Gott

Gott (engl. „God“, schwed. „Gud“, althochdt. Got)

Der Ursprung des gemeingerman. Wortes ist nicht sicher geklärt. In der dt. Sprache fasst der Begriff got ursprünglich männliche und weibliche Naturkräfte zusammen. Wenn man – wie im idg. Sk. – das Wort wurzelsprachlich klären will, kann man das Wort zusammengesetzt aus der Rune Gibor (→ G), „Geben“ oder „Zeugen“, der Rune Othil bzw. Os (→ O), „Wind“ bzw. „Atem“, und Tyr bzw. Tiu (→ T), „Anfang“ bzw. „Entstehen“ betrachten.
Gibor bezeichnet so auch „Gott-Alles“, d.h. die Verbindung von Zeugendem und Empfangenden, die Vermählung von Himmel und Erde, dargestellt durch die Rune X. Das geht auf die alte schamanische Vorstellung des Weltenbaumes (→ Lebensbaum, → Schamanismus) zurück, die Weltsäule, die mit ihren Ästen den Himmel stützt („Oberwelt“) und mit ihren Wurzeln tief in die Erde reicht („Unterwelt“) und beide durch den Stamm verbindet, die mittlere Welt. Auch das dt. „Gemahl“ und „vermählen“ drücken noch Ehe und Vereinigung aus. In der hebr. Überlieferung ist der Gott der ersten Genesis (1. Moses 1.) der Bibel auch nicht männlich, sondern es sind die Elohim, eine androgyne Kraft (→ Kabbala). Das Wort setzt sich aus el, „Licht“ (→ E), he (→ H), „Leben“, und mem (→ M), „Wasser“, zusammen.
Die Kernfigur aller Mythologien und Anbetung der Ackerbaugesellschaften im Nahen Osten (Sumer z.B.) war ursprünglich die freigebig schenkende → Göttin Erde (griech. Gea, Gäa) als Mutter und Nährerin des Lebens und Empfängerin der Toten zur Wiedergeburt. Die nord. Göttin Hel, aus der später Frau → Holle wurde, zeugt noch in unseren Breitengraden von dem „Kessel der Wiedergeburt“. Die Macht der Göttin mit „vielen Gesichtern“ wurde erst beim Anbruch der Eisenzeit vor ca. 3 500 Jahren von den patriarchalen Kriegerstämmen im Mittelmeerraum durch männliche Gottheiten abgelöst. Erst während der Christianisierung wurde aus „Gott“ eine monotheistische Form des ursprünglichen Begriffs.

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