Auswege aus der Mainstream-Esoterik – Giannina Wedde

Giannina _Wedde_Mystic_Esoterik_MYSTICA

© aussi97 / photocase.com

Die Autorin legt den Finger in die Wunde der esoterischen Oberflächlichkeit und die daraus entstehenden Irrtümer und Fehlhaltungen. Viele Menschen leiden an dem Dogma der glücklichen und erfolgreichen Menschen, die ihr ganzes Leben perfekt im Griff haben. Schmerz und Krankheit gehören aber zum Leben dazu. Echte Mystik erfährt diesen Schmerz im Mitgefühl und hat doch die innere Gelassenheit einer unbeschädigten Instanz, die inmitten jeder Trostlosigkeit sich selbst bleibt.

von Giannina Wedde

 

 

 

 

 

Wir brauchen eine neue Mystik

Für viele bricht ein natürliches Ende an: ein Ende der Dogmen, der Gurus, des Seminartourismus, ein Ende der leeren Versprechungen. Was sich Kranke auf der Suche nach dem richtigen Heiler oder spirituellen Lehrer anhören müssen, grenzt bisweilen an Körperverletzung. Das »We are one« wird gerne brachial über bestehende Unterschiede, Konflikte, Prozesse und Wunden gestülpt.

Mystik ist nicht nur Quelle eines glücklichen und sinnerfüllten Lebens, sondern ist auch Medizin für eine verwundete Welt. Mystik ist radikale Transformation. Menschen mit mystischen Erfahrungen stellen in der Regel zwei erstaunliche Dinge fest. Das eine ist: der Schmerz wird größer. Mystisches Erleben ist die Wahrnehmung einer unbeschädigten Instanz, die inmitten jeder Trostlosigkeit sie selbst bleibt.

In den letzten Jahren wurde ich Zeugin erstaunlicher Phänomene und Entwicklungen in der freien spirituellen Szene. Wollte ich diese zusammenfassen, würde ich wohl sagen: Auf der einen Seite haben sich dogmatische Lehren ausgebreitet, verhärtet und verselbstständigt, und der glückliche, erfüllte und erwachte Mensch, den die gängige Esoterik im Blick hatte, ist zu einem Ideal verkommen, das von niemandem mehr unterwandert wird, als von der Esoterik selbst. Auf der anderen Seite ist der Überdruss vieler Spiritueller so immens gewachsen, dass für viele einfach ein natürliches Ende anbricht: ein Ende der Dogmen, der Gurus, des Seminartourismus, ein Ende der leeren Versprechungen. Ich bin fast geneigt, dies Tod und Auferstehung zu nennen, denn hier zeigt sich eine große Chance, ungute Lehren abzustreifen und zu einer tiefen, authentischen und lebendigen Spiritualität heranzureifen.

Ich möchte damit beginnen, die Entwicklungen zeitgenössischer esoterischer Lehren zu benennen, die eine Menge Leid erzeugt haben. Später werde ich über die Chancen und Möglichkeiten sprechen, die sich nun auftun, und die in eine neue Mündigkeit führen können.

Man muss über weite Teile der zeitgenössischen Esoterik- und Lebenshilfeliteratur sagen, dass sie vor allem einen Menschen im Blick hatte, der gesund, erfolgreich, wohlhabend und einflussreich sein sollte. Das kann man für sich genommen schon als Ausdruck unseres kapitalistischen Zeitgeistes betrachten, der wenig Raum für Lebensentwürfe jenseits des Leistungdenkens lässt. Für die Literatur bedeutet das konkret, dass viele Ansätze, die eigentlich aus der Psychologie und dem Mentaltraining stammen, in spirituelle Konzepte geraten sind, und dass dementsprechend viele Resultate, die man sich von Mentaltraining erhofft, wie Wohlbefinden, Erfolg, Selbstbewusstsein und Kontrolle, zum Ausdruck spirituellen Fortschritts hochstilisiert wurden. Selbsternannte Lehrer maßten und maßen sich an, den spirituellen Entwicklungsstand von Menschen anhand ihres Gesundheitszustandes, ihres Erfolgs oder sogar ihres Kontostands zu bemessen. Der Zynismus dahinter ist beispiellos, denn wer die Ratgeber zur Heilung kauft, der ist eben oft krank, und wer die Ratgeber zur Erlangung von Fülle kauft, der hat oft mit Schulden oder Armut zu kämpfen. Kurzum: Die Klientel, für die wenig Achtung herrscht, und deren Biographie durch solche Ansätze oft unverhohlen abgewertet wird, ist dieselbe, die diese Branche finanziell trägt.

