigt sich bei der Mystik: der Wunsch sich weder vorschreiben zu lassen, was man erleben, noch wie man es interpretieren darf. Es ist vielleicht gar nicht geschickt, sich in der Mystik gleich auf das Endziel, die „Vereinigung mit Gott“ zu konzentrieren. Dieses Ziel könnte zunächst einschüchternd und zu anspruchsvoll wirken, ja religiösen Menschen sogar blasphemisch vorkommen. Zunächst geht es um den Schritt vom Paradigma des Glaubens, Gehorchens und Spekulierens überzuwechseln zu in jenem der unmittelbaren Erfahrung. Man beißt selbst in die Erdbeeren anstatt eingeschüchtert den Predigten anderer über das Erdbeer-Dogma zu lauschen.

Hat man freilich hineingebissen, kann es sein, dass man zu einer ebenso irritierenden wie beglückenden Erkenntnis gelangt: Das „Endziel“ ist zugleich der Ausgangspunkt. Und das, wonach man gesucht hat, war immer schon da.

 

Buchtipp:
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Monika Herz, Roland Rottenfußer: „Gesundbeten mit Heiligen“
Verlag: Kailash
Umfang: gebunden, 224 Seiten
Preis:  14,99 €
ISBN:  978-3-424-63100-5

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Über Roland Rottenfußer:

Als Jahrgang 1963 wurde er in München geboren. Nach dem Germanistikstudium Tätigkeit als Buchlektor und Journalist für verschiedene Verlage. Von 2001 bis 2005 Redakteur beim spirituellen Magazin „connection“. Momentan u.a. für Konstantin Weckers Webmagazin www.hinter-den-schlagzeilen.de und für den Schweizer „Zeitpunkt“ tätig.

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