Das Lama als Herzöffner – Beate Pracht

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© Beate Pracht

Aktionismus pur, statt im Hier und Jetzt zu sein. Dass sie nicht wirklich da, sondern nur anwesend sind – dieses Problem haben viele Menschen. In der Begegnung mit Lamas kommen Menschen aus ihren drehenden Gedanken heraus. Denn ein Lehrmeister für „da-sein“ steht hier direkt vor ihnen: für Lamas ist es ganz selbstverständlich ganz da zu sein. Nicht mehr, nicht weniger! Der Kontakt mit den Lamas basiert auf Vertrauen. Um dieses Vertrauen aufzubauen, braucht man Ruhe und ein wenig Geduld.

Von Beate Pracht

 

Natur und Tiere sind Herzensöffner

Herzensöffner findet man in der Natur- und Tierwelt. Über deren heilsame Wirkung wurde gerade in den letzten Jahren vermehrt berichtet. Wer kennt das nicht: ein Spaziergang über die Felder, am Meer, in den Bergen oder durch den Wald klären Gedanken und Gefühle. Wenn man sich auf die Schönheit der Natur einlässt, wird das Herz weit. Man fühlt sich von Frieden, Glück und Freude durchströmt und kann sich selbst wieder spüren.

Pflanzen tun gut

Auch schon eine einzige Zimmerpflanze im Büro kann messbar einen Unterscheid machen. Ein Blick auf grüne Pflanzen verbessert die Herzratenvariabilität. Das zeigte sich in einer Studie japanischer Wissenschaftler, die ich in der Sammlung des Institute ofHeartMath®, USA, gefunden habe.

Ein Herz durch Tiere

Auch Tiere sind gute Helfer, wenn es darum geht, das Herz zu öffnen. Sie leben nicht nur ganz im gegenwärtigen Moment, sondern sie berühren uns im Herzen. Dazu braucht es nicht viel von uns, nur ein wenig Bereitschaft, sich einzulassen. Begegnet man Tieren „auf Herzenshöhe“, entsteht eine Verbundenheit, die beiden Seiten gut tut. Grundlagen sind Achtsamkeit, Offenheit und Vertrauen. Gefühle, die nicht nur für das Tierangenehm und heilsam sind, sondern auch für den Menschen. Diese Herangehensweise an ein Gegenüber geht im Arbeitseifer unseres Alltags leider zu oft unter.

 

Ein Lama als Meister

Das tibetanische Wort für „Lama“ bedeutet Meister oder Lehrer. Auch wenn Lamas aus Südamerika kommen, können Sie doch ein Lehrer für uns sein. Denn Lamas haben eine sehr achtsame und sympathische Art, auf Menschen zuzugehen. Um es gleich zu sagen: Nein, Lamas spucken keine Menschen an – zumindest nicht, wenn sie artgerecht gehalten werden und sie ihre Wesensart natürlich entfalten können. Ich arbeite seit 2007 mit Lamas und das mitten im Herzen des Ruhrgebiets. Ich wollte Menschen in der Stadt mit diesen sanften, achtsamen Tieren in Berührung und gleichzeitig wieder mit ihrer eigenen Natur nahe bringen.

Was macht ein Lama zu einem Lehrer?

Ähnlich wie Delfine haben sie ein freundliches Wesen, sind neugierig, selbstbewusst und respektvoll zugleich. Der Kontakt mit Lamas basiert auf Vertrauen und das bringt uns direkt in unser Herz. Bei einem Blick in ihre großen, dunklen Augen kann man sich verlieben – Das sagt schon ein altes peruanisches Sprichwort. Sie haben ein Herz, das mehr als doppelt so groß ist, wie das eines Menschen und das spürt man. Lamas lassen sich so schnell nichts gefallen, bleiben also ganz bei sich und sind dabei offen und interessieren sich für ihr Gegenüber. Hier darf man ganz man selbst sein und fühlt sich doch voll und ganz angenommen. Und unser Herz kann heilen.

 

Aus der Praxis: Wie es Martina erging

Wie sich Lamas und Herzheilung zusammenfügen, möchte ich Ihnen an einem Beispiel aus meiner beruflichen Praxis erzählen: Martina. Bei Ihr lief es rund: Karriere, Familie, Erfolge – eine moderne Vollblut-Karrierefrau, durch und durch. Sie kam zu mir auf Empfehlung. Sie war so komplett durchorganisiert, dass sie einer freien Minute kaum still sitzen konnte. Sie fühlte sich von den wachsenden Anforderungen mehr und mehr unter Druck und immer häufiger sogar überfordert. Sie erlebte immer wieder Phasen von Kraftlosigkeit und Schlafstörungen. Außerdem hatte ihr Arzt Anzeichen eines leichten Herzstolperns festgestellt. So kam sie zu mir.