 

Der Mythos von der Kontrollierbarkeit des Lebens

Blicken wir einmal auf den LoA-Hype (LoA: »Law of Attraction«), der den Buchmarkt und das Seminargeschäft viele Jahre im Griff hatte. Hier wurde Menschen die Illusion von der Kontrollierbarkeit aller Lebensumstände suggeriert, und von einer Art Geburtsrecht auf Wohlgefühl, Wohlstand und Erfolg. Auch wenn sich hier und da Autoren die Mühe machten, alte Quellen und Bedeutungshorizonte wie das New Thought Movement oder das Kybalion zu nennen, wurden die Lehren rund ums Resonanzgesetz vor allem eines: Futter für ein nimmersattes Ego, das sein persönliches Glück um jeden Preis mehren will. LoA hat sich in viele Konzepte ausgebreitet, und zieht weiter seine Kreise, auch wenn der eigentliche Höhepunkt dieser Welle längst vorbei ist. In ständiger Selbstbespiegelung, in ständigem Kreisen um das eigene Denken und Fühlen sucht der Einzelne weiterhin zweierlei: das Ende der leidvollen Erfahrungen und die ultimative Bedürfnisbefriedigung. Menschen, die zu lange auf dieser Welle mitgeschwommen sind, halten alles für eine eigene Manifestation, und das heißt konkret: glückliche Erfahrungen sind die Folge richtigen Denkens und Fühlens, und schmerzliche Erfahrungen Ausdruck falschen Denkens und Fühlens. Die Werteskala dahinter ist ganz transparent: Gut ist, was mir gut tut, dort oben, an der Oberfläche des Seins.

Und irgendwie ist diese persönliche kleine Glückssuche zur vermeintlichen spirituellen Entfaltung verklärt worden. Es hat sich ein Glaube breit gemacht, dass alles, was sich dem persönlichen Glück in den Weg stellt, entfernt werden müsse. Unter dem Begriff »Auflösungsarbeit« haben sich Menschen jahrelang mit sich selbst beschäftigt und verausgabt. Nur eine Blockade noch auflösen, nur ein karmisches Band noch trennen, nur ein Unrecht noch verzeihen, nur eine Anhaftung noch entfernen. Manch einer hat unter diesem »nur eins noch« ganze Lebensabschnitte verloren – mich erschütterten die Worte einer Frau zutiefst, die mir sagte: »Ich habe zehn Jahre lang versucht, meine Blockaden und Schatten zu erlösen, ja sogar noch die meines Partners mitzuerlösen, und unterm Strich habe ich in diesen zehn Jahren am Leben nicht teilgenommen, und meine Ehe sowie meine Freundschaften sind daran zerbrochen.«

So sinnvoll eine gesunde Selbsteinschätzung und ein korrigierendes Eingreifen in destruktive Denk- und Verhaltensmuster sind – eine Fixierung auf konfliktfreies Glück und der Glaube an die Kontrollierbarkeit und Machbarkeit aller Dinge könnten realitätsferner nicht sein. Es hat sich eine zwanghafte Korrekturwut in der spirituellen Szene breit gemacht, eine Angst vor dem Zweifel, dem Kummer, dem Staub des Alltags, vor den Fragen die, das Leben aufwirft. Wer immerzu korrigiert, hält das Leben selbst für einen Fehler. Hält die Tränen für vermeidbar, und das Unfertige für unerträglich. Es wird an einem absurden Glauben festgehalten, dass es einen Moment gäbe, in dem man endlich frei von Brüchen, Fragen und Verstrickungen sei. Einen Moment, in dem endlich alles erledigt ist. Für das große Glück?

Auf diesem Irrweg benehmen sich Erwachsene wie Kinder, die es nicht besser wissen: sie suchen unmittelbare Bedürfnisbefriedigung und sind nicht bereit, von dieser Wunscherfüllung abzulassen. Und da sie selbst durch ihr Denken und Fühlen für alle Manifestationen ihres Lebens verantwortlich zu sein glauben, widmen sie sich tagein tagaus der Korrektur ihres Denkens und Fühlens. Es ist kein Wunder, wenn unter solchem Beschäftigungsdruck Beziehungen leiden, denn wer den ganzen Tag mit sich selbst befasst ist, findet keinen Raum mehr für Begegnung, auch nicht für jene Begegnung, an der wir wachsen, reifen und uns entfalten – etwas, was spirituelle Entwicklung doch eigentlich immer wollte.

Menschen, die sich eine solche Betrachtungsweise auf die Dinge erworben haben, zeigen alle Symptome eines resilienzunfähigen Menschen: Weder können sie von ihrer Glücksfixierung, noch von ihrem Wohlgefühl und ihrer Kontrollfantasie ablassen. Einbrüche der äußeren Wirklichkeit empfinden sie als bedrohlich – einer der Gründe, warum Manifestationsgläubige sich so oft von Nachrichten, Negativmeldungen und leidenden Menschen fernhalten, und dies auch noch als Errungenschaft ihrer spirituellen Entwicklung preisen. Sicher für viele sensible Menschen, die unter den Missständen in dieser Welt leiden, eine willkommene Einladung zur Weltflucht.

 

Der Mythos von machbarer Gesundheit

Der Glaube an Resonanz und Manifestation hat auch die Konzepte rund um Heilung durchdrungen. Der gesunde Mensch ist, ebenso wie der erfolgreiche und wohlhabende, zum Inbegriff des spirituellen Meisters geworden. In der Logik dieser Systeme ist das ja auch folgerichtig, denn wenn Krankheit sich falschem Denken und Fühlen verdankt, dann muss Gesundheit ja zwangsläufig dem richtigen Denken und Fühlen folgen.

