Demiurg

Demiurg (griech.): Intelligente Schöpferkraft

Im antiken Athen bezeichnete der Begriff „Arbeiter für das Volk“, d.h. den Handwerker und Künstler, der den demos, den Bürgern von Athen, mit den Geräten des Wohlergehens und der Kultur versorgte (→ Griechen). Aristoteles übernahm den Begriff für den „Großen Handwerker“, die Macht, die das Leben auf der Erde erschafft und erhält. Zu seiner Zeit stellte man sich den großen Handwerker und Künstler als den ersten Beweger vor, die transzendente Quelle, der die gesamte Existenz entströmt. Da sich dieser Beweger auf vielfältige Weise darstellte und man sich nicht einen einzigen „Gott“ vorstellen konnte, wurden die Götter mit demiurgischen Intelligenzen gleichgesetzt.
Eine der Grundüberzeugungen der Gnostiker war, dass der Schöpfer dieser Welt und Beherrscher des Kosmos nicht derselbe sei wie die höchste Gottheit (vergleichbar mit → Brahman). Der Schöpfergott, der ursprünglich den Namen Satanel (→ Gnosis, Philosophie) trug, war der oberste der Äonen (→ Engel). Aufgrund der gnostischen Vorstellung, dass durch die Ausübung des freien Willens der → Engel viele Unwägbarkeiten und sogar Fehlentwicklungen in der Natur und dem Menschen auftraten, dachten manche Gnostiker, dass die Schöpfung, d.h. Kosmos und Menschheit, als gescheitert zu betrachten sei. Man ging sogar so weit, die Welt des Demiurgen als „nachgemacht“ oder verfälscht anzusehen, denn nach einer Version formte der Demiurg (in diesem Falle Satanel) aus der verzerrten Abspiegelung am himmlischen Schleier ein physisches Bild (plasma) des Menschen und schenkte ihm durch Anhauchung das Leben. Da dem Menschen zum Leben etwas fehlte, lockte Satan aus den himmlischen Reichen einen Lichtfunken in seine seelenlose Welt und sperrte ihn in den Körper Adams.
Von den Gnostikern wurde der Demiurg gleichgesetzt mit dem Gott des Alten Testaments, Jahwe. Denn im Gegensatz zum höchsten himmlischen Vater, der ein liebender Gott ist, ist Jahwe eifersüchtig, zornig, rachsüchtig im Sinne einer strengen Anwendung des Gesetzes ohne jegliche Güte, Nachsicht oder Liebe. Eine andere Lesart ist, dass die ersten Menschen den schöpferischen Funken von den Demiurgen erhielten, um so die Schöpfung verantwortlich weiter zu entfalten.

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