Bewusste Traumaarbeit – Oya Erdogan

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© yesil / photocase.com

Die Aktivierung essentieller Seelenqualitäten: Wenn sich ein Mensch dessen bewusst ist, dass er ein Trauma hat, und alles daran setzt, es zu klären, dann ist das ein großartiger Schritt. Denn dieser ist nicht selbstverständlich. Viele Menschen, die traumatisiert sind, würden es sich nie eingestehen, dass sie ein Trauma haben, und wieder andere würden nie auf die Idee kommen, dass ihr Trauma überhaupt heilbar ist. Die Autorin führt in das Thema ein und stellt mit  RPT eine effektive Methode vor, Traumen zu heilen.

Von Oya Erdogan

Die Psychologie spricht bei Trauma meist von einer „seelischen Verwundung“. De facto trägt jeder Mensch Trauma in sich. Bei einem fällt es kaum ins Gewicht, beim anderen prägt es das ganze Leben. Wer mit Gewissheit von sich sagen kann, er sei frei von Traumen, ist wahrscheinlich schon erleuchtet. Seine Seele – die ihrer Natur nach unverletzlich ist – hat sich verwirklicht: sie wird als heil empfunden, oder anders gesprochen: sie identifiziert sich nicht mehr mit den Einschränkungen und negativen Mustern, die sich in Geist und Körper abspielen. Das ist wahre Freiheit. Und es ist die stille Sehnsucht jeder Seele, diesen Zustand wieder vollständig zu erlangen.

Was bedeutet es nun, wenn jemand meint, sein Trauma sei nicht heilbar? Es bedeutet vor allem dies: Die Person gesteht dem Trauma mehr Macht zu als ihrem Geist (ihrer Seele). Das ist Unwissenheit oder eine Ansicht, die nicht der Wahrheit entspricht. Sie liefert sehr gute Ansätze für das Verständnis von Traumaheilung, aber auch von Heilblockaden.

Alles in dieser Welt ist der Wandlung unterworfen, nichts kann ewig bestehen bleiben. Das trifft auch für Krankheiten, Ängste, Traumata und heftige Emotionen zu. Sie haben ihr natürliches Ablaufdatum. Jeder kennt die Erfahrung, dass eine Emotion, wie z.B. Wut, entsteht und vergeht. Ihrer Natur nach kann sie nicht andauern. Dasselbe gilt auch für jede Disbalance im Körper. Wenn es den Anschein hat, dass z.B. eine Krankheit fortbesteht, dann deshalb, weil wir sie unbewusst immer wieder manifestieren und als Teil unserer Identität akzeptiert haben.

Auf Körperebene entwickeln sich in der Folge von ungelöstem Trauma eine Reihe von Symptomen, die unangenehm erscheinen mögen, doch da sie nicht ursächlich geklärt werden, gewöhnt sich der Körper daran und arrangiert sich damit. Ein Beispiel: Die Angst davor, gesehen zu werden kann eine übergewichtige Person dazu bringen unbewusst, trotz Diäten und Versuchen, das Körpergewicht zu reduzieren, an ihrem Übergewicht festzuhalten. In der Psychologie spricht man in diesem Fall von einem sekundären Gewinn, weil das Übergewicht Sicherheit gibt und davor schützt, gesehen zu werden. Und tatsächlich kann man immer davon ausgehen, dass es einen unbewussten Vorteil gibt, wenn eine Person an ihren Krankheitssymptomen festhält.

Genauso kann auch das Trauma selbst mit einem unbewussten Nutzen assoziiert sein. So kann z.B. ein Erwachsener, der als Kind misshandelt wurde, eine Opfermentalität entwickeln, die den Vorteil mit sich bringt, mehr Aufmerksamkeit zu erhalten. Das gibt der Person ein Gefühl von Sicherheit. Hält eine Person unbewusst an ihrer traumabedingten Identität fest, wird es nahezu unmöglich sein, dieses Trauma zu klären. In beiden Fällen ist das beste Heilmittel:  Bewusstheit in die unbewussten Assoziationen hineinzubringen.

Damit sind wir bei der unabdingbaren Voraussetzung für jede echte, tiefgründige Heilung. Das ist, die persönliche Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Aus diesem Grund ist die nachhaltigste Therapieform jene, die dem Klienten im Zuge der Traumaklärung hilft, wieder sanft in das Bewusstsein von Eigenmacht, von Unterscheidungskraft, von bewusster Wahl und echter Freiheit zu kommen.

RPT – Reference Point Therapy … is … Rapid Personal Transformation – basiert auf diesem Heilansatz und versteht daher Traumaheilung als Bewusstseinssteigerung durch Aktivierung der inneren Ressourcen.