Dementsprechend sind mir im Rahmen meiner Arbeit in den letzten Jahren viele Kranke begegnet, die sich mit einem tiefen Versagensgefühl herumschlugen. Viel zu leicht wird zu Kranken gesagt: Du bist krank, weil. Und sie quälen sich jahrelang mit Auflösungsarbeit, Affirmationen, karmischen Aufräumaktionen und vielem mehr herum, nur weil sie glauben, sie hätten sich ihre Misere selbst eingebrockt. Dass es krankmachendes Verhalten und Milieus gibt, ist sicher unbestritten. Doch unser Deutungswahn ist unerträglich auf die Spitze getrieben, wenn wir Kranken mit Bestimmtheit sagen wollen, woher ihr Leiden kommt, und dass es unbedingt zu beenden sei, und mehr noch, wie es zu beenden sei.

Es gibt viel Literatur zum Thema, was Krankheit als Sprache und Ausdruck der Seele sagen will. So wie Mediziner gern anhand von familiären Vorerkrankungen und Daten über den täglichen Stressfaktor in Beruf und Beziehung Aussagen über aktuelle oder drohende Krankheiten machen, deuten und orakeln esoterisch denkende Dienstleister gern anhand von Symptomen, Denkungsarten und familiärer Disposition an Krankheit und Karma herum. Was sich Kranke auf der Suche nach dem richtigen Heiler oder spirituellen Lehrer anhören müssen grenzt bisweilen an Körperverletzung. Denn es ist das eine, Verantwortung für das eigene Leben, Denken und Handeln zu übernehmen, und es ist ein anderes, anzunehmen dass jede Lebenssituation selbst manifestiert und somit im Zweifel auch selbst wieder zu korrigieren sei. Die esoterische Idealwelt aber besteht aus jungen, dynamischen und gesunden Menschen, denen »falsche Denkmuster« derartig abhanden gekommen sind, dass ihre Körper gar nicht mehr imstande sind, krank zu werden. So lautet wenigstens das – mal laut, mal unterschwellig – kolportierte Märchen, und auch die Bildästhetik der Szene, wie wir sie auf Zeitschriften, Websites, Prospekten, Lebenshilfebüchern und Wellness-Produkten sehen, verdankt sich diesem Märchen. Man könnte meinen, spirituelle Menschen seien ewige Mittzwanziger, schlank und rank, sportlich und gesund, und wenn sie nicht gerade auf Lesbos am Meer sitzen und meditieren, dann doch wenigstens auf der grünen Dachterrasse ihres gehoben-mittelständischen Eigenheims. Wieviel Wirklichkeit erlauben wir eigentlich noch in unserer Bildsprache?

Was für die Hilfe suchenden Kranken hier auf der Strecke bleibt, ist, Leben auch in Krankheit als »richtig« empfinden zu können. Resilienz zu entwickeln im Umgang mit der eigenen Krankheit. Den eigenen Weg fruchtbar zu machen für andere in ähnlichen Situationen. Es bleibt kein Raum für eine Wahrnehmung dessen, was immer gegenwärtig ist, auch noch in Krankheit. Ein Schmerzpatient ist nicht nur Schmerz. Ein Angstpatient ist nicht nur Angst. Ein Wachsenwollen an der erlebten Einschränkung findet nicht mehr statt. Eine eigene Deutung des Kontextes findet nicht mehr statt. Der eigene Bewältigungsstil wird nicht mehr erschlossen, der doch so unabdingbar ist für Lebensqualität. Kurzum: viele zeitgenössische »Heilwege« sind heilloses Chaos und eine Abwärtsspirale in die Depression.

 

Spiritual Bypassing als Krankheit der Mainstream-Esoterik

Es ist unendlich wohltuend zu beobachten, wie inzwischen etliche Menschen bemerken, dass der Mensch, der unter dieser Form von Selbstbezogenheit und mangelnder Resilienz leidet und dies für spirituell hält, im eigentlichen Sinne ein Vermeider von Spiritualität und ein Vermeider von menschlichen Realitäten schlechthin ist. »Spiritual Bypassing« ist inzwischen vielen ein Begriff, und es wird immer offenkundiger, welche viel zitierten Sätze Vermeidungsstrategien bedient und verschleiert haben. Von einem großen Bypass haben wir oben schon gesprochen, nämlich von »Alles ist Deine Manifestation«. Ich möchte wenigstens noch zwei weitere erwähnt haben, in der Annahme, dass sie viele Leser kennen:

