Ikonen

Voller Überraschungen ist die griech.-orthodoxe Ikonenmalerei als eine „objektive“ Kunstform im Kontext einer religiösen Weltanschauung (→ Kunst, spirituelle). Die Art der Herstellung und Maltechnik ist wesentlich älter als das Christentum. Das Wort „Ikone“ stammt aus dem griech. eikon, das „Abbild“ und „etwas darstellen“ bedeutet. Ikonografie ist eine visuelle Theologie, die auch bei den alten Ägyptern (Hieroglyphen, „hl. Zeichen“) und anderen Kulturen von Bedeutung war. Einige der ersten Ikonen wurden an die Wände der Katakomben in Rom gemalt.
Ikonen stellen die Qualitäten des → Opfers, der Demut, der Hingabe, Hoffnung, Liebe und des Glaubens dar – und Bewusstsein. Sie werden „Fenster zum Himmel“ genannt, weil sie die geistige Welt abbilden. Durch die Ikonen erhält der orthodoxe Christ eine Vision der geistigen Welt. Außer für die Anbetung sind Ikonen zur Meditation und Offenbarung gedacht. Sie sollen eine göttliche Realität vermitteln, um sie so den Sinnen zugänglich zu machen. Sie strahlen das Licht eines anderen Seinszustandes aus.
Die Abbilder von Jesus, den Heiligen oder sogar von Gott stehen im Vordergrund der Ikone, um auf diese Weise den Wunsch im Betrachter zu erzeugen, eine direkte Verbindung mit dem Abbild zu bekommen. Die → Farben und Formen manifestieren durch ihre hohe Leuchtkraft das Unsichtbare.

„Die Ikonen können auf keinen Fall nach der Vorstellung des Künstlers oder eines lebenden Modells dargestellt werden. Die Beziehung zwischen dem ‚Prototyp’ und dem Abbild würde verloren gehen. Die Ikonen-Schreiber (so wird es genannt, weil es ursprünglich Texte waren, es sind keine ‚Maler’) gebrauchen Handbücher, die genau die Ikonografie der Bilder und Szenen und die Farben beschreiben. Handbücher reichen jedoch nicht aus, der Künstler muss ‚erleuchtet’ sein, in Kontakt mit der ursprünglichen Qualität, die er ausdrücken möchte. Als ich eine bestimmte Ikone eines russischen Heiligen betrachtete, erlebte ich einen Blick, der durch mich hindurchdrang. Die Ikone hatte zu mir gesprochen. Der russische Theologe J. Trubetskoi drückt diese Erfahrung so aus: ‚Wir schauen nicht auf die Ikonen, die Ikonen schauen auf uns.’ Nicht ich schaute die Ikone an, sondern der → Staretz Macarius schaute mich an!“ (Reijo Oksanen, Artikel „Are Icons a Form of Objective Art”: www.gurdjieff-internet.com)

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