„Auf der Suche nach Heilern“ – Filmbesprechung

auf der suche nach Heilern_Rosa von Praunheim_MYSTICADer bekannte Filmemacher Rosa von Praunheim  (geb. 1942) hat im Auftrag des WDR einen Dokumentarfilm über Heiler gemacht, der kostenlos im Internet zu sehen ist. Er spricht darin mit Heilpraktikern und Schamanen, Ärzten und Wissenschaftlern, zeigt berührende Fälle von Kranken und ist auch selbst der zu behandelnde Patient. Der Mensch steht im Mittelpunkt, darf sich ohne Bewertung zeigen wie er ist. Den Tipp zu diesem hervorragenden Film erhielt ich während eines kurzen Telefoninterviews von Andreas Krüger, der in dem Film eine Hauptrolle spielt. Doch zunächst möchte ich kurz den Film in seinem Ablauf beschreiben.

Rosa von Praunheim stellt sich gleich zu Beginn als ein Hypochonder vor, der alles über mögliche Heilmittel herausfinden möchte. Zu seinen Leiden gehört eine Reizblase, auf die ein Urologe sehr sachlich und eine Heilerin mit großem Herz, Umarmung und weißen Kügelchen eingeht. „Die Homöopathie-Lüge“ So lautet der provokante Titel eines Buches des Biologen und Medizinjournalisten Dr. Christian Weymayr. Sie sei wie anderer Hokuspokus zwar wirksam, aber nicht aus sich heraus, sondern durch den Glauben. Doch den hätten über die Hälfte aller Ärzte, die in Deutschland Homöopathie anbieten, gar nicht, und das sei eine Lüge. Dagegen setzt Andreas Krüger, Heilpraktiker und Leiter der Samuel-Hahnemann-Schule in Berlin:„Alle Heilpraktiker zusammen bringen höchstens ein Prozent der Leute um, die durch die so wunderbar ausgebildete Schulmedizin und Pharmaindustrie sterben“.

Ein sympathischer junger Musiker singt zur Gitarre gegen seine multiple Sklerose an. Ein Paar um die 50, früher beide Musiker im Bereich Klassik, demonstriert recht überzeugend Heilkünste an einem Patienten. Jürgen Fliege moderiert auf seiner Tagung in Bad Wörishofen und lädt Benediktinermönch Anselm Grün zum Rednerpult. Der legt später in der Schlange stehenden Menschen seine heilenden Hände auf den Kopf.Zhi Gang Sha ruft in dramatischen Ansprachen und Gesängen zur Selbstheilung auf.Bernd Kramer, Journalist, verkauft auf Esoterikmessen Rückenkratzer als „Karmaharke“ und viele glauben ihm. Heidrun Berlin behandelt als Physiotherapeutin einen Physiker, der durch einen Schlaganfall gelähmt wurde und langsam Fortschritte macht. Er lallt (sinngemäß): „Wäre alles wie erwartet verlaufen, würde ich heute in irgendeinem Institut vergammeln. Doch so habe ich etwas Wesentliches erfahren.“ Für mich eine der Tränentreibenden Filmszenen.

Hier der Filmtrailer:

Überall schwingen Herz, Hoffnung und auch Humor mit. Köstlich etwa, wenn Rosa nach der strengen Kur unter der Anleitung von Diätassistentin Janet in seinem Kühlschrank nur noch eine Karotte findet und wie ein Kaninchen darauf herumknabbert. Immerhin kann er am Ende des 82-minütigen Films feststellen, dass er fast 15 Kilo abgenommen hat.

Vom EthnobotanikerDr. Christian Rätsch erfahren wir, dass ihn die psychoaktiven Substanzen glücklich gemacht haben und nur Alkohol destruktiv sei. Wolf-Dieter Storl erklärt in seiner Allgäuer Natur, wie uns die Geister der Pflanzen zum Heilen führen. Die beiden kommen mir vor wie die mexikanischen Schamanen Don Juan und Don Genaro aus den Erzählungen von Castaneda. Dazu gehört dann auch die Zauberin Florinda Donner-Grau, hier in Gestalt der spirituellen Lehrerin Marianand, die kein Blatt vor den Mund nimmt, zur Selbsterkenntnis in der Natur anleitet und von langjährigen Schülern verehrt wird.

Immer wieder taucht mit Berliner Schnauze und einer „Nichts von heilig“ Bodhidharma-Haltung Andreas Krüger auf. Gut vierzig junge Schülerinnen beginnen unter seiner Leitung ein neues Ausbildungsjahr. „Der Heiler muss mit dem Mut eines Kriegers vorgehen. Er darf nicht zurückschrecken, vor keiner Krankheit, vor keinem Pharmakonzern, vor keinem Dämon.“ Gegen Ende des Films liegt Rosa von Praunheim wie aufgebahrt im Raum, während Krüger und seine SchülerInnen indianische Heilrituale durchführen und verlorene Seelenanteile zurückbringen. Ein Urologe bestätigt, dass die Reizblase bei Rosa kein Anzeichen von Krebs, sondern eher somatisch bedingt sei. Da gibt es also viel Spielraum für die Psyche und die Heiler.

Rezension von Christian Salvesen

 

Infos zum Film – hier könnt Ihr ihn ansehen:
Rosa von Praunheim: „Auf der Suche nach Heilern“, WDR 25.09.2014 | 82:54 Min.
(Als DVD erhältlich über www.bücher.de, Info: www.rosavonpraunheim.de)

Buchtipp:
Andreas Krüger und Haidrun Schäfer: Heiler und heiler werden. Simon+Leutner

 

MYSTICA DVD – Film zum Thema: „Die Quintessenz – Wie Heiler wirken“

 

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