1. »Du darfst nicht bewerten/urteilen«

Die Abneigung vieler Spiritueller gegen das Urteilen, Bewerten und gegen das Beziehen einer klaren Position ist allerorten spürbar. Zum einen wähnen sich Vertreter dieser Haltung auf dem sicheren Terrain der »Nondualität«, zum anderen verstehen es viele als Ausdruck von Liebe, wenn sie kein Urteil über eine Situation oder Praktik fällen, und stattdessen den Dingen einfach ihren Lauf lassen. Wie so oft bedient sich die Mainstream-Esoterik dabei tiefer spiritueller Weisheiten und Praktiken, die aus verschiedenen Traditionen gewachsen sind. Man nehme die Achtsamkeitspraxis, die eine rezeptive nicht wertende Aufmerksamkeitsschulung ist. Manch einer zieht daraus wohl den Schluss, wertende Aufmerksamkeit sei fortan nicht mehr gefragt. Eine tiefe Erfahrung, die Mystiker der westlichen und östlichen Traditionen immer schon machten, ist die einer erlebten Urteilsfreiheit. Was wäre da also wohl naheliegender – wenn man so eine Erfahrung gemacht, oder auch nur oft genug von ihr gelesen hat – als diese Urteilslosigkeit in die Welt zu tragen und auf jedes Phänomen von Alltagsbanalität bis zum Krieg in Syrien anzuwenden?
Der Wunsch nach Nichtbewertung ist allzu menschlich und verständlich: Wer nicht bewerten will, möchte im Grunde schon da sein, wo Bewertung nicht mehr nötig ist: in der unio mystica, im Himmel, im Nirvana, in Nothingness, im nondualen Elysium. Aber das ist auch schon die Crux: es ist eine Vorwegnahme, denn wir sind hier, auf einer weltlichen, einer relativen, einer werdenden Ebene. Und egal, wie viele mystische Erlebnisse wir haben, egal wie oft wir in diesem entgrenzten Raum erleben, dass alles »gut« ist und dass es eine Weite gibt, in der Urteil, in der Verstandeskategorien gar nicht anwesend sind: wir leben auf einer Erde, die nicht in Ordnung ist, und auf einer Erde, die immer noch der Veränderung bedarf. Was das Nichtbewerten im täglichen Leben anrichtet, liegt da wohl auf der Hand – der ethische Relativismus, der aus einem im Alltagsbewusstsein gesprochenen »Alles ist gut so wie es ist« und »Ich bewerte diese Situation nicht« dringt, gesteht dem Mord keinen anderen Stellenwert zu als dem Falschparken oder dem Schreiben einer Oper: bestehendes Unrecht wird wertfrei abgenickt, entsetzliche Taten werden relativiert, geduldet und subventioniert, Menschen, die offensichtlich Falsches predigen, werden nicht korrigiert oder gehindert, Leiden wird nicht gemindert sondern hingenommen, vor allem, weil es ja meist nicht das eigene ist. Die Urteilsaskese fordert dann ideologische Kompensation, denn dass man gegen bestehendes Unrecht nichts zu tun gedenkt, muss schlüssig begründet werden. Diesem Umstand haben wir es zu verdanken, dass wir dann »Weisheiten« hören wie »Das hat sich die Seele so ausgesucht«, oder »Alles was passiert, dient der Erfahrung/dem Aufstieg/dem Erwachen«.

Nochmals: die Gefahr dieser Sätze ist nicht, dass sie grundfalsch wären. Die Gefahr dieser Sätze ist, dass sie eine aus spirituellen Erfahrungen und Traditionen geronnene Wahrheit verkürzen oder aus ihrem Kontext reißen. Keine ernstzunehmende spirituelle Tradition hat jemals behauptet, dass es falsch sei, Unrecht Unrecht zu nennen und tatkräftig Leiden zu mindern oder zu verhindern. Keine ernstzunehmende spirituelle Tradition hat je den Verstand, der ein Bewertungsapparat ist, diskreditiert – bis zu dem Punkt, an dem eine regelrechte Verstandesfeindlichkeit eintritt. Ein verantwortungsvoller Umgang mit den Bewertungen, die in unserem Inneren jeden Moment des Tages ablaufen, und eine Schulung des Urteilsvermögens sind vielmehr ein echter Liebesdienst an der Welt, die auf unser tiefes Verstehen angewiesen ist. Die größte Tugend eines gepflegten Urteilsvermögens ist es, die eigene Begrenztheit zu erkennen und sie als Konstante in jedes Urteil einzukalkulieren. Das bedeutet, dass wir uns dessen bewusst sind, eine Wirklichkeit nie ganz zu durchschauen. Es bedeutet, dass wir uns der Flüchtigkeit unserer sich stets wandelnden Schlussfolgerungen bewusst sind. Im Grunde sind alle unsere Bewertungen und Urteile vorläufig – das macht sie aber nicht weniger nötig.

2. »Wir sind alle eins«

Auch hier darf man wieder vermuten, dass eine von Mystikern aller Traditionen ausgesprochene Wirklichkeit, die nämlich des Ungetrenntseins vom Anderen, in den Mainstream geraten ist. Wer ein monistisches Weltbild hat, geht ohnehin von der Verbundenheit aller Kreatur aus, aber es liegen wohl eher Machtansprüche auf der einen Seite und Passivität auf der anderen Seite diesem Bypass zugrunde, der dem Einzelnen auf folgenschwere Weise seine persönliche Biographie, sein Unfertigsein, und vor allem seine notwendige Abgrenzung aberkennt. Das »We are one« wird gerne brachial über bestehende Unterschiede, Konflikte, Prozesse und Wunden gestülpt und wie ein unseliges Mantra verkleideter Gewalt gesprochen. Insbesondere Menschen, die in Gruppen, Schulen, Zirkeln oder Gemeinschaften mit latent sektiererischen Strukturen leben, berichten oft mit großem Unbehagen vom übergriffigen Gestus des »Wir sind alle eins«, der insbesondere dann benutzt wird, wenn Menschen ihr Grundrecht einfordern, sich abzugrenzen, zu distanzieren, und ihre eigenen Bedürfnisse im Zweifel gegen den Anderen zu verteidigen. Für manch einen ist es auch pure Bequemlichkeit, sich lächelnd in dieses verkürzte Mysterium zu ergeben – denn wenn wir auf absoluter Ebene ohnehin alle eins sind, dann sind die auf relativer Ebene erfahrenen Unstimmigkeiten möglicherweise auch zu vernachlässigen, womit wir wieder beim »Du darfst nicht bewerten« und »Alles ist gut so wie es ist« wären. Ein – pardon – Teufelskreis.
Alle populären Bypassing-Strategien zu benennen sprengt zweifelsohne die Grenzen eines solchen Artikels. Ich möchte auch viel lieber über die Chancen sprechen, die sich nun auftun, da so viele Menschen auf ihrer spirituellen Suche all dieser Vereinfachungen und Vermeidungsstrategien überdrüssig geworden sind. Eine jede Krise ist als eine Fülle von Chancen zu begreifen. Ein jedes Ende öffnet viele neue Türen. Es ist einzig notwendig, dass wir die Krise und das Ende einer Denkungsart anerkennen. Dass wir nicht beschönigen, sondern einfach die Faktenlage anerkennen. Und die Faktenlage, blicke ich auf meine Klienten, auf seminarmüde Sucher, auf selbstoptimierungsmüde Kranke und auf zahlreiche Aussteiger-Bekenntnisse aus der Satsang-Szene oder vergleichbaren Milieus, nicht zuletzt auf die wachsende Zahl von Erfahrungsberichten auf dem Buchmarkt zum Ausstieg aus der Mainstream-Esoterik, ist die: Die tiefste Sehnsucht des Menschen wurde nicht gestillt. Mehr noch: manch einer fühlt sich sogar um die Wahrnehmung seiner tiefsten Sehnsucht gebracht.

