Indische Philosophie

Die indische Philosophie hat eine außerordentliche Tiefe und Breite. Traditionell wird sie in verschiedene philosophische Schulen (darshanas, „Anschauungen“) eingeteilt, auch wenn diese nie die Geltung einer dogmatischen Orthodoxie erreicht haben:
Uttara-Mimamsa oder → Vedanta, das von Badarayana (um 200 v.u.Z.) in den Brahmasutras dargestellt wurde, und Purva-Mimamsa, begründet von Jaimini, welches die orthodoxen Formen des brahmanisch-liturgischen Lebens festsetzt;
Vaisheshika (Kosmologie) und Nyaya (Logik), die später ins Vedanta integriert wurden;
Samkhya, begründet von Kapila (dessen Philosophie auch das → Tantra beeinflusste), und
→ Raja-Yoga, begründet von Patanjali.
Als „heterodoxe“ Lehren werden noch Carvaka (eine materialistische Schule),
Jaina (eine asketische Schule, deren Exponent Mahavira ein Zeitgenosse Buddhas war) und der
→ Buddhismus hinzugezählt.
Im 18. und 19. Jh. waren es vornehmlich gelehrte Indologen, die mit Indiens Spiritualität und Religion in Kontakt kamen. Die → Bhagavadgita wurde schon 1785 durch die engl. Übersetzung von Charles Wilkins bekannt. 1818 erhielt August Wilhelm Schlegel den ersten dt. Lehrstuhl für Indologie an der Universität Bonn, und in den folgenden Jahren begannen viele dt. Gelehrte wie Friedrich Schlegel, Wilhelm von Humboldt, Friedrich Rückert, Georg Wilhelm Friedrich Hegel und Arthur Schopenhauer die indischen Lehren zu studieren.
Viele Deutsche sind in Indien heute noch als bedeutende Forscher der indischen Religion und Philosophie geschätzt, wie Max Müller, die Gebrüder Schlegel, Deussen, Geldner und von Glasenapp. Obwohl Indologie immer noch ein wichtiges Lehrfach ist, wurde es versäumt, viele wichtige spirituelle Texte, die zum größten Teil schon in der engl. Sprache zugänglich sind, in die dt. Sprache zu übersetzen. Indien ist reich an Literatur! Dem Leser wird daher nahe gelegt, beim tieferen Studium auf engl. Übersetzungen zurückzugreifen.

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