Tempo non stop

An das erste Mal, als sie zu mir zum Coaching kam, kann ich mich noch sehr gut erinnern. Zuerst konnten wir nur verspätet beginnen, da sie noch dreimal an ihr Handy gehen musste – Probleme bei der Arbeit bei wichtigen Projekten, die sie leitete. Zwischen den Telefonaten sprudelte es aus ihr heraus: Wie sie mit diesem einen Projekt, jenen Konflikten, den anstehenden Entscheidungen besser umgehen könne. Und da wären da noch ihre Rückenschmerzen. Ob ich ihr als Sport- und Bewegungstherapeutin nicht ein paar Übungen zeigen könne…

Ihr Sprechtempo konnte sich wirklich hören lassen. Statt sie weiter reden zu lassen, schlug ich ihr vor „Vielleicht können Sie hier erst einmal etwas Abstand gewinnen.“ Ich erklärte ihr kurz, wie mein Coaching funktioniert und lud sie ein, zum Einstieg die ruhige Kraft der Lamas zu nutzen. Neugierig geworden, sprang sie sofort auf und war ein Fingerschnipsen später schon an der Tür. Auf dem Weg schrieb sie noch schnell eine SMS und fragte ohne aufzuschauen: „Wann endet mein Termin nochmal genau?“ Doch vorher machte ich mit ihr eine kurze HRV-Messung, um ihr ihren hohen Stresslevel zu verdeutlichen. Das Ergebnis, eine Kurve, gezackt und unregelmäßig wie ein Aktienkurs, machte Martina schlagartig klar, dass es Zeit war etwas zu verändern.

In Ruhe liegt eine Kraft

Wir gingen nach draußen. Es war ein warmer, sonniger Tag und die Lamas lagen, saßen und grasten in der Frühlingsonne. Nach einer kurzen Erklärung zu den Tieren betraten wir die Wiese. Martina stand neben mir im Gehege und es passierte erst einmal – nichts. Kein Lama sprang auf, rannte weg oder kam auf uns zu. Lama Dancer beobachtete uns aus dem Schatten und Diego hob neugierig den Kopf. Lama-Chef Kasimir blieb einfach liegen, als ich mit nur einem Meter Abstand ruhig an ihm vorbei ging. Martina schüttelte beinahe fassungslos den Kopf und blieb stehen. Damit hatte sie offensichtlich nicht gerechnet. Sie schaute nur. Beobachtete. Ich bemerkte, wie ihre Körperspannung nachließ und sie gleichmäßiger atmen konnte. „Diese Ruhe!“ sagte sie: „Sind die Lamas immer so entspannt?“ Ihr Handy klingelte. Martina nahm es und schaltete es ab. „Jetzt nicht“, sagte sie nur und lächelte.

Wenn der Stress abfällt, kommt Einklang

Was Martina erlebte, so geht es manch einem in meinem Coaching. Anfangs ist die Anspannung zu hoch, um sich auf eine achtsame Herzübung einzulassen. Manch einer braucht eine sanfte Brücke, um zu sich auf das Herzintelligenz®-Training einzulassen. Am Ende geht es immer darum, im eigenen Herzen anzukommen. Achtsamkeit, Entschleunigung, Ruhe – das sind wie Puzzleteile, die zur Herzkohärenz führen. In den Zustand also, in dem unser Herz in völliger Balance und Harmonie schlägt.

Das Ende von Stress ist der Anfang von Leben

Mitdieser Erfahrung hatte sich auch Martina gewandelt. Ihr Gesichtsausdruck zeigte das. Statt Stress, Hektik, Verunsicherung, sah ich jetzt Ruhe, Gelassenheit und Frieden. Ihr Herz war wieder im Einklang. Martina hatte einen Anfang gefunden. Im restlichen Coachingzeigte ich ihr Übungen, mit denen sie auch ohne die Lamas in verschiedenen Lebenslagen in Herzkohärenz kommen und wie sie die Erfahrungen des ersten Tages in ihren Arbeitsalltag integrieren und das Gefühl immer wieder hervorrufen konnte.

Das LAMA-Prinzip

Auch, wenn Sie, lieber Leserin, lieber Leser, jetzt gerade kein Lama zur Hand haben, können Sie sich doch die Kraft der Lamas mit dem von mir entwickelte LAMA-Prinzip zu Eigen machen. Es bedeutet: „Lebe Achtsam, Mutig und Authentisch“.So können Sie in ein glückliches und erfülltes Leben finden. Und das wünsche ich Ihnen.

 

Über Beate Pracht:

Als Sport- und Bewegungstherapeutin war die diplomierte Sportlehrerin Beate Pracht zuerst in einer Fachklinik für psychosomatische und psychische Erkrankungen angestellt. Dann gründete sie 2007 ihr Unternehmen “Prachtlamas“, in dem sie bis heute Lamawanderungen, Führungskräfte- und Teamtrainings sowie tiergestützte Therapie und Beratungen anbietet. Außerdem ist die Autorin als Trainerin und Coach im Lifestyle-Bereich (Herzintelligenz®) unterwegs.
www.beate-pracht.de

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