 

Wir alle sehnen uns nach einer tiefen Gotteserfahrung

Manch einem mag die Vokabel »Gott« nicht mehr gefallen – zu schmerzlich belastet ist dieses Wort mit Versäumnissen und Untaten religiöser Menschen und Gruppen. Nennen wir es also das Heilige, das Unsagbare, den Strom des Lebens, den Urgrund unseres Seins – Liebe. Und Menschen, die sich auf einer spirituellen Suche befinden, sehnen sich nach einer tiefen Erfahrung dieses Namenlosen. Wir mögen vieles übernehmen, was unsere Vorfahren glaubten, wir mögen vieles internalisieren, was uns Lehrer erzählen, doch am Ende bleibt das alles ohne Leben, ohne wärmendes Feuer, wenn wir nicht selbst an unserem Seelengrund von diesem Namenlosen berührt werden. Dieses Berührtwerden, diese tiefste eigene Erfahrung des Heiligen nennen wir mystische Erfahrung.

 

Unsere Zeit braucht die Mystik als Erfahrungsraum und den Mystiker als neuen Menschen

Die Soziologie wusste es ebenso wie Karl Rahner, und selbst die zeitgenössische Esoterikliteratur greift diesen Umstand auf, dass der Mensch von heute ein Mystiker sein müsse. Das ist sicher auch der Individualisierung des westlichen Menschen zu verdanken, dessen verlässlichste Quelle in unserer Zeit sein eigenes Erfahrungsspektrum ist. Was sonst sollte ihm auch Gewissheit geben in einer Zeit unbegrenzter Wahlmöglichkeiten? Der Pluralismus ist nicht nur ein blühender Garten, aus dem man sich nach Gusto eine Blume pflücken kann. Der Pluralismus ist auch die Peitsche, die uns schlägt, wenn wir uns in der Vielfalt der Dinge zerstreuen und für nichts mehr Hingabe und Verbindlichkeit finden. So werden wir buchstäblich dazu getrieben, eine Instanz zu finden, die so glaubwürdig ist, dass wir uns nicht auf dem Markt der Wirklichkeiten verlieren, sondern uns ganz dieser erlebten Wirklichkeit anvertrauen können. Das ist genau der Punkt, an dem mystische Erfahrung so elementar wichtig wird: denn hier erschließt sich dem Menschen eine Erlebniswelt, die von solcher Tragweite ist, dass darin das ganze Leben, das gewordene wie das noch werdende, aufgehoben ist.

Manch einen erschreckt der Begriff »mystische Erfahrung«, weil er alte Assoziationen weckt: Ekstasen, verzückte Gesichter, schwärmerische Sprache, geheimnisvolle Einweihungswege – die christliche Ikonographie hat das ihre getan, um solche Bilder zu untermauern. Man kann sagen, dass die Mystik dringend einer Entmystifizierung bedarf. Mag der mystische Weg auch solche Erschütterungen und manches Mysterium enthalten – er ist vor allem ein Erfahrungsweg, den jeder Mensch gehen kann. Und das geschieht oftmals, wenn man diesen Weg als Übender geht und nicht etwa von mystischer Erfahrung »überfallen« wird, wie es auch häufig der Fall ist, auf ganz unprätentiöse Weise.