Tatsächlich meinen viele Menschen, die ein Trauma „loswerden“ wollen, dass sie danach die gleiche Person minus dem Trauma sein könnten, als wäre die Erfahrung gelöscht. Wäre das der Fall, hätte keine Heilung stattgefunden, zumindest nicht in dem Sinne, wie Heilung bei der Arbeit mit RPT verstanden wird. Denn Trauma bedeutet hier per se, dass essentielle Seelenqualitäten, vitale Ressourcen, natürliche Fähigkeiten unterdrückt bzw. niemals aktiviert worden sind. Wird Trauma geklärt, steigen eben jene Kräfte und Ebenen des Seins hoch und es stellt sich ein neuer Bewusstseinszustand ein. Das Ziel der Heilarbeit ist nicht, bloß das Trauma zu klären, sondern wieder in den lebendigen Fluss des Lebens einzusteigen, lustvoll zu lernen, über sich hinaus zu wachsen und sich schöpferisch zu entfalten. Oder anders gesprochen: die Identität einzunehmen, die man wirklich haben möchte, von der man erkennt, dass sie wahre, bleibende Freude vermittelt.

Für die Heilung eines Traumas ist es zunächst wichtig anzuerkennen, dass es ein Trauma gab, denn das öffnet den Weg für die Anerkennung der unterdrückten bzw. unbewussten Gefühle. Es bedeutet, sich zu erlauben, seine Gedanken und Gefühle pur und unverfälscht wahrzunehmen, ganz ohne Drama und Geschichten. Ein RPT-Klient braucht daher nicht über sein Trauma zu sprechen – eine wesentliche Stärke der Traumaarbeit mit RPT. Vielmehr ermöglicht der RPT Prozess, sich ruhig und besonnen das Wesentliche anzuschauen, nämlich wie die Gefühls- und Reaktionsmuster im Körper verschaltet sind. Die Besonderheit bei RPT liegt darin, noch tiefer zu gehen als nur an Gefühlen und Emotionen zu arbeiten. Die entscheidende Ebene, auf die es ankommt, ist die der Überlebensinstinkte. Denn diese spielen eine elementare Rolle bei traumatischen Erfahrungen und helfen zu erkennen, warum der Körper unbewusst am Trauma festhält. Mit der Klärung – raus aus dem Überlebensmodus, rein ins Leben – kommen die natürlichen Ressourcen wieder zum Vorschein, die Seelenkräfte entfalten sich.

Das Spannende bei RPT ist, dass Trauma über verschiedene Zugänge geheilt werden kann.

Das Wissen, dass eine emotionale Disposition zur Wiederholung eines Traumas führt, erklärt, warum es oft viel sinnvoller ist, zu einem früheren Trauma zurückzugehen. Zumeist ist das eine Erfahrung in der Kindheit. Heilungen auf dieser Ebene sind wesentlich tiefgründiger, als am „aktuellen Trauma“ zu arbeiten. Doch es gibt noch effizientere Zugänge, und das ist die Arbeit mit den Schlüsselereignissen in der Entwicklung. Trauma kann bereits in der Ei- und Samenzelle vorliegen: Jene Energiemuster, die das heranwachsende Leben im Mutterbauch prägen, manifestieren sich später als Lebensmuster. Eine Heilung auf dieser Ebene bedeutet daher die Klärung von ganzen Mustern anstelle von einzelnen traumatischen Erfahrungen. Es bedeutet auch die Wiederherstellung der Schönheit des natürlichen Seinszustandes. Eigentlich käme jedes Baby schon erleuchtet zur Welt, wenn es nicht in den neun Monaten der Reifung oder bei der Geburt Trauma erfahren würde, das sich in sein Körpergedächtnis einnistet.

Woher kommt pränatales Trauma? Scheinbar zunächst direkt von der Mutter, aber auch vom Vater. Doch woher haben die Eltern ihr Trauma? Es kommt aus der Ahnenlinie.  Und hier zeigt sich, dass wir, ob wir wollen oder nicht, doch viel mehr mit unseren Vorfahren verbunden sind als wir glauben. Die Epigenetik verdeutlicht die Zusammenhänge warum Trauma, das unseren Groß- oder Urgroßeltern zugestoßen ist, z.B. Krieg oder Hungersnot, einen konkreten Einfluss auf unser Befinden haben kann. Die Heilung einer solchen gesundheitlichen oder emotionalen Störung wird daher auch die innere Repräsentanz der Eltern und Vorfahren mit einbeziehen und eröffnet damit nebenbei eine weitere Ebene entgrenzenden Bewusstseins.

RPT basiert auf Erkenntnissen aus der evolutionären Biologie, Epigenetik, Psychologie und Gehirnforschung, und kombiniert diese mit der Essenz der traditionellen Weisheitslehren.

Indem RPT erkennendes Fühlen und Verstehen in unsere eigene Biologie und die automatischen Körperprozesse bringt, also Bewusstsein in diese Ebenen unseres Seins strömen lässt, findet tiefgreifende Heilung statt. Die Eigenmacht erwacht. Mit jedem Trauma(muster), das geklärt ist, gewinnt auch die Seele wieder mehr Raum, in dem sie ihre leuchtende Kraft, ihre Freiheit und Freude frei entfalten kann.


Oya Erdogan ist RPT Professional Coach und Trainer, mit Praxis in Berlin-Charlottenburg. Sie gibt RPT Seminare als Ausbildung für Therapeuten, Heilpraktiker und Coaches, aber auch für Personen, die gerne mit sich selbst arbeiten, um ihre gesundheitlichen und persönlichen Ziele zu erreichen.

Weitere Infos zu RPT: www.rpt-berlin.com

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