 

Ein Bewusstsein der Verbundenheit

Im mystischen Bewusstsein wächst die Erfahrung von Verbundenheit, Verantwortung und von der Heiligkeit allen Lebens. Wir begreifen mehr und mehr, dass der Schöpfer gegenwärtig ist: an unserem Seelengrund, in unserem Nächsten, in den Erscheinungen der Natur und jenseits von all dem. Wir treten in Beziehung. Das ist nicht nur Quelle eines glücklichen und sinnerfüllten Lebens, sondern ist auch Medizin für eine verwundete Welt. In dieser Welt haben für den Mystiker auch jene Platz, die verwundet, krank, verstrickt oder gescheitert sind. Innere Kämpfe haben ihren Raum ebenso wie Zweifel, Zeiten der inneren Trockenheit oder Phasen der erlebten Gottferne. All das, was der esoterische Mainstream zu verdrängen oder aufzulösen sucht, weil es als Makel, als Hindernis oder als Blockade gebrandmarkt wird, hat im mystischen Weg Raum als Prozess der Reinigung, der Erleuchtung und der Vereinigung. Und endlich rückt etwas in Reichweite: der Mensch, der nicht aus erlernter Moral, aus Pflichtgefühl oder aus Gründen der Gewissensbereinigung Gutes tut, sondern der aufgrund der erschütternden Erfahrung der Gutheit selbst fortan mit wachsender Freude das Gute verkörpert. Mystik ist radikale Transformation. Wir lassen uns darauf ein, verwandelt zu werden. Wir bringen alles mit, was wir sind: unsere Gedanken, Worte und Taten, unsere Versäumnisse, unsere Schatten, unsere Vermeidung.

Mystische Erfahrung setzt eine Bewegung in Gang, die verantwortungsbewusst angenommen und verkörpert werden will. Es geht nicht so sehr um den »Einbruch des Göttlichen« als punktuelles Ereignis, als vielmehr um die Dynamik, die sich im Rahmen solcher Erfahrungen entfaltet. Hier kann ein (Übungs-)Kontext von großer Hilfe sein. Mystik verstand sich stets als Übungsweg – als ein Weg der Umformung, der den Menschen in seiner Vielschichtigkeit radikal ernst nimmt. Wie kann man diesen Weg gehen?

 

Mystik ist ein Erfahrungsweg, ein Übungsweg und ein Lebensweg

Zunächst müssen wir uns von Konzepten trennen, die uns schnelle bahnbrechende Erfolge versprachen. Wer sich auf den mystischen Weg begibt, erkennt an, dass dies buchstäblich ein Lebensweg ist, und dass es nicht um die Befriedigung eitler Selbstbilder, um besser-weiter- schneller geht. Wir treten aufrichtig in Dialog und vertrauen uns einer Kraft an, die größer ist als wir.

Es gibt einen großen Schatz konfessioneller wie überkonfessioneller Übungen, die auf den mystischen Weg führen und die ein tiefes Erleben von Verbundenheit und Weite bewirken. Dazu gehören klassische Übungswege wie das mantrische Beten ebenso wie Kontemplation, Schriftlesung oder Körpergebet in der Natur. Dazu gehören auch Übungen, die den Willen ausrichten und den Geist klären sollen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man der Individualität des Menschen Rechnung tragen und seine Veranlagungen würdigen muss. Denn was für den Einen leicht ist, ist für den Anderen eine Tortur.

Die christliche Mystik, wie sie uns überliefert ist, ist vielen zu konfessionell und zu verstaubt. Es gibt darin aber einen zeitlosen und ungebrochen schönen Kern, der auch für die heutige Zeit fruchtbar zu machen ist.

 

Zwei Folgen mystischen Erlebens: wachsender Schmerz und wachsender Gleichmut

Menschen mit mystischen Erfahrungen stellen in der Regel zwei erstaunliche Dinge fest. Das eine ist: der Schmerz wird größer. Es wächst die Anteilnahme am Leiden jeder Kreatur. Plötzlich wird der Schmerz des Anderen zum höchst eigenen Schmerz. Ich kenne Menschen, die nach ihrer ersten mystischen Erfahrungen wochenlang nur geweint haben, weil ihnen das Leiden der Welt kaum zu ertragen war. Das Erlebnis des Ungetrenntseins bedeutet eben auch: ungetrennt zu sein vom Anderen, vom Empfinden des Leids des Anderen. Ungetrennt zu sein von der Not und Angst des Anderen, ob Mensch oder Tier.

Viele erschreckt das und sie denken, etwas sei »falsch gelaufen« oder sie befänden sich inmitten eines psychischen Zusammenbruchs. Das ist nicht der Fall. Es ist eine natürliche Konsequenz des sich weitenden Horizonts und Herzens, dass darin mehr Schmerz Platz hat. Es ist eine natürliche Konsequenz der feineren Empfindsamkeit, dass das, was gestern noch erfolgreich ausgeblendet wurde, heute ins Bewusstsein tritt.

Das zweite, was Menschen mit mystischen Erfahrungen feststellen, ist eine wachsende Freude und Gelassenheit. Das Erleben des Ungetrenntseins vom Strom des Lebens, der alle Schöpfung hervorbringt, und das Erleben von der Gutheit aller Dinge wecken eine freudige, friedliche Präsenz in uns, die jeden noch so widrigen Umstand hinnehmen und annehmen kann. Viele erschreckt auch das – sie fürchten, gefühllos oder weltfremd geworden zu sein, weil sie selbst inmitten leidvoller Erfahrungen noch eine tiefe Annahme des Lebens in sich empfinden und mitten im Unglück glücklich sein können. Aber auch das ist eine natürliche Konsequenz des mystischen Erlebens: Es ist die Wahrnehmung einer unbeschädigten Instanz, die inmitten jeder Trostlosigkeit eben immer sie selbst bleibt.

Nun ist beileibe nicht bei jedem Menschen die Gabe vorhanden, diese beiden Erfahrungen friedlich in sich zu vereinen. Je nach charakterlicher Disposition neigt der eine Mensch dazu, zu tief ins Leiden der Welt zu gehen und daran zu verzagen, oder zu hoch in die erhabene Gelassenheit zu gehen und somit an Mitgefühl und Erdverbundenheit zu verlieren. Es zeigt sich, dass der Mensch mit mystischer Erfahrung üben muss, um weder zu tief ins Leiden, noch zu entrückt in die Gelassenheit zu gehen. Es obliegt der eigenen gewissenhaften und verantwortungsvollen Prüfung, festzustellen ob wir uns im Ungleichgewicht befinden, und dann korrigierend darauf einzuwirken. Korrigierend deshalb, weil der Welt und Menschengemeinschaft weder mit am Leiden verzagenden Menschen noch mit entrückten Gleichmütigen geholfen ist. Wer in sich ein Übermaß an Schmerzempfinden entdeckt, tut gut daran, Gelassenheitsübungen aus Gebets- und Meditationstraditionen zu pflegen. Wer in sich ein Übermaß an teilnahmslosem Gleichmut entdeckt, tut gut daran, tief in den Staub des Alltags zu steigen und dort tätiges Mitgefühl zu üben.

Sowohl die wachsende Anteilnahme als auch der wachsende innere Friede sind große Gnaden und Geschenke des mystischen Erlebens, die uns liebevoll in die Verantwortung nehmen, an uns und dem Angesicht dieser Erde zu arbeiten.

 

Ich schenke mein Herz

Viele verlieren auf ihrem mystischen Weg alles, woran sie glauben wollten, doch ist dies ein Verlust ohne Trauer. Auf dem mystischen Weg findet jeder zum Glauben, und zwar zum Glauben im ursprünglichen Sinne des Wortes: »Credo«. Dieses Wort bedeutet nämlich: ich schenke mein Herz. (Im griechischen übrigens: »Treue«, im indogermanischen »Lieben«). Und nichts anderes will der mystische Weg in uns wahr machen: dass wir unser Herz schenken. Und indem wir es schenken, es hergeben, wird es zum ersten mal wirklich unser Lebensmittelpunkt, Quelle des Segens und Kapelle, in der das Licht niemals erlischt.

 

Das aktuelle Buch von Giannina Wedde:

Dorn der Liebe Webbe

Giannina Wedde: „Dorn der Liebe“: Gedichte
Taschenbuch: 112 Seiten
Verlag: Echter; Auflage: 1 (14. Dezember 2015)
Preis: 12,80 €
ISBN: 978-3429039097

Hier können Sie das Buch bestellen.

 

 

 

 

Über Giannina Wedde:

Geb. 1974, lebt und arbeitet sie als spiritueller Coach und als Liedermacherin in Berlin. Mit ihren Coachings, Texten und Klanggebeten eröffnet sie Wege in eine zeitgemäße Mystik, in lebendige Andachtspraxis und spirituelle Entfaltung. In ihrer »Sprechstunde Auswege« berät sie insbesondere Menschen, die an den Gesetzen der Mainstream-Esoterik unglücklich geworden sind und neue Perspektiven suchen.

www.klanggebet.de

 

Dieser Beitrag erschien zuerst in Tattva Viveka Nr. 64, Berlin 2015, S. 14-21
www.tattva.de

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (6 Stimmen, Durchschnitt: 5,00 von 5)

  6 Kommentare für “Auswege aus der Mainstream-Esoterik – Giannina Wedde

  1. MK
    4. Juni 2016 um 14:53

    Unser Herz schenken! Der ewige Urknall!
    Und viele flüchten in die esoterischen Ritzen (…is´ teilweise wie mit BIO…) und halten ihr Töpfchen in die Wellen, damit es sich weiter in den Ritzen gut leben läßt.
    Seit Jahren stoßen mich diese Texte und Angebote dieser Esos`s heftigst ab, aber ich habe immer dabei gefühlt: ruhig, Brauner, dann bist du auf dem richtigen Weg!

    (*Brauner i.S.v. braunes Pferd……….!!!)

  2. 4. Juni 2016 um 15:29

    Endlich habe ich jemanden gefunden, der ein Spiegel für mich sein könnte. Ich dachte schon, ich wäre ganz alleine auf dieser Welt und wäre der einzige Mensch, der diese Mainstream Esoterik auch mal hinterfragt. Sehr schöner treffender Text. Ich gehe sogar noch weiter, in meinen Augen sind die, die sich als „Erleuchtete“ schimpfen und sie nur in sich ein „Geheimnis“ tragen, was ewige Gesundheit, Reichtum, Wohlstand ect. beinhaltet (da sie ja Auserwählte sind) , welches sie heute mit der Welt teilen möchten, so weit weg von Spiritualität, das sie so klein werden. Ich meine, dass Leben der Seele ist erleben, erfahren und ausdrücken, und dazu gehört sehr wohl alle Emotionen (Betonung auf „Alle“) Wir leben Aspekte unserer Selbst aus! Ich habe darüber ein „Nicht“-Buch „Rendezvous mit dem Selbst“ geschrieben, was sich in einigen Punkten hier in dem o.g. Text wiederfindet. Dafür Daumen hoch! Könnt ja mal schauen: Webseite finleyjaydendao.com

  3. 11. Juni 2016 um 14:05

    Einfach nur JA. Ein rundum wunderbarer Artikel. Und große Erhellung für mich persönlich im Abschnit „Wir sind alle eins“, dem Totschlagargument von Manchen, wenn es um die Würdigung des Weiblichen und authentisches weibliches Selbstverständnis geht. Oft wird einem da nämlich Trennung in die Schuhe geschoben, wo einfach nur der Raum für das Weibliche erweitert und gewertschätzt werden soll. Meinen tiefsten Dank, Giannina Wedde.

  4. Gerhard
    11. Juni 2016 um 19:24

    Tiefen herzlichen Dank für die berührenden entspannenden und klaren Worte, liebe Giannina Wede. Sie drücken das aus, was ich schon seit langem gegenüber dieser „Eso-Szene“ empfinde … und berühren mich sehr, da ich selber schon oft darunter gelitten habe und mich „falsch“ gefühlt habe, weil ich trotz lebenslangem Entwicklungsweg und Arbeit an mir selbst zwar psychisch und spirituell gewachsen bin, inzwischen aber mit chronischen Krankheiten konfrontiert bin, an denen ich oft körperlich verzweifle und wo ich dann diese Mainstream-Eso-Dogmas nur noch als zynisch erlebe und mich diese oft in noch tiefere Selbstanklage und „dann bin ich ja selbst an dem allen verantwortlich“-Haltungen runterziehen und meinen inneren strengen Richter aktivieren. Zum Glück hab ich gute Gefährtinnen und Gefährten, mit denen zusammen es auch immer wieder gelingt, eine andere Sicht und Wahrnehmung der Dinge einzunehmen. Eine Sicht ähnlich wie die ihrige/deine, liebe Giannina Werde. Herzlichen Dank für den Trost und die Unterstützung!

    • Martin
      18. Juli 2017 um 18:30

      Wenn wir – wie hier im Artikel so treffend beschrieben – die Esoterik nur als Korrektiv für unsere äußeren Lebensumstände verstehen, verpassen wir das ganz Wesentliche wahrer Spiritualität: Die undendliche Tiefe, Bedeutung und Vollkommenheit der Schöpfung. Und diese spiegelt sich wirklich im Inneren Wachstum wieder, und nicht in irgend welchen vergänglichen äußeren Rahmenbedingungen.
      So haben beispielsweise schwere chronische Erkrankungen zumeist einen ganz anderen Sinn, als dem daran Leidenden zu vermitteln, dass „irgend etwas mit ihm nicht stimmt“. Vielmehr steckt dahinter eine große Aufgabe, oft (oder immer) auch ein Geschenk, eine Liebes-Tat, die diese Seele für die Menschen ihres Umfeldes und für die Welt insgesamt tut.
      Ich schreibe dies, weil ich dieses Thema auch aus meiner eigenen Familie gut kenne, und weil mir bewusst geworden ist, dass es oft eben nicht darum geht, „die Krankheit auf esoterischem Weg wegzumachen“, sondern trotz der Krankheit zu einer wirklichen Lebensqualität und Tiefe zu finden.

      Ohne an dieser Stelle urteilen oder bewerten zu wollen, möchte ich hier einfach sagen: Seelen mit besonders schwierigen Herausforderungen im Leben haben meist eine besondere innere Reife entwickelt. Und deshalb stellen sie sich oft für eine „Höhere Aufgabe“ zur Verfügung, damit andere Seelen mit ihrer Hilfe ebenfalls wachsen und reifen können. Es braucht viel Kraft, sich dann im Physischen einer solchen „Aufgabe“ tatsächlich zu stellen, aber wenn man sich des Größeren Ganzen bewusst wird, erkennt man die Tiefe der Liebe der eigenen Seele, die diese Liebes-Tat ermöglicht.

      Zum Einen möchte ich Dir, Giannina, für diesen wichtigen und sehr tiefgründigen Artikel herzlich danken. Zum Anderen möchte ich Dir, Gerhard, viel Kraft und Mut für Deine besondere Lebenssituation wünschen. Ich weiß, wie schwer eine solche Situation ist. Ich weiß aber auch, dass Dein Leben eine viel größere Wichtigkeit und Bedeutung für Dein direktes Umfeld – und auch für die ganze Welt – hat, als es Dir vielleicht in diesem Moment bewusst sein mag. Du bist unermesslich wichtig – und richtig – so wie Du bist!

  5. Volker
    14. Oktober 2017 um 13:45

    habe deinen Kommentar gerne bis zu Ende gelesen,was mir meistens nicht gelingt. für mich geht es immer um das ICH ……was für mich gleichzeitig das Herz der Welt bedeutet. Wenn ICH denke …..da müssen Veränderungen her …….kann ich nicht sehen und nicht akzeptieren , daß andere Seelen genau dort auf dem IHREM Seelenweg mit ihrer EIGENEN Seelenaufgabe konfrontiert sind wo sie halt eben gerade sind……die mir nicht zugänglich ist. Es existiert kein Königsweg für Alle…….du möchtest ihn ……SO….dir zum Bilde…. und ich auch….. Mir zum Bilde…..aber er wird bereits beschritten, in vollkommener Weise….mit deiner Hilfe mit meiner Hilfe…… tagtäglich von all den scheinbar Verlassenenen……….gesehen vom ALLEINEN ICH…….sei herzlichst gegrüsst Volker d`Fiedler

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.